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Offener Wettbewerb | 05/2025

Neuentwicklung und Revitalisierung Hafenareal in Kassel

Lageplan Gesamtquartier
7

Lageplan Gesamtquartier

Anerkennung

Preisgeld: 10.667 EUR

Stadt Land Fluss, Städtebau und Stadtplanung PartG mbB

Stadtplanung / Städtebau

Landschaft planen + bauen Berlin

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Urbanes Hafenquartier zwischen Fulda und Feldflur 

Das neue Quartier am Kasseler Hafen kombiniert städtebauliche Dichte, funktionale Durchmischung und nachhaltige Entwicklung mit einer starken Identität am Wasser. Ausgehend von der industriellen Prägung entsteht ein urbanes, lebendiges und sozial durchmischtes Viertel, das den Uferraum der Fulda konsequent öffnet und erlebbar macht. Der Entwurf bildet, unter Berücksichtigung des historischen Gebäudebestandes sowie der prägnanten landschaftsräumlichen Einbindung zwischen Fluss- und Feldflur, die Grundlage für die Entwicklung und Transformation des Kasseler Hafens in ein klimagerechtes Stadtquartier mit gemischten Nutzungen und vielfältigen Freiräumen.
Es bietet eine ortsspezifische Lösung für die zukünftigen Bedürfnisse in den Bereichen Wohnen, Versorgung, Arbeit, Kultur und Freizeit sowie für ökologische Aspekte, Klimaresilienz und Energieeffizienz.

Im Zentrum steht eine funktional durchmischte Bebauung mit rund 440 Wohneinheiten in unterschiedlichen Wohnformen – darunter geförderter Wohnungsbau, Mehrgenerationenwohnen, Clusterwohnungen und partizipative Wohninitiativen, die sich in drei Teilquartiere aufteilen. Die Quartiere bieten thematisch unterschiedliche Gemeinschaftsflächen in Innenhöfen, auf Dächern sowie in Nachbarschaftsräumen und fördern so ein starkes soziales Miteinander.

Das Freiraumkonzept setzt auf naturnahe, die das Quartier strukturieren und mit dem angrenzenden Landschaftsraum verzahnen. Entlang der neu gestalteten Hafenpromenade entstehen attraktive Aufenthaltsbereiche mit direktem Zugang zum Wasser, ergänzt durch gastronomische Einrichtungen. Weitere Freizeitangebote wie eine Skateanlage, ein Naturspielplatz und Aussichtsbalkone sind im Riverside Park und dem Wahlebachgrünzug zu finden. Diese dienen als grüner Auftakt an der Hafenbrücke, bilden einen ökologischen Korridor und bewahren Hochwasserschutz und Biodiversität innerhalb der neuen Ufergestaltungen. Der Gleispark ist Scharnier zwischen dem nördlichen Zugang zum Landschaftraum und der südlichen Verbindung zum Wahlebachgrünzug sowie Bindeglied zwischen der Hafenpromenade und den neuentstehenden Wohnquartieren. Er fungiert als quartiersinterner Park mit nachbarschaftlichen Aufenthalt- und Spielmöglichkeiten.

Der denkmalgeschützte Silobau an der Hafenpromenade wird zum identitätsstiftenden Mittelpunkt des Quartiers. Er soll in eine vielfältig nutzbare Mischung aus gewerblichen, kulturellen und gemeinschaftlichen Funktionen überführt werden, darunter Ateliers, Musikstudios, eine Kletterhalle, Büros sowie Wohnungen mit Hafenblick.

Architektonisch zeichnet sich das Quartier durch eine nachhaltige Bauweise mit Holz-Hybridkonstruktionen, begrünten Dächern und recycelten Materialien aus. Es erfüllt hohe ökologische Standards durch Passivhaus-Bauweise, Photovoltaikanlagen, Regenwassermanagement und klimaangepasste Begrünung. Ein autoarmes Mobilitätskonzept mit dezentralen Quartiersgaragen, Mobility-Hubs und einem durchgängigen Fuß- und Radwegenetz sorgt für eine umweltfreundliche Erschließung. Eine neue Busanbindung sowie eine Brücke über die Fulda stärken die überregionale Anbindung.

