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4. Rang 5 / 5

Bestgebotsverfahren | 11/2015

Neues Quartier an der Kronenstraße

KSP_StadtOase-Vogelperspektive

KSP_StadtOase-Vogelperspektive

Teilnahme

Kemper Steiner & Partner Architekten GmbH

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

Markus-Bau GmbH Generalunternehmung

Private Bauherren

Erläuterungstext

Erläuterungsbericht

Die Projektausrichtung: Die Zunahme an Zahl und Intensit√§t von Hitzewellen und Starkregenereignissen erfordert nicht weniger als einen Paradigmenwechsel bei der Umsetzung nachhaltiger st√§dtebaulicher Konzepte. Inspiriert durch auff√§llige Klimaereignisse in der j√ľngsten Vergangenheit folgt unsere Projektausrichtung dem Ziel der Quartiersentwicklung als bedeutendem Beitrag zum klimagerechten Stadtumbau. Ma√ünahmen zur Klimaanpassung d√ľrfen nicht l√§nger als potentielle M√∂glichkeit mit minimalem Realisierungsanteil gesehen werden. Sie geh√∂ren vielmehr als Element der allgemeinen Daseinsvorsorge ins Zentrum der Planung und Realisierung. Das Klimaanpassungskonzept Bochum 2012 wird von uns deshalb als wesentliche Planungsgrundlage und L√∂sungsansatz herangezogen.

Das zentrale Planungsziel: Das aus der v.g. Position abgeleitete bestimmende Planungsziel lautet deshalb: Schaffung und Sicherung von Lebensqualit√§t durch das neue zentrale Wohnquartier ‚ÄěStadtOase ‚Äď Kronen-stra√üe‚Äú. Dabei stehen die Begriffe Stadt und Oase jeweils f√ľr wesentliche Quartiersmerkmale. W√§hrend der Begriff Stadt die urbane Einbettung beschreibt, deutet der Name Oase auf die besondere Qualit√§t des neuen Quartiers hin. Der Begriff der Oase umfasst Inhalte wie ‚Äěsicherer Aufenthalt in einem klimatisch angenehmen Bereich, trotz klimatisch problematischem Umfeld. Die Bezeichnung Oase wird au√üerdem mit Inhalten wie Pflanzen und Wasser in Verbindung gebracht. In der Zusammenf√ľhrung der Einzelbegriffe und der Standortbezeichnung werden die jeweils hinterlegten Qualit√§ten und die √Ėrtlichkeit zu einer Einheit, aus der unser Planungsleitfaden entsteht.

St√§dtebauliches Situation: In das heterogene Umfeld f√ľgen sich die Geb√§ude des Quartiers im Bereich der Kronenstra√üe stra√üenbegleitend und zur nord√∂stlich gelegenen Gr√ľnzone aufgelockert harmonisch ein. W√§hrend Im direkten Anschluss an die Nachbarbebauung fluchtend an die Grundst√ľcksgrenze gebaut wird, weichen die breiteren Bauk√∂rper an der Kronenstra√üe von der Grenze zur√ľck um die Entfaltung der bestehenden Platanen zu sichern und den Wohnungen zum S√ľden hin private Vorbereiche zu gew√§hren.
Die acht Bauk√∂rper sind so arrangiert, dass jeweils vier H√§user einen Quartiersplatz fassen. Die Stellung der einzelnen Geb√§ude l√§sst eine wechselseitige Kommunikation mit der Umgebung zu- gro√üz√ľgig zur nord√∂stlich gelegenen Gr√ľnzone. Zudem bestehen Sichtbeziehungen zu den B√§umen und zu der flachen Wasserfl√§che, welche sich nah an der √∂ffentlichen Durchwegung und dem jeweils anderen Hof befinden.
Die stra√üenbegleitende Bebauung wird viergeschossig geplant, die n√∂rdlich gelegenen H√§user drei- und viergeschossig. Durch die teilweise geringere Geb√§udeh√∂he zum Hof hin wird eine qualit√§tsvolle Belichtung und Sichtverbindung gest√§rkt. Als generationen√ľbergreifende Spielfl√§che wird vorgeschlagen, in Zusammenarbeit mit der Stadt die im Nordosten vorhandene Speilplatzfl√§che mit neuen Impulsen aufzuwerten und so neben den Quartiersbewohnern auch der √Ėffentlichkeit zug√§nglich zu machen.

