Nichtoffener Wettbewerb | 08/2025
Neuer gemeinschaftlicher Ort an der ehemaligen Kirche in Bürgewald
8
Außenperspektive
©Thomas Hammer Architekten
3. Preis
Preisgeld: 16.375 EUR
Erläuterungstext
„Neuer gemeinschaftlicher Ort an der profanierten Kirche“ in Bürgewald
Städtebau und Architektur
Die neue, alte Dorfmitte um die St. Lambertuskirche von Bürgewald zeichnet sich durch eine hohe Durchlässigkeit, eine enge Vernetzung mit der Umgebung und durch ein attraktives abwechslungsreiches Angebot an Nutzungen und Aneignungsmöglichkeiten für alle Bürger aus.
Eine identitätsstiftende Skulptur mit den alten Kirchenglocken unterstützt eine klare einprägsame Adressbildung des Quartiers an der Ellener Straße im Norden und erinnert an die ehemalige Bedeutung der profanierten Kirche.
Über eine repräsentative Differenztreppe mit Sitzstufen und eine Rampe öffnet sich hier das Areal einladend nach Süden und verknüpft die unterschiedlichen Geländeniveaus ganz selbstverständlich barrierefrei miteinander. Die Rampe wird dabei unaufdringlich in das bestehende östliche Teilstück der alten Kirchenmauer eingebunden.
Zwischen Kirche und westlicher Grenzmauer entwickelt sich entlang einer Baumreihe ein großzügiger, gut proportionierter öffentlicher Dorfanger mit hoher Aufenthaltsqualität und Flexibilität, der über vielfältige Nutzungs- und Freizeitangebote verfügt und an allen Wochentagen eine hohe Anziehungskraft ausübt (Bürgerfest, Wochenmarkt, Flohmarkt, Kiosk, Café, mobile Freiraummöbel, Kinderspielplatz, Brunnen etc.). In der ehemaligen Kirche ermöglicht eine flexible Raumteilung an der Nahtstelle zwischen ursprünglichem Kirchenraum und der Erweiterung aus den 50er Jahren nach Westen in Verbindung mit getrennten WC-Anlagen im OG und UG eine separate Nutzung des Versammlungsraums. Die Westseite kann dabei für größere Gesellschaften oder Bürgerfeste hin vollständig geöffnet werden und bietet durch seine großflächige Verglasung reizvolle Ausblicke zum Dorfanger.
Durch den Abbruch des niedrigen dritten Gebäudebereichs des ehemaligen Pfarrheims wird die Durchwegung des Quartiers erheblich verbessert, die profilgleiche Erweiterung der ehemaligen Leichenhalle nach Osten schafft spannende räumliche Übergänge zu den platzartigen Aufweitungen Werkhof bzw. Dorfanger.
Die vorhandenen Gebäude bleiben sonst bis auf wenige minimalinvasive Eingriffe unverändert. Die geforderten Nutzungen sind den einzelnen Clustern sinnvoll zugeordnet und wirtschaftlich verträglich und flexibel in den Bestand integriert. Die Bestandsbauten werden durch eine Verbesserung des Dämmstandards innen z.B. durch einen Aerogel-Hochleistungsdämmputz ohne Eingriff in die Bestandsfassaden ertüchtigt. Das gleiche gilt für Außenflächen wie Dächer und Bodenplatten soweit möglich durch Erhöhung der Dämmstärken.
Der Sonnen- und Blendschutz wird durch mikroperforierte Markisen aus ultraresistenten beschichteten Polymergarnen sichergestellt.
Die Energieerzeugung des Quartiers erfolgt durch Photovoltaik (z.B. Solarschindeln) mit einer möglichen Gesamtleistung von ca.150 kWp und garantiert in Kombination mit Wärmepumpe, Speicher und Fußbodenheizung die Wärmeversorgung des Quartiers. Die Warmwasserbereitung findet dezentral über Durchlauferhitzer bzw. Boiler statt. Der sorgsame Umgang mit der bestehenden Bausubstanz und des Freiraums in Verbindung mit einem alternativen und zukunftsorientierten Bauprozess kann damit den aktuellen Anforderungen an Ökonomie, Ökologie, Energieeinsparung und dem ressourcenschonenden Bauen gerecht werden.
Freianlagen
Die neue Mitte hat ihre Adresse an der Ellener Straße. Der aufgeweitete Kirchenvorplatz mit Bushaltestelle, Sitzstufen und großzügiger Freitreppe bildet den fußläufigen Auftakt ins Areal. Die Anbindung für PKW und Transporter erfolgt über die Straße Zum Berghof, die im Westen an das Areal anbindet. Vom Kirchenvorplatz gelangt man auf den neuen Dorfanger, der sich zwischen der geöffneten Fassade des Kirchengebäudes und dem neuen Flugdach aufspannt. Hier finden Kulturveranstaltungen das passende Ambiente, für Märkte und Feste ist genügend freie Fläche vorgehalten. Mit dem Brunnen, dem nahe gelegenen Kinderspiel und verschiedenen Sitz- und Aktionsbereichen bietet der Platz auch im Alltag vielfältige Möglichkeiten des Aufenthalts. Im Süden schließt das Cafégebäude mit Kiosk und öffentlich nutzbaren Toiletten an den Dorfanger an.
