Nichtoffener Wettbewerb | 09/2024
Neues Dorfgemeinschaftshaus Böhringen in Radolfzell am Bodensee
5
Blick auf den Dorfplatz
©hotz + architekten PartGmbB
Anerkennung
Preisgeld: 8.800 EUR
Erläuterungstext
Städtebau und Grundkonzeption
Entsprechend den Rahmenbedingungen und Zielsetzungen der Aufgabenstellung wird ein baulich architektonisches Konzept entwickelt, das funktional und räumlich differenziert auf diese Vorgaben antwortet und die formulierten Zielsetzungen unterstützt und weiterentwickelt.
Freianlagen und Dorfplatz
Natur und Kultur
Im Zentrum der Freiraum-Neugestaltung steht die Renaturierung des historischen Mühlbachs. Durch die Schaffung eines zugänglichen, fließenden Uferbereichs wird die strikte Trennung des inneren Dorfplatzes vom außenliegenden Straßenraum aufgebrochen. Der Mühlbach wird sichtbar, beidseitig zugänglich und dadurch erlebbar. Grünflächen mit Großgehölzen, Sitzelementen und Spielgeräten schaffen Aufenthaltsqualität und laden zum Zusammenkommen und Verweilen ein, wodurch die neue Ortsmitte zum zentralen Treffpunkt des gesellschaftlichen Lebens wird.
Neben den gestalterischen und sozialen Aspekten hat die Renaturierung des Mühlbachs auch positive Auswirkungen auf die Ökologie, insbesondere auf das Kleinklima und das Regenwassermanagement. Die Renaturierung mit ihrer Begrünung, Aufweitung und organischen Ausführung des Bachlaufs, sorgt für Verschattung, Evapotranspiration und Wasserretention und damit vor allem für Kühlung des Dorfplatzes im Sommer. Klimaaktive Flächen, wie versickerungsfähige Pflasterbeläge und Grünflächen mit Baum- und Rankpflanzungen, machen die Versickerung auf dem gesamten Dorfplatz möglich, ohne die Nutzungsvielfalt und -intensität dessen einzuschränken.
Der großzügige, befestigte Dorfplatz bietet ausreichend Platz, um flexibel unterschiedliche Nutzungen zu ermöglichen. Die Randbereiche des Platzes sind begrünt und bestuhlt, laden zum Lesen und Entspannen ein, aber auch zum Zusammenkommen und zum gemeinsamen Verzehr. Neben den täglichen, individuellen Nutzungen des öffentlichen Raums, sind aber auch große Festivitäten möglich. Der großzügige Dorfplatz bietet dann genug Platz für eine Bühne und 60 Festgarnituren, die mittels ausfahrbarer Beschattung Segel zwischen den beiden Gebäuden optimal beschattet werden, ohne den Blick auf die Bühne einzuschränken. Zudem lässt sich die Außenwand des großen Saals öffnen, wodurch die Räumlichkeiten in den Außenbereich erweitert werden können. Ein Ausschank zum Dorfplatz und die Ausdehnung des angrenzenden Biergartens sorgen für die Verpflegung der Gäste. Großzügige Mastleuchten in der gesamten Ortsmitte ermöglichen Festivitäten bis in den späten Abend.
Verkehr
Der motorisierte Verkehr nimmt in der aktuellen Ortsmitte einen großen Stellenwert ein. Der Freiraum dient bisher vor allem als Parkierungsfläche für den motorisierten Individualverkehr. Um einen PKW-freien Dorfplatz zu schaffen, werden die Parkplätze im Zuge der Neugestaltung an den Randbereichen der Fritz-Kleinert- und Hindenburgstraße angeordnet. Schmalspurige Straßen und Längsparkplätze sorgen dafür, dass die Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs reduziert wird. Hierdurch gewinnt der Fußgängerverkehr an Bedeutung. Der Dorfplatz wird mittels eines durchgängigen Pflasterbelags bis in den Straßenraum erweitert, die Ortsmitte dadurch wahrnehmbar und großzügig akzentuiert.
