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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2015

Neues Wohnen in Chorweiler Nord

1. Preis

Preisgeld: 22.000 EUR

QUERFELDEINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB

Architektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung / Städtebau

LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie

Visualisierung

Erläuterungstext

Ausgangssituation

Das zu bearbeitende Entwurfsgrundst√ľck befindet sich zwischen dem Gebiet der Stadterweiterung Trabantensiedlung K√∂ln-Chorweiler aus den 70/80er Jahren und den weiter westlich gelegenen Aussenbereichen mit einer hohen landschaftlichen Qualit√§t und Naherholungsgebiete wie beispielsweise dem F√ľhlinger See.



Entwurfskonzept

Zielstellung des Entwurfskonzepts ist die Ausbildung eines deutlich gefassten Quartiers mit einem eigenst√§ndigen r√§umlichen Charakter und einer identit√§tsstiftenden Ausstrahlung f√ľr den gesamten Stadtteil und dar√ľber hinaus. Die Integration in die bestehende st√§dtebauliche Struktur Chorweilers durch eine stadtr√§umliche Weiterentwicklung der vorhandenen Raumstruktur √ľber die Hierarchisierung und Gliederung der Au√üenr√§ume ist erkl√§rtes Ziel der st√§dtebaulichen Setzung.

Die besondere Geometrie des Grundst√ľcks wird durch r√§umliche Kanten nach Au√üen hin gefasst.Zur Stra√üe wird eine klare Raumkante ausgebildet. Gegen√ľber einer r√§umlichen Aufweitung (zur√ľckspringendes Parkhaus) wird mit einem Hochpunkt der Quartierseingang markiert. Dort gelangt man in das Innere des Quartiers.Hier ist das Wohnquartier durch den von Ost nach West verlaufenden Raum, den ‚ÄěAnger‚Äú gepr√§gt. Dieser,sich in der Mitte aufweitende Raum, verbindet qualitativ hochwertige, √∂ffentliche Aufenthaltsbereiche mit der Quartierserschliessung in Form eines ¬īshared space¬ī. Der Anger funktioniert als sozialer Treffpunkt, Kommunikationsraum und identit√§tsstiftendes Element innerhalb des Quartiers.Hier trifft man sich, Kinder spielen, √§ltere Herren diskutieren bei einer Partie Boule. Am breitesten Bereich lagert sich der Quartierstreffpunkt an und bespielt einen besonders gestalteten Au√üenraum.N√∂rdlich an den Anger anschlie√üend bilden zwei sich nach S√ľden √∂ffnende Wohnbl√∂cke H√∂fe aus. Diese zum Anger hin leicht erh√∂hten Bereiche schaffen Raum f√ľr die Mieterg√§rten zu den Erdgeschosswohnungen, Kleinkindspielbereiche und gemeinschaftlich genutzte Gartenparzellen. Dort ist eine besondere Form der Gemeinschaft, Kommunikation und des √∂kologischen Austauschs m√∂glich. Die Bewohner des Quartiers k√∂nnen in ihren eigens gemieteten Gartenparzellen beispielsweise Gem√ľse und Obst anbauen. Die √∂stlich freibleibende Fl√§che funktioniert als landschaftlicher Endpunkt des Quartiers und √úbergangsbereich zu den sich anschlie√üenden Gr√ľnr√§umen. Auf dieser Fl√§che ist ein Obsthain mit alten mitteleurop√§ischen Obstbaumsorten angedacht. Dieser ist vielf√§ltig f√ľr Quartiersbewohnerund andere ChorweilerB√ľrger nutzbar.



