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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2023

Neue Mitte Erfurt S├╝dost

1. Preis

Preisgeld: 42.000 EUR

Octagon Architekturkollektiv

Stadtplanung / St├Ądtebau

impuls┬░Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

team red Deutschland GmbH

Verkehrsplanung

Erl├Ąuterungstext

Ab durch die Mitte / Neue R├Ąume zwischen den H├╝geln
Entwicklungsperspektiven f├╝r das Modellvorhaben Erfurt S├╝dost

Konzept
Der Erfurter S├╝dosten erf├Ąhrt durch Neuorganisation seiner Verkehrsr├Ąume, Entwicklung neuer Freiraumqualit├Ąten und Addition gemeinwohlorientierter Bausteine ein zukunftsf├Ąhiges Update f├╝r urbane Lebensr├Ąume in der landschaftsnahen Randlage der Stadt. Aktuell z├Ąsiert der Stra├čenraum das Gebiet stark in drei bzw. vier Teile ÔÇô den Herrenberg, den Wiesenh├╝gel, Melchendorf und Drosselberg. Eine ├╝bergeordnete landschaftsr├Ąumliche Verkn├╝pfung wird durch satt flie├čende Gr├╝nr├Ąume hergestellt, die von S├╝dwesten und S├╝dosten in die neue Mitte hineingef├╝hrt werden und die bestehenden Gebiete verkn├╝pfen. Diese bilden neben einer nord-s├╝d-gerichten Landschaftsachse und einer verkehrsreduzierten, ost-west-orientierten Stadtachse das R├╝ckgrat der st├Ądtebaulichen Entwicklungsperspektive. Komfortabel angeschlossen an den ├Âffentlichen Verkehr und eingebunden in ein Netz f├╝r Fu├čg├Ąnger und Radfahrer ÔÇô so soll der Erfurter S├╝dosten mit der Kernstadt zusammengef├╝hrt und in sich verwoben werden. Die vormals verkehrstechnisch gepr├Ągten Freir├Ąume werden intensiv umgewidmet und der motorisierte wie ruhende Individualverkehr auf ein funktionales Mindestma├č reduziert. Die Etablierung eines ├Ąu├čeren Erschlie├čungsrings erm├Âglicht die Fokussierung auf ein inneres Netz von Fu├č- und Radwegen. Diese verkn├╝pfen nicht nur die einzelnen Siedlungen Herrenberg, Wiesenh├╝gel, Melchendorf und Drosselberg, sondern re/aktivieren teils historische Beziehungen als erlebbare Freiraumachsen. Barrierewirkungen werden abgebaut, die Tallage zwischen den Siedlungsbereichen als un├╝bersichtlicher Verkehrsraum, durch strukturierte und programmierte Freir├Ąume aufgel├Âst. Die bauliche Rahmung der neuen Mitte wird durch erg├Ąnzende Bebauung entlang der Kanten sowie eine Teilbebauung des Zentrums gest├Ąrkt. Neue Nutzungsbausteine erg├Ąnzen die ├Âffentlichen Bauten sozialer Infrastruktur entlang eines inneren Loops. Insbesondere spannt ein ausgebauter Schul-, Sport- und Freizeitcampus als attraktives Verbindungselement ├╝ber die nun ├╝berbr├╝ckbare Tallage zwischen den Siedlungen.

