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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2023

Neubau Verwaltungsgebäude im Freilichtmuseum Hessenpark

Blick in den Innenraum

Blick in den Innenraum

1. Preis

Preisgeld: 26.180 EUR

Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten

Architektur, Landschaftsarchitektur

Architekturmodelle Boris Degen

Modellbau

Erläuterungstext

ST√ĄDTEBAULICHES UND ARCHITEKTONISCHES KONZEPT

Ein Haus. Das neue Verwaltungsgeb√§ude f√ľr den Hessenpark soll ein einfaches Haus werden. Gleichzeitig steht es an prominenter Stelle, direkt am Eingang des Hessenparks als neuer zeitgen√∂ssischer Baustein. Als solcher nimmt es sich in seiner Formensprache und H√∂he zur√ľck und passt sich nicht der Form der bestehenden Geb√§ude an. Es bedient sich aber einiger wesentlicher Elemente. So wird der Hessenpark erg√§nzt durch ein Schaust√ľck der √úbertragung tradierter Bauweisen mit aktueller Technik, die es durchaus wert sind in der heutigen Zeit wieder anzuwenden. Das neue Haus bildet die Grenze des Vorplatzes im Zusammenspiel mit dem Bestandsgeb√§ude. Der Eingang erlaubt einen Durchblick in den Hof ohne die Arbeitssituation nach au√üen preiszugeben.

Durch die synergetische Nutzung von Fl√§chen im Innenraum ist es gelungen, einen eingeschossigen Bauk√∂rper auf das Baufeld zu platzieren. Dadurch werden vertikale Erschlie√üungselemente mit Wartungskosten und zus√§tzlichem Energie- und Fl√§chenbedarf vermieden. Einfach barrierefrei. Zum √∂ffentlichen Bereich des Eingangsplatzes des Hessenpark ist eine dienende Spange angeordnet. Die √Ėffnungen sind auf den einladenden Eingang und das zeitweise ge√∂ffnete Verkaufsfenster begrenzt, mit dem Ziel ein ausgewogenes Verh√§ltnis von Geborgenheit f√ľr die Mitarbeitenden und eine freundliche Offenheit f√ľr die Besuchenden zu erzeugen.

Ein Haus wie ein Dorf - Im Inneren schichten sich verschiedene Arbeitsbereiche um einen versetzt zentral gelegenen kleinen Innenhof. Dieser bietet zus√§tzliche Belichtung, einen Au√üenarbeitsbereich f√ľr die Mitarbeitenden und hat zudem eine klimatische Wirkung im Sommer. Das Motiv des kleinen Dorfbrunnens, der √ľberall auf dem Gel√§nde bei den einzelnen H√§usergruppen zu finden ist, wird hier im Hof aufgenommen. Pflanzen und Wasser sorgen im Sommer f√ľr Atmosph√§re, Schatten und adiabate K√ľhlung. Einfache und nat√ľrliche Prinzipien, die sich sowohl psychologisch als auch klimatisch positiv auf die Arbeitsatmosph√§re auswirken. Die Heimath√§fen gruppieren sich ringf√∂rmig an den Au√üenw√§nden. Die dunkleren, das Haus aussteifenden und tragenden Ecken werden mit dem Thinktank und den Lagern besetzt, die weniger Licht erfordern. Die kommunikativen Aufenthaltsfl√§chen orientieren sich zum Hof. Ein einfaches Haus, wie ein Zelt, bietet zonierte und vielfach nutzbare Raumabfolgen, die kommunikative und konzentrierte Arbeitssituationen zulassen.

FREIRAUM

F√ľr die Gestaltung des Vorplatzes schlagen wir einfache, aber wirkungsvolle Elemente vor. Das Thema des Brunnens wird noch einmal aufgegriffen. Die Begrenzungen von Platz und Gr√ľnfl√§chen erfolgen mit einfachen steinernen Sitzb√§nken.

