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Einladungswettbewerb | 11/2022

Neubau Zentrale RLB Landesbank Kärnten in Klagenfurt (AT)

12

Nachrücker

Schenker Salvi Weber ZT GmbH

Architektur

Erläuterungstext

Städtebau und Konzept

Typologische Anknüpfung:
Das neue Ringquartier knüpft typologisch an die vorhandene Stadtstruktur von Klagenfurt an. Durch die Übernahme der Blockrandbebauung wird die Lücke geschlossen und die Verbindung zwischen alt und neu geschaffen.

Flexible/weitläufige Grundrissstruktur:
Die Blockrandbebauung bietet zum Hochhaus den Vorteil der großzügigen Grundrissstruktur: Es wird ein horizontal orientiertes und kommunikatives Geschoss geschaffen. Durch den Versatz von Kern und Patio werden unterschiedliche Zonierungen geschaffen.

Hochhaus plus Blockrand:
Durch die Fusion von Hochhaus und Blockrand werden die größten Stärken der jeweiligen Typologien verbunden: So entsteht ein städtebaulicher Hochpunkt, der eine umlaufende Zirkulation und maximalen Nutzen je Geschoss bietet. Zwischenräume & Plätze schaffen

Zwischenräume und Plätze schaffen:
Städtebaulich übernimmt der RLB Körper die vorhandene Abstände und passt sich so in das Quartiergefüge ein. Durch eine klare Kontur werden Plätze und Straßen zielgerichtet und rücksichtsvoll zur Nachbarbebauung eingefasst.

Identität stiften:
Richtung Innenstadt wird das Gebäude auf die Höhe der Ringquartier Baukörper angehoben. Dadurch wird die Raiffeisenbank zum Leuchtturm, der das Quartier eröffnet und damit eine Identität stiftet.

Einladende Erdgeschosszone:
Entlang der neuen Quartiersachse wird ein großzügiges, öffentliches Erdgeschoss geschaffen. Dies erweitert den Platz in den Innenraum und bietet zahlreiche Anlaufpunkte und Zugangsmöglichkeiten für Kundenverkehr.

Retentionsdach + Biodiversität:
Die durch den Baukörper versiegelte Fläche wird auf dem Dach zurückgeführt. Die intensiv begrünte Dachlandschaft dient dabei der Retention von Regenwasser und der klimatischen Regulierung des Baukörpers.

Energieerträger nutzen:
Durch das Aufklappen der Fassade mit PV-Lamellen und der Aktivierung des Daches mittels Solarthermie wird das Gebäude zum Energieerzeuger.

New Work

Kollaboratives Arbeiten:
In Meetingräumen mit Größen zwischen 4-12 Arbeitsplätzen können Mitarbeiter zusammen in einer geschlossenen, beruhigten Zone projektorientiert arbeiten oder Videokonferenzen abhalten. Die Meetingräume verfügen über akustisch aktivierte Boden- und Decken. Sie können im Vorfeld reserviert werden; auf einer Anzeige wird der Reservierungsstatus für alle sichtbar angezeigt.

Kommunikatives Arbeiten:
Kommunikative Arbeitszonen bestehen aus flexiblen Möblierungen in unterschiedlichen Konfigurationen. Sie verbinden Kollaborations- und Konzentrationszonen und bestehen z.B. aus Highdesks, Highback Sofas oder Sitzbänken mit Ausblick in den Patio und laden Mitarbeiter zum spontanen Zusammentreffen und Austausch ein.

Konzentriertes Arbeiten:
In der konzentrierten Arbeitszone können bis zu vier Mitarbeiter*innen an höhenverstellbaren Tischen arbeiten. Mittels Plug and Play können sich die Mitarbeiter*innen direkt am Arbeitsplatz verbinden und sich die Arbeitsplätze flexibel teilen. Die Tische befinden sich in akustisch beruhigten Bereichen und fördern so die Konzentration.

Galerie:
Die Galerie im 1.OG verbindet die beiden funktional zusammengehörigen Zonen: Foyer Im EG und die Beratungs- und Wartebereiche im OG, räumlich. In dieser offenen Zone empfangen die Berater*innen ihre Kund*innen, die sich bereits in den angrenzenden Wartebereichen aufhalten können.

Empfang:
Der Empfang ist für alle Menschen der erste Kontaktpunkt beim Betreten des Gebäudes und befindet sich an einem zentralen Knotenpunkt im Foyer, von wo aus er die Besucher*innen- und Mitarbeiterströme überblickt. Hier werden sowohl Privat als auch Laufkunden begrüßt, an ihre jeweiligen Beratungs- sowie Verarbeitungsstellen verwiesen sowie Auskünfte erteilt.

Sitztreppe:
Die Treppe, die Erdgeschoss und Obergeschoss verbindet, dient nicht nur der vertikalen Erschließung, sondern ist auch Aufenthalts und Kommunikationsbereich. Sie bildet einen Orientierungspunkt für die Nutzer des Gebäudes: einen Ort der Begegnung zwischen Arbeitskollegen, zwischen Beratern und Kunden oder für eine Pause zwischen Besprechungen mit einer anderen Perspektive im Erdgeschoss oder auf der Straße.


Energiekonzept
Das Energiekonzept basiert auf einer intelligenten und standortspezifischen Kombination aus aktiven und passiven Maßnahmen, die im Ergebnis zu einem Optimum in Bezug auf die wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit führen.
Das Wärmeversorgungskonzept nimmt eine zentrale Position ein und wurde in enger Abstimmung mit den baulichen und bauphysikalischen Maßnahmen entwickelt.
Die Photovoltaikanlage weist einen sehr hohen Eigennutzungsgrad auf, da der erzeugte Strom durch die Nutzer, EDV, TGA-Betriebsmittel wie hocheffiziente Antriebe und Pumpen, LED Leuchtmittel, elektrisch-dezentrale Warmwasserbereiter aber auch der Wärmepumpenbetrieb zeitgleich vor Ort verbraucht wird.