Dorfgemeinschaftshaus
Raumkonzeption
Das Dorfgemeinschaftshaus setzt sich aus der alten Scheune und einem Neubau zusammen. Der Dorfplatz liegt zentral und verbindend zwischen den beiden Gebäuden. Die Form und innere Organisation der Gebäude ermöglicht eine sinnvolle Verteilung der Nutzungen. Die wichtigsten Funktionen sind im Erdgeschoss untergebracht: großer Saal, kleiner Saal, Küche und Bibliothek. Die Raumordnung ermöglicht eine hohe Nutzungsflexibilität, da die Funktionen unabhängig voneinander betrieben werden können.
Die ehemalige Scheune ist ein Kulturdenkmal in Böhringen und wird kernsaniert und neu gestaltet. Die Scheune nimmt die Räumlichkeiten die Verwaltungs- und Vereinsräume sowie die Bibliothek auf. Die bestehenden Anbauten, die im Laufe der Jahre an der Südfassade errichtet wurden, werden zurückgebaut, um die Scheune in ihre Originalform zurückzubringen. Die Südfassade wird neu gestaltet und an die neue Nutzungen angepasst.
Das neue Gebäude, in dem sich die Räume der Musik- und Gesangsvereine sowie der Mehrzwecksaal befinden, ist eine moderne Neuinterpretation der alten Scheune. Der große Saal erhält durch das Satteldach eine angenehme Raumhöhe. Auf der Platzseite öffnet sich die Glasfassade vollständig und lässt bei Großveranstaltungen die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmen. Eine ausfahrbare Beschattung überspannt den zentralen Dorfplatz. Die Küche versorgt den großen Saal, das Foyer und den Platz. Die Probekapelle befindet sich im Untergeschoss unter dem großen Saal mit einem großzügigen Lichthof, der eine natürliche Belichtung ermöglicht.
Das Milchhaus dient als Eisdiele, eine Anspielung auf seine Originalfunktion und wird ein zentraler Treffpunkt auf dem Dorfplatz. Im Feuerwehrhaus werden eine Fahrradwerkstatt als Repaircafé und ein Feuerwehrmuseum im Erdgeschoss sowie zwei multifunktionale Räume im Obergeschoss, die von Vereinen der Böhringer Initiative genutzt können vorgeschlagen.
Materialität
Das neue Gebäude ist als moderne Scheune geplant: ein großes Ziegeldach wird von einer Holzkonstruktion und Lehmwänden getragen. Die Baumaterialien sind ökologisch und aus der Region. Die Holzkonstruktion des großen Saals ist sichtbar und verstärkt den einzigartigen und ländlichen Charakter des Ortes.
Tragwerk
Das Gebäude wird in Lehmbauweise errichtet. Die Fachwerkträger und Stützen sind aus lokaler Weißtanne vorgesehen. Die Verwendung von Stahlbeton beschränkt sich auf die Fundamente, die Bodenplatte, das Untergeschoss und dessen Außenwände. Die vorliegende Bauweise weist eine sehr hohe Bauqualität (hohe Tragfähigkeit, Anforderungen an Schall- und Brandschutz) und Werterhaltung sowie eine außerordentliche Wirtschaftlichkeit in Form von optimierten Bauteilen (Decke, Wände, Stützen) und einem sehr hohen Vorfertigungsgrad auf, die einen schnellen und einfachen Bauablauf ermöglichen. Die Aussteifung erfolgt durch Decken-, Wand- und Fassadenelemente.
Energiekonzept
Die Gebäude weisen ein günstiges Oberflächen-Volumen-Verhältnis (A/V) auf. Die Dämmung der Gebäude unterschreitet die Anforderungen des gültigen Gebäudeenergiegesetzes. Die Außenwände bestehen aus Lehm, der von Natur aus eine sehr gute Wärmedämmung und ein optimales Feuchtigkeitsmanagement ermöglicht. Der verwendete Lehm kann örtlich aus der Baugrube entnommen werden. Die Fenster werden mit 3-Scheiben-Verglasungen und einem außen liegenden Sonnenschutz ausgeführt. Akustik-Absorber an Wänden und Decken sorgen für einen angenehmen akustischen Komfort. Die Beheizung der Aufenthaltsräume erfolgt über Fußbodenheizung. Als Lüftung ist eine Lüftungsanlage mit hoch effizienter Wärmerückgewinnung vorgesehen. Auf den südlichen Dächern sind Indach Photovoltaikanlagen integriert.
