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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2026

Neubau SchulgebÀude West I am Gymnasium Greven

Außenperspektive_Blick zum Haupteingang
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Außenperspektive_Blick zum Haupteingang

1. Preis

Preisgeld: 83.200 EUR

HASCHER JEHLE Architektur

Architektur

studio grĂŒngrau GmbH

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Entwurfskonzept
Mit dem Neubau des SchulgebĂ€udes West I wird der bislang fragmentierte Schulcampus zu einem klar strukturierten und zukunftsfĂ€higen Ensemble weiterentwickelt. Ziel des Entwurfs ist es, die beidseits der Lindenstraße liegenden Schulbereiche rĂ€umlich und funktional enger miteinander zu verknĂŒpfen und zugleich eine identitĂ€tsstiftende Mitte fĂŒr den westlichen Campusbereich zu schaffen.
Der Neubau versteht sich als vermittelnder Baustein zwischen Bestand und Freiraum. Durch eine prĂ€zise Setzung und eine kompakte Bauweise entsteht ein robustes, wirtschaftliches und zugleich flexibles SchulgebĂ€ude, das den Anforderungen eines modernen, inklusiven und pĂ€dagogisch ganzheitlichen Lernumfelds gerecht wird. Transparenz, Orientierung und vielfĂ€ltige Raumangebote unterstĂŒtzen dabei das Leitbild der „Schule als dritter PĂ€dagoge“.
Ein wesentliches Entwurfsmerkmal ist der zentrale und zusammenhĂ€ngende Campus, was eine Lage des Neubaus in den Fluchten der Bestandsbauten erfordert. ZusĂ€tzlicher Vorteil dieses Konzepts ist, dass dadurch auf zusĂ€tzliche Interimsbauten verzichtet werden kann. Diese Strategie ermöglicht nicht nur eine erhebliche Reduktion der Bau- und Betriebskosten, sondern gewĂ€hrleistet auch eine hohe KontinuitĂ€t im Schulalltag mit minimalen organisatorischen Eingriffen. Der Schulbetrieb bleibt ĂŒber den gesamten Bauprozess hinweg nahezu uneingeschrĂ€nkt aufrechterhalten. Der 1.Bauabschnitt umfasst alle wesentlichen Funktionen, im 2.BA werden lediglich die EG-Zonen erweitert, die campusorientierten Terrassen ergĂ€nzt und schließlich die neue Mitte – der zentrale Campus hergestellt.

StÀdtebau und Freiraum
Der Baukörper wird entlang der nördlichen GrundstĂŒcksgrenze positioniert und formuliert gemeinsam mit den bestehenden GebĂ€uden eine klare rĂ€umliche Ordnung des Campus. Durch diese Setzung entsteht ein großzĂŒgiger, zusammenhĂ€ngender Pausenhof, der als neue gemeinsame Mitte des westlichen Schulbereichs dient und vielfĂ€ltige Aufenthalts- und Nutzungsmöglichkeiten bietet.
Zur Lindenstraße hin bildet der Neubau ein klares Pendant zum GebĂ€ude Ost und stĂ€rkt die Adressbildung des Gesamtcampus. Gleichzeitig wird die visuelle und funktionale Verbindung der Schulbereiche beidseits der Straße gestĂ€rkt und als zusammenhĂ€ngendes Ensemble ablesbar gemacht.
Der Freiraum ist integraler Bestandteil des pĂ€dagogischen Konzepts, differenziert sich in klar zonierte Bereiche fĂŒr Bewegung, Spiel und Aufenthalt. Der großzĂŒgige Schulhof bietet vielfĂ€ltige Nutzungsmöglichkeiten fĂŒr unterschiedliche Altersgruppen und wird durch ein prĂ€zises abgestuftes Angebot strukturiert. Ein abgesenktes Multifunktionsfeld bildet einen aktiven Schwerpunkt und wird von einer Sitztreppe gefasst, die Aufenthalt und Zuschauen gleichermaßen ermöglicht. ErgĂ€nzend entsteht ein ruhiger Spielbereich mit SandflĂ€che und Holzeinfassung, der ĂŒber Trittsteine erschlossen wird, sowie ein ĂŒberdachter Fallschutz-Spielbereich fĂŒr jĂŒngere SchĂŒler.
Die FahrradstellplĂ€tze mit insgesamt ca. 500 PlĂ€tzen sind auf zwei Hauptstandorte verteilt und funktional in die Erschließung integriert. Die zentrale Anlage entlang der Lindenstraße ist in einem befestigten, abgesenkten Bereich organisiert, der zugleich als Versickerungsmulde ausgebildet ist und damit funktionale und ökologische Anforderungen verbindet. Die Absenkung verbessert den Blick in den Campus und auf die Spiel- und Sportbereiche, ĂŒber die FahrrĂ€der hinweg. Die hochstĂ€mmigen BĂ€ume beschatten die Anlage.
Ein grĂŒnes Klassenzimmer mit Sitzgelegenheiten und Pflanzbeeten ergĂ€nzt das Angebot um einen qualitĂ€tsvollen Lernort im Freien. Der vorhandene Baumbestand wird weitgehend erhalten und in das Freiraumkonzept integriert; gezielte Neupflanzungen sorgen fĂŒr zusĂ€tzliche Verschattung und stĂ€rken die AufenthaltsqualitĂ€t. In Verbindung mit den direkt an die Cluster angebundenen grĂŒnen Außenterrasse entsteht ein fließender Übergang zwischen Innen- und Außenraum.

