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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2025

Neubau Verwaltungsgebäude Entsorgungszentrum Heilbronn

Visualisierung
9

Visualisierung

ein 2. Preis

Preisgeld: 6.500 EUR

GIES ARCHITEKTEN BDA

Architektur

Ingenieurbüro Wirth Haker

Tragwerksplanung

Baukreisel

Sachverständigenwesen, Nachhaltigkeitskonzept, sonstige Fachplanung

freisign Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

solares bauen GmbH

Bauphysik, Energieplanung

Jochen Zimmermann Modellbau

Modellbau

Beurteilung durch das Preisgericht

Die EntwurfsverfasserInnen sehen ein eingeschossiges, kompaktes Langhaus mit Satteldach vor, dass sich in Ost-West Richtung auf dem Grundstück aufspannt. Das Gebäude, das von der Zufahrtsstraße abgerückt ist und so eine Vorzone schafft, die zum Ankommen dient, fügt sich städtebaulich gut an dem Ort ein und schafft eine neue Adresse. Der Hauptzugang erfolgt barrierefrei, der Nebeneingang benötigt eine Treppe, was von der Jury kritisch diskutiert wird. Die Lage und Anzahl der Parkplätze an so prominenter Stelle vor dem Eingang, trotz Einbindung in eine begrünte Zone, wird als nicht mehr zeitgemäß eingestuft und birgt Konfliktpotential mit dem ankommenden Verkehr.

Prägend für die Gestaltung des Gebäudes ist ein wiederverwendeter Holzfachwerkträger aus einer ehemaligen Schlachterei aus Offenburg, der sowohl die Dachform als auch die Abmessungen des Gebäudes bestimmt. Der rechtwinkelige Körper springt auf beiden Längsseiten zurück und schafft auf der Südseite einen barrierefreien, überdachten Eingangsbereich, der auch Fahrradstellplätze vorsieht und auf der Nordseite eine überdachte Terrasse, die den Mitarbeitenden für die Pausen dient. Über eine Treppe erschließt der Nebeneingang den Schwarzbereich direkt von außen. Die Funktionalität dieses für den Ablauf so wichtigen Bereichs wird hinterfragt.

Das Gebäude gliedert sich in drei Nutzungsbereiche. Ein großzügiger Eingangsbereich fungiert als Verteiler und erschließt die im rechten Gebäudeteil gelegenen Mitarbeiterbüros, den zentral gelegenen, überhöhten Multifunktionsbereich sowie über einen weiteren Stichflur die Räume für die Mitarbeitenden sowie weitere Nebenräume. Die Organisation der Grundrisse wirkt aufgrund der Erschließungsflure etwas kompliziert und vermag nicht vollständig zu überzeugen.

Der Entwurf trennt Bauteile unterschiedlicher Lebensdauer um einer zukünftigen zyklischen Wartung, Reparatur und Erneuerung Rechnung zu tragen und so die Lebensdauer des Gebäudes zu erhöhen. Zudem setzen sich die EntwurfsverfasserInnen intensiv mit der Nutzung von wiederverwendeten Bauteilen auseinander. Die Punktfundamente werden aus gesägten, unbewehrten Betonplatten hergestellt, die aufeinandergeschichtet und mit Edelstahlschrauben reversibel gefügt werden. Die Umsetzung scheint jedoch sehr komplex und wird aufgrund der Bodenverhältnisse so nicht umzusetzen sein.

Die tiefgehende Auseinandersetzung mit den Materialkreisläufen bezüglich Herkunft und Wiederverwertung wird besonders wertgeschätzt.

Die vertikale Tragstruktur besteht aus Stahlstützen, die ebenso wie das Dachtragwerk aus Offenburg bezogen werden. Dieser Ansatz erfordert jedoch eine zusätzliche raumabschliessende Decke über den beheizten Räumen, was insbesondere auch im Versprung zum Mehrzweckraum erhöhte Aufwendungen erfordert.

Die Außenwände sind in Holzrahmenbauweise aus Altholz konzipiert. Die Fassade verfolgt das Prinzip der Schuppung, um wiedergewonnenen Plattenmaterialien, (z.B. Holzwerkstoff- Faserzementplatten, Isolierglaseinheiten, oder auch Metallblechen) und Fenstern, deren Größe noch unbekannt ist, ein zweites Leben zu ermöglichen. Für den Innenausbau sollen die Materialströme aus Mieterausbauten oder Umnutzungen aus Bauteilbörsen wie Concular bezogen werden. Bauteile, die nicht aus dem Rückbau von Gebäuden bezogen werden können, sollen aus biogenen Materialien ergänzt werden.

Im Bereich der höher gelegenen Bodenplatte kommen Brettsperrholzplatten zum Einsatz, die über Schwalbenschwanzverbindungen reversibel gefügt werden und am Ende des Lebenszyklus zerstörungsfrei rückgebaut werden können. Die Brettsperrholzbodenplatte wird jedoch als materialintensiv eingestuft, hier sind die Möglichkeiten eines ressourcen-schonenden Materialeinsatzes noch nicht gänzlich ausgeschöpft.

Bezüglich der Kennwerte liegt die Arbeit mit ihren beheizten Flächen unter Durchschnitt und lässt in Bau, Betrieb und Wiederverwertung einen wirtschaftlichen Beitrag erwarten.

Insgesamt besticht die Arbeit durch ihre intensive Auseinandersetzung mit den Aspekten der Kreislaufwirtschaft, die Qualität im Inneren und die Anmutung der Fassaden stehen gegenüber dem überzeugenden, konsequent durchdachten Materialkonzept jedoch noch etwas zurück.
Lageplan 1:500

Lageplan 1:500

Grundriss EG 1:100

Grundriss EG 1:100

Ansichten 1:100

Ansichten 1:100

Schnitte 1:100

Schnitte 1:100

Isometrie Tragwerk

Isometrie Tragwerk

Modell

Modell

Modell Eingangsbereich

Modell Eingangsbereich

Modell

Modell