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Planungskonkurrenz mit sechs Teilnehmern in Anlehnung an die RPW 2013 | 05/2019

Neubau und Nachverdichtung im Wohnquartier Wetzlarer Straße in Stuttgart

2. Preis

Preisgeld: 7.500 EUR

Architekten M√ľhlich + Partner BDA

Architektur

Erläuterungstext

Ein unwirtlicher Ort: Die Wetzlarer Straße

Zwei geschlossene Brandwände der Bestandsgebäude, zwei den Straßenraum dominierende Garagenbauwerke, jede Menge parkierender Autos, kein Blickkontakt zu den Wohnhöfen, kein Hauseingang, kein Mensch, so definiert sich die bestehende Wetzlarer Straße. Hier helfen keine additiven Ergänzungsbauten - noch so schick - können sie keine Antwort auf die vorgefundenen städtebaulichen Defizite sein.
Ein allumfassendes Ordnungssystem muss her, ein Ordnungssystem das alle drei Bestandsgeb√§ude und die Neuank√∂mmlinge sortiert und r√§umlich verbindet, ein Ordnungssystem das den menschliche Ma√üstab in den Vordergrund r√ľckt, ein Ordnungssystem das eine klare Raumkante in der Wetzlarer Stra√üe definiert.
Die Wetzlarer Stra√üe bildet eine erkennbar durchg√§ngige st√§dtebauliche Schnittstelle im Bestand, Schnittstelle zwischen Nord-S√ľd-orientierten Geb√§uden auf der einen und Ost-West-orientierten Geb√§uden auf der anderen Seite. Dieses existierende Quartiersordnungsprinzip haben wir erkannt und entwickeln es konsequent weiter. Alle neuen Geb√§ude ordnen sich diesem vorgefundenen st√§dtebaulichen Prinzip unter, alle neuen Geb√§ude erg√§nzen den Bestand als Ost-West-gerichtete Geb√§ude.
Das mittlere der drei Bestandsgebäude ist lotrecht zur Wetzlarer Straße, diese Gebäudestellung greifen wir gerne auf und positionieren alle Neubauten ebenfalls lotrecht zum Straßenraum. Ganz selbstverständlich entsteht ein zusammengehörendes Gesamtensemble, offen und durchlässig zu den Wohnhöfen, Höhengleich bis auf den neuen Hochpunkt am Kreuzungspunkt zum Sparrhärmlingweg und dem bestehenden Hochhaus. Eine weitere Sonderstellung nehmen die beiden Gebäude neben ihrer herausragenden Höhe durch ihre Verdrehung ein.
Lange Geb√§uderiegel oder Gro√üformen sind u.e. nicht die L√∂sung, vielmehr s√§umen acht ma√üst√§bliche H√§user die gr√ľne Mitte im Inneren des Ensembles und entlang der Wetzlarer Stra√üe.
Hier rhythmisieren die Einzelgeb√§ude mit deren Schmalseiten im Wechsel mit kleinen H√∂fen in der L√ľcke und einem Hausbaum die ‚Äěneue‚Äú Wetzlarer Stra√üe. Ganz selbstverst√§ndlich dass wir hier die Hauszug√§nge positionieren, maximale Belebung, Shared Space im besten Sinne.
Die Hausgr√∂√üe der Neubauten definiert sich aus dem Vorgefundenen, die Hausbreite entspricht exakt der der Zeilenbauten, die Hausl√§nge der leicht versetzten Geb√§udeteile am westlichen Ende der Zeilenbauten. Die gew√§hlte Gr√∂√üe ‚Äěverstellt‚Äú keine der Bestandswohnungen, durch die √ľberschaubare L√§nge ist ein seitlicher Ausblick in allen Zimmern des Bestands gew√§hrleistet.
Den n√∂rdlichen und s√ľdlichen Auftakt der ‚Äěneuen‚Äú Wetzlarer Stra√üe definieren wir durch unser Gesamtensemble ebenfalls neu, dringend notwendig wie wir meinen. Im Norden stellen wir das erste Geb√§ude der Reihe exakt auf die Raumkante des gegen√ľberliegenden Nachbargeb√§udes, ein Merkpunkt in der Darmst√§dter Stra√üe. Im S√ľden schaffen wir mit der leicht versetzten und verdrehten Anordnung der beiden ersten Geb√§ude im Zusammenspiel mit dem benachbarten Hochhaus einen kleinen Stadtplatz.
Ein weiterer wichtiger Baustein der ‚Äěneuen‚Äú Wetzlarer Stra√üe ist die √∂stliche, profilgleiche Erg√§nzung des bestehenden Zeilenbauk√∂rpers, hier siedeln vier zus√§tzliche Wohnungen am bestehenden Treppenhaus und sozusagen inmitten des Shared Space ein Gemeinschaftsraum f√ľr alle Bewohner, mehr Belebungsangebote des √∂ffentlichen Raums im Zusammenspiel mit den schon beschriebenen sind kaum denkbar.
Klar, dass wir hier auch die Erschließung der beiden neuen Tiefgaragen verorten, zwei Tiefgaragen mit Anschluss an alle Neubauten inclusive dem neuen Treppenhaus des bestehenden Hochhauses. Ausreichend Abstand zu den Untergeschossen der Zeilenbauten, so dass eine wirtschaftliche Bauweise gelingen kann.
Die gew√ľnschte Hybridbauweise ‚Äď die wir sehr gerne aufgreifen und anbieten, an anderer Stelle von uns auch schon angewandt ‚Äď hat, wenn deren Vorteile zur Geltung kommen sollen planerische Konsequenzen auf den Geb√§udeentwurf. Kompaktheit ohne Vor- und R√ľckspr√ľnge, Verzicht auf eingeschnittene Loggien, gleiche Grundrisse √ľbereinander und keine Installationsverz√ľge sind ganz ausschlaggebende Parameter f√ľr die Wirtschaftlichkeit dieser Bauweise, bedeutend mehr als bei konventioneller Massivbauweise. Diese Kriterien bestimmen unser Handeln, maximal gleiche, kompakte Einzelbauk√∂rper mit vorgesetzten Balkonen, die mit deren Form als Zitat der F√ľnfziger Jahre die Geradlinigkeit aufbrechen und einen fast spielerischen Akzent setzen, Bewohnertauglich mit blickdichter Br√ľstung in das farbige Fassadenkleid integriert.
Die Grundrisse im gew√ľnschten Mix sind klar zoniert, gebrauchstauglich und entsprechen in ihrer Gr√∂√üe durchg√§ngig den F√∂rderrichtlinien. Ganz besondere Qualit√§t ist sicherlich die dreiseitige Belichtung. Durch die konsequente Kompaktheit der Geb√§ude k√∂nnen in der Betrachtung der Gesamtwirtschaftlichkeit die Zweisp√§nner bestehen, st√§dtebaulich und Geb√§udetypologisch ohnehin!
Die Freianlagen ordnen sich in das Gesamtkonzept ein, die Wege folgen der Orthogonalit√§t der Geb√§ude, in der Gr√ľnen Mitte entsteht eine fast Park√§hnliche Aufenthaltsqualit√§t f√ľr Alle. Eine Boulebahn s√ľdlich des Hochhauses und zwei unterschiedlich ausgepr√§gte und differenziert gestaltete Spiel- und Trefforte f√ľr Kinder und Heranwachsende integrieren sich ganz selbstverst√§ndlich in das zur√ľckhaltende Landschaftskonzept.

