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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2015

Neubau Sport Campus der TUM im Olympiapark

1. Preis

Preisgeld: 96.000 EUR

Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH

Architektur

Balliana Schubert Landschaftsarchitekten AG

Landschaftsarchitektur

merz kley partner

Tragwerksplanung

GMI - Ing. Peter Messner GmbH

TGA-Fachplanung

IBS Institut fĂŒr Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung

Brandschutzplanung

Architektur-Modellbau Edgar Neugebauer

Modellbau

ErlÀuterungstext

Das Motto der Olympischen Spiele von 1972 - Olympische Spiele im GrĂŒnen - bildet den Ausgangspunkt fĂŒr den neu gestalteten Sportcampus am Olympiapark. Die geplante Sportlandschaft mit den verschiedenen Sportfeldern wird weiterhin als stark durchgrĂŒnte ParkflĂ€che ausformuliert. Mit Bezugnahme auf den geplanten Neubau wird auch fĂŒr den Sportcampus eine 'rue intĂ©rieure' etabliert. Sie dient sowohl als zentrale Verbindungsachse im GelĂ€nde als auch als Hauptaufenthaltsbereich fĂŒr die Sportlerinnen und Sportler. Die Sportfelder liegen möglichst nahe am Zentrum des Areals und sind direkt an die 'rue intĂ©rieure' angebunden. Die Konzentration von Wegverbindungen und Sportfeldern im Zentrum des Planungsgebietes verschafft der bewegten Böschungskontur der Grzimek'schen Parkgestaltung den gewĂŒnschten gestalterischen Entfaltungsspielraum.

Die 'rue intĂ©rieure' durchzieht das Planungsgebiet von SĂŒden nach Norden und verbindet den Sportbereich der Hochschule mit jenem der Vereine. Entlang dieser Hauptverbindung sind die verschiedenen SportflĂ€chen, aber auch die Hauptaufenthaltsbereiche angeordnet. Die Hauptverbindung wird durch eine Baumfigur aus verschiedenen hochstĂ€mmigen und lichtkronigen KleinbĂ€umen begleitet. Sie dienen der Orientierung und dem geschĂŒtzten Aufenthalt.

Die Hauptverbindungen von Umgebung und Neubau stehen in einer engen Beziehung zueinander. Die beiden 'rues intĂ©rieurs' begegnen sich an der Westfassade des Neubaus. Hier wird mit CafĂ© und AufenthaltsrĂ€umen ein hohes Mass an Öffentlichkeit etabliert. Neben den bestehenden Verbindungen im SĂŒden (Autoverkehr), im Osten (Handicap und Rettung) und im Norden (Vereine) werden zusĂ€tzliche Verbindungen angeboten. Der neue Haupteingang in den Campusbau fĂŒhrt direkt ab dem Damm in das GebĂ€ude. Zwei Nebenverbindungen fĂŒhren von Westen her zur „Rue intĂ©rieur“. Zu Gunsten einer besseren Orientierung im CampusgelĂ€nde sind die Wegverbindungen durch Baumreihen optisch betont. FĂŒr den Vereinssport wird der Hauptzugang zur U-Bahn Station Oberwiesenfeld verlagert. Ein baumbestandener Platz betont die wichtige Stellung dieses Einganges im Stadtkörper und gegenĂŒber der Parklandschaft.

SportflÀchen

Die SportflĂ€chen werden ĂŒber die „Rue intĂ©rieur“ erreicht. Die SportflĂ€chen sind allesamt möglichst in Nord-SĂŒd Richtung angeordnet. Störungen durch tief einfallende Sonnenstrahlen können dadurch vermieden werden. Die Leichtathletikbahn ist zentral und direkt an den Neubau angrenzend angeordnet. Die grösseren Spielfelder fĂŒr die Mannschaftssportarten liegen perifer, die kleineren SportflĂ€chen fĂŒr Basketball, Klettern oder Parcours sind nahe am GebĂ€ude und an der „Rue intĂ©rieur“ angeordnet. Die zentral gelegenen, bestehenden Böschungssituationen werden zu Gunsten der besseren Übersicht und Orientierung im Areal entfernt. Das bestehende Rasenplateau im Westen bleibt bestehen.

Höfe

Der Neubau steht in engem Dialog mit der durchgrĂŒnten Sportlandschaft. Der Haupteingang wird ĂŒber eine BrĂŒcke direkt aus dem Grzimek'schen Parkanlage her erschlossen. Die „Rue intĂ©rieur“ des Neubaus gibt den Blick auf verschiedene Innenhöfe frei. Diese sind intensiv mit Gehölzen bepflanzt und können ĂŒber grossformatige Betonplattenwege begangen werden. In den Höfen werden unterschiedliche Pflanzenthemen wie Kirschgarten (Prunus avium 'Plena'), Magnolienhof (Magnolia kobus) oder Scheinbuchenhain (Nothofagus antarctica) erleichtern die Orientierung im GebĂ€ude und verleihen den einzelnen Höfen ihren eigenen Charakter. In den Höfen sind bodendeckende Ziergraspflanzungen vorgesehen, welche das Grundthema der durchgrĂŒnten Sportparklandschaft bis in das GebĂ€ude tragen.