St├Ądtebau & Nutzungsstruktur
Das Aufgreifen und Konturieren von Wegebeziehungen und Achsen charakterisiert das st├Ądtebauliche Konzept. Neue Geb├Ąudesetzungen entlang der Kranichfelder Stra├če f├╝hren die baulichen Kanten der Stadtachse fort. Der Stra├čenraum wird gefasst und l├Ąsst mit seinem regelm├Ą├čigen, nun schmaleren Querschnitt die angrenzenden Siedlungsbereiche zusammenr├╝cken. Die baulichen Additionen im Bereich um den gro├čen Nahversorger konturieren einen neuen Stadtplatz, der den Eingang in das Gebiet Erfurt-S├╝dost markiert. Die gro├čma├čst├Ąblichen Solit├Ąre unterstreichen die Urbanit├Ąt des Ortes und erg├Ąnzen mit Schwimmhalle, deren Dach als Skateanlage dem Gr├╝nzug zugeneigt ist, B├╝rgerhaus und erweiterter Sporthalle einen quartiers├╝bergreifenden Campus. Der weitere Stadtachsenverlauf tangiert Platz und Gr├╝nzug und wird beim Platz am Sibichen erneut gefasst. Hier trifft die nord-s├╝dlich verlaufende Landschaftsachse auf die Haarbergstra├če und greift die alte Dorfstra├če des Schulzenwegs auf. Entsprechend reagiert die Neubebauung auf den historischen Bestand und bildet mit Kita und einem angrenzenden Quartiersbaustein kleinma├čst├Ąblichere Erg├Ąnzungen am Platz aus. Das Quartier fungiert mit offenen Bl├Âcken als Arbeitsort, Wohnraum und Gewerbefl├Ąche in maximaler Durchmischung und als Vermittler zwischen den Ma├čst├Ąben und Typologien von Dorfstruktur und Gro├čwohnsiedlung. Dachformen und die Charaktere der alten Werkh├Âfe einerseits sowie Wohnzeilen andererseits werden dabei adaptiert. Im weiteren Verlauf trennen sich Stra├če und Stra├čenbahn mit Radweg-Begleitung. Letztere werden als Teil des Gr├╝nzugs ausgebaut, um den Drosselberg anzuschlie├čen. Nach Tangieren des Gr├╝nzugs am Holzergraben bildet der neugeordnete Melchendorfer Marktplatz den Auftakt in das Wohngebiet. Eine multifunktionale Quartiersgarage mit Sportdach ersetzt die offenen Fl├Ąchen des unteren Parkplatzes und flankiert W├Ąldchen, Einkaufszentrum und Privatgrundst├╝cke.
N├Ârdlich der Kranichfelder Stra├če bzw. Haarbergstra├če werden die ├Âffentlichen Bauten an einer Aktivachse teilweise neu geordnet. Die ├╝berformatige Kita wird an zwei neue Standorte verteilt und r├╝ckt st├Ąrker an die Gr├╝n- und Platzfl├Ąchen im ├ťbergang zu den Wohngebieten. Das Herrenberg Center wird als identit├Ątsstiftendes Element erhalten und ert├╝chtigt, wobei das westliche Geb├Ąudesegment r├╝ckgebaut wird. Ein neuer Anbau f├╝r Wohnen und gemeinwohlorientierte Nutzung wendet sich im belebten Sockelbereich der s├╝dlich angrenzenden Aktivachse zu. Ein weiterer Neubau konturiert an der Stielerstra├če die Achse mit Integration von Wohnen und dem verlagerten Stadtteilzentrum am Freien Garten. Durch die Verlagerung kann das qualifizierte Sportdach von der Achse erschlossen werden und betont mit der ausgebauten Sporthalle den sozialen Campusschwerpunkt f├╝r Sport, Freizeit und Bildung.

