Einladungswettbewerb | 06/2025
Neubau Wohnpark an der Schlosskirche in Düsseldorf
7
Quartiersachse
©rs/DWG/S
1. Preis
Preisgeld: 40.500 EUR
Stadtplanung / Städtebau
Stadtplanung / Städtebau
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
Offene Ordnung_Mit dem Neubau des Gemeindezentrums neben der Schlosskirche eröffnet sich die Möglichkeit das tiefe Grundstück neu zu ordnen. Der Ansatz eines Wohnparks erscheint sinnvoll, zumal in der unmittelbaren Nachbarschaft kein urbaner Kontext vorhanden ist, dafür ein attraktiver Bestand von Bäumen. Ein Wohnpark erlaubt die Verknüpfung von Freiraumorientierung, Gemeinschaft, geringem Fußabdruck und hoher Dichte, welche vor dem Hintergrund des bereits bestehenden hohen Erschließungsgrades durch den öffentlichen Verkehr geboten erscheint. 7 Volumen fügen sich in einem lockeren Ensemble in den Park ein, der die beiden Nachbargrundstücke räumlich einbezieht. Bei den Gebäuden handelt es sich um 3 verschiedene Typologien, welche sich dem einfachen Bauen verpflichtet fühlen und weitestgehend als Holzbau realisiert werden können.
Punkthäuser_ Eine Kette von 5 tiefen Punkthäusern von 3 bis 6 Geschossen bildet entlang der Grenze zu den großzügigen Freiflächen der katholischen Seniorenwohnanlage im Nordwesten einen durchlässigen Filter. Über die Verdrehung der Baukörper können bestehende Baumstandorte berücksichtigt werden und es entstehen vielfältige Blickbeziehungen. Die freifinanzierten Punkthäuser werden in 2 Größen als 3- oder 4-Spänner angeboten und bieten jeder Wohnung eine Über-Eck-Ausrichtung zu mindestens zwei Seiten. Die Erschließungskerne sind zentral angeordnet und verfügen über ein breites Treppenauge, über das zenitales Tageslicht bis ins Erdgeschoss fällt. Die EG-Wohnungen schweben mit einem Hochparterre von einem Meter über dem Gelände, sodass die Privatheit der Innenräume wie der Loggien sichergestellt ist. Zugleich reduziert sich hierdurch die Länge der Fahrradrampen ins Untergeschoss. Ein Durchladeaufzug gewährleistet im Innern die barrierefreie Erschließung aller Geschosse.
Sattelhaus_Ein in der Höhenentwicklung differenzierter Riegel bildet den Abschluss des Ensembles im Südwesten, um den Wohnpark vor dem Freizeit- und Verkehrslärm aus Richtung der Heidelberger Straße zu schützen. Es handelt sich dabei um eine vermittelnde Typologie zwischen den Punkthäusern im Nordwesten und dem östlichen Riegel, auch in der Weise der Erschließung. Die allesamt geförderten Wohnungen sind in den 3 unteren Geschossen über Laubengänge und in den darüber liegenden Ebenen als Dreispänner um 2 Sicherheitstreppenhäuser organisiert, sodass ein gewisser Wohnungsmix angeboten wird und Feuerwehraufstellflächen vermieden werden können. Alle Wohnungen erhalten auf der Südwestseite verglaste Loggien mit offenen Fugen, sodass hierüber eine Belüftung unter Einhaltung der Grenzwerte stattfinden kann. Analog zu den tiefen Punkthäusern sorgt ein Hochparterre mit einem Meter Differenz für Privatheit bei den Erdgeschosswohnungen und einer kurzen Rampe zu den seitlich angeordneten Fahrradräumen im Untergeschoss.