Vegetationskonzept

Die Grundgestaltung des Olympiaparkes von GĂŒnther Grzimek spielt mit wahrnehmbaren und aufgelösten Rasterfiguren. WĂ€hrend sich das Pflanzraster im Olympiapark aufzulösen scheint, wird im CampusgelĂ€nde eine prĂ€gnante und klar ablesbare Baumfigur vorgeschlagen. Die Baumfigur ist eine konsequente Betonung der neuen „Rue intĂ©rieur“ des Sportcampus.
FĂŒr den Vegetationskörper werden hochstĂ€mmige Gehölze mit einem Kronenansatz von drei Metern vorgeschlagen. Der Baumkörper besteht ausschliesslich aus laubabwerfenden BĂ€umen mit gefiederten BlĂ€ttern. Als Leitarten dienen verschiedene, mittelstark wachsende Gleditschien (Gleditsia triacanthos 'Shadmaster', Gleditsia triacanthos 'Sunburst', Gleditsia triacanthos 'Skyline'), zudem werden weitere Arten wie Blasenbaum (Koelreuteria paniculata), Geweihbaum (Gymnocladus dioicus) oder (Fraxinus americana 'Autumn purple') eingestreut.
Beim Stadtplatz Oberwiesenfeld werden Sumpfzypressen (Taxodium distichum) vorgeschlagen. Der bisher im Olympiapark nicht verwendete Baum besticht durch seine Eigenheit und verleiht dem kleinen Stadtplatz das notwendige Gewicht als Eingangstor in Park-und Campuslandschaft.

Beurteilung durch das Preisgericht

Ein sehr klarer ruhiger Baukörper wird prÀzise in den Landschaftsraum gesetzt. Die Höhenentwicklung des GebÀudes ist gut gewÀhlt. Es liegt angemessen in der Sportplatzebene, tritt aber auch als architektonischer Baukörper richtig in Erscheinung.

Die PKW-Erschließung erfolgt eindeutig von SĂŒden. Die StellplĂ€tze sind in einer Tiefgarage und auf StellplĂ€tzen im SĂŒden vor den Hallen ausgewiesen. Die starke BegrĂŒnung der StadtplĂ€tze wird im Preisgericht kritisch gesehen. Der Fahrradverkehr erfolgt auch von Westen. Die Zahl der ausgewiesenen FahrradstellplĂ€tze ist nicht ausreichend.

Die Nord SĂŒd Achse begrenzt die SportfakultĂ€t nach Westen, bindet den großen Sportplatz gut ein und definiert so die zentrale Mitte des Campus. Die orthogonale Struktur der Aufteilung der SportflĂ€chen entspricht dem Grundgedanken der damaligen Planung. Man wĂŒrde sich eine Differenzierung der langen Nord-SĂŒd-Achse wĂŒnschen. Die SportflĂ€chen sind sehr prĂ€zise um das GebĂ€ude herum mit einem wohltuenden Abstand zu den WĂ€llen angeordnet. Die Vegetationsstrukturen betonen die
gewĂŒnschte PrĂ€zisierung zwischen den landschaftlichen WĂ€llen und der geometrischen Innenzone.

Der richtig gewĂ€hlte Raum zwischen Wall und GebĂ€ude wird von einem Steg ĂŒberspannt, der ganz selbstverstĂ€ndlich von Osten zum Haupteingang im Obergeschoss in die zentrale Erschließungsachse fĂŒhrt, von der aus alle Funktionsbereiche erreichbar sind. Dieses Herz der Anlage ist der Kommunikationsort von dem es Einblicke in alle Sporthallen gibt, an dem alle SeminarrĂ€ume und HörsĂ€le liegen und im Westen in ĂŒberzeugender Weise Mensa und Bibliothek einen Überblick ĂŒber das gesamte GelĂ€nde ermöglichen. In der unteren Ebene der zentralen Achse liegen sehr gut die Umkleiden zu den Hallen. Die FlĂ€chen sind angemessen dimensioniert und sind sowohl fĂŒr den tĂ€glichen Betrieb als auch fĂŒr eine Konferenznutzung gut geeignet. Die gewĂŒnschten LaborflĂ€chen können sehr gut im 3. Bauabschnitt an den Sporthallen angeordnet werden. Die InstitutsrĂ€ume sind optimal in den Sportbetrieb eingebunden.

Die Fassadengestaltung mit den Elementen Holz und Glas ist wie der gesamte Entwurf sehr ĂŒberlegt und feinsinnig durchgebildet.

Die Konstruktion aus Stahlbeton und Holz ist möglich. Das weit auskragende TribĂŒnendach wird in Frage gestellt, schön ist die Geste, aber ob dieses Dach tatsĂ€chlich das bauliche Volumen Richtung Westen ausdehnen soll, wird hinterfragt. Die technische Umsetzung mĂŒsste weiter untersucht werden. Positiv wird die Nachhaltigkeit des Gesamtkonzeptes gesehen. Die RĂ€ume fĂŒr die GebĂ€udetechnik sind gut gewĂ€hlt, einschließlich guter senkrechter Verteilungswege, aber insgesamt etwas zu klein.

Die Wirtschaftlichkeits-Vergleichswerte bewegen sich im durchschnittlichen Bereich.
Eine wirtschaftliche Errichtung des GebĂ€udes ist möglich, wenn die Konstruktion weiterentwickelt wird. Die DurchfĂŒhrung in zwei Bauabschnitten ist möglich.

Die Arbeit besticht durch eine große Klarheit sowohl in der Landschaftsgestaltung wie in der Durcharbeitung des GebĂ€udeentwurfs. Die Vorstellungen der TUM zur Vernetzung Forschung und Sport werden sehr gut umgesetzt.