Einladungswettbewerb | 06/2025
Neues Stadtquartier Urban Q Baufeld A + B in Hannover
3
Visualisierung Baufeld A
©Benjamin Niedeggen Visuwerk 380°
2. Preis / Baufeld A
Preisgeld: 16.000 EUR
Benjamin Niedeggen Visuwerk 380°
Visualisierung
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf gewinnt durch seine grundsätzlich robuste Anlage, bestehend aus einer dreiseitigen Blockrandbebauung mit abgestuften Höhen zwischen fünf und sechs Geschossen sowie einem 12-geschossigen Hochhaus basierend auf einem fünfeckigen Polygon. Zwei geschickt platzierte Einschnitte im Westen und Osten des Ensembles mit auf zwei bzw. vier Geschosse reduzierter Gebäudehöhe und geschützten Dachgärten als Mehrwert für die vorrangig vorgesehenen Mini-Apartments, die über keinen privaten Freiraum verfügen, werten das Projekt auf. Zur Goseriede nach Westen entsteht durch die Herausdrehung des Turms eine großzügige Freifläche, die sich für Gastronomie anbietet.
Basierend auf einer variablen Struktur mit tragenden Stützen und einem leichten Ausbausystem bei gleichbleibendem Rastermaß werden drei Grundrissmodule mit zusammengefassten Küchen und Bädern für eine wirtschaftliche Ver- und Entsorgung angeboten, die zu größeren Einheiten zusammengefasst werden können. Die Grundrissvariante für den Hochpunkt zeigt größere und frei finanzierte Wohnungen mit paarweise angeordneten Loggien. Der oberhalb der Erdgeschossebene angebotene allgemein nutzbare Wohnhof verfügt über einen eigenen öffentlichen Zugang von Nordosten und wird intern über die Treppenhäuser erschlossen. Ob die angebotene öffentliche Zugänglichkeit umsetzbar ist, wird kritisch hinterfragt. Wirtschaftlich erschließen drei vertikale Kerne die Obergeschosse des Ensembles, wobei der Turm über ein Sicherheitstreppenhaus verfügt. In den Erdgeschossen sind weitgehend Gewerbeflächen mit innenliegenden Nebenräumen angeordnet. Die vorgesehene Anlieferung von Süden ist nicht für alle Gewerbeflächen optimal. Eine zusätzliche Erschließung (Treppe und Fahrstuhl) der unter allen drei Baufeldern vorgesehenen Tiefgarage für PKWs und Fahrräder befindet sich im Innenbereich des Quartiers östlich des Baufeldes.
Die zumeist guten Qualitäten in der Erarbeitung der Baukörper und der Grundrisse, wobei die innenliegenden Erschließungsflure kritisch diskutiert wurden, werden durch die fehlende Übereinstimmung zwischen Grundrissen und Fassaden bzw. Visualisierung beeinträchtigt. Hier wird ein tiefes Fassadenrelief mit französischen Fenstern oder gar Loggien suggeriert, während die gezeigten Grundrisse flache Fassaden mit einfachen Fensteröffnungen aufweisen. Die einfache Gliederung der Fassaden, die im Falle des Turms durch die Zusammenfassung der beiden oberen Geschosse mit dem höheren Erdgeschoss korrespondiert, wird gewürdigt.
Nachhaltigkeit (ergänzt durch das Sachverständigenbüro energydesign)
Die Verfasser*innen schlagen einen massiven Klinkerbau mit Beton-Hohlkammerdecken vor. Der Materialmix wird ergänzt um Faserbeton und mineralische Dämmung. Insgesamt eine konservative Baustoffwahl.
Die Technikflächen werden im UG angeordnet, wobei Schachtwege auffällig klein ausfallen und Wohnungsschächte im EG verzogen werden müssen. Auf den Dachflächen fehlen die Aufzugsüberfahrten und weitere Reserven für Anlagentechnik.
Für den sommerlichen Wärmeschutz des Gebäudeentwurfs werden moderate Fensterflächenanteile angeboten (45% bis 65%). Außenliegender Sonnenschutz und die massiven Decken lassen insgesamt ein günstiges Sommerklima erwarten.
In den Grundrissen fällt die Belichtungssituation der Flure im Hochhaus auf, hier fehlt gänzlich das Tageslicht, was in der Blockrandbebauung besser gelöst wurde.
Als Absturzsicherungen werden Glasbrüstungen vorgesehen. Diese sind bei der Unterhaltsreinigung zu berücksichtigen. Ebenso wie die doppelte Fassade zur Celler Straße, die hier die Schallschutzanforderungen lösen soll.
Insgesamt wird ein robuster Entwurf vorgeschlagen, der grundsätzlich realisierbar wäre.
©Benjamin Niedeggen Visuwerk 380°
Lageplan
©agsta Architekten Dr. Schulte, Petersen & Partner mbB