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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2012

Neubauvorhaben der Zielplanung 2015 des Städtischen Klinikums

3. Preis

Preisgeld: 45.000 EUR

HASCHER JEHLE Architektur

Architektur

Monnerjan Kast Walter Architekten

Architektur

Erläuterungstext

Haus M


Städtebau
Der Neubau bezieht sich bauk√∂rperlich auf die gegen√ľberliegende HNO-Klinik und bildet mit ihr zusammen ein st√§dtebauliches Ensemble. Der C-f√∂rmige Bauk√∂rper h√§lt einen respektvollen Abstand vom Altbaubestand der HNO-Klinik und umschlie√üt einen gro√üz√ľgigen Freiraum f√ľr den Patientengarten.

Auf der Ostseite des Geb√§udeensembles ragt der Kopf des Neubaus √ľber die Bauflucht der HNO-Klinik hinaus und markiert auf diese Weise den neuen Eingangsbereich des Klinikum Karlsruhe.

Mit nur drei Obergeschossen orientiert sich der Klinikneubau am umliegenden Altbaubestand und f√ľgt sich gut in die gesamte Klinikanlage ein. Die moderate Geschossigkeit des Entwurfs stellt einen harmonischen √úbergang vom Altbaubestand zur neueren Bebauung der Frauen und Kinderklinik sowie der Neurologie her. Intensivstationen und OPs werden in die Topographie eingebettet und treten dadurch st√§dtebaulich nicht in Erscheinung. Diese beiden Funktionsbereiche werden durch die Ausbildung von Tiefh√∂fen mit ausreichend Tageslicht versorgt.

Alle Patientenzimmer des Bettenhauses zeichnen sich durch eine hervorragende Belichtung und durch vielf√§ltige Blickbeziehungen in den neu geschaffenen Patientengarten und in die √ľbrigen Freir√§ume des Klinikums aus.


Freiräume
Der Neubau des städtischen Klinikums Karlsruhe spannt mit dem Altbaubestand der HNO-Klinik einen hochwertigen Freiraum auf.

Der Außenraum orientiert sich in Größe und Proportion an der bestehenden Gartenanlage, die von den Altbauten der Häuser B und C gefasst wird und bietet als Patientengarten Besuchern und Patienten Freiräume zur Erholung und Genesung. Die bestehende Abfolge von qualitätvollen Außenräumen wird durch den vom Neubau formulierten Patientengarten erweitert.

Die vorgeschlagene C-förmige Anordnung des Bettenhaus bietet den Patientenzimmern eine sehr gute Belichtung so wie vielfältige Ausblicke in den Patientengarten und die umliegenden Freiräume.


Erschließung
Die PKW-Erschlie√üung des Klinikgel√§ndes erfolgt von der Kussmaulstra√üe √ľber die Ost-West-Achse s√ľdlich der H√§user H zur ‚ÄěNeuen Mitte‚Äú des Campusgel√§ndes.
Der Neubau empfängt Patienten und Besucher mit einer einladende Geste:
Eine √ľberdachte Vorzone bietet ausreichend Platz f√ľr die Vorfahrt am Haupteingang.
Die 3-geschossige Eingangshalle dient als Hauptverteiler f√ľr s√§mtliche Nutzungen des Geb√§udekomplexes und bietet Platz f√ľr die Information, eine kleine Cafeteria, die administrative Aufnahme auf der Ebene der ZNA und des R√∂ntgen, sowie den Wartebereich des ambulanten OPs auf der untersten Eingangshallenebene. √úber die Eingangshalle erreichen die Ankommenden die gro√üe Besuchermagistrale, die alle Klinikbereiche miteinander verbindet. Vom n√∂rdlich gelegenen Parkhaus aus gelangen Patienten und Besucher zwischen Haus D und R √ľber den r√ľckw√§rtigen Zugang der Eingangshalle ebenfalls direkt zur administrativen Aufnahme. Die Liegendkrankenvorfahrt erfolgt √ľber die Franz-Lust-Stra√üe.


Notfall
Nach der Fertigstellung von Haus M erfolgt der Umzug der Abteilungen (inklusive der Endoskopie) aus den Altbauten in den Klinikneubau. Der Notfall mit der vorhandenen Liegendkrankenvorfahrt bleibt vorerst am alten Standort im Haus R voll funktionsfähig erhalten.
Die frei werdenden Fl√§chen in Haus E (Endoskopie, Chirurgie, An√§sthesie) werden umgebaut und anschlie√üend durch die neue zentrale Notaufnahme ZNA bezogen. Die Liegendkrankenvorfahrt wird im Hof √∂stlich von Haus E platziert. An diesem Standort ist eine angemessen gro√üz√ľgige Liegendkrankenvorfahrt f√ľr ein Klinikum dieser Gr√∂√üe realisierbar. Auf diese Weise wird eine Kollision der Liegendkrankenvorfahrt mit den fu√ül√§ufigen Patienten und Besuchern vom n√∂rdlich gelegenen Parkhaus zum Haupteingang des Neubaus Haus M vermieden. Die Verkehrsstr√∂me werden entflochten.
Auch ein Abriss mit darauf folgendem Neubau von Haus E ist bei dieser Konzeption denkbar.


