Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026
Neubau Schutzdach Koksofenbatterie Kokerei Zollverein in Essen
4
©Aesthetica Studio + ADEPT
Anerkennung
Preisgeld: 12.400 EUR
Architektur
Tragwerksplanung
Erläuterungstext
Mit seiner reichen Geschichte besitzt der Ort einen herausragenden architektonischen und kulturellen Wert, den jede neue Maßnahme achten und bewahren sollte. Das neu gestaltete Schutzdach folgt diesem Grundsatz und verankert ihn tief in seiner eigenen Identität. Von der optimierten Struktur über die sorgfältige Materialwahl bis hin zu den Bezügen auf das historische Raster zielt das Projekt darauf ab, sich harmonisch in die Umgebung einzufügen, die Atmosphäre des Denkmals zu bewahren und das Bestehende mit Respekt weiterzuführen.
Das Tragwerk besteht aus einer schlanken Stahlkonstruktion, die überwiegend aus geschweißten Hohlprofilen gefertigt ist. In Querrichtung bildet sie ein System aus eingespannten Rahmen mit beidseitigen, weit auskragenden Armen; in Längsrichtung besteht sie aus einer Reihe gelenkig gekoppelter Kragstützen. Dieses statische System ist einfach aufgebaut und zugleich sehr leistungsfähig. Die Träger in Längs- und Querrichtung sind als schlanke Fachwerkträger ausgebildet. Die Querträger übernehmen die Lasten aus den längs verlaufenden Trägern sowie aus dem darüberliegenden Gittersystem, das die Glas- bzw. PV-Eindeckung trägt.
Die horizontale Dachfläche ist mit Glasplatten und halbtransparenten Photovoltaikmodulen gestaltet, um die Sichtlinien zu erhalten und gleichzeitig die Funktionalität der Solarmodule zu integrieren. Während der Führungen können die Besucher weiterhin die Kohletürme, Schornsteine sowie die Brücken zwischen den hohen Türmen wahrnehmen. Das Schutzdach lenkt die Aufmerksamkeit der Besucher gezielt, indem es den Raum durch die halbtransparenten PV-Paneele strukturiert und besondere Momente auf dem Dach hervorhebt. Im östlichen Bereich des Projekts unterbrechen Oberlichter den Rhythmus der Solarmodule und lassen Sonnenlicht auf den Denkmalpfad fallen. Dieser Effekt richtet den Blick der Besucher auf besondere Bereiche des Daches, wie beispielsweise den Full-Wagen, das Innere der Ofenbatterie (entstanden nach dem Abriss des Ofenrades) oder den Blick auf den Kamin.
Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, eine Form zu entwickeln, die sich respektvoll in den historischen Kontext einfügt. Die neu gestaltete Struktur wurde so optimiert, dass sie möglichst schlank und filigran erscheint, um die historische Umgebung nicht zu dominieren. Durch den gezielten Einsatz von reflektierenden Metall- und Glasplatten wird diese harmonische Einbindung zusätzlich betont. Um Eingriffe in die Dachfläche und den historischen Ausdruck zu minimieren, ruhen die filigranen Säulen in runden Öffnungen der Ofenbatterie – ein subtiler Verweis auf ihre ursprüngliche Funktion.
Mit dem Ziel, CO₂-Neutralität auf dem gesamten Gelände zu erreichen, wurde das Dach mit in die Oberfläche integrierten Photovoltaikmodulen gestaltet. Die Solarzellen sind in zentral angeordneten Modulen eingebettet und fügen sich harmonisch in das Metallgitter ein, das die Tragstruktur des Schutzdachs bildet. Halbtransparente Paneele lassen Sonnenlicht auf den Besucherweg fallen und sind zugleich von unten sichtbar – nach dem Grundsatz „Form folgt Funktion“. Der westliche Teil des Daches ist primär auf Energieerzeugung ausgerichtet, während PV-Paneele den mittleren Bereich vollständig abdecken. Der östliche Bereich bildet einen Farbverlauf mit Oberlichtern, die gezielt bestimmte Elemente des Denkmals betonen und die Besucherführung unterstützen.
Im Rahmen des Projekts wurden mehrere nachhaltigkeitsorientierte Lösungen umgesetzt, um das Ziel der CO₂-Neutralität auf dem Gelände zu erreichen und den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Ein zentrales Ziel war die Entwicklung einer filigranen und effizienten Konstruktion, die sich respektvoll in das Denkmal einfügt und dabei möglichst wenig Material verbraucht. Zur Optimierung der Konstruktion wurden umfangreiche Studien und Tests durchgeführt.