Quartierserschließung

Fu√ül√§ufig und mit dem Fahrrad ist das Quartier √ľber den Anger und die Verzahnungen nach Norden und S√ľden angenehm durchl√§ssig. Motorisierter Verkehr innerhalb des Quartiers soll weitestgehend minimiert werden. So kann man als Anlieger n√∂rdlich √ľber die Swinestra√üe in das Quartier hineinfahren und erreicht unmittelbar die Tiefgaragenzufahrt oder die verschiedenen, den Wohngeb√§uden zugeordneten Parkbereiche unter B√§umen.Die √∂stliche Zufahrt f√ľhrt √ľber den Anger zu den, an die Wohngeb√§ude angeschlossenen, Parkbereiche im S√ľden undOsten. Dar√ľber hinaus existiert eine Verbindungsschleusef√ľr Feuerwehr und Krankenwagen durch den Anger.



Wohntypologien

Die angestrebte Wohnungsvielfalt und damit auch eine gesunde Durchmischung des Quartiers soll √ľber ein flexibles Grundrisssystem erzielt werden. Dieses System mit einer innenliegenden Spange aus Nasszellen und/oder Flurbereichen erm√∂glicht flexibel gliederbare Wohngeschosse.Somit sind verschiedene Wohnungsaufteilungen aus 3 oder 4-Sp√§nnern mit Wohnungsgr√∂√üen von 1 bis 5-Raumwohnung m√∂glich. In den beiden n√∂rdlichen Wohngeb√§uden ist jede Wohnung g√§nzlich oder teilweise zum Innenhof orientiert. In allen Wohnungen mit mehr als 2 Zimmern ist ein Durchwohnen m√∂glich.Die s√ľdlich im Quartier liegenden, frei finanzierten Wohnzeilen bauen ebenfalls auf dem Raster auf und besitzen etwas mehr Tiefe zu Gunsten noch gro√üz√ľgigerer Wohnungszuschnitte.



Materialität und Konstruktion

Nach Au√üen sind die Wohngeb√§ude durch eine zur√ľckhaltende Selbstverst√§ndlichkeit gepr√§gt.

Im Sinne eines nachhaltigen Geb√§udekonzepts soll auf ein W√§rmed√§mmverbundsystem verzichtet werden. Stattdessen werden verputzte Porenbetonsteine mit einer hohen D√§mmf√§higkeit eigesetzt.Durch seine Eigenschaften eignet sich der klassische Massivbau aus tragenden W√§nden und Betonflachdecken noch immer am besten f√ľr den Wohnungsbau. Gliederung, √Ėffnungsverhalten und die physische Schwere des Materials pr√§gen den Ausdruck der Fassaden.Ein Massivbau, der auf eine hohe Lebensdauer mit best√§ndiger Qualit√§t ausgelegt ist, stellt einen nachhaltigen Beitrag zur gegenw√§rtig gef√ľhrten √Ėkologiedebatte dar. Einfache Konstruktionen sind leicht instand zu halten und garantieren einen best√§ndigen Wert √ľber lange eine Zeit. Der Verzicht auf erd√∂lbasierte Verbundwerkstoffe und komplizierte Verbindungen garantiert eine einfachere Instandhaltung als vergleichbare Fassade mit W√§rmed√§mm-Verbundsystem. Eine weitere Qualit√§t des klassischen Massivbaus stellen inh√§rente klimatische Eigenheiten dar. Die hohe thermische Kapazit√§t der Bauteile garantiert ein stabiles Raumklima. Die 2.60 Meter hohen R√§ume garantieren eine angenehme Lichtverteilung im Raum.



Klimagerechte Energieversorgung / Nachhaltigkeit

Bei der Entwicklung des neuen Quartiers sollen alle Aspekte einer nachhaltigen umwelt- und fl√§chenschonenden Bauweise beachtet werden. Um solare Energiegewinne abzusch√∂pfen wird die Bebauung weitestgehend nach S√ľden ausgerichtet. Abst√§nde und Verh√§ltnis der Geb√§ude zueinander reduzieren etwaige Verschattung und sorgen f√ľr eine gesunde Wohnumgebung. Eine dezentrale Energieversorgung durch Blockheizkraftwerke ist Bestandteil des Konzeptes. Regenerative Energien wie Solarenergie und Solarthermie k√∂nnten auf den Geb√§uded√§chern fl√§chendeckend installiert werden. Dach- und Quartiersdurchgr√ľnung sorgen f√ľr ein ausgeglichenes Quartiers- und Geb√§udeklima. Geb√§ude werden kompakt gehalten und in klimatischen Standards weit √ľber gesetzlichem Niveau errichtet. Die verdichtete Bebauung vermindert den Energiebedarf des neuen Quartiers. Kurze Wege im Quartier und eine gute Anbindung auch abseits der motorisierten Verkehrswege an die Versorgungsbereiche des Stadtteils Chorweiler sorgen f√ľr eine umweltfreundliche und gesunde Lebensweise.

