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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2015

Neubau Rathaus / Neugestaltung San-Biagio-Platani-Platz

Perspektive San-Biagio-Platani-Platz

Perspektive San-Biagio-Platani-Platz

Anerkennung

Preisgeld: 4.000 EUR

ama_architekturbĂŒro michael auerbacher

Architektur

ErlÀuterungstext

Das neue Rathaus definiert als markanter Punkt im Stadtgrundriss den Ort der neuen Mitte von Remchingen. Der "Leuchtturm" ist durch seine Fernwirkung aus den einzelnen Ortsteilen wahrnehmbar und weist den Weg zum Zentrum. Aus der Komposition des flĂ€chigen Sockels und des vertikalen Turms entsteht eine spannungsreiche Gesamtfigur : das Rathaus wirkt als "Campanile" in den Freiraum des San-Biagio-Platani-Platzes - der Sockel bildet differenzierte und maßstĂ€bliche öffentliche Raumzonen aus und schirmt den StrassenlĂ€rm vom Platz ab. Die fließende Form des Sockels wird vom öffentlichen Raum und den Wegebeziehungen umspĂŒlt. Die Ausformung des Sockels bildet auch einen Eingangssituation des Rathauses Richtung SĂŒdosten an der Hauptstrasse aus und schafft somit eine Adressbildung zur Stadtseite.
Die Verwaltungsnutzungen des Rathauses stapeln sich vertikal im Turm - die Nutzungen der Gastronomie sowie BĂŒrgerbĂŒro und Kartenverkauf entwickeln sich horizontal im Sockelgeschoss. Der Ratssaal liegt gut auffindbar und erreichbar im EG und kann sich bei Veranstaltungen rĂ€umlich zum Platz orientieren. Die MietflĂ€chen im Turm sind separiert erschlossen und im Falle einer Rathauserweiterung gut zuschaltbar.
FĂŒr die bestehende Parkierung der Kulturhalle wird eine neue Lage parallel zur B 10 vorgeschlagen. Dadurch kann westlich der Kulturhalle ein grĂŒner Freiraum (Aufenthaltsbereiche zur Naherholung) mit Vernetzung zum Landschaftselement der Pinz geschaffen werden. Mit der baulichen ErgĂ€nzung z.B einer Bibliothek/Mediathek entsteht ein rĂ€umliches Pendant (grĂŒner Stadtgarten) zum "steinernen" Stadtplatz. Die vorhandenen Fußwegbeziehungen entlang der Hauptstrasse und der Pinz werden aufgenommen und mit den neuen Platzsituationen vernetzt. Anstelle der FusswegunterfĂŒhrung nach Norden Richtung Singen wird ein "BrĂŒckenschlag" als leichter Steg ĂŒber die B 10 und die Gleisanlagen vorgeschlagen. Damit wird die Vernetzung der Ortsteile zeichenhaft wahrnehmbar.
Der Platani-Platz wird verkehrsfrei gestaltet. Robuste und einfache Materialien sowie ein einheitliches Möblierungs- und Beleuchtungskonzept schaffen eine hohe Gestaltungs- und AufenthaltsqualitÀt. Der "steinere" Stadtplatz interagiert rÀumlich und funktional mit dem nordwestlichen Stadtgarten. Es ensteht ein differenziertes Freiraum- und Nutzungsangebot.
Eine TG unter dem Platani-Platz nimmt die Parkierung des Rathauses auf und schafft Ersatz fĂŒr entfallende vorhandene ergeschoßige StellplĂ€tze. Behinderten-StellplĂ€tze werden ergeschoßig angeboten.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das neue Rathaus definiert als markanter Hochpunkt in einem heterogenen Stadtgrundriss einen neuen Ort und schafft hier zu den einzelnen Ortsteilen eine Signal- und Fernwirkung. Eine Komposition von flÀchigem Sockel und vertikalem Turm lÀsst eine spannungsvolle Gesamtfigur entstehen, die im Zusammenspiel angemessene und differenzierte Stadt- und FreirÀume entstehen lÀsst.
Die windmĂŒhlenartig, freigeformte und zum Teil durchlĂ€ssige Sockelzone nimmt ebenerdig die Saalnutzung und GastronomiemietflĂ€chen auf und bildet ĂŒberzeugende Eingangs- und Aufenthaltszonen mit guten Proportionen.
Die Cafenutzung im SĂŒden des GrundstĂŒcks ist positiv – jedoch schrĂ€nkt die Lage der Tiefgaragenabfahrt im Westen die Außengastronomie erheblich ein.
Der ebenerdig angelegte Ratssaal mit Blickbeziehung zur Kulturhalle zeigt BĂŒrgernĂ€he und ermöglicht die gewĂŒnschte Fremdnutzung. Allerdings wird die Gleichbehandlung von Gastronomie und Saal rĂ€umlich und gestalterisch kontrovers diskutiert, bzw. in Frage gestellt.
Die FreiflĂ€chengestaltung der PlĂ€tze wirkt noch unschlĂŒssig und wenig differenziert. Insgesamt schiebt sich die noch sehr groß wirkende Tiefgarage zu nah an die Kulturhalle und dem westlichen NachbargebĂ€ude heran. Ein 2.UG unterhalb der Tiefgarage wird als unwirtschaftlich eingestuft.
Die Verwaltung in Ämtern schiebt sich vertikal im aufragenden 8-geschossigen Turm nach oben und ist in ihrer windmĂŒhlenartig angelegten Organisationsstruktur gut strukturiert. Hinsichtlich einer „Ämterbildung“ innerhalb einer Ebene bietet diese jedoch wenig FlexibilitĂ€t und lĂ€sst fĂŒr die BĂŒrger die gewĂŒnschte Offenheit und Orientierung vermissen. So gruppieren sich im Inneren des Turmes Informationszonen um einen Technikkern, lassen offene Kommunikationszonen aber vermissen.
Die Fremdvermietung ist in den oberen beiden Turmgeschossen ĂŒber die Rathauserschließung erreichbar.
Die Arbeit stellt in der Vielfalt der Lösungen einen interessanten Typus dar, der jedoch in der Ă€ußeren Gestalt mit seiner austauschbaren Architektursprache eines Verwaltungsbaus wenig den Typus eines Rathauses reprĂ€sentiert.
Lageplan

Lageplan