Einladungswettbewerb im kooperativen Verfahren | 01/2025
Neubebauung Wohnquartier in Mindelheim
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Modellfoto
©juri troy architects
3. Preis
Preisgeld: 6.000 EUR
Erläuterungstext
Städtebau
Das Projektumfeld ist einerseits geprägt durch eine auffällige Topographie, die westlich deutlich ansteigt und andererseits durch eine heterogene Bebauungsstruktur zu allen Seiten. Die einzelnen Baukörper versuchen darauf möglichst differenziert zu antworten in dem einerseits eine Höhenstaffelung von der niedrigen und kleinteiligen Bebauung des Unteren Mayenbadwegs zu einem zentralen sechsgeschossigen Hochpunkt überführt wird, welcher der Topographie Rechnung trägt. Andererseits ist es dadurch auch möglich trotz der Dichte des Quartiers die nötigen Freiräume, Abstände und Durchblicke zu gewährleisten. Südlich zur Memminger Straße wird ein großzügiger Ankunftsbereich als Grünraum freigehalten, von wo aus das Quartier über eine nach Norden geführte Erschließungsachse betreten werden kann. Um den zentralen Quartiersplatz gruppieren sich die Bauteile B-D mit teilweise gemeinschaftlichen Nutzungen im Erdgeschoß. Nördlich davon sind der Sozialbau als West-Ost-orientierter Riegel mit Laubengangerschließung und die drei Reihenhausgruppen mit ihren Privatgärten gelegen. Durch die präzise Setzung der einzelnen Bauteile wird auch der Außenraum mit unterschiedlichsten Qualitäten bespielbar und der schwierigen Besonnungssituation insbesondere in den Wintermonaten Rechnung getragen.
Verkehr
Der oberirdische ruhende Verkehr wird zur Gänze entlang des Unteren Mayenbadwegs angeordnet. Hier ist auch im Sockel des Bauteils D die Tiefgarageneinfahrt platziert, die mit geringer Neigung die eingeschossige, nach Norden zum angrenzenden Gelände ebenerdig offen gehaltene Parkfläche anbindet. Durch Baumpflanzungen mit großzügigen Deckenöffnungen kommt direktes Tageslicht in diese Ebene und eine natürliche Belüftung ist gewährleistet. Direkt neben der Tiefgarageneinfahrt sind zudem ebenfalls ebenerdig zugängliche Fahrradstellflächen im Sockelbereich von Bauteil D untergebracht. Weitere Einstellmöglichkeiten befinden sich im bestehen gelassenen Abstellraum an der Hangkante im Westen. Die Feuerwehrzufahrt ist im Süden an der Memminger Straße situiert und führt von dort aus in einer Schleife um den Bauteil B. Diese Zufahrt kann auch für Zustellungen, Krankentransporte und dergleichen verwendet werden.
Außenraum
Insbesondere im westlichen und Südlichen Bereich des Grundstücks werden großflächige Grünbereiche freigehalten und der umgebende Naturraum entlang der Memminger Straße zusammengeführt. Entlang der Ostgrenze erfolgt die Unterbringung von Besucherparkplätzen mit durchlässigen Rasengittersteinen und dazwischen angeordneten Baumbepflanzungen. Der Quartiersplatz dient als befestigte Bewegungsfläche für unterschiedlichste halböffentliche Nutzungen, ist Verteiler und Sammelpunkt zugleich. Von hier aus stufen sich kleinere Außenräume mit unterschiedlicher Programmierung für die Bewohner nach norden hin ab. Durch die Abgestufte Tiefgaragendecke sind auch hier intensive Bepflanzungsbereiche möglich. An der nördlichen Grundgrenze wird das Gelände weitestgehend unverändert gelassen und die Fläche des Geh- und Fahrrechtes geht über einen Fußweg bis zum höher gelegenen Teil der Memminger Straße nach westen hin den Hang hinauf. In der Südwestecke des Areals ist ein Kinderspielplatz mit optimaler Belichtung und guter Einsehbarkeit angeordnet. Weiter nördlich bei der abgestuften Stützmauer gibt es ein zusätzliches Angebot für ältere Kinder und Jugendliche mit Kletterwand und Sitzmöbeln. Vor allen erdgeschossigen Wohnungen sind private Gartenbereiche vorgesehen, die die Wohnqualität zusätzlich steigern.