Erschlie√üung: Die StadtOase erm√∂glicht eine √∂ffentliche Durchwegung von der Kronenstra√üe zum nord√∂stlich gelegenen Fu√ü- und Fahrradweg. Diese Durchwegung tr√§gt zur stadtr√§umlichen Vernetzung bei und √∂ffnet das Quartier. B√§ume fassen an dieser Stelle die halb√∂ffentlichen Wohnh√∂fe und gew√§hrleisten zugleich Privatheit. Jeder Hof verf√ľgt √ľber eine fu√ül√§ufige Anbindung von der Kronenstra√üe. Im Bereich dieser Zug√§nge liegen auch die Ein- und Ausfahrten der Tiefgarage.

Architektur: Der in √∂kologischer und nachhaltiger Hinsicht einzigartigen StadtOase wird auch ein eigenst√§ndiges architektonisches Gesicht mit besonderem Wiedererkennungswert gegeben. Auff√§lliges Merkmal dieser Architektur sind die nach innen gefalteten D√§cher mit extensiver Dachbegr√ľnung und verst√§rkter Wasserr√ľckhaltung. Die Faltungen der D√§cher assoziieren die in der Umgebung vorherrschenden Sattel- und Walmd√§cher und erlauben zugleich neue Qualit√§ten. Die Faltung wird in der Weise vorgenommen, dass die Trauflinie, also der Tiefpunkt des Daches im Geb√§udeinneren im Bereich von Nebennutzungen liegt, die gr√∂√üere Raumh√∂he immer an der Fassade im Bereich der Wohnr√§ume vorzufinden ist. Die Faltungen der jeweils einen Hof einfassenden Bauk√∂rper sind so konzipiert, dass zum Hof immer ein Dachtiefpunkt orientiert ist und so f√ľr einen angenehmen Ma√üstab gesorgt wird und eine optimale Belichtung garantiert ist.
Die fußläufige Zuwegung jeweils in den Quartiershof wird von zwei Dachhochpunkten flankiert, welche so den Haupteingang in ein zusammengefasstes Haus assoziieren.
Im Bereich der √∂ffentlichen Durchwegung haben die D√§cher stra√üenseitig ihren Tiefpunkt und √∂ffnen hier bildlich das Quartier. Von den Wohnungen aus k√∂nnen die Bewohner den Ausblick auf die umliegenden Gr√ľnd√§cher genie√üen. Auch von dem Fu√üweg der Kronenstra√üe lassen sich die Gr√ľnd√§cher im Ansatz erkennen. Auch im Grundriss erhalten die Geb√§ude immer an der Platzseite leicht schr√§g verlaufende W√§nde, die sich zum Platz hin orientieren. Die beiden, das Grundst√ľck an der Kronenstra√üe begrenzenden Bauk√∂rper sind im hinteren Bereich nur dreigeschossig geplant. Auf den dortigen Dachfl√§che entstehen urban gardens
F√ľr die Bewohner des Hauses erg√§nzt durch gro√üz√ľgige Terrassenbereiche. Hier ist die Anpflanzung von Obst und Gem√ľse zur Eigenversorgung geplant. Alle Fassaden sind als wei√üe Putzbauten mit mineralischer W√§rmed√§mmung geplant. Der hohe Hellbezugswert der Fassaden entgegnet einer ungewollten Aufheizung im Sommer. Holzfenster- und T√ľren folgen dem √∂kologische Konzept und tragen zum Wohlf√ľhl-Wohnen in der Oase bei.

Nutzungen: Die StadtOase ist als Wohnquartier konzipiert. Es wird ein ausgewogener Wohnungsgr√∂√üen-Mix angeboten, von Appartements mit 48 m¬≤ beginnend bis hin zu 4 ¬Ĺ-Zimmerwohnungen mit ca. 117 m¬≤ Wohnfl√§che. Im westlich an der Kronenstra√üe gelegenen Bauk√∂rper ist eine Sonderfl√§che geplant mit vielf√§ltiger Nutzungsm√∂glichkeit. Wir schlagen an dieser Stelle eine zentrale Service- und Anlaufstelle mit einem Concierge vor. Ebenfalls w√§re hier die Ansiedlung eines kleines Gewerbes aus dem Servicebereich m√∂glich. In diesem Bauk√∂rper bieten wir ebenfalls zwei G√§steappartements an, die sowohl durch die Quartiersbewohner z.B. f√ľr deren Besucher gebucht, als auch ggf. einer Vermietung zugef√ľhrt werden k√∂nnen.