Gemeinschaftliches Erschließungsmotiv_Alle Gebäude werden über eine mäandrierende Promenade in der Mittelachse des Grundstücks zentral erschlossen. Schwerpunkte dieser Aktivierungszone befinden sich im Übergang zur Kirche und zum Gemeindezentrum und am neuen Quartiersplatz im südlichen Teil des Parks. Es handelt sich um eine Promenade des Alltags mit informellen Begegnungszonen für die Nachbarschaft auf der lediglich Fuß- und Radverkehr stattfindet, schließlich wird der KFZ-Verkehr gleich hinter der Kirche in die beiden Parkebenen des Riegels geleitet, die im Erd- und Untergeschoss verortet sind. Besucherstellplätze werden im Außenraum entlang der Zufahrt angeboten. Die überdachten Fahrradstellplätze befinden sich jeweils in den Untergeschossen der Gebäude und sind über (Fahrrad)-Rampen gut erreichbar.
Aneignungsfähiger Wohnpark_Als gemeinschaftlicher Freiraum prägt der Park mit dem neuen Platzraum die Identität des Quartiers und steht für ein zeitgemäßes Verständnis von öffentlichem Grün im Zeichen des Klimawandels. So wird das Quartier zu einer zukunftsweisenden Wohnadresse in Düsseldorf.
Die Gestaltungsschwerpunkte liegen auf Extensivierung, Klimaanpassung, Regenwassermanagement und die Förderung der Biodiversität im urbanen Kontext. Der Park ist in seiner Gestaltung auf Großzügigkeit und Aneignungsfähigkeit angelegt, sodass der Vorschlag auf private Gärten vollständig verzichtet. Die Grünflächen sind durch flächige Wiesenansaaten geprägt. Innerhalb dieser extensiven „Stadtnatur“ gibt es spezielle Nutzungsangebote wie Kinderspielbereiche und Aufenthaltsflächen. Die Pflanzung erhält den schützenswerten Baumbestand und den relativ dichten vegetativen Saum am Rande des Grundstücks. Klimaresistente Bäume ergänzen und verdichten diese Struktur zu einem dichten Rand, der sich zur Mitte hin in kleinere Baumgruppen und Solitäre auflöst, um den zentralen Erschließungsraum räumlich offen zu halten.
Klimaresilientes Wassermanagement _Angesichts klimatischer Veränderungen und zunehmender Starkregenereignisse kommt dem Entwässerungskonzept eine zentrale Bedeutung zu. Ziel ist es, Niederschläge zurückzuhalten und vor Ort versickern zu lassen, um das Kanalnetz zu entlasten, die Grundwasserneubildung zu fördern und sowohl das Mikroklima als auch die Vegetation positiv zu beeinflussen. Befestigte Flächen werden auf ein Minimum reduziert. Sämtliche Wege- und Platzflächen entwässern in die angrenzenden Grünflächen. Diese werden durch gezielte Ausmuldungen zusätzlich als Retentionsraum gestaltet, sodass einerseits überschüssige Dachwässer eingeleitet werden können und andererseits der gesamte Niederschlag auch bei Starkregenereignissen auf dem Grundstück verbleibt.
Klimaneutrale Energieerzeugung _Für einen konsequenten Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Die erforderlichen Retentionsqualitäten werden durch eine Kombination mit extensiver Begrünung oder der Nutzung von Mäanderplatten bzw. samenfreiem Substrat erreicht. Der lokal erzeugte Solarstrom wird z.B. im Rahmen von Mieterstromprojekten zur Deckung des elektrischen Strombedarfs verwendet. Ebenso klimaneutral wie die Stromerzeugung stellt sich die Wärmegewinnung durch eine moderne Wärmepumpentechnologie dar, sollte eine klimaneutrale Fernwärme nach Überprüfung nicht zur Verfügung stehen.