Bettenhaus
Auf 3 Geschossen werden jeweils 4 Stationen (je 2 Doppelstationen pro Geschoss) angeordnet. Zwischen den beiden Stationen einer Doppelstation befindet sich je ein Bereich mit gemeinsamen R√§umen f√ľr beide Stationen. Hier liegt auch die Vertikalerschlie√üung sowie ein gro√üz√ľgiger Luftraum, der Besucher und Patienten empf√§ngt. Insbesondere im Vergleich zur Zielplanung bietet die vorgeschlagene L√∂sung eine sehr gute Belichtung mit Ausblicken in die Freir√§ume. Au√üerdem sind die maximalen Wegl√§ngen einer Doppelstation mit 105m f√ľr das Personal deutlich k√ľrzer als bei der Zielplanung ( 130m).

Bei der Reduzierung um 100 Normalpflegebetten wären pro Geschoss je 3 Stationen denkbar.

Versorgungstunnel
In Baufeld M und im Baufeld I + F2 wird jeweils durch Erweiterung des bestehenden Tunnelsystems ein Ringschluss hergestellt.
Die vorhandenen Tunnel in Nord-S√ľd-Richtung im Baufeld M k√∂nnen hierdurch entfallen. So entsteht die ben√∂tigte Baufreiheit f√ľr den Neubau Haus M. Im Baufeld M werden 3 √úbergabestationen mit ca. 50m¬≤ jeweils an den Vertikalerschlie√üungen vorgesehen.


Haus F 2
Der Bauk√∂rper schlie√üt an der S√ľdseite des Bestandshauses F ebenengleich an und begrenzt die Wirtschaftszone um das alte Kesselhaus. Die direkte Verbindung zum Bestand erm√∂glicht eine Verkn√ľpfung der Funktionen mit den formulierten Zielplanungen im Haus F. Der Besuche n√§hert sich von der Ostseite und betritt einen zweigeschossigen Eingangsbereich, der unmittelbar in den Restaurantbereich / Relaisk√ľche im 1.OG f√ľhrt. Der Saal ist in Richtung der Gartenanlage im S√ľden orientiert und erlaubt dem Nutzer Ausblicke in die Gartenanlage fernab vom Klinikalltag. Die Relaisk√ľche schlie√üt als autarke Einheit an den Speisesaal an und gew√§hrleistet eine k√ľnftige, von Produktionsk√ľche unabh√§ngige Versorgung der geplanten Ma√ünahmen im Bestandshaus F.
Die Produktionsk√ľche befindet sich zusammen mit den Lagereinheiten im Erdgeschoss des Neubaus. Eine effektive Zonierung sowie Querschl√ľsse zu den Lagern und K√ľhlr√§umen gew√§hrleistet einen Reibungslosen Arbeitsablauf. An den jeweiligen √úbergabepunkten zum UG und ersten OG, befindet sich eine eigens eingerichtete Zone mit einem direkt anschlie√üenden Geschirrlager. Diese Zone erm√∂glicht einen effizienten Ablauf zwischen der Reinigungszone im UG und dem Portionier-Band in der Produktionsk√ľche.
Das Lager schließt als kompakte Einheit direkt an die Anlieferungs und Verteilerzone des Wirtschaftshofes.


Haus I
Haus I ist direkt an den Hauptlieferwegen des Klinikums platziert. Die Apotheke wird im Erdgeschoss logistisch optimal angebunden. Die Verteilung der einzelnen Einheiten erm√∂glicht separierte Arbeitsabl√§ufe. Ein Eingangsbereich am Kopf des Geb√§udes gew√§hrleistet den fu√ül√§ufigen Zutritt vom Haupteingang des Klinikgel√§ndes aus. Von hier ist die Tranfusionsmedizinische Abteilung im 1.OG √ľber einen Fahrstuhl erreichbar.
In den oberen Geschossen sind die jeweiligen Einheiten der ZLMT sowie Pathologie verteilt.

Die Grundrisse spiegeln die hohe Flexibilit√§t und Nutzungsvarianz eines im Dreibund organisierten Labors wieder. W√§hrend die beiden endseitigen Kerne der Nutzerstr√∂me und Entfluchtung dienen, ist der mittlere Erschlie√üungskern f√ľr den Transport von Proben, Materialien und Pharmazeutika geplant. Die Weiterf√ľhrung des Kernes zum Versorgungstunnel im Erdgeschoss gew√§hrleistet eine Verkn√ľpfung der jeweiligen Einheit in den Gesamtklinikablauf.
Labore und Arbeitsräume sind in Zonen angelegt, untergeordnete Einheiten und Nebenräume werden in der Mittelzone platziert.
Die Installationssch√§chte werden √ľber das gesamte Geb√§ude an der Fassadenseite gef√ľhrt und erm√∂glichen eine hochflexible, und immer wieder variierende Grundrissaufteilung.