Das Ergebnis ist ein modulares System mit einer durchdachten Tragkonstruktion aus Metallfachwerken und schlanken, runden Metallsäulen. Um die Umsetzung effizient und zukunftssicher zu gestalten, basiert das Dach auf regelmäßigen Modulen. Die sekundäre Gitterstruktur für die Glas- und PV-Verkleidung wird vorgefertigt und in Segmenten von etwa 2,30 m Breite zur Baustelle geliefert. Vor Ort werden die Segmente verschweißt oder mit dem Untergrund verschraubt und anschließend mit Glas- und PV-Paneelen verkleidet. Dieses modulare System ermöglicht eine einfache Herstellung, Demontage und Wiederverwendung des Dachs. Zudem erleichtert es Reparaturen, da beschädigte Segmente unkompliziert ausgetauscht werden können. Zur Erreichung der CO₂-Neutralität sind in die Dachoberfläche integrierte Photovoltaikmodule vorgesehen. Zentral angeordnete, halbtransparente PV-Zellen prägen dabei die Identität des Entwurfs und tragen wesentlich zum nachhaltigen Konzept bei.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit 1001 besticht durch eine klare Grundhaltung. Gewählt wurde ein einfaches und modulares Tragsystem, dass der gewünschten Schutzfunktion weitgehend nachkommt. Die Fachwerkskonstruktion bezieht sich in Raster und Rhythmus auf die bestehende Koksofenbatterie sowie auf architektonische Gestaltungsprinzipien der begleitenden Gebäudevolumen. Gedeckt wird die Stahlkonstruktion mit Glas bzw. semitransparenten PV-Elementen, die eine hohe Transparenz und Leichtigkeit zeigen.
Das Dach erreicht eine Höhe von ca. 9.00 m und schützt mit seinen Auskragungen sowohl die Fackeln als auch die Ofentüren und Teile der Löschwagenhalle gegen Schlagregen. Damit verbunden ist allerdings eine vergleichsweise große Gesamtfläche des Daches. Die Dimension und vergleichsweise hohe Lage des Daches werden in Proportion und Verhältnis zum zu schützenden Bauwerk daher kontrovers diskutiert.
Eine Beweglichkeit der Füllwagen ist aufgrund der Position der Stützen leider nicht gegeben. Auch dies wird kritisch gesehen.
Positiv bewertet wird, dass die Dachkonstruktion sich sowohl nach Norden als auch nach Süden auf ein Minimum reduziert. Gleiches gilt für die Übergänge zu den aufgehenden Bauteilen. Mit einer leichten Neigung entwässert das Dach Richtung Löschwagenhalle. Die weitere Ableitung des Regenwassers ist leider nicht dargestellt und damit nicht gelöst. Hinzu kommt, dass der Unterhalt für die Reinigung der Glasflächen – unter anderem auch aufgrund der flachen Neigung des Daches bzw. der notwendigen Profilierung der Glasflächen – hoch eingeschätzt wird.
Aufgrund der Höhe der Konstruktion und der Glaseindeckung ist der Denkmalpfad gut erlebbar und die Übersicht über das Areal der Kokerei für Besucherinnen und Besucher gegeben, was durch das Preisgericht begrüßt wird. Auch die einzelnen Elemente der Koksofenbatterie sind in ihrer ehemaligen Funktionsweise gut erlebbar.
Die gewählte Konstruktion erscheint wirtschaftlich und gut phasenweise realisierbar. Die Integration der PV als semitransparente Module auf dem Dach ist in Art und Maß gut in das Konstruktionsraster integriert.
Insgesamt wird die Arbeit als guter Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe gewürdigt, obwohl die Dimension des Daches im Kontext des Welterbes sowie wirtschaftlich kritisch diskutiert wird.
Das Dach erreicht eine Höhe von ca. 9.00 m und schützt mit seinen Auskragungen sowohl die Fackeln als auch die Ofentüren und Teile der Löschwagenhalle gegen Schlagregen. Damit verbunden ist allerdings eine vergleichsweise große Gesamtfläche des Daches. Die Dimension und vergleichsweise hohe Lage des Daches werden in Proportion und Verhältnis zum zu schützenden Bauwerk daher kontrovers diskutiert.
Eine Beweglichkeit der Füllwagen ist aufgrund der Position der Stützen leider nicht gegeben. Auch dies wird kritisch gesehen.
Positiv bewertet wird, dass die Dachkonstruktion sich sowohl nach Norden als auch nach Süden auf ein Minimum reduziert. Gleiches gilt für die Übergänge zu den aufgehenden Bauteilen. Mit einer leichten Neigung entwässert das Dach Richtung Löschwagenhalle. Die weitere Ableitung des Regenwassers ist leider nicht dargestellt und damit nicht gelöst. Hinzu kommt, dass der Unterhalt für die Reinigung der Glasflächen – unter anderem auch aufgrund der flachen Neigung des Daches bzw. der notwendigen Profilierung der Glasflächen – hoch eingeschätzt wird.
Aufgrund der Höhe der Konstruktion und der Glaseindeckung ist der Denkmalpfad gut erlebbar und die Übersicht über das Areal der Kokerei für Besucherinnen und Besucher gegeben, was durch das Preisgericht begrüßt wird. Auch die einzelnen Elemente der Koksofenbatterie sind in ihrer ehemaligen Funktionsweise gut erlebbar.
Die gewählte Konstruktion erscheint wirtschaftlich und gut phasenweise realisierbar. Die Integration der PV als semitransparente Module auf dem Dach ist in Art und Maß gut in das Konstruktionsraster integriert.
Insgesamt wird die Arbeit als guter Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe gewürdigt, obwohl die Dimension des Daches im Kontext des Welterbes sowie wirtschaftlich kritisch diskutiert wird.
©ADEPT
©Aesthetica Studio + ADEPT
©ADEPT