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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025

Neubau Rathaus Kupferstadt Stolberg

Perspektive Kaiserplatz
7

Perspektive Kaiserplatz

ein 2. Preis

Preisgeld: 105.046 EUR

kadawittfeldarchitektur

Architektur

GREENBOX Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

KEMPEN KRAUSE INGENIEURE GmbH

Tragwerksplanung

Inco Ingenieurbüro GmbH

TGA-Fachplanung

loomilux

Visualisierung

Erläuterungstext

Der Entwurf für das neue Rathaus Stolberg bildet einen flachen, dreigeschossigen Baukörper mit grünen Innenhöfen und klarer städtebaulicher Haltung am Kaiserplatz. Der Entwurf erschließt das Gebäude barrierefrei von zwei Seiten und entwickelt daraus eine Willkommensgeste – mit Haupteingang am Kaiserplatz und weiterem Zugang vom Bahnhof.

Im Erdgeschoss befinden sich die publikumsnahen Funktionen: Info-Point, Bürgerservice, Ausstellungsbereich sowie Kantine und Meetingzentrum rund um die Innenhöfe. Die Arbeitswelten in den Obergeschossen sind nach dem Prinzip des „Activity Based Working“ organisiert: Zwei Nachbarschaften pro Geschoss teilen sich zentrale Meeting-Points, Rückzugsorte und kommunikative Flächen. Innenhöfe, Dachterrassen und ein Wintergarten ermöglichen auch ein Arbeiten im Freien.

Die Erschließung folgt einem modularen Prinzip: Einzelne Bereiche wie Kantine, Eingänge oder Terrassen sind durch „herausgezogene“ Volumen definiert. Der gesamte Baukörper steht auf einem leicht erhöhten Sockel – als Hochwasserschutzmaßnahme und zur gestalterischen Einbindung in den Stadtraum. Eine offene Treppe verbindet die Ebenen, ergänzt durch einen zentralen Aufzug.

Die Konstruktion folgt dem Cradle-to-Cradle-Prinzip und soll per digitalen Gebäuderessourcenpass dokumentiert werden. Das Tragwerk der Bürobereiche ist als Holz-Hybrid-Skelett konzipiert. Tragende Bauteile werden sortenrein gefügt – ohne Klebstoffe oder Verbundmaterialien – und können später vollständig rückgebaut und wiederverwendet werden. Stahlbeton kommt nur dort zum Einsatz, wo es statisch oder zum Schutz vor Hochwasser erforderlich ist.
Auch im Betrieb ist das Gebäude konsequent nachhaltig geplant: PV-Anlage, Eisspeicher, Wärmepumpe und Regenwassernutzung sorgen für eine klimafreundliche Versorgung. Die Lüftung kombiniert mechanische Systeme mit natürlicher Belüftung. Eine DGNB-Zertifizierung in Platin wurde bereits im Entwurfsprozess mitgedacht.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf für das Neue Rathaus der Kupferstadt Stolberg ist sowohl in seiner städtebaulichen, maßstäblichen Einfügung, der dreigeschossigen Gebäudehöhe und der treibhausgasreduzierten Bauweise eine gelungene Antwort für einen zukunftsfähigen Baustein an einer repräsentativen Stelle der Innenstadt.

Vor allem gelingt der Entwurfsverfasserin ein offenes, leicht zugängliches und bürgerfreundliches Raumkonzept zu entwickeln, das einerseits einen eindeutigen, gut auffindbaren Zugang ausformuliert, andererseits auch die Durchwegung des Gebäudes ermöglicht und so die untergeordnete Seite zur Umgebungsstraße, aber auch zum Bahnhof attraktiviert.

Der tiefe Gebäudegrundriss ermöglicht, vor allem mit Hilfe mehrerer eingeschnittener, begrünter Innenhöfe, die gewünschte offene, zeitgemäße und flexible Nutzungsanordnung für Mitarbeiter und Besucher. Die Besprechungsräume und Anlaufstellen für die Bürger sind gut auffindbar, Wartebereiche und Meetingräume sind leicht zu erreichen. Alle auch von Externen zugänglichen Nutzungen sind im Erdgeschoss angeordnet. Über eine Freitreppe in der Sicherheitszone gelangen die Mitarbeiter in die Obergeschosse, in denen mit jeweils zwei Nachbarschaften und dazwischengeschalteten Meetingpoints ein innovatives und Kontaktfreudiges Arbeiten ermöglicht wird. Im Erdgeschoss überzeugt der Entwurf durch eine klare Strukturierung der Funktionen. Positiv ist die potenziell autarke Nutzung des Meeting-Zentrums bei entsprechendem Sicherheitskonzept – etwa außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Verwaltung. Dies stärkt die multifunktionale Nutzung des Rathauses.

Die öffentliche Besprechungszone und der Bürgerservice sind funktional mit dem Wartebereich verknüpft. Die aktuelle Anordnung dieser Bereiche wirkt hingegen beengt und erscheint in Hinblick auf Aufenthaltsqualität weniger einladend.

Das Back Office folgt der Prämisse ‘Form follows Function’. Durch die Integration von Lichthöfen lassen sich ergonomische Arbeitsplätze nicht nur entlang der Außenfassade, sondern flächendeckend in einer ABW-Umgebung realisieren. Der Entwurf ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsplatztypen, was die Wahlfreiheit der Mitarbeitenden fördert und verschiedene Bedürfnisse berücksichtigt.