Insgesamt entsteht ein zukunftsorientiertes Modellquartier, das die Potenziale des Wasserraums, der industriellen Geschichte und der nachhaltigen Stadtentwicklung auf beispielhafte Weise miteinander verbindet.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf ist geprägt durch eine klare städtebauliche und freiräumliche Gliederung und der Ausbildung von räumlich gut verwebten Teilbereichen. Es gelingt die Umgebung zum Hafen und zur Fulda zu öffnen, eine „Hafenidentität“ zu erzeugen, und gleichzeitig das Quartier zum angrenzenden Landschaftsraum auszurichten und Verbindungen herzustellen. Ein Quartier ohne Rückseiten und mit vielfältigen Anknüpfungspunkten in die Umgebung. Die Ausbildung der Teilbereiche ermöglicht eine gute Orientierung und angemessene Raumbildung des Gesamtquartiers. Die Teilbereiche haben je eigenständige Raumcharaktere und Nutzungsschwerpunkten.

Gemeinschaftliche Produktions- und Wohnhöfe nördlich der Hafenstraße bilden einen neuen Auftakt, von der Hafenbrücke kommend und ermöglichen in Zukunft programmatische Synergien mit dem südlich gelegenen Koop-Quartier. Die neue Bebauung ist integriert in einen groß angelegten Park – den sogenannten „Riverside Park“ - mit durchgehender Wegeverbindung bis zur Hafenspitze der Fuldainsel und einzelnen Sport- und Freizeitangeboten wie Skateanlage, Spielplatz und mehreren Flussbalkonen. Hier wird auch großräumig die Entwicklung des Wahlebachparks mitgedacht. Das Gelände des Yachtclubs bleibt funktionsgetrennt und damit im Betrieb nicht beeinträchtigt von der öffentlichen Wegeverbindung.

Entlang des südlichen Hafenkopfes zeigt die Arbeit einen behutsamen Umgang mit den bestehenden Hafenarbeiterhäusern, die vollständig erhalten werden. Jedoch wird durch eine neue Wegeverbindung der Bezug zur Hafenstraße und potenziell auch zum Koop-Quartier ermöglicht. Zum Wasser ermöglicht eine große Sitztreppe das Wassererlebnis. Ein Kranplatz ist vorgesehen.

Das Herz des neuen Quartiers entsteht in der Kombination von Speicherensemble, Gleispark und dem Wohnquartier Hafen-Ost. Die Promenade wirkt als durchgängiges Rückgrat bis zum nördlichen Hafenkopf und verknüpft so auch das nördliche Wohnquartier.

Das denkmalgeschützte Silogebäude wird erhalten und umgenutzt. Der Nutzungsmix verspricht eine gute Frequentierung und Belebung der Promenade. Der Abriss des Lagergebäudes wird denkmalpflegerisch und ökologisch kritisch gesehen. Der entstehende Freiraum ermöglicht eine gute Verbindung zum Gleispark und dem Wohnquartier, könnte jedoch auch an anderer Stelle, im Bereich der eingeschossigen Lagerhalle, vorgesehen werden, um den Erhalt des viergeschossigen Lagergebäudes zu ermöglichen. Das eingeschossige Lagergebäude wird erhalten und mit Wohnnutzung aufgestockt. Es entsteht ein prägendes Ensemble aus historischem Bestand und neuen Bausteinen, das die Hafengeschichte würdigt und städtebaulich diesen besonderen Ort betont.

Der südliche Quartierseingang wird durch den sogenannten Fontänenplatz gebildet und durch die multifunktionale Quartiersgarage flankiert. Hier sind weitere Nutzungen wie Mobilstation und Werkstätten untergebracht, die das Gebäude aufwerten. Die Verortung der Kita an dieser Stelle und in der Kombination wird kritisch gesehen.