Freiraumsystematik & Klimaaspekte
Die Freir├Ąume im Erfurter S├╝dosten sind im Bestand stark von baum├╝berstandenen Rasenfl├Ąchen als Abstandsgr├╝n und mit fast schon ingenieurbaulicher Topographie gepr├Ągt. Ein willk├╝rlich gewachsenes Wegenetz durchzieht wenig einladend das Gebiet. Vielz├Ąhlige Einfriedungen begleiten die Wege und lassen den Freiraum insgesamt sehr abweisend erscheinen, dar├╝ber hinaus dient er aktuell lediglich als fu├čl├Ąufige Durchwegung. Die vereinzelten Aufenthaltsfl├Ąchen sind in einem sehr schlechten Zustand und kaum nutzbar.
Mit der Neugestaltung wird der Freiraum verbindendes Element zwischen den H├╝geln und zieht die angrenzenden Landschaftsr├Ąume bis ins Zentrum des Quartiers hinein. Unterschiedliche Intensit├Ąten und Ausgestaltungen schaffen identit├Ątstiftende Orte und geben Orientierung im Quartier. Das R├╝ckgrat bilden die drei Pl├Ątze ÔÇô Stadtplatz, Platz am Sibichen und Melchendorfer Markt - entlang der Bahnlinie, gemeinsam mit dem Aktivband. Dieses liegt als intensiver Freiraum mit Spiel-, Sport- und Kulturangeboten sowie Aufenthaltsm├Âglichkeiten zwischen Sportdach und der Gemeinschaftsschule am gro├čen Herrenberg. Die drei Pl├Ątze erschlie├čen das Quartier und funktionieren als Verteiler und Wechsel zwischen den unterschiedlichen Verkehrsarten in der haupts├Ąchlichen West-Ost-Richtung.
Der Steigerwald wird entlang des Wiesenh├╝gels ├╝ber die Kleingartenanlagen bis zum neuen Stadtplatz verkn├╝pft. Ebenso wird der Willroder Forst ├╝ber den Holzergraben und den Melchendorfer Markt bis ins Quartier hinein erlebbar. Von Norden zieht der angrenzende Kulturlandschaftsraum von Dittelstedt ├╝ber die offenen Wiesen- und Rasenfl├Ąchen zwischen den Geb├Ąuden bis an das Aktivband. Von hier wird die Landschaftsachse nach S├╝den ├╝ber den neu ausformulierten Platz am Sibichen in den Schulzenweg weitergef├╝hrt und ├╝ber die Egstedter Trift in den Landschaftsraum s├╝dlich von Melchendorf verkn├╝pft. Der gegenw├Ąrtige Friedhof Melchendorf wird zuk├╝nftig als offener Friedhofpark entwickelt und bleibt ├╝ber seine Hauptwegestruktur ablesbar. Eine neue Querverbindung verwebt den Friedhofspark mit den umliegenden intensiven Freir├Ąumen.
Der Stadtplatz bildet den Auftakt und verteilt ankommende Menschen in die umliegenden Quartiere, den neuen Freiraum und bindet die neuen ├Âffentlichen Geb├Ąude an. Der H├╝gelweg schafft eine barrierefreie Verbindung ├╝ber dem Stadtraum zwischen Wiesenh├╝gel und Herrenberg. Gleichzeitig verbindet er die neuen ├Âffentlichen Geb├Ąude sowie die Haltestelle am Stadtplatz miteinander, Aufz├╝ge bzw. Zug├Ąnge direkt in die Geb├Ąude schaffen auch hier barrierefreie Zugangsm├Âglichkeiten. Gemeinsam mit der aktivierten Dachfl├Ąche der neuen Schwimmhalle als Skatepark mit Boulderfelsen sowie dem bestehenden Sportdach und der neuen Sporthalle wird der urbane Stadtplatz zum aktiven Auftaktelement.
Der zentralliegende Platz am Sibichen ist hier ebenso Verteiler ankommender Menschen, wie Aufenthaltsfl├Ąche und Eingangsbereich in die Schule, Kita und das neue Quartier am Friedhofspark. Der Platz ist ├╝ber die drei Richtungen nach Norden in die Landschaftsachse, nach S├╝den in den Schulzenweg und weiter in die angrenzende Landschaft sowie nach Osten in Richtung Melchendorfer Markt wichtiges Element als Durchwegung und Verteilung des Fu├č- und Fahrradverkehrs.
Schnelle Wegeverbindungen werden durch Baumreihen begleitet und schaffen so eine gute Orientierung im Gebiet und verteilen die Menschen auf den Wegen. Freie Baumhaine auf den Platz- und Aufenthaltsfl├Ąchen durchziehen das Quartier und schaffen trittsteinartige Abfolgen. Den Geb├Ąuden vorgelagerte halb├Âffentlich Gr├╝nr├Ąume als Vorg├Ąrten sowie naturnahe Wildwiesenfl├Ąchen schaffen sch├╝tzende Abst├Ąnde zu den ├Âffentlichen Rasenfl├Ąchen in den zentralen Freir├Ąumen.
Der Melchendorfer Markt schafft am bestehenden Einkaufszentrum einen gr├╝nen Quartiersplatz der sowohl die neu geschaffene Qualit├Ąt des bunten W├Ąldchens sp├╝rbar macht und gleichwohl offene Platzfl├Ąchen unterschiedlichen Nutzungen zur Verf├╝gung stellt. Auf der neuen Quartiersgarage und im bunten W├Ąldchen finden vielz├Ąhlige Sport- und Spielangebote ihren Raum.
Der Gr├╝nraum ├╝berlagert die gesamten Fl├Ąchen als Gro├čform, verbindet so die umgebenden Landschaftsr├Ąume und schafft damit eine wichtige Kaltluftversorgung bis tief ins Quartier hinein. Die neuen B├Ąume und Geh├Âlze schaffen einen hohen Anteil beschatteter Platz- und Wegefl├Ąchen und verbessern so das Quartiersklima nicht nur in sommerlichen Hitzeperioden. Durch das verlagern von Anliegerstra├čen in den ├Ąu├čeren Loop um das Zentrum herum entsteht der notwendige Raum f├╝r die neuen naturr├Ąumlichen Verkn├╝pfungen. Entlang desselben werden Quartiersgaragen platziert, welche in Zukunft auch durch weitere Nutzungen erg├Ąnzt und weiterentwickelt werden k├Ânnen.
Offene Versickerungs- und Verdunstungsmulden in den landschaftlichen Freir├Ąumen halten das Wasser vor Ort und f├╝hren es dem nat├╝rlichen Kreislauf zu. Sie sind Teil des zukunftsf├Ąhiges Regenwassermanagement im Quartier, welches dar├╝ber hinaus durch einen hohen Anteil Gr├╝nfl├Ąchen, mit strukturierten Oberfl├Ąchen anfallendes Regenwasser, insbesondere bei Starkregenereignissen, vor Ort aufnehmen kann und somit die tieferliegenden befestigten Stadtfl├Ąchen vor ├ťberflutung sch├╝tzt.