Kreislauforientierte Wirtschaftlichkeit _In der Materialwahl und Konstruktion wird der Grundsatz des kreislaufgerechten Bauens berücksichtigt. Wartungsarme, sortenreine Konstruktionen und reversible Bauteilverbindungen sorgen für Ressourcenschonung und ermöglichen spätere Anpassungen oder Rückbauten. Dieses Konzept erfüllt nicht nur die Anforderungen an eine nachhaltige Bauweise, sondern fördert auch die langfristige Wirtschaftlichkeit der Gebäude. Die vorgeschlagene Bebauung besteht aus kompakten Gebäudetypen, die mit kleinem Oberflächen-/Volumenverhältnis niedrige Baukosten und geringe Energieverbräuche erwarten lassen. Mehrspänner-und Laubengangerschließung, übereinander liegende Nassbereiche, vertikale Lastabtragung sowie maximale Elementierung und Vereinheitlichung von Ausbauformaten optimieren die Kosteneffizienz.
Beurteilung durch das Preisgericht
1. Städtebauliche Einbindung
Der Entwurf setzt einen sehr eigenständigen städtebaulichen Ansatz um, der das Grundstück der Auslobung entsprechend als einen offenen, parkartigen Raum versteht und weiterdenkt. Die Anordnung der Baukörper als aufgelockertes Ensemble ermöglicht einen respektvollen Umgang mit dem wertvollen Baumbestand und schafft durch vielfältige Blickbeziehungen und Freiraumbezüge einen hohen Identitätswert. Die fünf Punkthäuser entlang der nördlichen Grundstücksgrenze bilden einen durchlässigen Filter zur angrenzenden Seniorenwohnanlage. Die zentrale Erschließung über eine mäandrierende, „autoarme“ Promenade im Parkinneren verbindet die Gebäude sinnvoll miteinander und schafft identitätsstiftende Begegnungszonen für die Nachbarschaft. Prägend für die Quartiersstruktur ist das südöstliche Terrassenhaus, dessen gestaffelte Ausformung den angrenzenden Freiraum fasst und dabei eine gezielte Blickführung auf die Kirche ermöglicht. Die Erdgeschosszone zur Schlosskirche hin bedarf einer gestalterischen und funktionalen Nacharbeitung, um diese sensible stadträumliche Schnittstelle aufzuwerten.
2. Freiraum Qualität
Die Freiraumgestaltung als gemeinschaftlich nutzbarer, durchgrünter Parkraum, ohne klassische Privatgärten, ist zeitgemäß und adressbildend. Die extensive Begrünung, der Erhalt und die Ergänzung klimaresilienter Vegetation, sowie gezielte Aufenthalts- und Spielzonen fördern Biodiversität, soziale Interaktion und Aneignungsfähigkeit. Die zentrale Promenade strukturiert das Quartier und schafft Begegnungsräume in direkter Anbindung an die Kirche und das neue Gemeindezentrum. Insgesamt überzeugt der Freiraum durch eine gute Balance aus ökologischer Funktionalität, weitestgehender Erhaltung des wertvollen, vorhandenen Baumbestands, sozialer Aneignung und klimarelevanter Gestaltung.
3. Nutzungsqualität
Die Mischung verschiedener Gebäudetypologien ermöglicht ein differenziertes Wohnangebot mit hoher Dichte und gleichzeitig hoher Freiraumqualität. Über-Eck-orientierte Wohnungen, zentrale Treppenhäuser mit Tageslicht und der Versatz der Laubengänge im Terrassenhaus sorgen für Belichtung und vielfältige Blickbezüge. Die verdrehte Anordnung der Punkthäuser reagiert sensibel auf den wertvollen Baumbestand und ermöglicht Über-Eck-orientierte Wohnungen mit hoher Qualität. Das Hochparterre bei den Erdgeschosswohnungen sichert zusätzlich die nötige Privatheit.
Die Ausbildung eines offenen Erdgeschosses des Terrassenhauses bietet funktional Raum für ruhenden Verkehr und unterstützt die Durchlässigkeit des Freiraums. Gleichzeitig ermöglicht die flexible Tiefgaragenstruktur eine bedarfsgerechte Anpassung in späteren Realisierungsphasen. Die derzeitige Grundrissorganisation im Terrassenhaus – insbesondere die Laubengangerschließung wurde kritisch diskutiert – muss hinsichtlich der Privatheit der Wohnungen sowie der Aufenthaltsqualität entlang der Erschließungsflächen überarbeitet werden. Ebenso bedarf die Ausformulierung der Erdgeschosszone des Terrassenhauses an der Kirche einer Überarbeitung. Insbesondere im Bereich der Fassadengestaltung und der funktionalen Nutzung zur Schlosskirche hin besteht Optimierungspotenzial, um die stadträumliche Schnittstelle zwischen Gemeindezentrum, Kirche und Quartier aufzuwerten und die Adressbildung sowie Aufenthaltsqualität entlang dieses sensiblen Bereichs zu stärken.
