Offener Wettbewerb | 07/2025
Neubau Stadtgeschichtsmuseum in Schwerin
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Visualisierung Schlachtermarkt
©Büro Wortmann Gork & NOTO
ein 2. Preis
Preisgeld: 25.500 EUR
Architektur
NOTO Basista Becker Jansen Architekten Partnerschaft mbB
Architektur
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Verfasser:
Maike Basista, Dr. Jacob Jansen, Henrik Becker, Anna Wortmann, Christian Gork
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Das Museum als eine Abfolge von Wunderkammern voller Schätze.
Der Entwurf für das Stadtgeschichtsmuseum Schwerin verfolgt das Ziel, einen identitätsstiftenden Ort zu schaffen, der das historische Erbe der Stadt sichtbar macht und zugleich ein zukunftsfähiges, funktional überzeugendes Museum bietet. Die entwurfliche Strategie fußt auf einem integrativen Ansatz, der stadträumliche Einbindung, denkmalpflegerischen Respekt, funktionale Effizienz und gestalterische Eigenständigkeit in Einklang bringt. Der Bestand wird weitergestrickt. Das heißt konkret, dass die vorgefundene Grundrissstruktur der Kammern als grundlegendes Organisationsprinzip das räumliche Konzept des Museums vorgibt. Die Ausstellung des Stadtgeschichtsmuseums verbindet Exponate und Bestandsbau zu einem Ganzen. Man geht von Kabinett zu Kabinett, mal größer mal kleiner und entdeckt die Ausstellungstücke in einem räumlich dichten Rahmen.
Städtebauliche Einbindung
Weiterbauen!
Der Neubau formuliert eine klare städtebauliche Antwort auf die Fragmente der Altstadtstruktur. Durch die Schließung der nördlichen Platzkante wird der Schlachtermarkt als öffentlicher Raum gestärkt und in seiner historischen Raumfassung vervollständigt. Maßstäblichkeit, Dachform und Fassadengliederung reagieren differenziert auf die angrenzende Bebauung, ohne in historisierende Gesten zu verfallen. Der Neubau baut direkt an den Altbau an, ein Weiterbauen ohne Berührungsängste. Der Hauptzugang des Museums erfolgt vom Schlachtermarkt. Der bestehende Eingang an der Puschkinstraße bleibt erhalten für die Verwaltung.
Architektonische Qualität
Die Architektursprache interpretiert die ortstypische Vertikalität und Kleinteiligkeit auf zeitgemäße Weise. Die Fassadengliederung nimmt Bezug auf die Parzellenstruktur der Altstadt, während das gewählte Material Wärme, Dauerhaftigkeit und Kontextbezug vermittelt. Der Neubau tritt als selbstbewusster Baustein im Ensemble auf – mit klarer Formensprache, differenzierter Tektonik und zurückhaltender Materialwahl. Die Anschlüsse an den Bestandsbau sind direkt. Mittels einer feinen, verputzen Fassade, die Bezüge und Lineatur des Bestands aufnimmt werden die Seitenflügel aufgenommen und verlängert. Daran schließt ein Giebelständiger Kopfbau mit einer Schmuckfassade zum Schlachtermarkt an. Der Blendgiebel übersetzt die feine Lineatur des Bestandsbaus in eine hell getünchte Ziegelfassade die klar definiert, dass es sich hier um eine neue Hauptseite handelt, die eine zurückhaltende, ruhige Präsenz ausstrahlt und einen Dialog mit den umliegenden Ziegelfassaden eingeht.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Beitrag überrascht mit einem übergroßen, halbrunden Blendgiebel zum Schlachtermarkt.
Natürlich antwortet dieses in seiner Dimension und Form fremdartige Element auf das palladianische Säulengebäude am Kopf des benachbarten Marktplatzes – nicht in der Form eines direkten Zitats, wohl aber mit einer ähnlich exaltierten Geste, vielleicht auch mit einem gewissen Augenzwinkern. Kaum erstaunlich, dass dieses Motiv im Preisgericht für kontroverse Diskussionen sorgte. Dem Vorwurf eines das Säulengebäudes unzulässig konkurrenzierenden Bildes wurde entgegnet, dass eben dieses Bild für ein öffentliches, der Geschichte der Stadt gewidmetes Haus durchaus angemessen sei.
Diese letztere Position wird durch den ansonsten skrupulösen Umgang mit dem Bestand gestärkt. Dies zeigt sich etwa in der nur scheinbar pragmatischen Fortsetzung des Bestandgesimses aus dem Seitenflügel in die Fassade des Neubaus. Ein Motiv, das deutlich macht, dass Bestand und Erweiterung hier als Zusammenhang verstanden werden. Ein Detail aber auch, das aus Sicht der Denkmalpflege durchaus kritisch gesehen wird.
Die Eingangsgeste mit einer schön proportionierten kleinen Loggia zum Schlachtermarkt überzeugt – insbesondere auch im Verhältnis zu den weniger prominenten Öffnungen für das Café, das dennoch ebenfalls am Platz präsent ist. Kritisch wird der Informationstresen in der Ecke des Foyers gesehen, sonst aber ist die Organisation der Grundrisse ausgezeichnet.
Eine großzügige Treppe erschließt unabhängig die Ausstellungsflächen in den Obergeschossen, die im 1. Obergeschoß auch den Bestand in einen Rundgang einbinden (dort allerdings mit der Beeinträchtigung durch den hohen Fensteranteil). Aus- und Durchblicke, wie z.B. der Blick vom Welterbezentrum auf den Hofgiebel des Bestands mit dem Domturm im Hintergrund, sind auch in den Fassaden präzise gesetzt und jeweils individuell ausformuliert.
Dabei wird der geschützte Bestand im Inneren gut eingebunden, nachteilige Eingriffe können vermieden werden.
Die im Vergleich der eingereichten Arbeiten unterdurchschnittliche Kubatur, die konventionellen, einfachen Konstruktionen im Neubau und der zurückhaltende Umgang mit dem Bestand lassen eine wirtschaftliche Erstellung erwarten; eine Bilanz, die durch das Untergeschoß unter dem Neubau etwas getrübt wird.
Die konstruktiven Vorschläge, den Neubau umweltverträglich mit nachwachsenden Rohstoffen modular zu errichten und mit regenerativen Energiequellen zu versorgen, stoßen auf positive Resonanz.
Der Beitrag polarisiert mit der bildhaften Geste zum Schlachtermarkt. Hinsichtlich der innenräumlichen Organisation ist der Entwurf durchweg sehr gut durchgearbeitet.
Ansicht Schlachtermarkt
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Ansicht Schlachterstraße
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Ansicht Domstraße
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Querschnitt AA
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Querschnitt BB
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Längsschnitt
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Konstruktionsschnitt
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Grundriss EG
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Grundriss 1.OG
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Grundriss 2.OG
©Büro Wortmann Gork & NOTO
Grundriss UG
©Büro Wortmann Gork & NOTO