Mobilit├Ąts- & Erschlie├čungskonzept
Ein Netz ├╝bergeordneter Mobilit├Ątsachsen und gr├╝nen B├Ąndern mit einem eingebetteten barrierefreien Wegesystem f├╝r den Fu├č- und Radverkehr sowie verschiedene Formen der Mikro-Mobilit├Ąt charakterisiert das zukunftsorientierte Mobilit├Ątskonzept. Zwei sich kreuzende Bewegungsachsen (Stadtachse Ost-West und Landschaftsachse Nord-S├╝d) durchziehen das Gebiet und verkn├╝pfen es mit der Umgebung ÔÇô sowohl f├╝r den Alltags- als auch f├╝r den Freizeitverkehr.
Im Rahmen der notwendigen Verkehrswende einerseits und alternativer Erschlie├čungsoptionen andererseits erm├Âglicht eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs die verkehrsberuhigte Neuorganisation des Gebiets mit Fokus auf der Achse Kranichfelder Stra├če ÔÇô Haarbergstra├če. Der vorhandene Durchgangsverkehr wird durch die Ma├čnahmen vermehrt auf das ├╝bergeordnete Stra├čennetz (Am Herrenberg) verlagert. Die raumgreifende Kranichfelder Stra├če wird folglich auf je eine Spur in Fahrtrichtung beidseitig der Stra├čenbahn zur├╝ckgebaut und ihre Barrierewirkung aufgel├Âst. Dieser Stra├čenquerschnitt l├Ąsst sich perspektivisch bis ins Erfurter Zentrum durchlaufend fortf├╝hren. Die vorhandene Barrierewirkung der heutigen Rampen- und Br├╝ckenkonstruktion im Kreuzungsbereich Kranichfelder Stra├če / Haarbergstra├če kann aufgrund des reduzierten MIV durch einen ebenerdigen ├ťbergang vermieden werden. Eine weitere Entlastung ergibt sich mit der Etablierung einer ringf├Ârmigen Erschlie├čungsalternative von au├čerhalb der Siedlungen ├╝ber die Hauptachse f├╝r den motorisierten Individualverkehr Am Herrenberg im Zusammenspiel mit Bl├╝cherstra├če, Muldenweg, Hermann-Brill-Stra├če, Am Drosselberg und weiteren.
Die zentrale Achse Kranichfelder Stra├če ÔÇô Haarbergstra├če wird so zur neu geordneten Magistrale und dient als urbane Stadtstra├če. In Ost-West-Richtung f├╝hrt sie mit Stra├čenbahn, Schnellradweg und Fu├čwegen von der Innenstadt in die s├╝d├Âstlichen Siedlungen bis ├╝ber den Melchendorfer Markt und weiter nach Drosselberg. Sie nimmt den reduziert verbleibenden Kfz-Verkehr auf und stellt nach wie vor eine wichtige Achse f├╝r den ├ľPNV dar. Stra├čenbahnhaltestellen liegen niveaugleich mit den anderen Verkehren an den neu geschaffen Pl├Ątzen bzw. Kreuzungsbereichen der Durchwegungsr├Ąume. Die Stra├če wird als urbaner Stadtraum mit eingebetteter Stra├čenbahnf├╝hrung und begleitenden Radwegen sowie angenehmen Fu├čwegen unter stra├čenbegleitenden B├Ąumen entwickelt. Zumindest im Plangebiet wird eine stadtvertr├Ągliche Geschwindigkeitsregel von 30 km/h angestrebt bzw. Schritttempo (20 km/h) im Bereich der Platz├╝berquerungen. Bis auf die f├╝r die ├Ąu├čere Erschlie├čung vorgesehenen Stra├čen werden alle anderen Erschlie├čungsstra├čen als attraktiv gestaltete verkehrsberuhigte Bereiche organisiert. Dortige Parkplatzfl├Ąchen sollen zugunsten von Gr├╝nr├Ąumen reduziert, Parallelstra├čen entlang der Geb├Ąudekanten durch nutzungseingeschr├Ąnkte Erschlie├čungswege auf wassergebundener Wegedecken entsiegelt werden.
