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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2024

Neues Kultur- und Bürgerzentrum in Tittling

Übersichtsplan
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Übersichtsplan

Engere Wahl

ama_architekturbüro michael auerbacher

Architektur

kübertlandschaftsarchitektur PartG mbB Landschaftsarchitekten Stadtplaner

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Städtebau
Der Neubau nimmt in einfacher und klarer Setzung seine Position im Stadtgrundriss ein. Zum Marktplatz hin tritt er selbstbewusst in Erscheinung und setzt entsprechend seiner öffentlichen Sondernutzung einen zeichenhaften Akzent im öffentlichen Raum. Nach Westen staffelt sich der Baukörper um 1.Geschoß ab und folgt der gegebenen Topographie. Die südliche Kante des Neubaus liegt in der Verlängerung der nördlichen Flucht des Rathauses und hält so die Sicht auf das denkmalgeschützte Gebäude vom Marktplatz her frei. Richtung Westen staffelt sich der Baukörper um 1 weiteres Geschoß ab und vermittelt so zum dortigen Niveau der Freianlagen. Mit der 2- bis 3-geschossigen Höhenentwicklung fügt sich der Neubau maßstäblich in die vorgefundene städtebauliche Situation ein.

Erschließung und innere Organisation
Der Hauptzugang erfolgt auf Niveau Marktplatz über einen großzügig überdachten Vorplatz in das Empfangsfoyer (oberes Foyer). Von hier verteilt sich die Erschließung aller Funktionen und Nutzungen, so der Saal in unmittelbarer räumlicher Folge. Die Freitreppe erschließt die weiteren Nutzungen : Bibliothek im OG 1 und VHS mit Büros im OG 2. Weiter verbindet die Freitreppe das obere mit dem unteren Foyer. Hier befinden sich Tourist-Info und Regio-Ecke, sowie die WC´s und Garderoben für den Saal. Die Tittlinger Stuben und das Cafe sind ebenso vom unteren Foyer erreichbar. Die Andienung der Saalbühne erfolgt von Westen, Catering- und Cafeküche werden von Osten aus versorgt. Jeweils ein Aufzug dient zum Transport in die verschiedenen Ebenen.

Konstruktion und Gestaltung
Das Gebäude ist als Stahlbeton-Massivbau konzipiert. Für die Fassaden sind Pfosten-Riegel-Konstruktionen in Holz vorgesehen, für die geschlossenen Außenwandteile Bekleidungen mit hinterlüfteten Granitplatten aus lokalem Vorkommen. Für das Dach sind extensiv begrünte Flachdächer geplant. Für den Innenausbau sollen robuste und „warme“ Materialien zur Ausführung kommen: Holz, Naturstein, Gipskarton. Die Ebene -2 nimmt im Anschluss an das Nachbargebäude die Geometrie des Bestandes in Grundriss und Höhenlage ein, so dass der Bestand konstruktiv verbleiben kann.

Freiraum
Durch die Neugestaltung wird der Hof vor dem Rathaus großzügiger und attraktiver und mit dem Marktplatz verbunden. Die Aufweitung der Verbindung „rückt“ das Rathaus weiter in die Ortsmitte - es wird im Ortsbild präsenter und besser auffindbar. An Café- und Multifunktionsraum des neuen Bürgerhauses schließt sich eine Terrasse im Hof an, die durch Sitzstufen und Treppen räumlich definiert und in die vorhandene Topografie integriert wird. Der Bereich vor dem Rathaus bleibt eben und barrierefrei - ein adäquates Forum für Veranstaltungen wie den Christkindlmarkt. Vom historischen Zustand inspiriert entstehen entlang der Seitenflügel des Rathauses neue Vorgärten, die mit pflegeleichten Stauden-Gräser-Mischungen ganzjährig attraktiv und repräsentativ bepflanzt werden. Die Terrasse des westlichen Höfchens wird mit 1 Baum überstellt. Die Roßkastanie an der Sparkasse wird verpflanzt/ ersetzt. Die notwendigen Stellplätze werden mittels Rasenfugen-Pflaster teilentsiegelt. Mikroklima, Aufenthaltsqualität und Ästhetik des Hofbereichs gewinnen durch diese Grünausstattung.