Durch die städtebauliche Figur des Wohnquartiers gelingt ein kraftvolles Gegenüber zum Speicherensemble und gleichzeitig der Bezug in die Landschaft als freiräumliche Besonderheit. Dem nördlichen Wohngebiet fehlt noch eine klare städtebauliche Idee, Die Adressierung zur Promenade und die Ausbildung von Freiräumen für das Wohnen wirken nicht zu Ende entworfen. Die Anbindung des Reiterhofes an die Promenade könnte hier als Potential genutzt werden.

Die Arbeit zeichnet sich durch eine sehr gute Verknüpfung der Teilbereiche durch verschiedene Freiraumelemente aus, wie die Fuldawege und -brücke, die Promenade als Klammer des Gesamtgebietes am Hafen und den Gleispark als Verbinder von Speicherensemble und Wohnquartier Hafen-Ost. Für den Westbereich wird eine sensible Entwicklung unter Berücksichtigung der Anforderungen des Landschaftsschutzgebietes vorgeschlagen.

Die Arbeit zeigt ein gut durchdachtes Konzept für die verschiedenen Verkehrsarten. Es wird eine neue Busverbindung an der Hafenstraße vorgeschlagen sowie Sharing-Konzepte als Voraussetzung für ein autoarmes Quartier. Geparkt wird in zwei Quartiersgaragen, die richtigerweise jeweils am südlichen Rand der Teilquartiere verortet sind. Die Größe der Gebäude ist hinsichtlich einer wirtschaftlichen Nutzung zu prüfen. Die QG sind als Mobility Hubs mit Sharing- und Tausch-Angeboten konzipiert und weiteren Einrichtungen wie Werkstätten, die dazu gemeinschaftsbildend wirken können. Die dezentrale Verteilung der Radstellplätze in ausreichender Menge und in Teilen überdacht wird lobend hervorgehoben.

Entlang des Gleisparks wird die Hafenstraße als Shared Space nach Norden geführt. Hier besteht die Gefahr, dass der Schwerlastverkehr, der während der Nutzungsdauer des nördlichen Gewerbebetriebs bestehen bleibt, durchgeführt wird und zu Konflikten führt.

Das Quartier im Hafen-Ost lässt durch den Mix und die Freiraumqualität der Höfe die Entstehung einer sehr guten Wohnqualität erwarten. Es sind für eine gemischte Bewohnerschaft unterschiedliche, auch gemeinschaftliche und geförderte Wohnformen und Wohnungsgroßen vorgesehen.

Auch wenn der Bestand nicht in Gänze erhalten wird, sollen für eine nachhaltiges Quartier die Abbruchmaterialien möglichst wiederverwendet werden. Die Konstruktionen sind als Holz-Hybridbauweise vorgesehen, ebenso sollen die Dächer PV-Anlagen und Begrünung erhalten. Das Schwammstadtprinzip und die Frischluftschneisen werden berücksichtigt. Zur Nachhaltigkeit trägt auch die gewerbliche und soziale Mischung, sowie die schrittweise Entwicklung des Geländes bei.

Die Arbeit zeigt ein realistisches Konzept zur phasenweisen Realisierung/Umsetzung der Teilbereiche. Die städtebauliche Figur wirkt jedoch ohne den nördlichen Bauabschnitt noch nicht komplett, da die räumliche Fassung des Gleisparks fehlt.

Der Entwurf erfüllt insgesamt die Anforderungen der Auslobung – mit Ausnahme der denkmalpflegerischen Konflikte - vorbildlich und wirkt gut durchdacht. Sie stellt eine solide Grundlage für eine weitere Planung und Umsetzung dar.
Schwarzgrünplan

Schwarzgrünplan

Vertiefungsplan

Vertiefungsplan

Geländeschnitt

Geländeschnitt