Wohnungstypen
Im Bauteil A befinden sich die Sozialwohnungen als durchgesteckte zweiachsige Wohnungen mit jeweils einem standardisierten Sanitärkern. Die Wohnungen könnten auch ohne weitere Zwischenwände angeboten werden und von den Nutzern selbst lediglich durch Schrankelemente abgetrennt werden. Private Außenflächen im Westen und der breite, zonierte Laubengang ostseitig ermöglichen Ausblicke zum Grünraum und in Richtung Altstadt und ganztägig beste Belichtung.
Der Bauteil B ist als sechsgeschossiger Sechsspänner organisiert. Die Freiflächen der Wohnbereiche orientieren sich nach Westen und Osten. Durch den Z-förmigen Grundriss lassen sich die meisten Wohnungen aber dennoch zu mehreren Seiten belichten.
Die beiden südlichen Bauteile C und D sind als zentral erschlossene Punkthäuser mit annähernd quadratischem Grundriss ausgelegt. Als 4 bzw. 6-Spänner ermöglichen sie kompakte Grundrisse mit innenliegender Erschließungs- und Installationszone und ebenfalls Großteils zu zwei Himmelsrichtungen orientierten Aufenthaltsräumen mit jeweils eingeschnittenen Loggien.
Die Reihenhäuser sind in drei Dreiergruppen hintereinander angeordnet. Sie weisen alle eine ideale Südorientierung mit vorgelagerten Privatgärten auf. Die drei östlichen Häuser entlang des Unteren Mayenbadwegs haben zudem die Möglichkeit im Untergeschoß mit einer Einliegerwohnung ausgestattet zu werden. In geringerem Umfang wäre dies auch für die beiden restlichen Häuser der nördlichsten Zeile denkbar.
Holzbau
Alle Bauteile weisen einen klaren Achsraster auf der exakt auf jenem der Tiefgarage aufgesetzt ist. Mit einer Achsbreite von 2,70 m (Spannweiten von 5,40 m) eignet er sich hervorragend für eine wirtschaftliche Bauweise mittels nach unten sichtbaren CLT-Deckenelementen. Mit einer maximalen Geschoßanzahl von 6 oberirdischen Geschossen lotet der Entwurf das bestmögliche Verhältnis zwischen Dichte, Großzügigkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit aus. Dafür werden jeweils gleiche Wohnungstypen stets direkt übereinander angeordnet, um Schallschutz-, Brandschutz-, Tragwerk- und Haustechnik von Beginn an bestmöglich zu integrieren. Bei den Außenwandflachen sind sowohl eine Massivholzbauweise als auch eine Holzständerbauweise denkbar. Die Fassaden werden überwiegend mit raumhohen Fensterelementen gegliedert und in geschosshohen vorgefertigten Holzfassadenelementen ausgeführt. Im Innenraum eignen sich die Grundrisse für die Verwendung von vorgefertigten Nasszellen, was die Bauzeit zusätzlich deutlich verkürzt. Nichttragende Innenwände werden in standardisiertem Trockenbau ausgeführt. Bauteil A und B erhalten aussteifende Stahlbetonerschließungskerne. Bei Bauteil C und D wären diese auch als CLT-Kerne denkbar.
Nachhaltigkeit
Die Höhenlage der eingeschossigen Tiefgarage ist so gewählt, dass nach dem Bestandsabbruch nur mehr relativ geringe Erdbewegungen notwendig sind. Die Bereiche mit steilerem Gelände können überdies zur Gänze belassen bleiben. Durch die Kompakte Anordnung der Versiegelten Bereiche bleiben Flächen zur Versickerung von Regenwasser erhalten. Die Flachdachflächen werden zu Retentionszwecken extensiv begrünt und stehen zur Belegung mit Photovoltaik zur Verfügung. Ebenso die nach Süden ausgerichteten Dachflächen der Reihenhäuser. Durch die kompakten Baukörper und die hochwärmegedämmten Holzaußenbauteile kann der Energiebedarf im Betrieb minimiert werden. Der hohe Holzanteil und die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen für Dämmung und Innenausbau senkt den CO²-Fußabdruck ebenfalls auf ein Minimum. Ein biodiverses Bepflanzungskonzept vervollständigt diese Gedanken auch im Außenraum. Für eine soziale Nachhaltigkeit sorgt darüber hinaus noch die kleine Gästewohnung im EG von Bauteil C und die beiden Gemeinschaftsräume im EG im Anschluss an den Quartiersplatz.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die präzise unprätentiöse Setzung der in Höhe und Körnung differenzierten Baukörper erfolgt unter Beachtung und Einbezug des umliegenden städtebaulichen Kontextes sowie der Topografie. Vernetzung und Einbindung erscheinen gelungen.
