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Einladungswettbewerb | 06/2025

Neubau Wohnpark an der Schlosskirche in Düsseldorf

Visualisierung
6

Visualisierung

2. Preis

Preisgeld: 25.300 EUR

3pass Architekten Stadtplaner Part mbB

Stadtplanung / Städtebau

RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt:innen

Landschaftsarchitektur

loomn architekturkommunikation

Visualisierung

Erläuterungstext

Mit sieben gezielt platzierten Gebäuden entsteht ein neues durchgrüntes und identitätsstiftendes Wohnquartier mit parkähnlichem Charakter, das Bestand, Freiraum und Nachbarschaft in ein offenes, vernetztes Gesamtgefüge überführt.

Die aufgelockerte Struktur fügt sich harmonisch ins Stadtbild ein und nimmt Raumkanten der Kirche und weiterer Bestandsbauten auf. Ein präzise gesetztes internes System schafft klare Bezüge. So entstehen fast spielerisch qualitätsvolle private und öffentliche Freiräume, die die Architektur großzügig und frei umfließen. Die städtebauliche Setzung der Baukörper bleibt flexibel, jedoch nicht beliebig und wahrt ausreichend Abstand zu allen zu erhaltenden Bestandsbäumen. Zur Straße hin formulieren die Neubauten in Komposition mit dem Bestand kleine Eingangsplätze. Aus allen Lagen entstehen Sicht-, Raum- und Wegverbindungen, die das Quartier mit der Umgebung und benachbarten Einrichtungen vernetzen. Die Gebäude staffeln sich in ihrer Höhe bewusst zum Kirchgebäude hin ab. Zwei Baukörper an der Heidelberger Straße werden miteinander verbunden, um vor Lärmimmissionen zu schützen. Der breite Grünraum im Süden bleibt unbebaut.

Die Neubauten sind als freistehende, vier- bis sechsgeschossige kompakte Baukörper konzipiert. Sie basieren auf einem Achsraster und sind typologisch als Vier- bis Fünfspänner organisiert. Ein zentraler, großzügiger und natürlich belichteter Treppenraum erschließt effizient rund 20 Wohnungen unterschiedlicher Größe je Haus und trägt so hausweise zur sozialen Durchmischung und Begegnung bei. In einer inneren Schicht gruppieren sich Erschließungs-, Sanitär- und Nebenräume um den Treppenraum, während Aufenthaltsräume an der belichteten Außenhülle liegen. Wohn- und Essbereiche sind zweiseitig belichtet an den Gebäudeecken angeordnet und mit geschützten, gut nutzbaren Loggien kombiniert. Holzfassaden und Senkrechtmarkisen in zarter Farbigkeit beleben das Quartier und stärken die Adressbildung. Die rasterbasierte Grundstruktur von Grundriss und Fassade sowie die gleichartigen Haustypen ermöglichen den Einsatz elementierter und vorgefertigter Konstruktionen wie z. B. in Holz- oder Holzhybridbauweise. Es wird angestrebt, das Quartier als CO₂-neutrales Quartier sowohl in Konstruktion als auch im Betrieb zu realisieren. Dafür wird eine seriell vorfabrizierte Hybridkonstruktion mit möglichst nachwachsenden und CO₂-speichernden Rohstoffen vorgeschlagen. Durch den Einsatz von PV-Anlagen auf Dächern und ggf. an Fassaden sowie durch Fernwärme wird eine CO₂-optimierte bis CO₂-negative Energieversorgung ermöglicht.

Dem Prinzip der dreifachen Innenentwicklung folgend entsteht ein multikodiertes Freiraumgefüge, das sowohl die Anforderungen des Gemeindezentrums an gemeinschaftsstiftende Räume als auch die Bedürfnisse der neuen Bewohnerschaft nach Aktivbereichen und grünen Rückzugsorten erfüllt. Eine klare Raumbildung und intuitive Steuerung der Nutzungsintensität strukturieren das Quartier. Zwischen Gemeindezentrum und Wohnquartier entsteht ein vergrößerter Treffpunkt mit Spielplatz und Repair-Café, während die anschließenden Höfe zunehmend privat geprägt sind. Der südliche Bereich bietet kontemplative Erholungsqualität inmitten einer extensiven und naturbelassenen Parkanlage. Nur in Verlängerung der Straße entsteht ein öffentliches Aktivangebot mit Sport- und Fitnessnutzungen. Die Stichstraße markiert den Auftakt zu einem umlaufenden äußeren Rundweg, der die Grünflächen stärker an die angrenzenden Grundstücke anbindet, ohne die privaten Höfe zu durchqueren. Der Entwurf basiert auf einer sorgfältigen Analyse und Einbindung des naturräumlichen Bestands. Bestehende Großbäume werden erhalten, weitere gewachsene und pflegeleichte Grünstrukturen insbesondere im südlichen Grünraum integriert. Diese sorgen für ein biodiverses Erscheinungsbild und ein gutes Mikroklima durch natürliche Beschattung, unterstützt durch zahlreiche Neupflanzungen. Die offene Bebauung ermöglicht eine natürliche Durchlüftung und Abkühlung des Quartiers. Niederschläge werden auf den begrünten Retentionsdächern zurückgehalten und zusätzlich in Zisternen gespeichert. Die gering versiegelten Innenhöfe verfügen über flache Retentionsmulden zur Notentwässerung.