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit einer klaren st√§dtebaulichen Figur, in der zwei Wohnh√∂fe und ein als Quartiersanger bezeichneter √∂ffentlicher Aufenthaltsbereich umfasst werden, gelingt ein Konzept, Chorweiler Nord um eine Quartierseinheit zu erg√§nzen, welche in ma√üst√§blicher Ausformung eine gut gesetzte Weiterentwicklung darstellt. Zum Weichselring und zur Swinestra√üe wird der Stra√üenraum konturiert und so dem neuen Quartier eine eindeutige Lesbarkeit verliehen. W√§hrend nach Norden eine Aufweitung nachvollziehbar neben der Erschlie√üung auch Stellpl√§tzen Raum gibt, sind die nach S√ľden ge√∂ffneten Wohnh√∂fe f√ľr die private und halb√∂ffentliche Freiraumentwicklung wohltuend proportioniert. Die drei den Quartiersanger im S√ľden begrenzenden Geb√§uderiegel bilden die neue bauliche Kante zu den im Gr√ľnraum stehenden Solit√§ren wie der Waldorfschule.

Die Adressbildung gelingt durch eindeutige Zuordnung der Hauseing√§nge zu den Stra√üen bzw. zum Quartiersanger. Die H√∂henausbildung mit differenzierten 4. Obergeschossen ist der Aufgabe angemessen. Die √úberh√∂hung des Bauk√∂rpers am Weichselring ist am Zugang zum Quartiersanger st√§dtebaulich gut gew√§hlt, seine Entsprechung im √úbergang zum √∂stlichen Gr√ľnraum ebenso sinnvoll und f√ľhrt zu einer Ausdifferenzierung der gro√üen Bauk√∂rper. Der Abstand zum Weichselring mit Ausbildung einer Vorgartenzone vermittelt zwischen dem vorhandenen offenen Stadtraum und der angestrebten Urbanit√§t des Konzepts.

Die aufgel√∂ste Blockrandbebauung bildet sehr unterschiedliche und klar definierte Freiraumqualit√§ten in angemessener und gut nutzbarer Gr√∂√üe aus. Zentrales Element vom Weichselring bis zum √∂ffentlichen Gr√ľnraum ist dabei der Anger, der die √∂ffentlichen Funktionen ‚Äď Aufenthalt, Treffpunkte, Erwachsenenfreizeit ‚Äď tr√§gt. Die privaten und halb√∂ffentlichen Gr√ľnfl√§chen, erg√§nzt mit Spiel, sind ausschlie√ülich s√ľdexponiert angeordnet und bestechen durch freie Zug√§nglichkeit und Ruhe. So richtig der ruhende Verkehr mittig an der Swinestra√üe angeordnet ist, so kritisch werden jedoch die beiden anderen Stellplatzanlagen gesehen, insbesondere der im S√ľden zwischen Anger und Gr√ľnraum.

Der gew√ľnschte Wohnungsmix ist nachgewiesen, die vorgeschlagenen Grundrisse sind jedoch mit Defiziten behaftet. Die sorgsam ausgebildeten Fassaden weisen eine hohe Gestaltqualit√§t mit einem ruhigen, aber gut ausdifferenzierten Gesamtbild auf. Insgesamt stellt die Arbeit eine wirtschaftlich zu erstellende, nachhaltig zu betreibende und dauerhaft robuste Wohnanlage in hoher Qualit√§t in Aussicht.