Offener Wettbewerb | 04/2025
Neubau Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale)
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Blick von Südwesten
©Großmann Architektur
Anerkennung
Erläuterungstext
Freiraumkonzept
Die prominente Stadtscholle am Riebeckplatz wird zur Landschaftsskulptur gefaltet, zur Melange aus Architektur und Landschaft geschichtet und zum prägnanten Zukunftszentrum transformiert. Durch die Landschaftsfaltung werden spannungsreiche Raumfolgen und vielfältig nutzbare Freiräume generiert, die vom Vorplatz bis zum Rooftop-Spielfeld öffentlich zugänglich sind. Der Park am Zukunftszentrum wird im Sinne einer klimaresilienten Stadtentwicklung zu einem mikroklimatisch wirksamen Stadtwald entwickelt, der Kohlendioxid und Feinstaub bindet, Frischluft speichert und temperaturregulierend wirkt. Die Bestandsbäume werden weitestgehend erhalten und durch 200 neue Baumpflanzungen aus stadtklimafesten Arten zu einem Mischwald ergänzt, der im Norden des Grundstücks dichte Baumdächer und im Süden lichte Haine ausbildet. Durch eine effektive Pflanzung im Raster können aktuelle Methoden aus syntropischen Baumschulen übertragen werden, sodass ein Drittel der Parkgehölze eine spätere Verpflanzung in den Stadtraum erwartet. Das Zukunftszentrum entwickelt eine enge Verbindung mit Halle und trägt zur resilienten Stadtentwicklung bei. Durch dieses robuste Konzept können zusammen mit Bestandsbäumen und Dachbegrünung über 350 Bäume auf dem Areal Platz finden. Der Artenreichtum des Stadtwaldes erhöht nicht nur die Diversität der Flora und Fauna, sondern spiegelt auch die Vielfalt der Europäischen Union wider. Unter dem schattigen Dach des Stadtwaldes entstehen nutzungsoffene Freiräume, die angeeignet, frei bespielt, und entdeckt werden können. Zugunsten der Landschaftsentwicklung und des Klimaschutzes werden die bodengebundenen Freiflächen im EG extensiv genutzt und die intensiveren Nutzungen auf den Dachflächen des Zukunftszentrums angeboten.
Erschließt man den Park vom Hauptbahnhof kommend oder über den Tunnel von Süden, wird man von einem in den Boden eingelassenen Wasserspiel begrüßt. Zum Riebeckplatz hin schirmen die Landschaftsrampen die Aufenthaltsräume vom Verkehrslärm ab und geben dem Wasserspiel eine räumliche Fassung. Eine prominente Reihe von Bestandsbäumen wird ergänzt und leitet nun selbstverständlich zum Haupteingang über. Vis-á-vis des Haupteigangs umarmen die Landschaftsterrassen ein neues Forum für die Stadtgesellschaft, das als Tribüne für Veranstaltungen, als Treffpunkt, oder als Skatebereich genutzt werden kann. Hier fließen die Erschließungsrouten aus Süden, Norden und Westen zusammen. Die verkehrstechnische Erschließung mit PKW und Bus wird an der Ostseite konzentriert und erhält einen eigenen repräsentativen Eingang in den Campus. Entlang des Hauptweges sind Freiraumfunktionen gereiht, von Fahrradbügeln und Kommunikationszone, über den Restaurantaußenbereich bis zu Retentionsflächen.
Die vielfältig nutzbaren und intensiv begrünten Dachflächen werden von Norden und Süden direkt über den Park erschlossen und mit den Nutzungen der Innenräume funktional verknüpft. Der Low-Tech Logik folgend, nimmt die grüne Gebäudehülle von Süden nach Norden zu. Dazu wird eine bodengebundene, standortangepasste Vertikalbegrünung an den Fassaden der nördlichen Gebäudehälfte durch einen mehrschichtigen Gehölzrahmen auf der Dachebene ergänzt. Die Ausrichtung des Pflanzrasters der intensiven Dachbegrünungen nach dem Konstruktionsraster der Decken, sowie eine angemessen massive Substrat- und Wasserretentionsschicht gewährleisten optimale Wuchsbedingungen für Gehölze auf dem Dach. Die vegetative Hülle wird zugleich wertvolle Nahrungsquelle und Unterschlupf für Insekten und Vögel. Der Oberflächenabfluss des Dachwassers wird durch die großflächige wasserspeichernde Gebäudebegrünung wesentlich verzögert und der Energiehaushalt des Zukunftszentrums durch seine grüne Hülle deutlich verbessert
Über die beiden Freitreppen gelangen ambitionierte Sportler*innen zum „Höhepunkt“ Ihrer Joggingstrecke und Teilbereiche der begrünten Außenwände werden von Bouldern*innen erklommen. Auch das Lecture Deck, die Kinderterrasse und ein Kleinspielfeld auf den Dachflächen der Obergeschosse machen attraktive Angebote für Körper und Geist. Auf dem wind- und sonnenexponierten Oberdeck wird in Solaria und Windtopia regenerative Energie erzeugt, die in den Energiekreislauf des Zukunftszentrums eingespeist wird. Die rund um die Uhr begehbaren Dachflächen können zusätzlich durch Ausstellungen bespielt und angeeignet werden und dienen als direkte Erweiterung der Innenräume bei verschiedensten Veranstaltungen.
Das Zukunftszentrum wird über eine grüne Rad- und Fußgängerbrücke mit der südlichen Innenstadt Halles verknüpft. Der Riebeckplatz fungiert dabei als Verteiler und wichtiger Orientierungspunkt. Nach dem Rückbau der Hochstraße, erschließt ein schlanker Turm im Zentrum des Riebeckplatzes die Rad-Brücke barrierefrei. Der nördliche Brückenkopf mündet auf dem Vorplatz des Zukunftszentrums und bindet an den geplanten Radweg an der Magdeburger Straße an. Über das südliche Entreé wird das Zukunftszentrum Richtung Hauptbahnhof angebunden und durch ein nördliches Entreé mit dem Stadtpark verknüpft. Um eine umweltfreundliche Mobilität zu fördern, werden insgesamt 250 Fahrradstellplätze in Eingangsnähe und geschützt unter der Freitreppe angeordnet. Die Drop-Off Bereiche für die Busse, die Mitarbeiter*innenstellplätze und die Anlieferung werden an der Volkmannstraße organisiert und durch den östlichen Eingang auf kurzem Wege mit dem Campusfoyer verbunden.
Low-Tech-Retentionsmechanismen werden nicht nur auf dem Gebäude, sondern auch im Park angewendet. Die auf ein notwendiges Mindestmaß reduzierten versiegelten Flächen aus wasserdurchlässigen Materialien werden in die Vegetationsflächen entwässert in Muldenrigolen gespeichert und für die Bewässerung der Bepflanzung verwendet. Ziel aller Maßnahmen ist es einen Freiraum als Bestandteil des urbanen Ökosystems für zukünftige Generationen zu schaffen und zu bewahren.
Modellfoto
©Michael Lindner, Berlin
Entwurf Außenanlagen
©Schieferdecker Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsplan 1
©Großmann Architektur
Wettbewerbsplan 2
©Großmann Architektur
Wettbewerbsplan 3
©Großmann Architektur