GebÀudeorganisation und pÀdagogisches Konzept
Die innere Organisation folgt einem klaren, ĂŒbersichtlichen und wirtschaftlichen Prinzip. UnterrichtsrĂ€ume sind entlang der Fassaden angeordnet und gewĂ€hrleisten optimale natĂŒrliche Belichtung und BelĂŒftung. Die Erschließung erfolgt ĂŒber zentral angeordnete, großzĂŒgig dimensionierte Mittelzonen, die weit ĂŒber reine VerkehrsflĂ€chen hinausgehen.
Die Cluster fĂŒr die Jahrgangsstufen 7 und 8 sind als flexible Lerneinheiten ausgebildet. Ihre Mittelpunkte dienen als multifunktionale RĂ€ume fĂŒr Aufenthalt, Gruppenarbeit und informelles Lernen. In Verbindung mit den DifferenzierungsrĂ€umen entstehen vielfĂ€ltig nutzbare Lernlandschaften, die sich je nach Bedarf zusammenschalten oder separieren lassen. Im geöffneten Zustand bilden sie großzĂŒgige, kommunikative Raumkontinua mit hoher AufenthaltsqualitĂ€t.
Die direkte Anbindung der Cluster an die sĂŒdlich orientierten „grĂŒnen Klassenzimmer“ erweitert das pĂ€dagogische Angebot und stĂ€rkt die Verbindung zum Campus, Lernen, Bewegung und Aufenthalt an einem Ort.
Das Forum bildet als zentrale Mitte des GebĂ€udes den rĂ€umlichen und sozialen Schwerpunkt. Es ist zum Pausenhof orientiert und vielseitig nutzbar – als Aufenthaltsbereich, Veranstaltungsort oder Kommunikationsraum. Seine offene und einladende Gestaltung unterstĂŒtzt die Orientierung im GebĂ€ude und stĂ€rkt die IdentitĂ€t des Schulneubaus.
Konstruktion, MaterialitÀt und Nachhaltigkeit
Der Entwurf basiert auf einer kompakten Bauweise mit gĂŒnstigem A/V-VerhĂ€ltnis und einer klaren, wirtschaftlichen Konstruktion. Langlebige, robuste und ressourcenschonende Materialien bilden die Grundlage des architektonischen Konzepts. Decken und StĂŒtzen sind in Holzhybridbauweise vorgesehen.
Die tragenden AußenwĂ€nde sind mit einer Fassade aus regionalem Recyclingziegel geplant. Die Fassade nimmt die MaterialitĂ€t des Bestandes auf und interpretiert sie in zeitgemĂ€ĂŸer Form. Durch differenzierte Fugenausbildungen und leichte VersĂ€tze wird eine subtile Unterscheidung zwischen Alt- und Neubau erreicht. Ein vorgelagertes StahlgerĂŒst auf der SĂŒdseite schafft zusĂ€tzliche AufenthaltsqualitĂ€ten und erweitert die Nutzungsmöglichkeiten der angrenzenden Freibereiche.
Das Energiekonzept setzt konsequent auf passive Maßnahmen. NatĂŒrliche Belichtung und BelĂŒftung, außenliegender Sonnenschutz sowie speicherfĂ€hige Bauteile gewĂ€hrleisten ein angenehmes Raumklima bei reduziertem technischem Aufwand. DachbegrĂŒnung und Photovoltaikanlagen ergĂ€nzen das nachhaltige Gesamtkonzept.

Brandschutz und FunktionalitÀt
Die Anforderungen der Schulbaurichtlinie NRW werden vollstĂ€ndig erfĂŒllt. Die Clusterbereiche sind als eigenstĂ€ndige Nutzungseinheiten unterhalb der zulĂ€ssigen FlĂ€chengrĂ¶ĂŸen organisiert und verfĂŒgen jeweils ĂŒber zwei voneinander unabhĂ€ngige Rettungswege. Die Erschließung ist klar strukturiert und gewĂ€hrleistet eine sichere und intuitive Orientierung im GebĂ€ude. Die Feuerwehrzufahrt sowie die erforderlichen Aufstell- und BewegungsflĂ€chen sind jederzeit sichergestellt.