Der notwendige Stellplatzbedarf des Quartiers wird durch die Anordnung von Quartiersgaragen mit mittlerer Kapazit├Ąt sichergestellt. Die umfangreichen Parkfl├Ąchen im Stra├čenraum der Gro├čsiedlungen k├Ânnen so entfallen, sodass zus├Ątzlicher Raum f├╝r Aufenthalts- und Gr├╝nfl├Ąchen entsteht. Ziel ist jeweils ein Einzugsradius von bis zu 300 Metern, damit sind vergleichbare Entfernungen zwischen Haust├╝r und ├ľPNV bzw. zur Quartiersgarage gew├Ąhrleistet. Im Sinne eines antizipierten Mobilit├Ątswandels wird f├╝r die Quartiersgaragen ein reduzierter Stellplatzschl├╝ssel angesetzt.
Das Mobilit├Ątsangebot wird erg├Ąnzt durch ein abgestuftes Netz an Mobilit├Ątsstationen, die je nach Standort Car-Sharing, Pedelec- und Lastenradverleihsysteme, Abholstationen / Logistik-Hubs sowie weitere Formen der Mikro-Mobilit├Ąt beinhalten. Diese Stationen sind f├╝r die Quartiersgaragen angedacht, sowie an den zentralen ├ľPNV-Knotenpunkten und den Quartierszentren. So entsteht ein umfassendes Netz an Mobilit├Ątsangeboten, mit dem die Wege des Alltags zur├╝ckgelegt werden k├Ânnen.
Eine dem Fu├č- & Radverkehr gewidmete Wegeverbindung f├╝hrt innerhalb der Siedlungen an den neuen Pl├Ątzen und bestehenden Orten ├Âffentlicher Nutzungsstrukturen entlang. Die Abfolge beinhaltet die neue Aktivachse am Herrenberg, den Schulstandort sowie das B├╝rgerhaus Melchendorf und Melchendorfer Markt, bezieht den historischen Anger am Schulzenweg und die Judohalle ein und schlie├čt sich im Verlauf des Gr├╝nzugs entlang der neuen Schwimmhalle im Bereich des multifunktionalen Campus am Herrenberg. Dieser innere Loop kann zus├Ątzlich durch einen (ggf. autonomen) Ring-Shuttle erschlossen werden, der Nahversorgungseinrichtungen, Soziale Infrastruktur sowie Wohnlagen verbindet und durch sharing-basierte Elektromobilit├Ąt auch Unterst├╝tzung bei Mobilit├Ątseinschr├Ąnkungen leistet. Zur nichtmotorisierten, barrierefreien ├ťberbr├╝ckung der Tallage wird der sogenannter H├╝gelweg erg├Ąnzt. Dieser verbindet oberhalb des Gr├╝nzuges die Siedlungsbereiche Wiesenh├╝gel und Herrenberg durch ein ortsbild-pr├Ągendes Br├╝ckenbauwerk ├╝ber die Kranichfelder Stra├če mit Sprung ├╝ber die aktiven D├Ącher der neuen Geb├Ąude im Campusbereich und bindet per Aufzug die dortigen Haltestellen des ├ľPNV ein.