Der Wirtschaftshof
Der Wirtschaftshof ist direkt an das √§u√üere Verkehrsnetz angebunden und wird als Einbahnstra√üensystem vorgeschlagen. Die Anlieferung, Lager und Entsorgungseinheiten sind √ľberdacht und bilden eine Lieferzone f√ľr Institutshaus und Haus F2. Die B√ľndelung der unterschiedlichen Einheiten an einen Ort erm√∂glicht ein ungest√∂rtes Funktionieren der anderen Klinikabl√§ufe.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Baukörper von Haus M setzt sich städtebaulich sehr stark mit der vorhandenen
Bestandsstruktur auseinander und bietet mit seinem plastischen Volumen und seinen
angebotenen neuen Freiräumen einen interessanten Beitrag zur Wettbewerbsaufgabe. Durch
das Abgraben großer Gebäudeteile verschaffen sich die Verfasser die Möglichkeit, in Körnung
und Maßstab, sowie bei den Außenbereichen geschickt auf das Gesamtensemble des Klinikums
zu reagieren.
Somit entstehen harmonische Übergänge zwischen den verschiedenen Gebäuden des
Bestandes. Dem Klinikum und seinen Nutzern wird ein vielfältiger und gut gestalteter
Gartenbereich angeboten bzw. erhalten.
Der Eingang von Haus M liegt gut einsehbar an der neuen Querachse nach S√ľden und bietet
eine angemessene und gut funktionierende Größe. Der Übergang zur Magistrale könnte etwas
gro√üz√ľgiger ausgebildet sein.
Die Verfasser ben√∂tigen f√ľr ihre neuen Funktionen einen Fl√§chentausch von Notaufnahme und
Endoskopie im Bereich von Haus E, was aufwendig erscheint.
Die angebotenen Tiefhöfe nehmen im 2. OG die Operationsbereiche auf. Die Innenlage aller
OP‚Äôs wird dabei kritisch gesehen. Die Tagesbelichtung der Tiefh√∂fe ist durch die weite √Ėffnung
nach S√ľden und die ausreichende Breite gegeben. Dies gilt auch f√ľr die Bereiche der
Intensivmedizin.
Der große Bereich der medizinischen Stationen im Erdgeschoss besitzt in Teilen unattraktive,
lange Flure. Die Pflegestationen in den drei Obergeschossen sollten strukturell besser
abtrennbar sein. Die Lage vieler Patientenzimmer nach S√ľden bedarf eines ausgekl√ľgelten
Sonnenschutzsystems.
Die tektonischen Aussagen der Verfasser zu Fassadengestaltung und Freiraum sind
maßstäblich, angemessen in Material und gut in der Proportion.
Auch die beiden Geb√§udeteile Haus F2 und I f√ľgen sich st√§dtebaulich ebenso einfach und
selbstverständlich in den Bestand ein wie Haus M. Die Adressierung beider Häuser ist eindeutig,
die geschaffenen Vorzonen und Freiräume gut nutzbar.
Lediglich beim sinnvoll √ľberdeckten Anlieferbereich entsteht etwas r√§umliche Not. Die
logistischen Verbindungen beider H√§user sind schl√ľssig und nachvollziehbar. K√ľchenbereich /
Kantine und auch die Laborbereiche bieten einen gut nutzbaren Grundriss.
In Gestalt und Proportion bieten diese beiden Häuser analoge Qualitäten zu Haus M. Insgesamt
ein wohltuender Beitrag zur komplexen Aufgabenstellung, der die Verdichtung des Klinikums
nach Innen angemessen und zukunftstauglich löst.
Energetisches Konzept
Gebäude M:
- Geringe Kompaktheit des Baukörpers
- Teilweise unzul√§ngliches Sonnenschutzsystem f√ľr Ost und westorientierte Fassade
- Kein Erläuterungsbericht zu energetischer Gebäudekonzeption
- Insgesamt mäßige Bewertung der Energetischen Zielvorgaben
Gebäude I:
- Relativ kompakter Baukörper
- Angemessenes Fensterflächenanteil
- Nicht der Nutzung angemessenes Sonnenschutzsystem
- Kein Erläuterungsbericht zu energetischer Gebäudekonzeption
- Insgesamt mäßige Bewertung der Energetischen Zielvorgaben
Gebäude F2:
- Sehr geringe Kompaktheit des Baukörpers
- Ung√ľnstiger Fensterfl√§chenanteil und Sonnenschutzsystem
- Insgesamt schlechte Bewertung der Energetischen Zielvorgaben
Brandschutz:
Gebäude M:
- Feuerwehrzufahrt von S√ľdseite schwer realisierbar
- Rettungswegf√ľhrung aus den Untergeschossen nicht funktional (Anordnung von
zusätzlichen Treppenräumen notwendig)
Wirtschaftlichkeit:
Die Kostendaten liegen im mittleren Bereich.