Nichtoffener Wettbewerb | 01/2026
Neubau Unionbrücke in Offenburg
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Blick von Norden
©KFWM Architekten BDA
Preisgruppe
Preisgeld: 30.000 EUR
TransportTechnologie-Consult Karlsruhe GmbH (TTK)
Verkehrsplanung
Erläuterungstext
1. Situation und Aufgabenstellung
Die Unionbrücke befindet sich in zentraler Lage direkt im Süden des Bahnhofsquartiers zwischen den Quartieren „Neues Finanzamt“ und „Unionrampe“. Die neue Unionbrücke soll der besonderen stadträumlichen und verkehrlichen Lage zwischen den Quartieren gerecht werden und diese miteinander verbinden. Im Rahmen des Neubaus gilt es, die Verkehrsqualität zu verbessern und die Straßenräume gestalterisch aufzuwerten.
2. Konzeption Brücke und städtebauliche Einbindung
Die Brücke quert einen ca. 36 m breiten Bahngraben mit 6 Gleisen. Die lichte Höhe unterhalb der neuen Brücke wird dabei gemäß Auslobungsunterlage für den Zugverkehr über die gesamte Breite der Gleisanlage auf 6,20 m erhöht. Die Oberkante des Brückenbelags erhöht sich für Fußgänger, Fahrradfahrer und den motorisierten Verkehr im Vergleich zur abgängigen Brücke an den Brückenköpfen lediglich um 65 cm. Diese geringen Erhöhungen lassen sich in den Rampenbereichen sehr verträglich in die Rahmenbedingungen der bestehenden Situation einpassen.
Die geplanten Neubauten bilden jeweils einen Rücksprung zur bestehenden Straßenrandbebauung und schaffen somit großzügig angelegte, stadträumlich gefasste Bereiche für die neuen Brückenköpfe. Das Quartier „Unionrampe“ erhält in Anlehnung an das Rée-Carré einen einladenden öffentlichen Charakter mit intensiv begrünten Aufenthaltsbereichen. Die Bebauung wird hier zur Hauptstraße hin entsprechend durchlässig ausgebildet. Der neue auf der Ostseite entstehende Kreisverkehr wird zum Finanzamt hin durch eine abgestufte und begrünte Mauer gefasst. Integrierte Treppen verbinden die obere mit der unteren Ebene. Ein gemeinsamer Geh- und Radweg ist ebenerdig entlang der Mauer in Nord-Süd-Richtung angelegt.
3. Konzeption Verkehr
Zentrales Element des Verkehrskonzepts bildet der Kreisverkehr auf der Ostseite, welcher zur Abschnittsbildung zwischen den städtebaulichen Umfeldnutzungen und somit als raumgliederndes Element zwischen den Straßenräumen und den Quartieren dient. Der innerstädtische Kreisverkehr ermöglicht einen harmonischen Übergang auf die Unionbrücke in Richtung Westen und eignet sich aufgrund der gleichmäßigen Knotenpunktbelastungen ideal zur Verteilung der Verkehrsströme. Durch den Einsatz eines Kreisverkehrs wird eine hohe Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit
gewährleistet. Gleichzeitig können die Kosten für den Bau und den Unterhalt von Lichtsignalanlagen vermieden werden. Die gewählte Knotenpunktform trägt unter anderem durch geringere Geschwindigkeiten und gleichmäßigere Fahrweisen zu reduzierten Schadstoff- und Lärmemissionen bei. Zunächst wurde auch auf der Westseite der Unionbrücke eine Lösung mit Kreisverkehr in Betracht gezogen, welche jedoch aufgrund der Flächenverhältnisse, der einzuhaltenden Zwangspunkte sowie der ungleichmäßigeren Knotenpunktbelastung verworfen wurde. Stattdessen wurde auf eine Lösung mit Lichtsignalanlage zurückgegriffen, um eine Trennung der Verkehrsströme zu ermöglichen.
