Offener Wettbewerb | 07/2025
Neubau Stadtgeschichtsmuseum in Schwerin
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©renderatelier/pape+pape
ein 2. Preis
Preisgeld: 25.500 EUR
Architektur
Visualisierung
Erläuterungstext
Der Neubau des Stadtgeschichtsmuseums nimmt die vorhandenen historischen Bausteine am Bauort auf und verbindet diese zu einem erlebbaren Ganzen, das die Geschichte und den Geist des Bauorts außen wie innen ablesbar macht und fortschreibt. Bestand und Neubau werden gleichwertig und ebenengleich miteinander verbunden und um ein zentrales Atrium herum gruppiert, das den Mittelpunkt des neuen Museums bildet. Immer wieder entstehen spannungsvolle Dialoge zwischen alt und neu, hell und dunkel, Enge (Bestand) und Weite (Neubau), die die neue Museumslandschaft zu einem einzigartigen, offenen, kontemplativen und kommunikativen Ort zugleich werden lassen.
Das Atrium bildet die zentrale Anlaufstelle des neuen Museums. Hier werden das Foyer, Alt- und Neubau, die Welterbe-Ausstellung, der Eingang und die vertikale Erschließung horizontal und vertikal miteinander vernetzt. Gleichzeitig werden die beiden unterschiedlichen Höhenniveaus mit einer kleinen Sitzstufenanlage zu einer spannungsvollen Topografie ausgeformt. Das Ausstellungskonzept vereint Bestand und Neubau zu einer charaktervollen, geschlossenen Ringfigur, die sich mit einer eingestellten Galerie um das Atrium legt und im Zusammenspiel mit dem zentralen Treppenhaus einen Rundgang innerhalb der Ausstellung ermöglicht. Immer wieder entstehen beeindruckende Raumsequenzen, die sich zum attraktiven Außenraum öffnen und diesen entweder offen, wie beim Stadtbalkon, oder halboffen durch die Klinkerperforierungen in den Rundgang einbeziehen.
Der denkmalgeschützte Bestand wird wie selbstverständlich in die Gesamtkonzeption des neuen Museums eingebunden. Im zentralen Atrium werden alle zeitgeschichtlichen Bausteine für den Besucher sichtbar zusammengeführt. Das Umbaukonzept sieht vor, den ursprünglichen und denkmalgeschützten Bestand weistestgehend zu bewahren und Eingriffe nur in geringfügigem Maß vorzunehmen. Der nicht denkmalwerte zweigeschossige Zwischenbau wird komplett entfernt. Im Erdgeschoss des Nordflügels wird die ursprüngliche Gewölbestruktur herausgearbeitet und freigelegt, so dass der ursprüngliche, beeindruckende Einraum wiederentsteht, der nun den Auftakt zur Dauerausstellung bildet. Der Gewölbekeller bleibt komplett erhalten und kann über die Welterbe-Ausstellung erreicht und als Artefakt (z.B. als Veranstaltungsfläche) in das Ausstellungskonzept eingebunden bzw. dazugeschaltet werden.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die klare Setzung der Kubatur am Kopf des Schlachtermarkts überzeugt. Der aufragende Baukörper steht selbstverständlich nahezu genau in der Mittelachse des Platzes, der niedrigere Anschluss zum Seitenflügel des Bestandes knapp unterhalb von dessen Traufe und der Höhenversprung zur Schlachterstraße vermitteln gut zur Maßstäblichkeit der umgebenden Bebauung.
Großzügige Öffnungen für Eingang und Café entsprechen den Erwartungen der Ausloberin an eine einladende Wirkung des Hauses.
Die loggienartige, überhohe Fensteröffnung im 2. und 3. Obergeschoß trägt zu dieser Wirkung bei, auch wenn ein derart inszenierter Aussichtsbalkon zum Schlachtermarkt etwas überzogen erscheint. Insgesamt ist der Ausdruck der klar gegliederten Ziegelkubatur für das stadtgeschichtliche Museum angemessen. Allerdings werden spezifische Bezüge zum Bestand, zur Stadt Schwerin oder zum Inhalt des Museums vermisst – das Haus könnte so oder ähnlich auch anderswo stehen. Die Zugangssituation mit dem Stadtmodell im Zentrum ist übersichtlich und klar, die Zuordnungen von Information, Ausstellungen, Shop und Café ermöglichen den Betrieb auch mit wenig Personal. Allerdings erscheint die dem Eingang gegenüberliegende Haupttreppe mit dem Aufzug zwischen den beiden Treppenläufen ihrer Rolle zur Erschließung aller Ausstellungsflächen nicht ganz angemessen. Die innere Organisation der verschiedenen Ausstellungsbereiche ist dann aber wieder sehr gut gelöst, auch wenn die im 1. Obergeschoß vor dem Hofgiebel erweiterte Ausstellungsfläche die Wahrnehmbarkeit des Bestandsgebäudes aus dem Foyer etwas beeinträchtigt.
Der Umgang mit dem Bestand respektiert die zu erhaltenden Bauteile, es gibt keine unnötigen Eingriffe. Schön ist, dass vom Schlachtermarkt dank des niedrigen Anschlusses an den Bestand auch der höhere Seitenflügel am Domhof sichtbar sein würde.
Hinsichtlich der Kennwerte liegt der Beitrag knapp unter dem Durchschnitt der eingereichten Arbeiten. Auch wenn die konstruktive Struktur im Neubauteil nicht ausgearbeitet wurde, ist daher mit einer wirtschaftlichen Erstellung zu rechnen. Ein erhöhter Aufwand entstünde für die Teilunterkellerung im Neubau.
Die konzeptionellen Ansätze den Neubau umweltverträglich zu errichten und zu versorgen, stoßen auf positive Resonanz.
Insgesamt ein präzise durchgearbeiteter, der Bedeutung des Hauses und der stadträumlichen Situation angemessener Entwurf.
©pape+pape
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