Nachhaltigkeit

Cradle to Cradle:
Die Gebäude folgen dem Cradle to Cradle Designprinzip und sind in kompletten Produktkreisläufen gedacht. Die ausgewählten gesunden Materialien sind leicht zu demontieren, sortenrein trennbar und dadurch vollständig rezyklierbar. Damit werden die Gebäude zu langlebigen und werthaltigen Rohstoffdepots, welche die Ressourcen nach dem Ende der Nutzungszeit wieder freigeben und somit zum Werterhalt der Immobilie beitragen. Ausführung des Ausbaus ist als trockene und verbundstofffreie Konstruktion aus nachwachsenden Rohstoffen, ohne Verkleben und Verspachteln von Materialschichten gedacht. Die Materialien werden sicht- und lösbar verschraubt, gelegt, gesteckt und können demontiert und an anderer Stelle neu eingesetzt werden. Oberflächen bleiben vorzugsweise unbehandelt oder werden nutzungsgesund lasiert. Somit können die einzelnen Bauteilschichten ausgebaut, abgeschraubt, gesammelt und individuell vom Nutzer selbst eingesetzt und aufgearbeitet werden.

Retentionsdach:
Retentionsdächer halten Wasser auf der Dachfläche zurück und ermöglichen so die natürliche Verdunstung wie auch die zeitverzögerte und gedrosselte Einleitung des Überschusswassers in die Kanalisation. Sich ändernde Wetterbedingungen (z. B. stärkere lokale Regenereignisse) können dazu führen, dass kurzfristig ein kommunales Entwässerungssystem überlastet ist. Ein großer Vorteil der geplanten Dachbegrünungen ist der Wasserrückhalt und der zeitlich verzögerte Regenwasserabfluss (Retention). Dies entlastet die Kanalisation und wirkt Überschwemmungen entgegen. Bei Retentionsdach-Systeme wirken Dachbegrünung und intelligentes Regenwassermanagement effektiv und nachhaltig zusammen. Für ein besseres Mikroklima und im Sinne des Konzepts der Schwammstadt. Die Gebäude erzeugen zudem einen positiven Fußabdruck, da sie die Außenluft und das Regenwasser reinigen. Außerdem werden Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen.

Modulares Holzhybridtragwerk:
Die Geschossdecken bestehen aus einem Raster aus vorgefertigten Holz-Beton-Verbundelementen. Doppelstützen aus Brettschichtholz übertragen vertikale Kräfte über den Boden auf das darunter liegende Stützenpaar. Die Hybrid-Deckenelemente aus Holz und Beton bieten den notwendigen Brandschutz zwischen den Stockwerken und enthalten gleichzeitig erneuerbare Werkstoffe. Die große Spannweite der Deckenelemente ermöglicht große Flexibilität bei der Raumaufteilung.
Vorgefertigte Bauelemente bieten eine höhere Qualität und Präzision in einer kontrollierten Umgebung, in der die Beschäftigten vor äußeren Einflüssen geschützt sind und ergonomischer arbeiten können. Für die Endnutzer gewährleisten die Holz-Hybrid-Gebäude niedrigere Betriebs- und Instandhaltungskosten, sowie einen früheren Einzug. Durch integrale Planungs- und Bauprozesse sind genaue und frühzeitige Vorhersagen der Kosten und des Zeitplans möglich.
Die Verwendung von Holz für die Decken als auch für die Stützen ermöglicht es, die CO2-Bilanz des Gebäudes bereits bei der Erstellung, um bis zu 40% zu reduzieren.

Vorhangfassade:
An das Tragwerkssystem wird eine vorgehängte Aluminiumfassade angeschlossen. Auch die Fassade ist modular aufgebaut und bietet so eine maximale Flexibilität in Austausch, Revision und Reparatur.
Durch das Einbringen von Recyclingaluminium lässt sich der CO2 Fußabdruck weiter reduzieren.
Die Glaslamellen mit bedrucktem PV lassen sich recyclen oder wiederverwenden.

Beurteilung durch das Preisgericht

STÄDTEBAU UND GEBÄUDEVOLUMEN
- Das Blockrandkonzept bildet zum Ring hin eine schmale, hohe Fassade, zum hinteren Gebäude wird die Höhe der anschließenden Bebauung aufgenommen.
- Das Konzept wird als städtebaulich nachvollziehbar bewertet, wenngleich auch auf die geringe Rücksichtnahme des großen Gebäudevolumens gegenüber der westlich anschließenden Bebauung hingewiesen wird, die Widerstände der Anrainer befürchten lässt. Der Auftritt am Ring ist unmissverständlich klar, aber wenig dialogbereit.

GEBÄUDESTRUKTUR UND FUNKTIONALITÄT
- Die Flexibilität und die Eignung des zeitgemäßen Bürogrundrisses werden positiv gewürdigt.
- Fragen der Belichtung des schmalen, tiefen Hofes werden diskutiert.
- Die Fassadenlösung ist zwar technisch aufwendig, sollte aber gut funktionieren.

NACHHALTIGKEIT
- Das Nachhaltigkeitskonzept wird in allen Aspekten sehr positiv bewertet.
- Die städtebauliche Lösung ist sehr interessant, weil sie eine Abwandlung des Turmmotivs darstellt. Allerdings wird die durch die vertikale Teilung noch verstärkte Präsenz am Ring als unangemessen und als zu wenig den Bestand berücksichtigend empfunden.