Brandschutz
Auf Grund der Art und Nutzung werden die Gebäude nach der Versammlungsstättenverordnung bewertet und ausgelegt. Der ehemalige Wohnteil des Bestandsgebäudes wird im Bestand bereits durch eine Brandwand abgetrennt, so dass dieser Gebäudeteil nach den Anforderungen für Gebäude der Gebäudeklasse 2 bewertet und ausgelegt werden kann. Die Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses liegt im Mittel weniger als 7 m über der Geländeoberfläche. Dieser Gebäudeteil kann in der Gebäudeklasse 2 definiert werden.
Bestandsgebäude: Das ehemalige Wirtschaftsteil erstreckt sich über das Erd- und Obergeschoss und wird als Versammlungsstätte definiert. Der ehemalige Wohnteil wird als Gebäude der Gebäudeklasse 2 definiert, für den Jugendraum im Dachgeschoss werden dabei auf Grund der Sondernutzung weitergehende Anforderungen gestellt. Die Rettungswege für den kleinen Saal können über direkte Ausgänge ins Freie sichergestellt werden. Der Bibliothek steht neben dem notwendigen Treppenraum ein baulicher Rettungsweg über die Innentreppe zur Verfügung. Die bestehende innenliegende Treppe im ehemaligen Wohnteil und die Durchgänge zum ehemaligen Wirtschaftsteil sichern bauliche Rettungswege für die Nutzer der Büros und den Jugendraum in den Obergeschossen.
Neubau: Das Gebäude wird in zwei Nutzungseinheiten baulich abgetrennt. Der Saal im Untergeschoss und der Große Saal im Erdgeschoss werden baulich voneinander getrennt, so dass beide Versammlungsräume als ebenerdig eingeschätzt werden können und über baulich voneinander unabhängige Rettungswege verfügen. Die abweichenden Anforderungen an die Tragkonstruktion der Versammlungsstätten kann durch eine Brandmeldeanlage kompensiert werden. Über direkte Ausgänge ins Freie werden die Rettungswege für den großen Saal im Erdgeschoss sichergestellt. Die Rettungswege für den Proberaum im Untergeschoss werden unabhängig vom Erdgeschoss über direkte Ausgänge ins Freie in den Lichthof sichergestellt.
Ortsmitte Böhringen
Das Konzept des Dorfgemeinschaftshauses bietet den Einwohnern von Böhringen eine neue Ortsmitte, in der die Vereins-, Kultur- und Freizeitaktivitäten stattfinden können. Alle Außen- und Inneneinrichtungen sind so gestaltet, dass sie das Zusammenleben stärken. Es entsteht ein zentraler Treffpunkt in Böhringen mit höhe Aufenthaltsqualität, an den man gerne kommt.
Entsprechend den Rahmenbedingungen und Zielsetzungen der Aufgabenstellung wird ein baulich architektonisches Konzept entwickelt, das funktional und räumlich differenziert auf diese Vorgaben antwortet und die formulierten Zielsetzungen unterstützt und weiterentwickelt.
Freianlagen und Dorfplatz
Natur und Kultur
Im Zentrum der Freiraum-Neugestaltung steht die Renaturierung des historischen Mühlbachs. Durch die Schaffung eines zugänglichen, fließenden Uferbereichs wird die strikte Trennung des inneren Dorfplatzes vom außenliegenden Straßenraum aufgebrochen. Der Mühlbach wird sichtbar, beidseitig zugänglich und dadurch erlebbar. Grünflächen mit Großgehölzen, Sitzelementen und Spielgeräten schaffen Aufenthaltsqualität und laden zum Zusammenkommen und Verweilen ein, wodurch die neue Ortsmitte zum zentralen Treffpunkt des gesellschaftlichen Lebens wird.
Neben den gestalterischen und sozialen Aspekten hat die Renaturierung des Mühlbachs auch positive Auswirkungen auf die Ökologie, insbesondere auf das Kleinklima und das Regenwassermanagement. Die Renaturierung mit ihrer Begrünung, Aufweitung und organischen Ausführung des Bachlaufs, sorgt für Verschattung, Evapotranspiration und Wasserretention und damit vor allem für Kühlung des Dorfplatzes im Sommer. Klimaaktive Flächen, wie versickerungsfähige Pflasterbeläge und Grünflächen mit Baum- und Rankpflanzungen, machen die Versickerung auf dem gesamten Dorfplatz möglich, ohne die Nutzungsvielfalt und -intensität dessen einzuschränken.