Entwicklungsphasen
Die Entwicklungsperspektive f├╝r das Modellvorhaben Erfurt S├╝dost wird ├╝ber einen Zeitraum bis ca. 2060 angelegt. Dabei ist der Zeitrahmen nicht als Vorgabe zu verstehen sondern als hierarchischer Phasenplan, der ggf. in k├╝rzeren Etappen zu realisieren ist.
In Phase 1 wird die marode Verkehrsinfrastruktur der zentralen Stra├čen reorganisiert und das ├Ąu├čere Erschlie├čungssystem etabliert. Es entsteht Raum f├╝r die Gr├╝nverl├Ąufe und Achsen. Bauliche Ert├╝chtigungen (Herrenberg Center) bzw. Erg├Ąnzungen (B├╝rgerhaus) konturieren die neue Aktivachse und bilden wie die ├Âstliche Kita Platzkonturen aus. Am Melchendorfer Markt entstehen qualitative Aufenthaltsorte. In Phase 2 erg├Ąnzen ├Âffentliche Nutzungsbausteine (Schwimmhalle & Geb├Ąudekante am Kaufland) den Aktiv-Campus und konturieren die Stadtachse. Dezentrale Quartiersgaragen entlasten die ├Âffentlichen Fl├Ąchen in den Wohnlagen vom ruhenden Verkehr. Phase 3 sieht die Etablierung eines Produktivquartiers im Zentrum vor, das den Platz am Sibichen st├Ąrkt und die Siedlungsbereiche weiter verschmelzen l├Ąsst.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit setzt prinzipiell voraus, dass der Verkehr neugeregelt wird, um die Ziele des Wettbewerbs zu erreichen. Die Wohnquartiere werden dezentral erschlossen, die Kranichfelder Stra├če wird folgerichtig entlastet und verkehrsberuhigt - individuelles Parken erfolgt in dezentralen Garagen. So entstehen neue, verbindende Freir├Ąume dort, wo bereits gesellschaftliche Kristallisationspunkte vorhanden oder durch den Beitrag vorgesehen sind. Das Konzept besticht durch ÔÇ×gemeinwohlorientierte BausteineÔÇť, die die Voraussetzung f├╝r ein besseres gesellschaftliches Miteinander bilden. So wird die Neue Mitte nicht nur baulich, sondern auch funktional aufgewertet, z.B. mit Schwimmhalle, B├╝rgerhaus, Sporteinrichtungen oder Marktplatz. Diese sind so g├╝nstig angeordnet, dass sie zu Quartier ├╝bergreifenden Zielen werden. Die st├Ądtebaulichen Setzungen im Detail wurden zum Teil noch kontrovers diskutiert. Das ehem. Herrenberg Center und das Kaufland mit Sportplatz werden teilweise ressourcenschonend erhalten und weiterentwickelt. Damit hat auch der Umgang mit der Bausubstanz Modellcharakter. Es entstehen drei gut platzierte Freir├Ąume und Bindeglieder zwischen den Wohnquartieren. Aus D├Ąchern werden Dachlandschaften und so in den umgebenden Freiraum integriert. Korrespondierende Funktionsbereiche werden ├╝ber ein sogenanntes ÔÇ×AktivbandÔÇť miteinander verkn├╝pft und wohltuend durch zus├Ątzliche Attraktionen aufgeladen. Bereits vorhandene gr├╝ne Korridore werden ebenfalls miteinander verbunden, zum Teil baulich gefasst, in jedem Fall jedoch durch Sitz- und Spielbereiche sowie intensive Bepflanzungen aufgewertet. Der Alte Friedhof hat im neuen Park Platz gefunden. Schade ist, dass er durch das produktive Quartier seitlich bedr├Ąngt wird.