MAXIMALE FLEXIBILIT√ĄT

Die Lebensdauer von Geb√§uden h√§ngt ma√ügeblich von der Anpassungsf√§higkeit und (Nutzungs-)Flexibilit√§t ab. Die M√∂glichkeit ohne gr√∂√üere Eingriffe, Raumzusammenh√§nge zu ver√§ndern, B√ľro- bzw. Arbeitskonzepte anpassen zu k√∂nnen, ist wesentlich. Die Ausbildung der immobilen Elemente - Tragwerk und Einbauten - folgen konsequent dieser Maxime.

KREISLAUFEFFEKTIVE KONSTRUKTION AUS HOLZ UND STROH

Holz, Stroh und Lehm sind der Kanon der Materialität. Die großen geschlossenen Flächen des Daches und der Außenwände sind mit Strohballen gedämmt. Das Konstruktionsraster ist auf diese Bauweise angepasst.

Das Tragwerk mit 25 x 25 m ist in konstruktiv geschickter Weise gegliedert. Entlang der Au√üenw√§nde sind an allen Ecken geschlossene Wandelemente aussteifend angeordnet. Damit sind die Gratsparren fixiert. Auch der exzentrisch angeordnete Lichthof ist in sich ausgesteift ausgebildet. Daf√ľr wird in jeder der vier Wandebenen ein vertikal sichtbar ausgebildeter Fachwerktr√§ger errichtet. Die Lage des Lichthofes erlaubt auf der S√ľdseite eine St√ľtzenreihe, die die langen Sparren ressourcenschonend ann√§hernd halbiert. Gleiches gilt auf der Ostseite ‚Äď dort ist eine Wandebene eingezogen.

W√§nde und Decken sind in Strohballenbauweise ausgef√ľhrt, mit St√§nderkonstruktionen aus Holz, die mit Stroh ausgefacht sind. Wand- und Deckenaussteifung sowie Innenbekleidung werden mit Dreischichtplatten sichergestellt. Die St√§nder werden im Innenraum sichtbar √ľberh√∂ht und reflektieren die an die Fachwerkbauweise angelehnte Bauweise mit Stroh wieder.

Die Langlebigkeit des Bauwerks wird durch den flexibel nutzbaren Einraum sichergestellt. Unterschiedlichste Nutzungen sind in dieser R√§umlichkeit umsetzbar. Trennbarkeit und Demontierbarkeit der Tragstruktur zur Weiterverwendung der Bauelemente, werden durch einfach l√∂sbare und dem Formschluss folgende Verbindungen aus Einschraubmuffen, Verzahnungen und Konusd√ľbeln sichergestellt.

GEB√ĄUDETECHNISCHES KONZEPT

Das Geb√§ude selbst bietet durch sein gutes A/V-Verh√§ltnis und die kompakte Form gute Voraussetzungen f√ľr einen niedrigen Endenergiebedarf. Wichtig ist die einfache und zuverl√§ssige Funktion der technischen Komponenten. Die W√§rmeerzeugung sichert die vorhandene Fernw√§rmeversorgung, die Beheizung wird durch eine fl√§chendeckende Fu√übodenheizung vorgenommen. K√ľhlung und L√ľftung erfolgen frei. Dabei wird die evaporative K√ľhlung der einstr√∂menden Luft √ľber den bepflanzten Innenhof genutzt. Die w√§rmere Luft steigt im Raum auf und str√∂mt durch die oberen √Ėffnungsklappen ab. K√ľhle Luft aus dem Hofbereich str√∂mt nach. Die Klappen und T√ľren k√∂nnen durch die gesicherte Hof-Lage im Sommer immer ge√∂ffnet bleiben und dienen so auch der freien Nachtausk√ľhlung. Auf der nicht verschatteten Ostseite des Daches werden PV-Elemente vorgesehen. Alle geb√§udetechnischen Komponenten sind wiederverwendbar oder recyclebar. Die Fu√übodenheizung besteht aus metallischem (kein Verbundstoff) gut vom Heizestrich trennbaren Material, die PV-Anlage aus innovativen organischen Solarfolien, die ohne seltene Erden hergestellt werden. Zum quantitativ sinnvollen Einsatz von Stromspeichern, m√ľssen im weiteren Planungsverlauf Simulationsberechnungen durchgef√ľhrt werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Bauk√∂rper entwickelt sich aus einer nahezu quadratischen Grundform, die mit der √∂stlichen Seite zum Eingang hinleitet. Der Bauk√∂rper bildet eine eigenst√§ndige Form, die sich nicht vornehmlich an den umgebenden Typologien orientiert. Diese Form wird unterst√ľtzt durch eine nur leichte Dachneigung, die in ihrer Flachheit auff√§llt.