Zur Memminger Straße hin wird ein grüner Vorbereich angeboten, der den Auftakt des Quartieres definiert und auf den zentralen Quartiersplatz führt. Hier finden sich die Geschosswohnungsbauten mit teilweise gemeinschaftlichen Nutzungen in den Erdgeschossen.
Die Reihenhäuser sind sinnfällig in drei Zeilen mit Südausrichtung organisiert, sie nehmen die offene Bebauung auf und definieren den Straßenraum des unteren Mayenbadweges auf angenehme Art und Weise mit und bieten den Bestandsgebäuden ein qualitätvolles Gegenüber.
Das Erscheinungsbild der Sockelzone der eingeschossigen Tiefgarage wird unterbrochen über die Treppenanlagen, die über die Wegeerschließung der Hauszeilen in das Quartier führen.
Die Anbindung an den nördlich angrenzenden Kontext sowie die Weiterführung des Freiraums erscheint durch die Lage der 2. Tiefgaragenzufahrt gestört und wenig qualitätvoll.
Es entsteht ein gut gewichtetes Wechselspiel von Masse und Raum mit Bezügen und Ausblicken sowohl zur Stadt als auch zum grünen Hang im Westen. Gleichzeitig wird das neue Quartier auch von der Stadt aus sichtbar - der sechsgeschossige Hochpunkt im rückwärtigen Bereich erinnert zudem an den Bestandsbau.
Der Entwurf bietet eine grobe zweidimensionale Zonierung der Freiräume als erstes Flächenlayout. Eine von Nord nach Süd verlaufende Erschließungsachse macht erste Angebote für Aufenthalt, Spiel und Bewegung. Dabei wirken aber Wahl und Platzierung der Nutzungen wirken z.T. eher zufällig. Raumgreifende versiegelte Flächen im zentralen Bereich vermögen nicht zu überzeugen, die Arbeit bleibt insgesamt sehr schematisch und lässt noch wenig atmosphärische Qualität erwarten.
Die differenzierten Wohnungstypologien zeigen gute Qualitäten auf – es werden auch unkonventionelle Grundrisse angeboten, die Flexibilität in der Nutzung versprechen. Die Orientierung ist in Teilbereichen als ungünstig zu bewerten – insbesondere die Nordwestausrichtung - und wäre im Detail zu prüfen.
Die geförderten Wohnungen finden sich in dem langgestreckten Baukörper am Fuß des grünen Hangs wieder – mit Orientierung sowohl zum Grünraum über die Balkonzone als auch zur Stadt über den Laubengang.
Der Wohnungsmix entspricht im Wesentlichen den Vorgaben.
Die Tragkonstruktion ist sinnhaft in Holz entwickelt; geringe Spannweiten, klare Grundrisse und dazu kohärent entwickelte Fassaden lassen in Verbindung mit dem hohen Vorfertigungsgrad eine kostengünstige Umsetzung erwarten. Insgesamt wird die Wirtschaftlichkeit positiv beurteilt.
Der Entwurf zeigt qualitätvolle Ansätze sowohl im Städtebau als auch in der architektonischen Ausformulierung und stellt einen guten Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe dar – erscheint allerdings in Teilbereichen etwas schematisch dargestellt – insbesondere sichtbar in der Gestaltung und Anmutung der Freianlagen. Gleichwohl ist die Arbeit ein guter Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe.
Lageplan
©juri troy architects
Grundriss
©juri troy architects
Fassaden Schnitt-Ansicht
©juri troy architects