4. Verkehr und Mobilität, Stellplatz, Feuerwehr
Das Mobilitätskonzept setzt konsequent auf eine autoarme, fuß- und radfreundliche Erschließung. Die Integration der KFZ-Stellplätze in den Riegel (Erd- und Untergeschoss) sowie gezielte Besucherstellplätze entlang der Zufahrt sind funktional sinnvoll gelöst. Überdachte Fahrradstellplätze sind durch kurze Rampen gut erreichbar. Die Erschließung über die zentrale Promenade stärkt den Quartiersgedanken. Die Vermeidung zusätzlicher Feuerwehrflächen durch geschickte Gebäudeanordnung sowie zwei unabhängige Rettungswege im Terrassen-, sowie Sattelhaus, unterstützt die Wirtschaftlichkeit.
5. Schallschutz zur Heidelberger Straße
Das Sattelhaus im Südwesten dient funktional und städtebaulich als baulicher Lärmschutzriegel. Die Anordnung verglaster Loggien mit offenen Fugen gewährleistet dabei eine natürliche Belüftung unter Einhaltung der Schallschutzanforderungen.
6. Innovative Ansätze
Der Entwurf überzeugt durch zahlreiche innovative Elemente:
- Klimagerechte Bauweise durch Holzbau der Obergeschosse, sowie sortenreinen, reversiblen Konstruktionen in Fassade
- Flächendeckender Einsatz von Photovoltaik kombiniert mit Retentionsdächern
- Extensive Begrünung zur Förderung der Biodiversität
- Flexible Tiefgaragenstruktur für künftige Bedarfsanpassungen
- Offene Regenwasserversickerung , sowie Retentionsräume auf den Dachflächen
- Hoher unversiegelter Flächenanteil
- Insgesamt zukunftsfähiger, klimagerechter Ansatz, der soziale, ökologische und technische Innovationen integriert
7. Wirtschaftlichkeit
Die vorgeschlagenen Gebäudetypologien mit kompaktem Hüllflächenverhältnis, übereinanderliegenden Nasszellen, optimierter Elementierung und standardisierten Ausbauformaten bieten eine wirtschaftlich sinnvolle Grundlage. Die effiziente Erschließung über Laubengänge und Dreispänner, sowie die flexible Tiefgaragennutzung tragen zur langfristigen Kostenoptimierung bei. Ein ökonomisches Gesamtkonzept mit hoher Umsetzungsqualität, insbesondere durch den Fokus auf robuste, klimagerechte Bauweisen.
Fazit und Überarbeitung
Der Entwurf setzt einen sehr eigenständigen, identitätsstiftenden städtebaulichen Beitrag um, der das Grundstück in einen offenen, lebendigen und klimagerechten Wohnpark transformiert. Die Differenzierung der Gebäudetypen stärkt das Quartiersbild, insbesondere das Terrassenhaus schafft durch seine Staffelung prägnante städtebauliche Akzente. Kritisch zu hinterfragen ist derzeit die Grundrissorganisation im Terrassenhaus selbst. Die Erschließung über nordwestseitige Laubengänge ist wirtschaftlich und funktional, muss jedoch im Detail hinsichtlich der Privatheit der Wohnungen, der Wohnqualität entlang der Laubengänge sowie der Abgrenzung von halböffentlichen und privaten Zonen überarbeitet werden.
Quartiersmitte
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Kirchblick
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Schwarzplan
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Lageplan
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Isometrie
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Wonhtypologien
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