In zweiter Reihe hinter dem Cafégebäude liegt der baumüberstellte Werkhof. Dieser kleinere und durch die Gebäude räumlich gefasste Freifläche ist ebenfalls an die Gastronomie angebunden und ermöglicht eine Ausweitung kleiner Veranstaltungen, die im „Haus des Machens“ stattfinden.
Im Süden, auf den Flächen des ehemaligen Friedhofes entsteht der Dorfgarten. Er ist geprägt von den markanten Großbäumen und den weitläufigen Grünflächen. Neue Blütenfelder und einzelne Sitzgelegenheiten ergänzen den Bestand und laden ein zum besinnlichen und ruhigen Aufenthalt.
Anbindungen
Der Entwurf nimmt vorhandene Wegestrukturen auf und führt sie sinnhaft weiter. Die neue Mitte soll an alle Bereiche des Dorfes angebunden werden und damit auch für alltägliche Wege durch das Dorf genutzt werden. Auch an die ehemalige Tagebaufläche, der neue Freizeitlandschaft wollen wir anbinden. Vom öffentlich zugänglichen Turm des Kirchengebäudes hat man einen weiten Blick und kann die Veränderungen der Landschaft mitverfolgen.
Klimagerechte Freiflächengestaltung
Der Entwurf verfolgt den Gedanken des sorgsamen Umgangs mit dem Bestand. Großbäume werden weitestgehend erhalten. Neue ergänzende Baumpflanzungen bilden beschattete Freibereiche. Die begrünten Flächen am Rande der Wege und Plätze sind geeignet, das Oberflächenwasser flächig aufzunehmen und zu versickern. Durch die Ausgestaltung als blütenbestandene Wiesenflächen tragen sie zum Erhalt der natürlichen Vielfalt bei.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der architektonische Entwurf zeichnet sich durch einen behutsamen Umgang mit dem Bestand aus, der sich auf wenige Gesten beschränkt und die Aneignung des Raums als Ort der Zukunft durch die freien und mehrfach nutzbaren Flächen ermöglicht. Robustheit und Offenheit prägen den besonderen Eindruck dieses konzeptionellen Ansatzes.
Das Raumprogramm wird in den unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Der ehemaligen Kirchenraum wird zu einem zurückhaltend und doch ansprechenden Veranstaltungsraum umgenutzt, der durch eine neue Öffnung zur Westseite die Möglichkeiten eines hellen Foyers oder eines abtrennbaren kleineren Saals geschickt anordnet. Hierdurch eine behutsam gesetzte, helle und einladende Geste erzeugt. Der Veranstaltungsraum bietet große innenräumliche Qualitäten. Eine puristisch, klar ablesbare Tragkonstruktion überdacht in überzeugender Art und Weise den ehemaligen Kirchenraum mit seiner warmen Holzästhetik. Im Kontext des Umbaus der Kirche bedeutet die große Öffnung nach Westen den Verlust einer erhaltenen historischen Mauer und ist daher aus Sicht des Denkmalschutzes kritisch zu bewerten. In der Abwägung erhält der Entwurf jedoch die ursprüngliche Kubatur des Kirchenbaus, was grundsätzlich begrüßt wird.
Die klar organisierten und mit kleinen Ergänzungen versehenen Grundrisse ordnen alle Funktionen übersichtlich an. Die einladende Anordnung schafft es, den Raum auszuformulieren und damit die Gebäude an die aktuellen Anforderungen anzupassen. Die Arbeit überzeugt durch ihr behutsames und doch funktionales Wechselspiel zwischen den überformten (Bestands-)Gebäuden und dem Freiraum. So kann dieser Entwurf selbstverständlich der Ausgangspunkt für einen neuen, zukunftsweisenden Ort sein.
Die Freiraumgestaltung gliedert sich in zwei Teilbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten und Nutzungen. Der im Norden angelegte Freiraum besteht aus einer großzügigen, urbanen Platzfläche. Diese kann multifunktional als Dorfplatz genutzt werden und fungiert gleichzeitig als verbindendes Element zu dem rückwertigen Gebäudeensemble. Allerdings werden der hohe Versiegelungsgrad, die geringe Innovationskraft und die undifferenzierte Gestaltung kritisch gesehen. Die neue Rampen- und Stufenanlage schafft eine großzügige und barrierefreie Eingangssituation. Die Beton-Umfassungsmauer inklusive des Treppeneingangs ist Teil des denkmalgeschützten Ensembles. Die großzügige Eingangssituation des Entwurfes wird kritisch diskutiert, da in der vorgeschlagenen Form eine denkmalrechtliche Erlaubnis schwierig erscheint.
