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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2018

Neubau Reha-Zentrum der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern in Bayreuth

Modellfoto

Modellfoto

1. Preis

Preisgeld: 91.025 EUR

HASCHER JEHLE Architektur

Architektur

G├Ąn├čle + Hehr Landschaftsarchitekten PartGmbB

Landschaftsarchitektur

Erl├Ąuterungstext

St├Ądtebau
F├╝r das neue Reha-Zentrum Bayreuth schlagen wir eine lockere Pavillonstruktur vor, die auf dem h├Âher gelegenen n├Ârdlichen Flurst├╝ck platziert wird. Drei Pflegepavillons werden um den zentralen Bauk├Ârper, das Medizinische Zentrum herum angeordnet und mit transparenten Stegen angebunden. Die kleinteilige Geb├Ąudestruktur f├╝gt sich gut in die l├Ąndliche Umgebung ein. Die zwei- bis dreigeschossigen Bauk├Ârper zeichnen sich durch eine ma├čvolle H├Âhenentwicklung aus. Jeder Pavillon besteht aus zwei sich ineinander verschr├Ąnkenden quadratischen Bauteilen, die sich in den Landschaftsraum ├Âffnen und vielf├Ąltige Ausblicke f├╝r die Patienten schaffen. Die Pavillons sitzen auf einem Sockelbauwerk auf. Das Sockelbauwerk tritt auf der Stra├čenseite baulich in Erscheinung und bindet hangseitig in die Topographie ein.
Die Bauk├Ârper ├Âffnen sich zur Stra├če hin durch eine U-f├Ârmige, einladende Geste, die den gro├čz├╝gigen Eingangsvorplatz st├Ądtebaulich fasst.


Anordnung der Funktionen
Patienten und Besucher erreichen das Geb├Ąudes ├╝ber den s├╝dlich vorgelagerten Eingangsvorplatz. Von der gro├čz├╝gigen Eingangshalle aus wird der gesamte Therapiebereich auf ├╝bersichtliche Weise ebenengleich erschlossen. Die Physikalische Therapie wird ├╝ber die Nord-S├╝d-Magistrale, die Ergotherapie das Diagnostikzentrum, sowie der Schulungsbereich ├╝ber die OST-West-Magistrale angebunden. Innenh├Âfe bringen Tageslicht ins Innere des Geb├Ąudes und schaffen eine freundliche helle Atmosph├Ąre, die Orientierung, Begegnung und Kommunikation erm├Âglicht und f├Ârdert.

Die Pflegebereiche sind auf zwei Pflege-Ebenen mit jeweils 150 Betten verteilt. Im 1.Obergeschoss befindet sich die Orthop├Ądie und die Onkologie, im 2. Obergeschoss wird die Psychosomatik verortet. Beide Pflege-Ebenen gliedern sich jeweils in drei Teilstationen a 50 Betten, die sich um das Medizinische Zentrum gruppieren. Das Medizinische Zentrum wird mit dem Diagnostikzentrum und der Eingangshalle ├╝ber die Vertikalerschlie├čung direkt verkn├╝pft. Die drei Teilstationen werden zus├Ątzlich an die Erdgeschossebene angebunden. ├ťber je eine Freitreppe bzw. ├╝ber Fahrst├╝hle gelangt man in die Magistralen des Erdgeschosses.

Der Speisesaal f├╝r die Patienten und das Personal wird auf dem Dach des Medizinischen Zentrums im 3. Obergeschoss verortet. Patienten, Besucher und Personal erhalten von allen Sitzpl├Ątzen aus einen sch├Ânen Rundumblick in die umgebende Landschaft. Dem Speisesaal wird umlaufend eine teil├╝berdachte Au├čenterrasse vorgelagert. Der Speisesaal wird mit Speise- und Geschirrlift direkt an die K├╝che im UG angebunden. ├ťber die Personenlifte und Freitreppen erreicht man die Eingangshalle.

Im Untergeschoss befindet sich die Ver- und Entsorgung sowie die Haustechnik des Geb├Ąudes. Die Speisenproduktion dient die Buffetausgabe des Speisesaals im 3. Obergeschoss mit einem Speisenlift direkt an. Die Geschirr├╝ckgabe erh├Ąlt einen separaten Lift, der in die Sp├╝lk├╝che f├╝hrt. Lichth├Âfe versorgen die vorhandenen Arbeitspl├Ątze mit Tageslicht.