Gemäß den Handlungsfeldern des Masterplan OG 2035 wurde beim Entwurf großen Wert auf fußverkehrsfreundliche Straßenräume und Querungen, die Erhöhung der Aufenthaltsqualität sowie auf die Trennung von Fuß- und Radverkehr gelegt. Der vom Kreisverkehr kommende Grünstreifen wird auf der Brücke dynamisch durch die Brückenkonstruktion in Richtung Westen weitergeführt und trennt den Fuß- und Radverkehr konsequent von der Fahrbahn. An den Kreisverkehrszufahrten sind jeweils barrierefreie Fußgängerüberwege vorgesehen um ein sicheres Queren zu ermöglichen. In Richtung Osten zum Neubau des Finanzamts ermöglichen Treppenanlagen eine kurze, fußläufige Verbindung zwischen den neuen Quartieren. Der um den Kreisverkehr geführte und bevorrechtigte Radweg fördert ein sicheres, konstantes und energieeffizientes Radfahren im Seitenraum und eignet sich daher ideal für die Integration der Radschnellverbindung. Der Radverkehr wird im Einrichtungsverkehr geführt, um eine konfliktfreie und intuitive Führung an den Knotenpunkten zu gewährleisten. Eine innerstädtische Führung im Zweirichtungsverkehr wurde gemäß geltender Regelwerke insbesondere aufgrund der Rampensituation bewusst vermieden. Am signalisierten Knotenpunkt auf der Westseite der Brücke wird der Fuß- und Radverkehr gesichert über die Unionrampe und die Gustav-Ree-Anlage geführt. Westlich des Knotenpunkts trennen Grünanlagen den Seitenraum weiterhin von der Fahrbahn. Diese wirken zusätzlich als raumgliederndes Element zwischen Unionbrücke und dem neuen Quartier „Unionrampe“. Die Straße „Gustav-Ree-Anlage“ wird gestalterisch von der Hauptachse abgekoppelt. Die Radschnellverbindung in Richtung Süd-West wird bis zur Gustav-Ree-Anlage 3 im Seitenraum geführt und anschließend über ein baulich geschütztes Radwegende zunächst auf einen Schutzstreifen und dann auf die Fahrbahn geleitet. In Gegenrichtung geschieht dies in umgekehrter Reihenfolge. Im weiteren Verlauf ist die Einrichtung einer Fahrradstraße (KFZ-frei) vorgesehen, um die hohe Netzbedeutung für den Radverkehr und die untergeordnete Bedeutung für den KFZ-Verkehr zu verdeutlichen. Die Zufahrt und Anlieferung mit KFZ zum Rée-Careé bleibt dabei weiterhin möglich. Die Querschnittsgestaltung der Gustav-Ree-Anlage verlagert die Gehwege auf die Westseite und generiert mehr Fläche zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität durch Begrünung und Möblierung. Die barrierefreie Fußverbindung zum Rée-Careé gewinnt neben der qualitativ hochwertigen Wegeführung somit zusätzlich an klimatischer Qualität gemäß dem „Teilkonzept Bioklimatische Entlastungssystem“ des Rahmenplan Stadtklimawandel.
Die Anschlussbereiche der Verkehrsführung in Richtung Hauptstraße, Rammersweierstraße und Zellerstraße folgen dem Rahmenplan Bahnhofsquartier, wobei der Anschluss am Knotenpunkt Zellerstraße/Wilhelmstraße gemäß Anlage 5.3 des Fahrradförderprogramm V im Konzept integriert wurde. Die Linksabbiegespur von der Wilhelmstraße in Richtung Luisenstraße wurde aufgrund der wichtigen Abbiegebeziehung für den ÖPNV im Konzept beibehalten. Sämtliche Grundstückszufahrten und Zwangspunkte sind in der Planung berücksichtigt.
4. Konzeption Tragwerk
Für den ca. 25 m breiten Querschnitt ist ein dichtverschweißter Stahlhohlkasten mit orthotroper Fahrbahnplatte und einer mittleren Querschnittshöhe von 100 cm vorgesehen. Das Eigengewicht des Stahlhohlkastenquerschnitts ist vergleichsweise gering.
Der Werkstoff Stahl ist vor allem im Hinblick auf die Brückenmontage geeignet, denn es ermöglicht die Reduzierung der Sperrpausen bei der Deutschen Bahn auf ein notwendiges Minimum. Er ist kreislaufgerecht und vollständig recycelbar, bei Verwendung von grünem Stahl emissionsarm.
Die Querschnittshöhe der Rippen ist an den Momentenbeanspruchungen orientiert, die maximale Gesamtquerschnittshöhe in Brückenmitte beträgt 250 cm. Mit der gewählten Rippenform wird an allen Stellen die erforderliche Konstruktionshöhe erreicht, so auch in Brückenmitte bei der maximalen Biegebeanspruchung. Vor den beiden Brückenenden tauchen die Rippen in den Stahlhohlkasten ab, so dass keine verkehrlichen Behinderungen entstehen. Der Stahlbauüberbau wird mit einer Überhöhung für die Verformungen aus Eigengewicht plus einen Verkehrslastanteil hergestellt, so dass sich ein leichtes Brückengefälle in Richtung der Brückenwiderlager ergibt.
Die Form der Rippen ermöglicht es außerdem, ein Fußgängerüberweg quer über die Brücke vorzusehen. So haben die Fußgänger kurze Wege. Gleichzeitig ermöglicht die Geometrie optimale Sichtverhältnisse für den Fuß- und Radverkehr. Die beiden Hauptträger dienen auch als Trennung zwischen motorisiertem Verkehr und Fuß- und Radfahrern. In Brückenquerrichtung befinden sich Quersteifen. Für den Bauablauf ist es denkbar, den Überbau längs in zwei Hälften zu teilen, vor Ort zu verschweißen und gesamthaft einzuschieben.
Das Einfeldträgersystem ist auf Kalottenlagern statisch bestimmt gelagert. Das Festlager ist auf der Seite des Kreisverkehrs angeordnet, um in diesem Bereich eine Übergangskonstruktion zu vermeiden. Am westlichen Brückenende befindet sich eine Übergangskonstruktion. Die neuen Brückenwiderlager liegen in der Flucht des denkmalgeschützten Bahngrabens.
