modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Projektwettbewerb | 04/2023

Neubau Untere Allmend in Sarnen (CH)

Visualisierung

Visualisierung

2. Rang / 2. Preis

Preisgeld: 25.000 CHF

Niklaus Graber & Christoph Steiger Architekten

Architektur

koepflipartner

Landschaftsarchitektur

Lauber Ingenieure AG

Tragwerksplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Die beiden langen, gezackten Volumina mit drei bis fünf Geschossen sind in ihrer Längsachse zueinander versetzt. Daraus ergibt sich erstens ein attraktiver, baumbestandener und weitgehend nicht unterbauter Freiraum, der von der Aa her bis an die Jänzistrasse reicht, zweitens eine räumliche Öffnung im Nordwesten an der Aa samt Kopfvolumen als Ortsauftakt, und drittens ein platzartiger Aussenraum im Südosten, der an der belebtesten Ecke des Gevierts die Tiefgagarageneinfahrt mit gemeinschaftsbezogenen Nutzungen anreichert. Die Massstäblichkeit der sehr langen, horizontal gefalteten Fassaden ist eher im Bezug zum prägnanten Landschaftraum verankert denn in den Gebäuden der Nachbarschaft. Die Wohnungen sind konzeptgetreu zum Fluss hin ausgerichtet, und nicht zum Strassenraster. Diese Grunddisposition fasziniert, auch weil sie die vorhandenen Ausssichtsqualitäten für die Bewohnenden in Wert setzt. Damit werden überaus attraktive Wohnungen in den Obergeschossen erzeugt: Jedes Zimmer weist eine Übereck-Belichtung auf, und die Wohnungen verfügen sowohl im Westen wie auch im Osten wohnbezogene Aussenräume. Das ineinandergreifen von Berg- und Aasicht, grünem Freiraum, Balkon, Wohn- und Essbereichen und Zimmern ist räumlich gekonnt orchestriert.
Die subtile Setzung der Bauten schafft Raum für eine grosszügige und fliessende Mitte, welche durch eine baumbestandene Aufforstung mit lockerer Setzung eine eigene Qualität erhält. Die Wohnungen, optimal ausgerichtet für Licht und Aussicht, erhalten mit dem dazwischenliegenden baumbestandenen Freiraum eine zusätzliche Wohnqualität. Die Verschiebung der beiden Baukörper spielt im Norden und Süden zwei Freiräume frei, die sehr spezifisch auf den Kontext einzugehen vermögen. Im Norden laden Spielgeräte und Spielwiese von extensiver Natur zum Aufenthalt ein und profitieren vom angrenzenden Flussraum. Im Süden bei der Jänzistrasse überzeugt die überdachte Tiefgarageneinfahrt als Hauptattraktion für den angedachten Quartierplatz noch nicht restlos. Entlang der Brünigstrasse werden als Lärmschutzmassnahme bei den Erdgeschosswohnungen patioartige Aussenräume vorgeschlagen. Die Qualität und Nutzbarkeit dieser Räume in Kombination mit der strassenbegleitenden Vorzone werden kritisiert.
Das effizient gesetzte Untergeschoss ermöglicht einen suffizienten Umgang mit dem Terrain. Baumsetzungen sind in Zusammenhang mit der geneigten Dachfläche der Unterbauung realistisch geplant. Eine Retentionsmulde ist im Norden angedacht, die Speisung dessen ist jedoch nicht nachgewiesen.
Während sich in den Obergeschossen trotz kleinen Spannweiten der Primärtragelemente grosszügige Raumfolgen entfalten, ist das Erdgeschosslayout unausgewogen und teilweise dysfunktional: Der östliche Baukörper weist viel zu grosse Eingangshallen (für jeweils nur vier Wohnungen pro Erschliessungskern in den Obergeschossen), konfuse Gewerberaumgeometrien ohne logische Anlieferung und ein extrem enger Durchschlupf in der Gebäudemitte auf. Das westliche Gebäude umfasst eine Wohnung an der visuell prominenten Ecke Brünigstrasse/Jänzistrasse, sehr enge hofseitige Erschliessungskorridore, eine unnötige, die Vorzone entlang der Brünigstrasse belastende doppelte Fusswegführung, und enge, teilweise schlecht belichtete Wohnungen mit ummauerten Patios an der Brünigstrasse. Die Diskrepanz zwischen klarer, mutiger und plausibler städtebaulicher Grundidee und dem ungenügenden Erdgeschosslayout ist auffällig. Die geometrische Eleganz der Obergeschosse wird im Erdgeschoss zur Hypothek. Unter anderem resultieret eine konfuse Vorzonen entlang der Brünigstrasse.
Die – insbesondere in den Obergeschossen – konstruktiv stimmig konzipierten Gebäude weisen eine hohe Fassadenabwicklung auf. Mit 51 Wohnungen werden relativ betrachtet wenig Wohnungen angeboten. In diesem Kontext wird fraglich, ob der östliche Baukörper nur zwei Wohngeschosse aufweisen soll. Die Tiefgarage lässt genügend Wurzelraum für die in Plan und Bild dargestellten Bäume zu – insbesondere auch deshalb, weil wenig Parkplätze pro Wohnung angenommen werden. Die Abstützung der hofseitigen Fassade auf der Tiefgarage ist aufwändig, da die Lasten der Häuser mehrheitlich über den zwangsläufig stützenfreien Fahrgassen liegen.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der räumlich ansprechende Vorschlag mit maximalen Wohnungsqualitäten in den Obergeschossen, einem grosszügigen baumbestandenen Freiraum, einem präzis ausformuliertem Kopfbau im Nordosten und einer spannenden (kontrovers diskutierten) Quartierplatzidee im Südosten des Gevierts auftrumpft. Demgegenüber überzeugen die strassenseitigen Bezüge der langen Häuser und das Erdgeschosslayout das Preisgericht jedoch nicht. Erschwerend kommt dazu, dass der vom Verfasserteam postulierte Anspruch, mit einer «Dichte [...] den wertvollen Boden optimal zu nutzen» und somit «zahlbaren Wohnungsraum» zu schaffen, in Anbetracht der relativ wenig Wohnungen und des schlechten Kosten-Ertragsverhältnisses nicht erfüllt wird.
Visualisierung

Visualisierung

Lageplan

Lageplan