Die Sonderrolle f√ľr die Freifl√§chenplanung: Zentrale Bedeutung bei der Umsetzung unserer stadtklimatisch ausgerichteten Aufgabenstellung haben die Freifl√§chen. Insbesondere hier k√∂nnen erhebliche stadtklimatisch relevante Potentiale umgesetzt werden. Deshalb ist die Freifl√§chenplanung, anders als in vielen anderen Bauprojekten, von Anfang an auf Augenh√∂he mit den klassischen Instrumenten einer Wohnquartiersentwicklung angelegt, ohne diese in ihren zentralen Funktionen einzuengen. Die Leitfunktion klimagerechter Stadtumbau wird durch Geb√§udearchitektur (z.B. helle Fassaden, integrierte Vegetationselemente) und die Geb√§udestellung (z.B. Luftaustausch, Stellung zum Altbaumbestand) ebenfalls gest√ľtzt.
F√ľr die erweiterte Rolle der Freifl√§chenplanung ist es notwendig, traditionelle Wertvorstellungen in Bezug auf Freifl√§chen, wie z.B. ‚Äěbegleitendes Rahmengr√ľn‚Äú und ‚ÄěVerursacher von Nebenkosten‚Äú auf-zugeben, und durch eine dem tats√§chlichen Nutzwert entsprechende Wertvorstellung zu ersetzen. Das Freifl√§chenkonzept sieht deshalb Freifl√§chen √ľber den gesamten Lebenszyklus konsequent als Funktionstr√§ger mit Nutzwert vor. Diese Funktionen gilt es als ganzheitlichen Prozess in Planung, Bau und Betrieb umzusetzen und zu kommunizieren. So werden die Freifl√§chen und ihre Funktionen zum allgemein als essentiell notwendig anerkannten Planungs- und Baufaktor mit Zukunftspotential √ľber das eigentliche Projekt ‚ÄěStadtOase ‚Äď Kronenstra√üe‚Äú hinaus.

Die Leitlinien zur Ausrichtung der Freifl√§chenplanung: Die erheblichen stadtklimatischen Probleme k√∂nnen bei konsequenter Ber√ľcksichtigung in der Planung eines Wohnquartiers besonders durch Freifl√§chenkomponenten positiv beeinflusst werden. Die Palette von bestehenden Handlungsinstrumenten, mit nachweislich positiven Effekten, ist umfangreich und macht Experimente unn√∂tig. Das Projekt ‚ÄěStadtOase ‚Äď Kronenstra√üe‚Äú vermeidet als bewusst angelegtes Klimaanpassungsprojekt die sonst verbreiteten Anwendungsdefizite. Es werden die heute technisch m√∂glichen Standards in der Breite der M√∂glichkeiten und in der Qualit√§t ihrer Umsetzung projektpr√§gend und mit Vorbildwirkung angewendet. Insgesamt bleibt der positive Einfluss so nicht nur auf das unmittelbare Klima im Wohnquartier selbst beschr√§nkt, sondern auch das angrenzende Umfeld und die Entwicklungen des klimagerechten Stadtumbaus profitieren von der neuartigen Projektausrichtung.

Energieversorgung und energetische Standards: Die ‚ÄěStadtOase ‚Äď Kronenstra√üe‚Äú soll mit Bochumer Fern-w√§rme f√ľr Heizung und Warmwasser versorgt werden. Die Fernw√§rme erf√ľllt die die Anforderungen gem√§√ü EEW√§rmeG und ist ein echter Klimaschoner, da durch Kraft-W√§rme-Kopplung (KWK) Strom und W√§rme gleichzeitig produziert werden. KWK-Anlagen stellen nach Auffassung der Bundesregierung ein bedeutendes Instrument f√ľr die Energiewende dar. Die Energie f√ľr das Oberfl√§chenwassermanagements soll durch eine Photovoltaikanlage gewonnen werden. S√§mtliche Bauk√∂rper werden die ohnehin hohen Standards der EnEV 2014 in der ab 2016 geltenden Fassung unterschreiten.

Die Leistungselemente mit Freifl√§chenbezug mit besonderer Bedeutung f√ľr die Projektumsetzung:
1. Das Oberfl√§chenwassermanagement ‚Äď hier steht die variantenreiche Verwendung des Wassers f√ľr die Stadtklimaoptimierung im Vordergrund. Ein weiteres Ziel ist die weitgehende Unabh√§ngigkeit vom Kanalsystem als Beitrag zur Bew√§ltigung von Starkregenereignissen (potentielles F√∂rderprojekt der Emscher¬¨genossenschaft). Damit werden zentrale Elemente des Klimaanpassungskonzepts Bochum 2012 umgesetzt.

2. Klimafunktion B√§ume ‚Äď hier sollen die Klimafunktionen der vorhandenen B√§ume an der Kronenstra√üe unterst√ľtzt und verstetigt werden. Optimierte Standortbedingungen, insbesondere die verbesserte Wasserversorgung, sollen die B√§ume dauerhaft klimawirksam erhalten. Auch die neuen B√§ume sollen nach Baumart (stadtklimatische Zukunftsbaumarten) und ihren Standortbedingungen (ausreichender Wurzelraum und optimale Wasserversorgung f√ľr mittelgro√üe, stadtklimatisch dauerhaft wirksame B√§ume) nachhaltig ihren Beitrag zum Projektkonzept leisten.