Erschließung
Fußgänger, die vom Markplatz kommen, können das Rathaus entweder über die einladend breite, mit der Terrasse verbundene Treppe erreichen oder - wie bisher - über die der gegebenen Topografie folgende Erschließung. Alle bestehenden Zufahrten zu den Nachbargrundstücken sind weiter gewährleistet. Der Westliche Parkplatz bietet ausreichend Raum für die Bühnen-Anlieferung an das neue Bürgerhaus auf UG-Ebene. Die bestehende Bushaltestelle kann am Marktplatz weiter nach Süden verlegt werden. Sowohl das Erreichen der Bushaltestelle als auch das Ein- und Aussteigen sind barrierefrei möglich.

Nachhaltigkeit
Als Belagsmaterial soll nach Möglichkeit vorhandenes Granitpflaster wiederverwendet werden - ggf. ergänzt durch Tittlinger bzw. passenden anderen Granit regionaler Herkunft. Gesägte und gestrahlte Oberflächen gewährleisten die Barrierefreiheit der robusten, sehr langlebigen Belagsflächen. Der etwas geringer versiegelte Hof mit zusätzlichem Grün fördert Versickerung und Verdunstung, was gleichzeitig dem Mikroklima und der Aufenthaltsqualität zugutekommt. Verwendete Baumarten sowie Stauden-Gräser-Mischungen sind standortgerecht, langlebig und klimawandelresilient.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Verfasser rückt den 3-geschossigen Teil des Baukörpers selbstbewusst Richtung Platzfläche und betont hiermit die Sonderstellung im Ortsgefüge. Zur nördlichen Bebauung bildet eine verglaste Fuge einen angemessenen Übergang zum Bestand.

Das konsequente Erscheinungsbild am Marktplatz betont die Sonderstellung des Gebäudes.

Die Aufnahme der nördlichen Gebäudekante des Rathauses als südlicher Abschluss des Gebäudes schafft die nötige verbesserte Wahrnehmbarkeit der wichtigen Verbindung vom Marktplatz zu diesem. Die Abtreppung des Baukörpers und die deutliche Abrückung vom Rathaus unterstützt diese positiv.

Vom Marktplatz kommend gelangt man geschützt durch die auskragenden Obergeschosse in ein angemessen großes Foyer über dies der Saal direkt erreichbar ist. Dieser liegt mit einer Höhe von 3,5m im unteren gewünschten Bereich. Die Lage der Cateringküche im darunterliegenden Geschoss erschwert die Andienung des Saals.

Café und die Tittlinger Stube werden auf der unteren Ebene direkt dem Rathausvorplatz zugeordnet und sind von diesem bzw. über eine Treppe und barrierefrei mit einem Aufzug vom Foyer auf der Marktplatzebene zu erreichen. Diese Situierung trägt nicht zur gewollten Belebung des Marktplatzes bei.

Die Anliefersituation mit 2 Aufzügen und aus 2 verschiedenen Richtungen sowie die Flursituationen im UG erscheinen unnötig aufwendig und komplizieren die funktionellen Abläufe.

Die Bibliothek im 1. OG und die Räume der VHS sind hingegen gut vom Eingangsbereich aus erschlossen und erhalten eine positiv zu sehende Orientierung zum Marktplatz. Die Bibliothek erhält noch zusätzlich einen Freibereich auf dem Dach des Saales.

Die solide Konstruktion aus Stahlbeton mit vorgehängter Granitfassade, sowie die geläufigen Materialien wie Naturstein, Holzparkett und Holzverkleidungen gewährleisten eine gute Umsetzbarkeit und lassen geringe Unterhaltskosten erwarten. Der teilweise Erhalt des Bestandsgebäudes wird positiv gesehen.

Die geringere Grundfläche des Gebäudes und die Begrünung wirken sich positiv auf das Mikroklima aus. Das Flachdach ermöglicht eine gut mögliche Nutzung mit Photovoltaik.

Die Freiraumgestaltung verbindet Marktplatz mit Rathaus über eine einheitliche Belagsfläche. Über eine an das Gebäude angelagerte Treppenanlage und Rampe wird der Höhenunterschied zwischen Marktplatz und Rathausebene überwunden. Vor dem Rathaus spannt sich eine ebene Platzfläche auf, die multifunktional für Veranstaltungen nutzbar ist. Angelagert an das Café und den Multifunktionsraum schließt sich im Süden des Gebäudes ein schmales Terrassenband an. Die Terrassenfläche des westlichen Höfchens wird im Bezug auf seinen räumlichen Bezug nach innen und zur Lage zum Parkplatz und den WC Anlagen kritisch beurteilt. Es wird hingegen keine planerische Aussage zur Freiraumgestaltung auf der Ebene des Marktplatzes getroffen. Die gewollte Situierung des Cafés am Marktplatz zur Belebung ist nicht gegeben.
Perspektive

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