Die Gründung der Stahlbeton-Widerlager erfolgt auf Stahlbeton-Bohrpfählen. Zur optischen Eingliederung in den Bahngraben werden die Widerlagerwände mit Verblendmauerwerk in Anlehnung an die benachbarten historischen Stützwandkonstruktionen ausgebildet.
Der Fahrbahnaufbau der orthotropen Fahrbahnplatte besteht aus einer Abdichtung mit Gussasphaltschutzschicht und Gussasphaltdeckschicht, um eine möglichst geringe Aufbauhöhe zu erreichen. Ein Anprallschutz für die Hauptträger wird aufgrund der Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h für nicht erforderlich.
In den Randbereichen ist für die Absturzsicherung ein robustes und dauerhaftes Füllstabgeländer vorgesehen. Für den Berührschutz kommt eine transluzente Glaskonstruktion auf Stahlunterkonstruktion zum Einsatz.
Die Haupttragelemente werden bei Nacht durch eine zurückhaltende, in die Rippen integrierte, passive LED-Beleuchtung in Szene gesetzt, welche für den Nutzer blendungsfrei ist. Für den Fuß- und Radwegverkehr gibt es eine in das Brückengeländer integrierte Handlaufbeleuchtung.
Die Entwässerung des Brückenquerschnitts erfolgt in Querrichtung über die vorgesehenen Querneigungen, von dort über ein geringes Längsgefälle in Brückenlängsrichtung in Richtung der beiden Brückenwiderlager.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Beitrag zeichnet sich durch einen stadträumlich integrierenden Ansatz für Konstruktion und Einbindung in den umgebenden Raum aus, der für den Ort angemessen ist. Aus der Logik der Brückenkonstruktion folgt eine schlüssig ausgearbeitete Lösung für den Raum. Das durch die tragenden Rippen eingerückte und oben liegende Tragwerk gliedert die Verkehrsräume auf der Brücke geschickt und sorgt für eine gute Maßstäblichkeit. Die Tragwerkskonstruktion ist schlank und in der Tragwirkung klar und nachvollziehbar.
Positiv hervorgehoben wird die Überblickbarkeit des Tragwerks, sie lässt für ein hohes Sicherheitsgefühl in der Nutzung der Brücke erwarten. Das Nebeneinander der verschiedenen Verkehrsarten ist wohltuend gestaltet, auch in den an die Brücke angrenzenden Bereichen. In der verkehrlichen Betrachtung wird die Bestandssituation für alle Verkehrsarten entsprechend den Anforderungen der Ausloberin verbessert. Der Beitrag stellt insgesamt einen unter allen Aspekten passgenauen, stadtraumverträglichen und maßstäblichen Beitrag für die räumliche und verkehrliche Situation dar.
Das Preisgericht formuliert nachfolgende Fragen und Aufgaben, die in den weiteren Schritten des Verfahrens zu klären sind:
- Der Bereich zwischen Kreisverkehr und dem zukünftigen Finanzamtsgebäude auf der Ostseite der Bahn ist für die räumlich engste Stelle in Schnitt zu präzisieren.
- Erwartet wird eine deutlichere Aussage, wie sich der verbleibende Freiraum zum Finanzamt gestalterisch darstellen könnte.
- Die Belichtung für die zukünftigen Erweiterungsbauten des Finanzamtes sind für das EG und das 1. OG nachzuweisen und im Plan darzustellen.
- Die Montagezustände und Bauzustände einschließlich der Eingriffe in den Bahnbereich sind in Plänen zu präzisieren, insbesondere im Hinblick auf die Belange der Bahn.
- Der Verbau für die Widerlager unter bahnbetrieblichen Anforderungen ist zu klären.
- Für den horizontalen Berührschutz ist zu prüfen, ob dieser von der DB zugelassen wird, der Nachweis ist durch die entsprechenden Vorschriften und Richtlinien nachzuweisen.
- Die Straßenbeleuchtung ist zu präzisieren und in einer Nachtsimulation (Visualisierung) darzustellen.
- Die Oberleitungsstandorte sind darzustellen und die Baubarkeit unter der Maßgabe der Funktion der Maststandorte und der Oberleitung nachzuweisen.
- Die Radwegbreiten sind gemäß der Optimierungsvorschläge der Verfasser anzupassen und zu verbreitern.
- Eine Radwegeachse auf der Ostseite von Nord nach Süd und auf der Westseite von Süd nach Nord ist zu berücksichtigen.
Lageplan
©KFWM Architekten BDA
Städtebau | Freiraum | Verkehrsführung
©KFWM Architekten BDA
Querschnitt durch den Brückenkörper
©KFWM Architekten BDA
Längsschnitt mit Darstellung der Widerlager
©KFWM Architekten BDA
Ansicht Süd
©KFWM Architekten BDA
Lageplan mit Darstellung der Anschlusspunkte
©KFWM Architekten BDA
Detail Geländer
©KFWM Architekten BDA