Der großzügige, befestigte Dorfplatz bietet ausreichend Platz, um flexibel unterschiedliche Nutzungen zu ermöglichen. Die Randbereiche des Platzes sind begrünt und bestuhlt, laden zum Lesen und Entspannen ein, aber auch zum Zusammenkommen und zum gemeinsamen Verzehr. Neben den täglichen, individuellen Nutzungen des öffentlichen Raums, sind aber auch große Festivitäten möglich. Der großzügige Dorfplatz bietet dann genug Platz für eine Bühne und 60 Festgarnituren, die mittels ausfahrbarer Beschattung Segel zwischen den beiden Gebäuden optimal beschattet werden, ohne den Blick auf die Bühne einzuschränken. Zudem lässt sich die Außenwand des großen Saals öffnen, wodurch die Räumlichkeiten in den Außenbereich erweitert werden können. Ein Ausschank zum Dorfplatz und die Ausdehnung des angrenzenden Biergartens sorgen für die Verpflegung der Gäste. Großzügige Mastleuchten in der gesamten Ortsmitte ermöglichen Festivitäten bis in den späten Abend.
Verkehr
Der motorisierte Verkehr nimmt in der aktuellen Ortsmitte einen großen Stellenwert ein. Der Freiraum dient bisher vor allem als Parkierungsfläche für den motorisierten Individualverkehr. Um einen PKW-freien Dorfplatz zu schaffen, werden die Parkplätze im Zuge der Neugestaltung an den Randbereichen der Fritz-Kleinert- und Hindenburgstraße angeordnet. Schmalspurige Straßen und Längsparkplätze sorgen dafür, dass die Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs reduziert wird. Hierdurch gewinnt der Fußgängerverkehr an Bedeutung. Der Dorfplatz wird mittels eines durchgängigen Pflasterbelags bis in den Straßenraum erweitert, die Ortsmitte dadurch wahrnehmbar und großzügig akzentuiert.
Dorfgemeinschaftshaus
Raumkonzeption
Das Dorfgemeinschaftshaus setzt sich aus der alten Scheune und einem Neubau zusammen. Der Dorfplatz liegt zentral und verbindend zwischen den beiden Gebäuden. Die Form und innere Organisation der Gebäude ermöglicht eine sinnvolle Verteilung der Nutzungen. Die wichtigsten Funktionen sind im Erdgeschoss untergebracht: großer Saal, kleiner Saal, Küche und Bibliothek. Die Raumordnung ermöglicht eine hohe Nutzungsflexibilität, da die Funktionen unabhängig voneinander betrieben werden können.
Die ehemalige Scheune ist ein Kulturdenkmal in Böhringen und wird kernsaniert und neu gestaltet. Die Scheune nimmt die Räumlichkeiten die Verwaltungs- und Vereinsräume sowie die Bibliothek auf. Die bestehenden Anbauten, die im Laufe der Jahre an der Südfassade errichtet wurden, werden zurückgebaut, um die Scheune in ihre Originalform zurückzubringen. Die Südfassade wird neu gestaltet und an die neue Nutzungen angepasst.
Das neue Gebäude, in dem sich die Räume der Musik- und Gesangsvereine sowie der Mehrzwecksaal befinden, ist eine moderne Neuinterpretation der alten Scheune. Der große Saal erhält durch das Satteldach eine angenehme Raumhöhe. Auf der Platzseite öffnet sich die Glasfassade vollständig und lässt bei Großveranstaltungen die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmen. Eine ausfahrbare Beschattung überspannt den zentralen Dorfplatz. Die Küche versorgt den großen Saal, das Foyer und den Platz. Die Probekapelle befindet sich im Untergeschoss unter dem großen Saal mit einem großzügigen Lichthof, der eine natürliche Belichtung ermöglicht.
Das Milchhaus dient als Eisdiele, eine Anspielung auf seine Originalfunktion und wird ein zentraler Treffpunkt auf dem Dorfplatz. Im Feuerwehrhaus werden eine Fahrradwerkstatt als Repaircafé und ein Feuerwehrmuseum im Erdgeschoss sowie zwei multifunktionale Räume im Obergeschoss, die von Vereinen der Böhringer Initiative genutzt können vorgeschlagen.