Das Hochhaus wird Teil des sp√ľrbaren Gesamtkonzeptes. Die neue Geb√§udeerschlie√üung positionieren wir konsequent im Norden, ohne Umwege direkt von der Darmst√§dter Stra√üe. Ein halb√∂ffentlicher Vorplatz mit gro√üem Schutzdach definiert das qualit√§tvolle Entr√©e. Durch die neue Treppenhauserg√§nzung mit Durchlader-Aufzug ist eine barrierefreie Erschlie√üung in allen Teilen gew√§hrleistet, gleichzeitig ist mit diesem Treppenhaus ein zweiter baulicher Rettungsweg mit Feuerwehraufzug geschaffen, somit entf√§llt die Investitions- und Wartungsintensive Anlagentechnik eines Sicherheitstreppenhauses im Hochhaus.
Mit der Erweiterung nutzen wir die Chance auf eine plastisch differenzierte Bauk√∂rperauspr√§gung, mit zwei unterschiedlich tiefen Geb√§udefl√ľgeln l√∂sen wir die M√§chtigkeit des Bestandsbauk√∂rpers auf. Mit dieser skulpturalen Haltung schneiden wir den weniger tiefen Geb√§udeteil in der Attikah√∂he der umgebenden Neubauten auf und ‚Äěverschieben‚Äú den Bauk√∂rper um zwei Geschosse mit zweierlei Zielen nach oben. Zum Einen verbinden wir die dominierende Baumasse des Hochhauses wahrnehmbar mit den kleinteiligen Erg√§nzungsbauten, gleichzeitig schaffen wir eine Gemeinschaftsterrasse mit sommerlichen Nutzungsfantasien. Den bisherigen Eingangsbereich im S√ľden nutzen wir zuk√ľnftig als innenr√§umlichen Gemeinschaftsraum mit Blick in den Park, zwei Angebote die dem zuk√ľnftigen Miteinander dienen.

Alles in Allem eine unpr√§tenti√∂se st√§dtebauliche Neuordnung die mit der notwendigen Sensibilit√§t und Ma√üst√§blichkeit Alt und Neu mit respektvoller Ausgewogenheit gegen√ľberstellt, √∂ffentliche, halb√∂ffentliche und private Belange definiert und vereint, so dass trotz hohem Verdichtungsgrad eine erfrischende Quartiersbelebung gelingt, Fifties reloaded!