3. ‚ÄěDachbegr√ľnung plus‚Äú ‚Äď die Begr√ľnung aller D√§cher, die bewusst √ľber die minimalen Klimafunktionen einer Dachbegr√ľnung hinausgeht, steht hier im Vordergrund. Durch die Integration in das Oberfl√§chenwassermanagement wird die Wirkung auf das Stadtklima deutlich verst√§rkt. Zusammen mit der gew√§hlten Dachform und dem Angebot des urban gardening soll die Dachbegr√ľnung plus neugierig auf dieses stadtklimatisch leistungsf√§hige Element machen.

4. ‚ÄěFassadenbegr√ľnung plus‚Äú ‚Äď das vertikale Gegenst√ľck zur Dachbegr√ľnung plus ist die Fassadenbegr√ľnung in Form eines, in das Oberfl√§chenwassermanagement integrierten, ‚ÄěFassadengartens‚Äú. Hier wird beispielhaft gezeigt, wie W√§nde stadtklimatisch wirksam und attraktiv zugleich sein k√∂nnen.

5. ‚ÄěSichtbares Wasser‚Äú ‚Äď hier soll die k√ľhlende Wirkung von Wasser durch tempor√§re Wasserfl√§chen auf den Platzfl√§chen in den Wohnh√∂fen erlebbar werden. Das Element ‚Äěsichtbares Wasser‚Äú ist au√üerdem Be-standteil des Oberfl√§chenwassermanagements.

6. Optimierte Nutzung von Freifl√§chenpotentialen, durch Eigentumsgrenzen √ľbergreifenden Planungsan-satz ‚Äď die ausschlie√üliche Nutzung von Freifl√§chenpotentialen innerhalb von Eigentums-grenzen f√ľhrt zu Einschr√§nkungen prinzipiell nutzbarer Potentiale. Die Bedeutung dieser nur begrenzt vorhandenen Potentiale f√ľr st√§dtebauliche Konzepte ist so gro√ü, dass ein erweiterter Planungsansatz, mit Interessenausgleich √ľber Grundst√ľcksgrenzen hinweg, besonders zielf√ľhrend ist. Der Planungsansatz bezieht sich auf das Themenfeld Klimaschutzfunktionen (Beispiel: F√∂rderung Altbaumbestand) und auf andere Freiraumfunktionen (Beispiel: Spielplatzangebot).

7. Nachhaltigkeit - durch ein integriertes Pflege-, Entwicklungs- und Bewirtschaftungskonzept wird die Nachhaltigkeit der Klimafunktionen auf Freifl√§chen dauerhaft gew√§hrleistet. In diesem Zusammenhang ist die Herausstellung der Leistungen der Freifl√§chenelemente von besonderer Bedeutung f√ľr ihre Akzeptanz und damit f√ľr ihre dauerhafte Entwicklung. Stadtklimatisch wirksames Funktionsgr√ľn mit ansprechendem Erscheinungsbild ersetzt so das sonst √ľbliche, weitgehend beliebige Dekorationsgr√ľn mit (scheinbar) kontinuierlich abnehmender Bedeutung f√ľr das Wohnquartier.

Das Freiraumkonzept wird u. a. durch die Elemente: verkehrsfreie Wohnh√∂fe mit akzentuierten, begr√ľnten S√ľdzug√§ngen, Freifl√§chen mit Wohnungszuordnung, Eingangsbereiche als ‚ÄěVisitenkarten‚Äú und eine pr√§gende Verbindungsachse s√ľdliche Wohnbebauung ‚Äď Gr√ľnzug unterst√ľtzt. Die Betonung des Achsenendpunktes durch einen klimarelevanten Gro√übaum mit Aufenthaltsfunktion steht symbolisch f√ľr die Integration der ‚ÄěStadtOase ‚Äď Kronenstra√üe‚Äú in das bestehende Wohnumfeld.

Fazit: Im Zusammenspiel von Architektur und Freifl√§chen mit einem Partner auf √∂ffentlichen Fl√§chen hat unser Projekt ‚ÄěStadtOase ‚Äď Kronenstra√üe‚Äú die Qualit√§t eines Leuchtturmprojekts mit Impulswirkung f√ľr den klimagerechten Stadtumbau in der Zukunft.
KSP_StadtOase-Plan 1

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KSP_StadtOase-Plan 2

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KSP_StadtOase-Plan 3

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KSP_StadtOase-Plan 4

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