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Planungskonkurrenz | 06/2025

Neubau Wohnanlage Reißiger Straße / Nicolaistraße in Dresden

Perspektive Nicolaistraße
6

Perspektive Nicolaistraße

Teilnahme

JORDAN BALZER SCHUBERT Architekten BDA

Architektur

L10 Architekten GmbH

Architektur

Noack Landschaftsarchitekten GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Städtebauliche Einordnung des Gebäudes

Das vorliegende Grundstück zeichnet sich durch seine präsente Lage an der Nicolaistraße in unmittelbarer Nähe zum Fetscherplatz, einem wichtigen Knotenpunkt innerhalb der Nachbarschaft aus. Zudem bildet sich die zweite Grundstückskante entlang der Reißigerstraße aus, was dem Gebäude die Möglichkeit gibt Haltung zur Eckausbildung zu beziehen. Der vorliegende Entwurf schafft hier eine ruhige und klare Vermittlung zwischen beiden Straßen, in dem er sich in seiner Gebäudetiefe und Lage an den Bestand der Nicolaistraße anschließt und in Richtung der Straßenecke weiter nach vorn verspringt. Die Lage der Gebäudekanten wurde hier so gewählt, dass die vorhandenen Bestandsbäume erhalten werden können. Entlang der Reißigerstraße schafft einen städtebaulich angemessenen Gegenspieler zum zehngeschossigen Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dabei wird besonders die spitzwinklige Ecke des Gebäudes zu einem Element, dass sich aus Grundstücksform und Lage des Entwurfs definiert. Der Entwurf bildet hier eine würdige Betonung der Ecke, ohne die Bedeutung der Bebauung des Fetscherplatzes in Frage zu stellen.

Das Wettbewerbsgrundstück markiert eine städtebaulich zentrale Position. Entsprechend schafft der Entwurf einerseits eine eigene Identität für die Bewohner mit einem gemeinschaftlich genutzten halböffentlichen Innenhof hoher Aufenthaltsqualität. Andererseits dreht sich der Baukörper in seinen rückseitigen Abtreppungen in Richtung Süd-Osten und maximiert hiermit die Ausnutzung der „Sonnenseite“ für die einzelnen Wohnungen.

Die Fassaden der beiden Straßenseiten wurden einheitlich betrachtet, um der wichtigen Position des Entwurfs gerecht zu werden. Gleichzeitig wurde das Herausstellung der Ecke auch in den Ansichten betont, ohne mit der restlichen Fassade zu brechen. Durch die starke räumliche Gliederung der Fassade wird dabei eine gestalterische Individualität erzeugt, die zur Identität des Ortes beiträgt.


Entwurfskonzept/Flucht- und Rettungswege

Das Gebäude lässt sich in seiner Erschließung in zwei unterschiedliche Abschnitte gliedern. Der Gebäudeteil der Nicolaistraße orientiert sich dabei eher an den Nachbarbebauungen, je Geschoss werden zwei Wohnungen erschlossen. Der Abschnitt entlang der Reißigerstraße setzt hierbei auf eine Laubengangerschließung, welche dadurch zwei voneinander unabhängige, bauliche Rettungswege ermöglicht. Dadurch kommt der Großteil der Wohnungen ohne Feuerwehraufstellflächen aus, für die Restlichen sind nur zwei Flächen separat auf dem Grundstück vorzusehen. Die Laubengang Bereiche werden zoniert durch kommunikative semiprivate Vorzonen, welche vor den Wohnküchen der anliegenden Nutzungseinheiten mehr Privatsphäre für die Bewohner schaffen. Gleichzeitig steht die Stärkung der Gemeinschaft im Vordergrund, was auch durch die Ausbildung eines Gemeinschaftraums mit angrenzender Terrassenfläche im Erdgeschoss und einer Gemeinschaftsterrasse im 4. Obergeschoss unterstützt wird. Zuletzt ermöglicht die Laubengangerschließung das Durchstecken aller Wohnungen. Auch unter wirtschaftlichen Aspekten überzeugt die Lösung des Laubengangs, da mit lediglich zwei Aufzügen alle Wohnungen erschlossen werden können und so barrierefrei erreichbar sind.

