Werkstattverfahren als Mehrfachbeauftragung | 02/2025
Neues Wohnquartier an der Flandernstraße in Esslingen am Neckar
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©Octagon Architekturkollektiv / studiofutura
1. Preis
Preisgeld: 24.000 EUR
Stadtplanung / Städtebau
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Mitarbeitende:
Prof. Henry Fenzlein, Philip Stapel, Markus Wiese, Quentin Pagés, Gerda Seidelmann, Serafima Kreusch, Julia Koepper, Carolin Ruhe
Landschaftsarchitektur
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Mitarbeitende:
Stadtplanung / Städtebau, Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit präsentiert sich mit einer klaren Haltung zum Bestand. Er wird als wichtige Ressource verstanden, als DNA des Quartiers. Die Spuren des baulichen und freiraumplanerischen Erbes der 1970er Jahre werden in eine neue Geschichte eingeflochten. Das Narrativ erkennt die komplexen Rahmenbedingungen an, interpretiert sie sehr intelligent und mit einem klaren Konzept neu. Die Anregungen aus der ersten Phase des Werkstattverfahrens wurden gewissenhaft aufgearbeitet und in das Umbaukonzept integriert.
Aus dem Bildungsstandort mit der ikonischen „Akropolis“, gebaut als Leuchtturmprojekt für ein neues Bildungsverständnis, wird ein Leuchtturmprojekt der neuen Umbaukultur. Es wird sowohl der bauliche Bestand als auch der Baumbestand weitestgehend erhalten, was ausdrücklich anerkannt wird.
Das Nutzungskonzept ist gut durchdacht. Entstehen soll ein Quartier mit differenzierten Angeboten, das als Wohnstandort mit ganz besonderen Qualitäten auf die Umgebung ausstrahlt und auch Angebote für ganz Esslingen bereitstellt.
Es ist ein hoher Anteil von Wohnungen für den städtischen Bedarf vorgesehen, charakteristisch ist darüber hinaus ein breiter Mix an Wohnangeboten für unterschiedliche Angebote, ausgehend von einem breiten Akteursspektrum auf dem Wohnungsmarkt, darunter auch Baugruppen und Genossenschaften. Es ist ein hoher Anteil von Dienstleistungen / Büros vorgesehen, die Tragfähigkeit in dieser Stadtlage wäre zu überprüfen. Die Erdgeschosse sollen kommunikationsfördernd gestaltet werden und so Impulse auf den öffentlichen Raum entfalten. Insgesamt liegt der Entwurf bezüglich der Bruttogeschossfläche und des Bruttorauminhaltes im oberen Bereich – ohne zusätzliche Versiegelung.
Der Bestand und dessen Footprint sowie die ortsbildprägenden Freiräume bilden den städtebaulichen Rahmen des Quartiers. Dadurch wird der Versiegelungsgrad in Grenzen gehalten. Die Vernetzung mit der Umgebung und das Wegenetz sind überzeugend. Frischluftschneisen bleiben unberührt. Dort wo es der Bestand zulässt, wird aufgestockt. Es entsteht ein spannungsvolles Miteinander zwischen Alt und Neu, eine identitätsbildende Struktur, dekliniert durch unterschiedliche Maßstabsebenen, vom Städtebau bis zur Konstruktion der Bauten. Weitgehend unabhängig davon, in welchem Umfang der Bestand tatsächlich erhalten werden kann, gibt die robuste und zugleich anpassungsfähige Struktur den Rahmen vor.
Kontrovers diskutiert wird der Standort des Bolzplatzes, der außerhalb des Bearbeitungsraumes liegt, mit einem Eingriff in die Topografie verbunden wäre und lärmtechnische Fragen aufwirft. Ebenso kontrovers gesehen wird das Umbaukonzept der Akropolis und die damit verbundenen starken baulichen Eingriffe.
Etwas konventionell wirkt der städtebauliche Abschluss im nord-westlichen Bereich des Areals im Übergang zur Schule. Im Bereich der Mensa stellt sich die Frage, ob der von der Straße abgerückte Bestand durch eine bauliche Ergänzung in der Adressbildung und Freiraumqualität gewinnen könnte, allerdings wäre zu prüfen, wie sich dieser Schritt mit dem konsequenten Entwurfsprinzip verträgt. Das erhaltene Parkhaus markiert den Quartierseingang im westlichen Bereich, es wird diskutiert, inwiefern hier eine adressbildende Situation entstehen könnte und wie der Bestand transformiert werden müsste, um dies zu erreichen.
Mit dem Entwurfsansatz wird ein fundierter, gut durchgearbeiteter Beitrag zur Bauwende geleistet, der nicht nur im Rahmen der Internationalen Bauausstellung StadtRegion Stuttgart 2027 beispielgebend sein könnte, sondern weit darüber hinaus Maßstäbe zur klimagerechten Transformation unseres baulichen Erbes der Moderne setzen könnte.
©Octagon Architekturkollektiv / studiofutura
©Octagon Architekturkollektiv / studiofutura
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