Beurteilung durch das Preisgericht

STÄDTEBAU
Der Neubau greift stÀdtebaulich die nördliche Bauflucht des Baukörpers West 2 auf und bildet einen prÀgnanten nördlichen Abschluss es neuen Schulcampus.
Vis à vis des Haupteingangs Bauteil Ost wird der neue GebÀudezugang trichterförmig eingezogen und schafft ein angemessen proportioniertes Entrée.

ARCHITEKTUR
Der Baukörper ergibt sich in seiner Positionierung und Ausgestaltung aus der Anforderung der abschnittsweisen Realisierung.
Der zweite Bauabschnitt bildet einen Pufferbereich, welcher nach RĂŒckbau des GebĂ€udes West 1 sinnfĂ€llig ergĂ€nzt werden kann. Hier werden zusĂ€tzliche Nutzungen wie z.B. grĂŒne Klassenzimmer ermöglicht.

Die Jury hebt die klare aber qualitĂ€tvolle Gestaltung des Neubaus hervor, der sich selbstverstĂ€ndlich in das heterogene Schulensemble einfĂŒgt.
Die Verwendung recyclierter Klinker orientiert sich in seiner Farbgebung am Ostbaukörper aus den 50er Jahren.
Auch die regelmĂ€ĂŸige Lochfassade fĂŒgt sich gestalterisch sinnvoll in den Gesamtcampus ein.

Das Forum im Erdgeschoss fungiert als Gelenk zwischen Altbau, Neubau und Schulhof.
Es ermöglicht an dieser Stelle neben den Nutzungen im Schulalltag auch außerschulische Veranstaltungen.
Diese Gelenkfunktion im Inneren steht im Widerspruch zu der axialen, trichterförmigen Ausbildung der Eingangssituation.
Im Falle einer Vertiefung der Planung wĂ€re hier eine gestalterische Kongruenz von innen und außen wĂŒnschenswert.

Die Cluster in den Obergeschossen erhalten im grĂŒnen Pufferbereich Richtung SĂŒden ZusatzflĂ€chen, die fĂŒr Pausen und pĂ€dagogische Zwecke genutzt werden können.
Die Bepflanzung dient im Sommer der Verschattung und sorgt durch VerdunstungskĂ€lte fĂŒr eine kĂŒhlende Wirkung.
Insgesamt bilden diese Bereiche mit einfachen Mitteln einen echten Mehrwert fĂŒr das neue SchulgebĂ€ude.
Kritisch hinterfragt wird jedoch die Vereinbarkeit großflĂ€chiger FensterflĂ€chen und der vorgeschlagenen natĂŒrlichen BelĂŒftung (ÖffnungsflĂŒgel, BrĂŒstungshöhen u.Ă€.).

Neben einer kompakten Bauform mit guten GebĂ€udekennwerten und einer einfachen Konstruktion lĂ€sst auch die innere Erschließung mit nur zwei TreppenhĂ€usern eine wirtschaftliche Umsetzung vermuten.

Die FlÀchen entsprechen teilweise nicht den Vorgaben des Raumprogramms und sollten im weiteren Planungsprozess angepasst werden (WC, TechnikflÀche u.a.).

FREIRAUMPLANUNG
BegrĂŒĂŸt wird der flĂ€chensparende Fußabdruck des Neubaus, der eine großzĂŒgige gemeinschaftliche grĂŒne Mitte fĂŒr das Schulensemble ermöglicht.
VielfĂ€ltige Angebotsinseln fĂŒr Pausen- und Freizeitnutzungen unter einem lockeren Baumdach versprechen eine hohe AufenthaltsqualitĂ€t bei einer relativ geringen Versiegelung.

Die FahrradstĂ€nder sind teilweise entlang der Lindenstraße in das FreiflĂ€chenkonzept integriert.
Da an dieser Stelle jedoch nicht alle StellplÀtze untergebracht werden, wie auch in Hinblick auf ihre Barrierebildung, wird dieser Vorschlag kritisch diskutiert.

PÄDAGOGIK
Von schulischer Seite werden die Clusterung der Jahrgangsstufen sowie der separate Bereich fĂŒr die Oberstufe im 3. OG fĂŒr zentrale PrĂŒfungen und Klausuren als besonders positiv hervorgehoben.
Ebenfalls wird die klare Abtrennung von Verwaltung und LehrkrĂ€ftebereich befĂŒrwortet.

Die Schule bittet zu prĂŒfen, ob die FahrradabstellplĂ€tze vor dem NW-Trakt auch in den Bereich hinter West II verlegt werden können, um die Sicht- und Bewegungsachse vom neuen GebĂ€ude zum NW-GebĂ€ude klarer zu gestalten.

Insgesamt wird der Beitrag umfÀnglich als sehr qualitÀtvoll eingestuft.
PrÀsentationsplan 1

PrÀsentationsplan 1

PrÀsentationsplan 2

PrÀsentationsplan 2

PrÀsentationsplan 3

PrÀsentationsplan 3

PrÀsentationsplan 4

PrÀsentationsplan 4

Einsatzmodell

Einsatzmodell