Wirtschaftlichkeit und Materialit├Ąt
Mit Holz wird ein nat├╝rliches Material vorgeschlagen, das eine hohe gestalterische und haptische Qualit├Ąt bietet und der Fassade eine Lebendigkeit verleiht. Die Pflegepavillons erhalten im Sinne eines nachhaltigen Co2-neutralen Ansatzes eine vertikale, s├Ągeraue L├Ąrchenholzbretterschalung. Diese ist ├Ąu├čerst preisg├╝nstig und gleichzeitig sehr witterungsbest├Ąndig. Erg├Ąnzt wird der Materialkanon um gliedernde Sichtbeton-Elemente aus Fibre-C und Glasfl├Ąchen. Letztere werden durchgehend als 3-fach-Verglasung ausgef├╝hrt. Der Verglasungsanteil ist insgesamt als moderat anzusehen. Der Sonnenschutz wird als au├čenliegender und beweglicher Aluminium-Raffstore ausgef├╝hrt. Die M├Âglichkeit der L├╝ftung ├╝ber Fenster wird - wo sinnvoll - weitestgehend genutzt. In anderen Bereichen wird die Verglasung als wirtschaftliche Festverglasung ausgef├╝hrt.
Die kompakte und einfache Bauweise mit StB-St├╝tzen bzw. W├Ąnden kombiniert mit Flachdecken, gew├Ąhrleistet schnellen Baufortschritt und niedrige Kosten. In die wirtschaftliche Stahlbetonkonstruktion werden der notwendige Ausbau und die Fassadenelemente modular und flexibel eingebaut. Massive Decken und W├Ąnde dienen als Speichermassen und verbessern das Innenklima.
Der Entwurf zielt auf eine in sich schl├╝ssige L├Âsung und ein optimales Nutzungskonzept in Bezug auf Qualit├Ąt und Wirtschaftlichkeit ab. Insgesamt wird ein sehr wirtschaftlicher Betrieb erreicht.