Erst mit der Fertigstellung der Neubauten am Stadtplatz ist auch die Realisierung des sogenannten H├╝gelweges m├Âglich, der die Kranichfelder Stra├če h├Âhenseitig quert, mehrere Funktionsbereiche miteinander verbindet und den Zugang zur Haltestelle ├╝ber den Aufzug erm├Âglicht.
Die Arbeit spricht als Einzige die Notwendigkeit an, den Kfz-Durchgangsverkehr so weit wie m├Âglich herauszunehmen und macht auch Vorschl├Ąge, die einzelnen Quartiere nicht mehr nur ├╝ber die zentrale Achse Kranichfelder Stra├če / Haarbergstra├če, sondern vermehrt von au├čen zu erschlie├čen. Sie sieht einen Abriss des Br├╝ckenbauwerks Kranichfelder Stra├če / Haarbergstra├če und eine plangleiche F├╝hrung von Stra├čenbahn und Fahrbahn der Kranichfelder Stra├če vor. Die Lage der Stra├čenbahnhaltestelle ÔÇ×Abzw. Wiesenh├╝gelÔÇť wird ein St├╝ck Richtung Westen verschoben, auf eine zus├Ątzliche Haltestelle ÔÇ×MilwitzwegÔÇť wird verzichtet. Die Kranichfelder Stra├če wird im Querschnitt beginnend ├Âstlich des Knotens Bl├╝cherstra├če um einen Fahrstreifen pro Richtung reduziert, zugunsten von Radverkehrsanlagen und Baumpflanzungen. Die Stra├čenbahn verbleibt bis kurz vor dem Gleisdreieck ├Âstlich der Haltestelle ÔÇ×Abzweig Wiesenh├╝gelÔÇť in Mittellage (Boulevardcharakter), erst dann wird die Kfz-Fahrbahn Richtung Osten nach Norden verschwenkt. Die Haltestelle ÔÇ×Abzw. Wiesenh├╝gelÔÇť ist im Bereich des neuen Stadtplatzes von beiden Seiten ebenerdig erreichbar, zus├Ątzlich ├╝ber Aufz├╝ge barrierefrei ├╝ber die neue Fu├čg├Ąngerbr├╝cke im Zuge des ÔÇ×H├╝gelwegsÔÇť.
├ťber die neu geschaffenen Pl├Ątze wird die Vernetzung der einzelnen Bereiche f├╝r den Fu├čverkehr deutlich verbessert. Auch sonst werden die Belange von Fu├čverkehr und Aufenthalt umfassend ber├╝cksichtigt. Der Entwurf ber├╝cksichtigt weitgehend die Belange des Radverkehrs. Die Feinerschlie├čung durch den ├ľPNV wird durch einen erg├Ąnzenden Quartiersbus gew├Ąhrleistet. Insgesamt ist die Arbeit verkehrsplanerisch vom Ansatz her vielversprechend, bedarf aber an verschiedenen Stellen noch einer sorgf├Ąltigeren Durcharbeitung, etwa der Anordnung und Erschlie├čung der Mobilit├Ątshubs, aber auch der Gestaltung der Knotenpunkte und Querungsstellen.
Insgesamt enth├Ąlt das Konzept sehr viele Vorschl├Ąge und ein gro├čes Potential f├╝r die st├Ądtebauliche, klimatische und soziale Aufwertung der drei Wohnquartiere, besonders an ihrer Verkn├╝pfungsstelle.