Materialität
Das neue Gebäude ist als moderne Scheune geplant: ein großes Ziegeldach wird von einer Holzkonstruktion und Lehmwänden getragen. Die Baumaterialien sind ökologisch und aus der Region. Die Holzkonstruktion des großen Saals ist sichtbar und verstärkt den einzigartigen und ländlichen Charakter des Ortes.
Tragwerk
Das Gebäude wird in Lehmbauweise errichtet. Die Fachwerkträger und Stützen sind aus lokaler Weißtanne vorgesehen. Die Verwendung von Stahlbeton beschränkt sich auf die Fundamente, die Bodenplatte, das Untergeschoss und dessen Außenwände. Die vorliegende Bauweise weist eine sehr hohe Bauqualität (hohe Tragfähigkeit, Anforderungen an Schall- und Brandschutz) und Werterhaltung sowie eine außerordentliche Wirtschaftlichkeit in Form von optimierten Bauteilen (Decke, Wände, Stützen) und einem sehr hohen Vorfertigungsgrad auf, die einen schnellen und einfachen Bauablauf ermöglichen. Die Aussteifung erfolgt durch Decken-, Wand- und Fassadenelemente.
Energiekonzept
Die Gebäude weisen ein günstiges Oberflächen-Volumen-Verhältnis (A/V) auf. Die Dämmung der Gebäude unterschreitet die Anforderungen des gültigen Gebäudeenergiegesetzes. Die Außenwände bestehen aus Lehm, der von Natur aus eine sehr gute Wärmedämmung und ein optimales Feuchtigkeitsmanagement ermöglicht. Der verwendete Lehm kann örtlich aus der Baugrube entnommen werden. Die Fenster werden mit 3-Scheiben-Verglasungen und einem außen liegenden Sonnenschutz ausgeführt. Akustik-Absorber an Wänden und Decken sorgen für einen angenehmen akustischen Komfort. Die Beheizung der Aufenthaltsräume erfolgt über Fußbodenheizung. Als Lüftung ist eine Lüftungsanlage mit hoch effizienter Wärmerückgewinnung vorgesehen. Auf den südlichen Dächern sind Indach Photovoltaikanlagen integriert.
Brandschutz
Auf Grund der Art und Nutzung werden die Gebäude nach der Versammlungsstättenverordnung bewertet und ausgelegt. Der ehemalige Wohnteil des Bestandsgebäudes wird im Bestand bereits durch eine Brandwand abgetrennt, so dass dieser Gebäudeteil nach den Anforderungen für Gebäude der Gebäudeklasse 2 bewertet und ausgelegt werden kann. Die Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses liegt im Mittel weniger als 7 m über der Geländeoberfläche. Dieser Gebäudeteil kann in der Gebäudeklasse 2 definiert werden.
Bestandsgebäude: Das ehemalige Wirtschaftsteil erstreckt sich über das Erd- und Obergeschoss und wird als Versammlungsstätte definiert. Der ehemalige Wohnteil wird als Gebäude der Gebäudeklasse 2 definiert, für den Jugendraum im Dachgeschoss werden dabei auf Grund der Sondernutzung weitergehende Anforderungen gestellt. Die Rettungswege für den kleinen Saal können über direkte Ausgänge ins Freie sichergestellt werden. Der Bibliothek steht neben dem notwendigen Treppenraum ein baulicher Rettungsweg über die Innentreppe zur Verfügung. Die bestehende innenliegende Treppe im ehemaligen Wohnteil und die Durchgänge zum ehemaligen Wirtschaftsteil sichern bauliche Rettungswege für die Nutzer der Büros und den Jugendraum in den Obergeschossen.
Neubau: Das Gebäude wird in zwei Nutzungseinheiten baulich abgetrennt. Der Saal im Untergeschoss und der Große Saal im Erdgeschoss werden baulich voneinander getrennt, so dass beide Versammlungsräume als ebenerdig eingeschätzt werden können und über baulich voneinander unabhängige Rettungswege verfügen. Die abweichenden Anforderungen an die Tragkonstruktion der Versammlungsstätten kann durch eine Brandmeldeanlage kompensiert werden. Über direkte Ausgänge ins Freie werden die Rettungswege für den großen Saal im Erdgeschoss sichergestellt. Die Rettungswege für den Proberaum im Untergeschoss werden unabhängig vom Erdgeschoss über direkte Ausgänge ins Freie in den Lichthof sichergestellt.