Freifl├Ąchenkonzept
Ma├čgebend f├╝r die Gestaltung und Funktionalit├Ąt der Au├čenanlagen sind in erster Linie die Interessen der Patienten, Mitarbeiter und Besucher. Ziel ist es, dass die Durchf├╝hrung von Reha- Ma├čnahmen unter besten Bedingungen erfolgt und die Au├čenanlagen in ihrer Gestaltung dazu beitragen und das Konzept dahingehend unterst├╝tzten.
Die geforderten Stellpl├Ątze werden radial zur Thermenalle├ę positioniert und in ihrer Gestaltung landschaftlich eingebettet. Durch gro├čz├╝gig verteilte Gr├╝nfl├Ąchen und Baumstellungen, in diesem Bereich, f├╝gen sie sich ganz harmonisch in das gegebene Landschaftsbild ein. Der Radfahrer f├Ąhrt in Zukunft ungehindert s├╝dlich der Stra├če, entlang der Baumreihen.
Der Vorplatz des Reha- Zentrums wurde optisch vergr├Â├čert und durch seinen charakteristischen Belag zu einem adressbildenden Eingangsbereich mit zus├Ątzlich Sitzgelegenheiten und weiterer Vegetation ausgestaltet.
Die Au├čenr├Ąume wurden mit vielf├Ąltigen Freizeitangeboten versehen, sodass auch au├čerhalb der Behandlungszeiten ausreichend f├╝r das Wohl der Patienten gesorgt ist. Hier gibt es neben sportlichen Bereichen, ebenso Aufenthaltszonen in denen man sich in der Natur ausruhen kann um zur Ruhe zu kommen und abzuschalten.
Auf der gro├čz├╝gig gestalteten Terrasse werden die Nutzungsangebote sowie die Formsprache weitergef├╝hrt, um das Geb├Ąude mit dem Au├čenraum zu verzahnen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die st├Ądtebauliche Setzung mit den vier Geb├Ąudekuben ├╝berzeugt in der Proportion und der H├Âhen-entwicklung, besonders unter Ber├╝cksichtigung der anspruchsvollen Topographie. Es erfolgt einen Verzahnung des Neubaus mit der Landschaft. Die Fern- und Nahwirkung im direkten Umgebungsfeld der Bauma├čnahme erlaubt w├╝nschenswerte Ein- und Ausblicke. Die Ma├čst├Ąblichkeit der unterschied-lichen Pavillons findet sich in der n├Ąheren Umgebung wieder und f├╝hrt zu einem st├Ądtebaulichen Gan-zen.
Die Au├čenfl├Ąchen der Therapie wurden benutzerfreundlich in den s├╝dwestlichen Landschaftsraum eingebunden und versprechen eine hohe Aufenthaltsqualit├Ąt f├╝r die Patienten. Durch die Lage der Therapiebereiche zum Landschaftsraum des Roten Mains wird eine direkte Einsehbarkeit zum Umge-bungsverkehr der Therme vermieden.
Der Eingangsbereich liegt folgerichtig in der Verl├Ąngerung der Thermenallee und weist eine gute Pro-portion bzgl. der ankommenden Patientengruppen auf. Die flankierenden Stellpl├Ątze liegen durch ei-nen gesch├╝tzten Gr├╝nbereich in guter Entfernung und leicht auffindbar zum Eingangsbereich. Die La-ge und Proportion der Eingangshalle ├╝berzeugt und wird durch die dahinter angeordneten Lichth├Âfe mit Tageslicht versorgt. Die ben├Âtigten Nebeneing├Ąnge, wie z.B. f├╝r das Berufsf├Ârderungswerk, liegen unter den Aspekten der Funktion an der richtigen Stelle. Die Belichtung der Hauptmagistrale in den Therapiebereichen durch die Anordnung der Innenh├Âfe und den unterst├╝tzenden Lichteinfall durch die Oberlichter wird positiv gew├╝rdigt. Die Lage der Zufahrt zum Wirtschaftshof ist gut gew├Ąhlt, da sie Eingriffe in den Landschaftsraum auf ein Minimum reduziert, Konflikte vermeidet und die Au├čenberei-che der Therapie nicht st├Ârt. Die Haupterschlie├čung zu den einzelnen Bettenpavillons erfolgt ├╝ber eine zentrale Aufzugsgruppe ├╝ber das ÔÇ×Medizinische ZentrumÔÇť zu den St├╝tzpunkten auf den Pflegeebenen.
Jeder der 3 Pflegepavillons verf├╝gt ├╝ber eine attraktive Innentreppe zum Innenhof mit integrierter Auf-zugsanlage, die eine kurze Anbindung an die Therapiebereiche erm├Âglichen. Die bauliche Ausbildung der Verbindungsstege vom ÔÇ×Medizinischen ZentrumÔÇť zu den Pavillons ist bei der Ausgestaltung be-sondere Beachtung zu schenken hinsichtlich thermischer und visueller Ausgestaltung. Insbesondere ist die Flurbreite zu beachten.
Die funktionalen Anforderungen werden im Sinne der Auslobung in vorbildlicher Art und Weise erf├╝llt, insbesondere gilt dies f├╝r die Ausgestaltung der zusammenh├Ąngenden Pflegest├╝tzpunkte und der zentralen Lage der ÔÇ×Medizinischen ZentrenÔÇť. Die Lage der Innenh├Âfe erm├Âglicht eine optimale Versor-gung der Therapier├Ąume mit Tageslicht und Au├čenraumbezug. Die Anordnung aller Patientenzimmer nach au├čen zum umgebenden Gr├╝nraum verspricht einen hohen visuellen Komfort f├╝r den Patienten w├Ąhrend seines mehrw├Âchigen Aufenthaltes. Die Anordnung des Speisesaals auf der obersten Dach-ebene ist im Hinblick auf eine hohe Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit positiv zu w├╝rdigen und er-laubt einen freien Rundumblick in den umgebenden Landschaftsraum. Die funktionale Trennung von K├╝che und Speisesaal bedarf jedoch ggf. einer logistischen ├ťberpr├╝fung der Warenstr├Âme.
Die Proportionen der Fassadengestaltung werden positiv gew├╝rdigt, auch die Reduzierung auf wenige Materialien und die Ausbildung einer klaren Sockelzone mit den aufgesetzten 2-geschossigen Holz-pavillons ├╝berzeugt in gestalterischer Hinsicht.
Alle Patientenzimmer orientieren sich nach au├čen und bieten so eine hohe Qualit├Ąt f├╝r Tageslicht und Ausblick. Die Gr├Â├če der Innenh├Âfe erscheint angemessen und erm├Âglicht attraktive Erschlie├čungswe-ge mit hohem Au├čenbezug. Die Ausformulierung der Verbindungsstege wurde diskutiert und die An-forderungen an Witterungsschutz und Konditionierung muss in der weiteren Ausarbeitung untersucht werden. Die Verschattung wird mittels eines au├čenliegenden Raffstores gew├Ąhrleistet. Die Wartung und Reinigung der Innenhoffassaden scheint ungel├Âst. In der Gesamt├╝bersicht der Investitions- und Nutzungskosten entsprechend der Gesamtbilanz der Vorpr├╝fung liegt die Arbeit im sehr wirtschaftli-chen Bereich.
Insgesamt ├╝berzeugt die Arbeit in st├Ądtebaulicher, funktionaler und gestalterischer Hinsicht und stellt einen wichtigen Beitrag zur angedachten Realisierung der Bauma├čnahme dar.
Lageplan

Lageplan

Ansicht

Ansicht

Schnitt

Schnitt

Ausblick Patientenzimmer

Ausblick Patientenzimmer