Der Eingang wird durch leichte Abschr√§gung der Au√üenw√§nde gebildet. Diese subtile Bearbeitung funktioniert, auch wenn der Holzbau orthogonale Konstruktionen nahelegt. Die Entw√§sserung muss in diesem Fall besonders gut im Detail geplant werden, zumal diese √ľber alle vier Au√üenw√§nde erfolgt.

Das Geb√§ude wird durch einen Innenhof gegliedert, der leicht versetzt zur Mitte angeordnet ist. Dadurch entstehen unterschiedliche Raumzonen, die gut mit entsprechenden Funktionen belegt sind. Die Zonierung und die Flexibilit√§t in Kombination mit dem Innenhof schaffen eine hohe Qualit√§t der Nutzung als B√ľro und Besprechung.

Die angebotenen Nutzfl√§chen sind geringer, als in der Auslobung beschrieben. Die Aspekte der Nachhaltigkeit im Hinblick auf die Materialit√§t und Energieeffizienz werden erf√ľllt, wenn auch im Vergleich zu anderen Arbeiten nur im durchschnittlichen Bereich. Die Eingeschossigkeit erleichtert die barrierefreie Erschlie√üung und die Schaffung entsprechender Rettungswege.

Das knappe Fl√§chenangebot, die Eingeschossigkeit und die gew√§hlte Konstruktion f√ľhren zu einem Entwurf, der im Hinblick auf die Baukosten vorteilhaft ist. Er liegt - bezogen auf den vorgegebenen Kostenrahmen - in der vergleichenden Kostenbetrachtung unter dem Durchschnitt der Arbeiten, jedoch √ľber dem Wert der Vorgaben aus dem ‚Äě0"-Projekt.

Die Anforderungen des Landes Hessen an die Energieeffizienz zur √úbererf√ľllung der gesetzlichen Mindestanforderungen k√∂nnen mit dem vorliegenden Entwurf gut erf√ľllt werden. Das vorgeschlagene Energiekonzept folgt konsequent dem Low Tech Prinzip und hinterl√§sst damit einen positiven Eindruck. Der verbleibende niedrige Energiebedarf soll durch die vorliegende Fernw√§rme gedeckt werden. Der Einsatz einer gro√üfl√§chigen PV-Anlage zur Erg√§nzung der Stromversorgung wird sehr positiv bewertet, auch wenn die vorgeschlagene Technologie aus laminierten D√ľnnschichtmodulen Fragen zum Wirkungsgrad und zur Konstruktion offenl√§sst. Der Entwurf befindet sich bez√ľglich der energetischen Gesamtbewertung im guten Mittelfeld aller abgegebenen Arbeiten.

Insgesamt wird die Eigenst√§ndigkeit des Entwurfs positiv gew√ľrdigt, wobei jedoch auch die in der perspektivischen Darstellung abgebildete Ma√üst√§blichkeit und monolithische Anmutung hinterfragt werden.
Vertikalschnitt und Ansichten

Vertikalschnitt und Ansichten

Lageplan

Lageplan

Blick auf das neue Verwaltungsgebäude des Freilichtmuseums Hessenpark

Blick auf das neue Verwaltungsgebäude des Freilichtmuseums Hessenpark