Ortsmitte Böhringen
Das Konzept des Dorfgemeinschaftshauses bietet den Einwohnern von Böhringen eine neue Ortsmitte, in der die Vereins-, Kultur- und Freizeitaktivitäten stattfinden können. Alle Außen- und Inneneinrichtungen sind so gestaltet, dass sie das Zusammenleben stärken. Es entsteht ein zentraler Treffpunkt in Böhringen mit höhe Aufenthaltsqualität, an den man gerne kommt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebauliches und architektonisches Konzept:
Die Verfasser schlagen ein Konzept mit zwei getrennten Baukörpern vor, zwischen denen der Dorfplatz zu liegen kommt. Städtebaulich entsteht ein schöner Bezug von Dorfhaus, Platz und Kirche. Mit der Aufteilung in Alt und Neu zeigt sich ein respektvoller Umgang mit dem Denkmal im Norden. Die Idee, das Raumprogramm in zwei Gebäuden unterzubringen, stellt in dieser Arbeit kein funktionales Problem dar. Die neu definierten Freiräume sind dörflich dimensioniert, das Feuerwehrhaus kann später gut in das Gesamtkonzept integriert werden.
Freiraumkonzept:
Das durchgängige Freikonzept von der Singerstraße bis zur Fritz-Kleiner-Straße wird gewürdigt, insgesamt entstehen jedoch zu viele versiegelte Flächen. Die Renaturierung des Mühlbachs ist sehr gelungen, die Baumreihen entlang der Straße sind gut gesetzt. Narrenbaum, Brunnen und Ausschank haben eine gute Lage, und das Milchhäusle wird ebenfalls Teil des Freiraums. Dort sind auch die WC-Anlagen für die Festnutzung untergebracht. Kritisch gesehen wird die etwas schmale Proportion des Dorfplatzes zwischen den Gebäuden; der östliche Abschluss an den nachbarlichen Rückwänden ist als räumliche Fassung nicht überzeugend.
Altbau / Denkmal:
Der architektonische Umgang mit dem Bestand ist angemessen und unaufgeregt. Alle Nutzungen erscheinen praktikabel und können in das Denkmalgebäude integriert werden, mit Ausnahme der kleinen Bibliothek. Diese ist in zwei Etagen mit Spindeltreppe aufgeteilt, hat zwei Zugänge und kann so nicht funktionieren. Zudem ist sie schwer auffindbar. Da dem Altbau der südliche Anbau genommen wird, stellt sich die Frage, wie die nun wichtig gewordene Fassade zum Dorfplatz gestaltet werden kann. Die vorgeschlagene Fassade kann diese neue Erwartung nicht erfüllen.
Neubau:
Der Neubau wird im Erdgeschoss als einfaches, giebelständiges Holzhaus konzipiert und wird am Kopf betreten. Der Saal verspricht eine schöne Gestalt, und der Bezug zum Dorfplatz ist ein großes Plus dieser Arbeit. Während das Eingangsfoyer mit Garderobe viel zu klein ausfällt, ist der Mehrzwecksaal leider zu groß geraten. Auch die geteilte Küche und die Lage des Aufzugs werden im Preisgericht kritisiert.
Das Gebäude ist komplett unterkellert. Dort befinden sich die Toilettenanlagen und der Hauptproberaum. Dieser ist aus Sicht der zukünftigen Nutzer gut organisiert, allerdings fehlen separate Proberäume. Kontrovers wird die Lage im Untergeschoss bewertet, da der Lichthof sehr eng gestaltet ist und die Südfassade nicht überzeugt.
Der Entwurf bewegt sich im wirtschaftlichen Bereich, jedoch wurden einige Räume vergessen. Insgesamt ein sehr sympathischer Ansatz, der mit aller Angemessenheit gute Lösungen für die gestellte Aufgabe bereithält. Die Fassaden des Neubaus überzeugen jedoch nicht. Der architektonische Anspruch für das Haus der Dorfgemeinschaft Böhringens wurde aus Sicht des Preisgerichts nicht ganz erfüllt.
Lageplan
©hotz + architekten PartGmbB
©hotz + architekten PartGmbB
©hotz + architekten PartGmbB
©hotz + architekten PartGmbB