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Offener Wettbewerb | 07/2025

Neubau Stadtgeschichtsmuseum in Schwerin

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4. Preis

Preisgeld: 14.000 EUR

rw+ Gesellschaft von Architekten mbH

Architektur

Schöne Neue Welt Ingenieure

Tragwerksplanung

Erläuterungstext

Konzept
Der Neubau bildet als scharnierartiger Hybrid aus Solitär und Blockschließung ein Gegenstück zum Bestand mit seinen klassizistischen Fassaden aus. Durch eine Fuge zum Bestand wird dessen Bedeutung respektvoll akzentuiert und schafft zugleich eine selbstbewusste Erscheinung des Neubaus mit klarer Eingangssituation. Eine Überdachung des Hofes als neues Foyer im Herzen des Projekts macht das Zusammenspiel von alt und neu im Inneren erlebbar.

Tragwerk und Materialität
Ziegel und Holz nehmen als Baumaterial in Norddeutschland traditionell einen zentralen Platz ein. Der gotische Dom und die ortstypischen Fachwerkhäuser prägen bis heute das Stadtbild von Schwerin. Der Entwurf knüpft hier mit einer innovativen und klimabewussten Konstruktion an, welche den Einsatz traditioneller Baumaterialien neu denkt. Ein mit Lehm-Ziegeln ausgefachtes Holztragwerk wird mit einer Wetterschale aus Ziegeln bekleidet. In den öffentlichen Zonen des Erdgeschosses wird diese Ziegelschicht perforiert und lässt das Holztragwerk dahinter erkennen. So wird das vertraute Bild der Fachwerkkonstruktion als Zitat aus der Umgebung identitätsstiftend neu interpretiert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Einige Meter vom bestehenden Seitenflügel abgerückt dominiert der Erweiterungsbau als freistehender Kubus die Nordseite des Schlachtermarkts. Die Gestalt des Neubaus ist klar und dezidiert zeitgenössisch. Dennoch gibt es Bezüge zum Bestand: die Höhen von Sockel und Gesims über dem Erdgeschoß werden in den Neubau übernommen und machen die Zusammengehörigkeit deutlich. Überraschend ist die Anordnung der Öffnungen. Der Zugang zum Museum liegt zurückgesetzt in der Fuge zwischen Bestand und Erweiterung auf der Höhe des Hochparterres, das Café findet sich eine Ebene tiefer und erhält eine Öffnung im Sockel an der Gebäudeecke zur Schlachterstraße. Hinter dem Gittermauerwerk im unteren Teil der Fassade sind die Bibliothek und die Museumspädagogik zu erahnen. Trotz des hohen Anteils geschlossener Flächen ist der Auftritt des Museums zum Platz hin einladend und zugewandt. Der freigestellte Kubus stellt sich seiner Bedeutung angemessen, präsent in den Maßstab des städtischen Kontexts.

Als Foyer wird die zweigeschossige, gedeckte Halle zwischen den bestehenden Seitenflügeln in die Erweiterung fortgesetzt. Diese auf der Hochparterre-Ebene sehr großzügige Lösung wird mit einigen funktionalen Nachteilen erkauft.

Der barrierefreie Zugang zum Museum ist nur von der Schlachterstaße über das Café möglich, das Welterbezentrum im Vorderhaus an der Puschkinstraße benötigt zusätzliche Flächen im Untergeschoß, die für Ausstellungen zum Welterbe allerdings nicht geeignet sind und auch der Auftakt zu den Ausstellungsflächen des Museums im Neubau kann räumlich und wegen der Gleichsetzung mit dem Zugang zum Café nicht überzeugen. In beiden Obergeschossen werden Räume in Erweiterung und Bestand für Ausstellungsflächen genutzt. Wegen der Freistellung der Erweiterung muss dabei allerdings in den Obergeschossen auf einen Ringschluss der Ausstellungsflächen verzichtet werden. Die Auflösung der Grundrisse im Bestand zugunsten größerer Ausstellungsflächen ist zudem denkmalpflegerisch kritisch. Das ist auch deswegen schade, weil durch den selbständigen Erweiterungsbau die bestehenden Baukörper mit ihrer Dachlandschaft unangetastet bleiben können.

Dem kompakten Erscheinungsbild entspricht der Umstand, dass das Volumen dieses Entwurfs im Vergleich unterdurchschnittlich ist. Dem entgegen stehen die vollständige Unterkellerung des Neubauteils und der Umstand, dass für die bisher im Gewölbekeller ausgewiesenen Flächen des Welterbes Ersatz an anderer Stelle gefunden werden müsste. Insgesamt aber sollte der Entwurf ohne überhöhten Aufwand umsetzbar sein.

Die konzeptionellen Ansätze den Neubau umweltverträglich mit regional nachwachsenden und recycelbaren Materialien herzustellen und mit regenerativen Energiequellen zu versorgen werden positiv bewertet.

Mit einer ruhigen, präzisen Setzung inszeniert der Entwurf das neue Museum für Stadtgeschichte als eine heutige Hinzufügung im gewachsenen Kontext der Stadt.