Während die Wohnungen im Erdgeschoss als Hochparterre ausgebildet sind, wird die Ecke entlang der Nicolaistraße ebenerdig erschlossen, so dass eine Gewerbenutzung möglich ist. Dienende Räumlichkeiten wie Fahrrad- und Müllraum können ebenfalls von Straßenseite ohne Höhenunterschied genutzt werden und vermitteln durch Anschluss an die Treppenhäuser und separate Treppenläufe zum Hof hin.

Durch die Ausbildung eines Hochparterre-Geschosses kann auf ein vollgeschossiges Unterkellern verzichtet werden, die geplante Tiefgarage bekommt so seitlich einen Teil Fassadenfläche und kann natürlich belüftet werden. Ebenso kann auf eine durchgehende Bodenplatte verzichtet werden. Lediglich in den Bereichen der Technikräume wird das Gebäude hier unterkellert. Die Stellplätze der Tiefgarage wurden maximiert und das Untergeschoss umfasst ebenso zusätzliche Fahrradstellplätze, sowie Abstellräume für fast alle Bewohner der Obergeschosse.


Freianlagen

Der Entwurf der Freianlagen setzt die Typologie der begrünten Wohnhöfe fort und schafft durchdachte Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität und ökologischer Vielfalt. Die städtebauliche Anordnung der Baukörper entlang der Nicolaistraße und der Reißiger Straße zoniert das Grundstück klar in öffentliche Bereiche entlang der Gehwege und einen geschützten, privateren Innenhof.

Im Bereich des Gewerbes wird der öffentliche Gehweg aufgeweitet und als attraktiver Vorplatz gestaltet. Mit Hochbeet, Sitzelementen und Fahrradständern entsteht hier ein einladender Stadtraum.

Der Innenhof ist als verkehrsfreier, intensiv begrünter Freiraum konzipiert, der vielfältige Nutzungen für alle Bewohnerinnen und Bewohner ermöglicht. In diesem geschützten Raum verbinden sich Wohnen, Spielen und Freizeit zu einem lebendigen Ort der Begegnung. Die befestigten und begrünten Hofflächen liegen über einer Tiefgarage und sind durch sanfte Böschungen und Sitzstufen in das Gelände eingebunden. Kinder profitieren von einer Sandspielfläche und weiteren Spielangeboten mit Klettergeräten, die durch Sitzgelegenheiten und schützende Bepflanzung ergänzt werden. Vor den Wohnungseingängen sorgen kleinere Sitzbänke und Fahrradständer für ein angenehmes, alltagsnahes Ankommen.

Ein zentrales Element des Entwurfs ist das nachhaltige Regenwassermanagement. Eine offene Rasenfläche im Innenhof dient als Retentionsraum bei Starkregen und ermöglicht die Integration von Rigolen zur Regenwasserversickerung.

Die Bepflanzung des gesamten Areals unterstützt gezielt das Mikroklima am Standort. Die bestehenden Straßenbäume bleiben erhalten und werden durch gezielte Neupflanzungen ergänzt. Die Gehölze im Innenhof schirmen die Privatbereiche ab, dienen als Ersatz für entfallende Bäume und tragen zur Biodiversität bei. Insgesamt stehen 16 notwendigen Fällungen 27 neue Baumpflanzungen gegenüber. Sträucher und Bodendecker ergänzen die Baumbepflanzung und schaffen ein vielschichtiges, ökologisch wertvolles Vegetationsbild. Den Terrassen im Erdgeschoss ist eine lockere, abschirmende Bepflanzung zugeordnet, die Privatsphäre bietet und die Wohnqualität steigert. Die Pflanzenauswahl legt besonderen Wert auf einheimische Arten und pflegeleichte Strukturen.

Auch auf den Dachterrassen setzt sich das Konzept der grünen Freiräume fort. Ein hoher Anteil an Bepflanzung sorgt für eine angenehme Atmosphäre, und gemeinschaftlich nutzbare Terrassenflächen schaffen zusätzlichen Raum für soziale Interaktion und Erholung im Freien.
Hoffassade

Hoffassade

Lageplan

Lageplan

Städtebauliche Ausrichtung

Städtebauliche Ausrichtung

Tragwerkskonzept

Tragwerkskonzept

Ansicht Nord

Ansicht Nord