Der zentrale Meeting-Point ist logisch in der Nähe des Haupttreppenhauses positioniert und verbindet die Nachbarschaften sinnvoll. Die mäandernden Strukturen mit wechselnden offenen und geschlossenen Bereichen schaffen eine hochwertige ABW-Umgebung ohne klassische Großraumbüro-Atmosphäre.

Der vorgelagerte Wintergarten wird in Bezug auf seine Nutzbarkeit an der Straße, wegen der schwierigen klimatischen Kondition im Süden und dem aufwändigen Unterhalt kritisiert.

Die vorgeschlagene Bauweise in Holz, Beton Hybridbauweise und das C2C Designprinzip sind positiv zu bewerten. Die nutzbare Dachlandschaft ist angemessen und gut gestaltet und bietet ausreichend Flächen für die Anordnung der Photovoltaikanlagen.

Die Ausbildung und Gestaltung der Fassaden mit Fensterbändern, ist Ausdruck der großen Flexibilität des Grundrisses, genügt aber nicht der Erwartung und der Bedeutung des neuen Rathauses. Es fehlt an einer Differenzierung, die ein `Mehr` als nur eine horizontale Glasfläche anbietet, die sich mit vorgehängten Keramikplatten abwechselt. Gerade im Zusammenhang mit der natürlichen Belüftung über die Fenster, werden keine gestalterischen Angebote für Scheibengrößen und Funktionalitäten angeboten.

Der Ausdruck, der an ein gängiges Bürogebäude aus einer anderen Epoche erinnert, ist nicht angemessen für ein zukunftsgerichtetes Bürgerhaus in räumlicher Nähe zu dem historischen Rathaus. Die leichte Überhöhung des Gebäudes an der Eingangsseite kann formal nicht überzeugen.

Das Freiraumkonzept zeichnet sich durch ein hohes Maß an Begrünung im direkten Umfeld des Neubaus aus. Dies ist nachvollziehbar, denn der Footprint des Neubaus ist relativ groß und die Flächen im Übergang zu den angrenzenden öffentlichen Räumen entsprechen eher Abstandsflächen. In dieser Logik ist auch der rückwärtige Zwischenraum am alten Rathaus als begrünte Fuge ausgebildete, durch die sich ein Weg von Norden in Richtung Vorplatz vor dem neuen Haupteingang des Rathauses schlängelt.

Die Wahrnehmbarkeit des Haupteinganges aus Richtung Kaiserplatz wird über eine große Öffnung im grünen Saum platzartig gestaltet. Über Schreitstufen wird der Höhenunterschied sanft überwunden. Ein Fontänenfeld ergänzt den Bereich sinnvoll und erhöht die Wahrnehmbarkeit des zurückgezogenen Entrees. Entlang der Stufenanlage kann man die Grünfläche des Rathauses auch barrierefrei über eine Rampe erreichen. An der nordöstlichen Gebäudeseite schiebt die Kantine eine Terrasse in die Grünfläche, die dadurch einen Bezug in den öffentlichen Raum erhält. Durch das Höhenniveau ist diese aber nicht direkt von außen zugänglich. Auf der Südwest Ecke soll ein kleiner Vorplatz die Besucher von der Bahnhaltestelle auffangen was insgesamt zu einer guten Erreichbarkeit des Hauptfoyers führt und positiv bewertet wird.

Im Gebäudeinneren erhöhen 4 grüne Höfe den Außenbezug, belichten die angrenzenden Büros und sind auch über kleine Terrassen für die Mitarbeiter der Verwaltung nutzbar. Das Flachdach des neuen Rathauses ist als intensiv nutzbares Gartendach konzipiert, das neben seiner ökologischen und kühlenden Funktion auch als Retentionsdach dient und bei Starkregenereignissen Wassermengen zurückhalten kann und Abflussspitzen minimiert. Die Dachflächen sind begehbar und können von den Mitarbeitern als Rückzugsbereich unter freiem Himmel genutzt werden. Bemerkenswert ist, dass nicht nur das Kellergeschoss, sondern auch das Erdgeschoss hochwasserresilient ausgebildet werden soll. Der nur 3-geschossige Baukörper wirkt sich auch positiv auf die Kaltluftschneise aus. Das Technikkonzept mit einer Eisspeicherheizung und einer aktiver Flächenbeheizung und einer natürlichen Belüftung in Verbindung mit einer Verdunstungskühlung und einer mechanischen Lüftungstechnik scheint schlüssig. Die Technikflächen befinden sich im Untergeschoß und teilweise auf dem Dach.

Abgesehen von der zu zurückhaltenden Gestaltung und der somit geringen und kaum unverwechselbaren Identität des Gebäudes, stellt der Entwurf einen angemessenen, wirtschaftlichen Beitrag vor, der mit seinen inneren Werten für die gute Nutzbarkeit für Bürger und Mitarbeiter eine wertvolle Antwort auf die Aufgabenstellung anbietet.
Lageplan

Lageplan

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Grundriss Obergeschoss

Klimaschnitt

Klimaschnitt

Dachlandschaft mit Ausblick

Dachlandschaft mit Ausblick

Perspektive An der Krone

Perspektive An der Krone