Der im Osten hinter der Kirche vorgesehene Bereich wird als Obstgarten mit Versickerungsmulden intensiv begrünt und bildet so einen Kontrast zur befestigten Platzfläche. Die Lage des angrenzenden Spielplatzes und Schulgartens zwischen der Kirche und dem ehemaligen Pfarrheim wird begrüßt, da diese Anordnung und Gestaltung eine hohe Spiel- und Aufenthaltsqualität erwarten lassen.
Der im Süden angelegte Bürgergarten ist als Ruhe- und Aufenthaltsort zurückhaltend gestaltet und orientiert sich an den Bestandsstrukturen. Die Erreichbarkeit und Anbindung im Quartier durch nur zwei schmalere Verbindungen werden jedoch durch die Positionierung der Pkw- und Fahrradstellplätze sowie die Erweiterung der Bestandsgebäude kritisch gesehen.
Insgesamt weist der Freiraum attraktive Bereiche auf, wird jedoch aufgrund des hohen Versiegelungsgrades in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit und Klimaresilienz kritisch diskutiert.
Das Raumprogramm wird in den unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Der ehemaligen Kirchenraum wird zu einem zurückhaltend und doch ansprechenden Veranstaltungsraum umgenutzt, der durch eine neue Öffnung zur Westseite die Möglichkeiten eines hellen Foyers oder eines abtrennbaren kleineren Saals geschickt anordnet. Hierdurch eine behutsam gesetzte, helle und einladende Geste erzeugt. Der Veranstaltungsraum bietet große innenräumliche Qualitäten. Eine puristisch, klar ablesbare Tragkonstruktion überdacht in überzeugender Art und Weise den ehemaligen Kirchenraum mit seiner warmen Holzästhetik. Im Kontext des Umbaus der Kirche bedeutet die große Öffnung nach Westen den Verlust einer erhaltenen historischen Mauer und ist daher aus Sicht des Denkmalschutzes kritisch zu bewerten. In der Abwägung erhält der Entwurf jedoch die ursprüngliche Kubatur des Kirchenbaus, was grundsätzlich begrüßt wird.
Die klar organisierten und mit kleinen Ergänzungen versehenen Grundrisse ordnen alle Funktionen übersichtlich an. Die einladende Anordnung schafft es, den Raum auszuformulieren und damit die Gebäude an die aktuellen Anforderungen anzupassen. Die Arbeit überzeugt durch ihr behutsames und doch funktionales Wechselspiel zwischen den überformten (Bestands-)Gebäuden und dem Freiraum. So kann dieser Entwurf selbstverständlich der Ausgangspunkt für einen neuen, zukunftsweisenden Ort sein.
Die Freiraumgestaltung gliedert sich in zwei Teilbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten und Nutzungen. Der im Norden angelegte Freiraum besteht aus einer großzügigen, urbanen Platzfläche. Diese kann multifunktional als Dorfplatz genutzt werden und fungiert gleichzeitig als verbindendes Element zu dem rückwertigen Gebäudeensemble. Allerdings werden der hohe Versiegelungsgrad, die geringe Innovationskraft und die undifferenzierte Gestaltung kritisch gesehen. Die neue Rampen- und Stufenanlage schafft eine großzügige und barrierefreie Eingangssituation. Die Beton-Umfassungsmauer inklusive des Treppeneingangs ist Teil des denkmalgeschützten Ensembles. Die großzügige Eingangssituation des Entwurfes wird kritisch diskutiert, da in der vorgeschlagenen Form eine denkmalrechtliche Erlaubnis schwierig erscheint.
Der im Osten hinter der Kirche vorgesehene Bereich wird als Obstgarten mit Versickerungsmulden intensiv begrünt und bildet so einen Kontrast zur befestigten Platzfläche. Die Lage des angrenzenden Spielplatzes und Schulgartens zwischen der Kirche und dem ehemaligen Pfarrheim wird begrüßt, da diese Anordnung und Gestaltung eine hohe Spiel- und Aufenthaltsqualität erwarten lassen.
Der im Süden angelegte Bürgergarten ist als Ruhe- und Aufenthaltsort zurückhaltend gestaltet und orientiert sich an den Bestandsstrukturen. Die Erreichbarkeit und Anbindung im Quartier durch nur zwei schmalere Verbindungen werden jedoch durch die Positionierung der Pkw- und Fahrradstellplätze sowie die Erweiterung der Bestandsgebäude kritisch gesehen.
Insgesamt weist der Freiraum attraktive Bereiche auf, wird jedoch aufgrund des hohen Versiegelungsgrades in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit und Klimaresilienz kritisch diskutiert.
Perspektive Veranstaltungsraum
©Thomas Hammer Architekten
Isometrie Ortsmitte
©Thomas Hammer Architekten
Addition, Subtraktion
©Thomas Hammer Architekten
Plan 1
©Thomas Hammer Architekten, STADT RAUM PLANUNG
Plan 2
©Thomas Hammer Architekten, STADT RAUM PLANUNG
Plan 3
©Thomas Hammer Architekten, STADT RAUM PLANUNG
Plan 4
©Thomas Hammer Architekten, STADT RAUM PLANUNG