Beurteilung durch das Preisgericht

Grundidee/Besonderheiten / Idee
Der Entwurf zeichnet sich durch die verdrehte und relativ dichte Setzung fünfeckiger Gebäudetypologien auf dem nördlichen Teil des Baufeldes aus. Durch die effizient geschnittenen tiefen Baukörper kann im Süden des Baufeldes, zur Heidelberger Straße, ein großer, zusammenhängender Grünraum mit hohem ökologischem Potenzial für Artenvielfalt und Klimakühlung freigehalten werden.

Städtebau Nachbarn und Kirche
Die leicht ausgedrehte Setzung und die Kubatur der Baukörper lässt, trotz ihrer dichten Stellung durchfließende Außenräume entstehen, welche die Bebauung mit der Nachbarschaft vernetzen. Zur Kirche entsteht durch eine Zäsur ein kleiner Quartiersplatz, der beide Bereiche selbstverständlich miteinander verknüpft. Die angebotenen Nutzungen sind verständlich und haben das Potenzial einen Mehrwert für Kirche und Siedlung zu schaffen.

Freiraum
Die Wegeführung im Hof, z.T. sehr dicht entlang der Wohnungen wird kritisch gesehen, hier wünscht man sich etwas mehr Raum und eine freiere Durchwegung. Retentionsflächen sollten eher an den Rändern des Baufeldes angeordnet werden, um die Gestaltung des Zwischenraums nicht zu belasten. Der Baumerhalt der großen Bäume im Süden und deren direkte Verknüpfung mit dem Park wird positiv gewertet. Die direkt unterhalb der Bestandsbäume angeordneten Nutzungen, sollten im Sinne der Baumgesundheit verlegt werden.

Wohnqualität
In den fünfeckigen Baukörpern werden jeweils vier Wohnungen mit variablen Zuschnitten organisiert. So dass ein breiter Wohnungsmix und eine gute soziale Durchmischung ermöglicht werden. Die Häuser weisen durch ihre Kubatur und Erschließung mit jeweils nur einem Treppenhaus eine hohe Effizienz auf. Die Wohnungen können fast durchgängig zweiseitig organisiert werden, der gemeinschaftliche Wohnraum schaut dabei jeweils in die Tiefe des Außenraums.

Verkehr
Das Projekt weist – nach den Vorgaben der Auslobung - zu wenige Stellplätze nach, zudem ist der geforderte Wendehammer zu gering dimensioniert. Dass diese Arbeit sich der Vorgabe einer öffentlichen Wegeverbindung durch die Mitte des Grundstücks entzieht, stellt die Vergleichbarkeit mit den anderen Wettbewerbsarbeiten in Frage. Die dargestellte Tiefgarage ist zu klein und recht ineffizient ausgestaltet. Eine durchgängige Tiefgarage von Nord nach Süd ist aus Erschließungsgründen nicht möglich. Hier wäre Umplanungsbedarf vorhanden.

Schallschutz
Durch das Zurückrücken des südlichsten Baukörpers entzieht sich der Entwurf den meisten Anforderungen des Schallschutzes und die verbleibenden Anforderungen wurden gelöst.
Im Falle, dass die Baukörper aufgrund eines vergrößerten Wendehammers vorrücken müssen, wird Druck auf die Organisation des südlichsten Baukörpers und den südlichen Park ausgeübt und es bleibt zu hoffen, dass die Qualitäten des Entwurfs nach einer möglichen Überarbeitung erhalten bleiben.

Nachhaltigkeit
Die nachhaltige Grundhaltung der Entwurfsverfassenden ist im Projekt deutlich zu spüren.
Die überbauten Bodenflächen werden minimiert, kompakte Baukörper bieten ein gutes Hüllflächenverhältnis. Die Holz-Hybrid-Bauweise mit vorgehängten Holzfassaden stellt eine zeitgemäße Antwort auf die Fragen des nachhaltigen Bauens dar.

Wirtschaftlichkeit
Das Projekt ist effizient organisiert, ein hohes Maß an Vorfertigung erscheint vorstellbar und trägt zur Kosteneffizienz bei, wobei die kostengünstige Umsetzbarkeit der Tiefgarage kritisch diskutiert wird.

Fazit
Das Projekt bietet einen weiteren individuellen Baustein im Ensemble der Nachbarschaftsbauten und löst die gestellten Fragen - leider vor allem auch dadurch, dass sie Vorgaben der Auslobung nicht berücksichtigt. Die Strahlkraft des Projektes hat das Potenzial, positive Entwicklungen für Kirche und Nachbarschaft anzustoßen.
Perspektive

Perspektive

Lageplan

Lageplan

Schnitte

Schnitte

Städtebaukonzept

Städtebaukonzept

Entwurfskonzept

Entwurfskonzept