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Werkstattverfahren als Mehrfachbeauftragung | 02/2025

Neues Wohnquartier an der Flandernstraße in Esslingen am Neckar

Modell
6

Modell

3. Preis

Preisgeld: 9.600 EUR

Pesch Partner Architektur Stadtplanung GmbH

Stadtplanung / Städtebau

Studio Cross Scale

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

Erläuterungstext

Quartier Flandernstraße weiterbauen – Neue Nachbarschaften verbinden

Die Transformation des ehemaligen Hochschulstandorts in Esslingen folgt dem Leitbild eines nachhaltigen und klimaangepassten Modellstadtteils. Die besondere Qualität des Areals liegt in seiner außergewöhnlichen topografischen Lage mit Ausblicken zum Schurwald und zur Schwäbischen Alb, seiner Integration in etablierte Esslinger Wohnquartiere und der besonderen baukulturellen Prägung des Bestands. Diese Charakteristika werden im stadtlandschaftsräumlichen Konzept respektiert und sensibel weiterentwickelt.

Die städtebauliche Herangehensweise basiert auf dem Prinzip des behutsamen Weiterbauens. Geeignete Bestandsgebäude können unter Berücksichtigung der gutachterlichen Empfehlungen zur Bausubstanz als identitätsstiftende Elemente erhalten und durch bauliche Ergänzungen zu neu interpretierten attraktiven Wohnensembles qualifiziert werden.

Zum Gelingen dieses behutsamen Transformationsprozesses baut die Leitidee unseres Konzeptes auf folgenden Prämissen auf:
  • Neue Nachbarschaften: Gemeinsam gruppieren sich Bestand und Neubau um grüngeprägte Innenhöfe zu individuellen Nachbarschaften. Differenzierte Bau- und Wohnformen schaffen unverwechselbare Adressen und Orientierung im Quartier. Die Wandelbarkeit und Adaptionsfähigkeit dieser Struktur erlaubt eine flexible Projektentwicklung, die Bestand und Neubau im Interesse wirtschaftlich darstellbarer Lösungen gemeinsam denken und Chancen und Herausforderungen wechselseitig ausgeglichen werden können.
  • Quartiersmitte für alle: Das neue Quartier um die „Akropolis“ versteht sich in seiner Ausgestaltung auch in Verantwortung gegenüber der umgebenden Stadtquartiere. Die Quartiersmitte wird daher konsequent an der Schnittstelle zu den angrenzenden Arealen ausgebildet. Vielfältige Freiraum- und Nutzungsangebote laden hier ein, die neue Mitte für alle gemeinsam auszugestalten.
  • Grüne Vernetzung: Die hohe Bau- und Nutzungsdichte erfordert ein ausgewogenes System differenzierter Freiraumangebote: Rückzugs- und Erholungsräume, Aktivflächen sowie Orte für Kommunikation und Begegnung. Dem Aufbau dieses Freiraumnetzes kommt bei der Neuordnung des Areals daher eine Schlüsselfunktion zu. Grüne Korridore übernehmen als verbindende Elemente gleichzeitig Funktionen für gemeinschaftsorientierte Freiraumnutzungen sowie Retention und Biodiversität.

Die in Ansätzen bestehenden Wegebeziehungen zwischen Grundschule, Friedhof St. Bernhardt und Stadtteilzentrum im Westen sowie dem Hainbachtal im Osten werden aufgegriffen und als wichtige Vernetzung durch das neue Areal geführt. An der Schnittstelle entsteht der Nukleus einer neuen gemeinsamen Quartiersmitte die sich mit differenziert zonierten Freiräumen gleichermaßen dem Quartier wie dem Stadtteil und den Nachbarschaften insgesamt öffnet. Mit seinem vielfältigen Nutzungsangebot ist die neue Mitte Ausgangspunkt einer lebendigen Stadtteilkultur.

Die behutsame Transformation über mehrere Bauphasen erlaubt eine kontinuierliche Nutzung und Belebung des Areals. Das Weiterbauen wird damit zur nachhaltigen Entwicklungsstrategie, die vorhandene Ressourcen schont und gleichzeitig neue Qualitäten schafft.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der städtebauliche Entwurf für das neue Quartier Flandernstraße greift die vorhandene Struktur des ehemaligen Hochschulgeländes aus den 1970er Jahren auf und entwickelt diese geschickt zu einem neuen, zusammenhängenden Quartier mit eigener Identität weiter. Durch die behutsame Transformation des Areals entsteht ein klar strukturierter, ortsspezifischer Entwurf. Die vorgeschlagene prozesshafte Entwicklung in Form von zeitlich gestaffelten Zwischennutzungen unterstützt die frühzeitige Aktivierung der Bestandsgebäude und damit des Quartiers. Der Entwurf verfolgt drei zentrale Leitlinien, die von der Jury positiv bewertet werden: Erstens die Bildung von baulichen Clustern aus Alt und Neu, die neue Nachbarschaften fördern. Zweitens die Grünvernetzung im Quartier und die Einbeziehung des umgebenden Kontextes. Drittens die Schaffung eines Quartierszentrums, das für alle zugänglich ist, auch für die angrenzenden Quartiere.

Der Entwurf sieht eine behutsame Aufstockung der Bestandsgebäude und deren Ergänzung durch Neubauten vor, wodurch Gebäudecluster aus Alt und Neu entstehen. Die städtebauliche Setzung orientiert sich stark am Bestand, was positiv bewertet wird, da die Cluster eine ortsspezifische und direkte Reaktion auf die vorhandene Struktur darstellen. Teilweise wird jedoch hinterfragt, ob die Elemente der einzelnen Cluster, wie z.B. das Gesundheitszentrum, nicht zu unterschiedlich sind. Zudem bilden einige Bestandsgebäude Rückseiten zu den Höfen, was kritisch gesehen wird. Die Ausbildung der Quartierseingänge wird positiv bewertet, insbesondere die größere Geste im Südwesten sowie der Zugang im Osten von der Flandernstraße. Zwischen Akropolis und Mensa entsteht durch die Ergänzung zweier Baukörper eine gelungene Eingangssituation in das Quartier. Die neue Bebauung im Westen des Quartiers mit dem Nahversorger im Erdgeschoss wird von der Jury als zu massiv bzw. in sich geschlossen empfunden, während die Präsenz der Wohnbebauung zur Straße im Osten als städtebaulich reizvoll bewertet wird. Die damit verbundenen Eingriffe in die Landschaft (Baumbestand wie Topographie) werden jedoch kontrovers diskutiert. Durch die Verlagerung der baulichen Dichte in den östlichen Bereich des Quartiers wird teilweise in den Baumbestand eingegriffen.

Grundsätzlich zeichnet sich der Entwurf durch eine klare Hierarchie der Freiräume aus: Zentrale, öffentliche Freiräume in Form von Plätzen, Grünbändern und Grünflächen und geschütztere, gemeinschaftliche Freiräume in den Hofsituationen. Die Quartiersmitte wirkt sehr urban, hier stellt sich die Frage, ob sie tatsächlich so grün gestaltet werden kann, wie in den Visualisierungen angedacht. An den Quartierseingängen sind zwei Bushaltestellen vorgesehen. Für das Quartier sind drei Tiefgaragen geplant. Zwei davon befinden sich unter dem westlichen Cluster, teilweise zweigeschossig im Untergeschoss, die dritte Tiefgarage liegt ganz im Osten und wird direkt von der Rotenackerstraße erschlossen, was auch im Verkehrsgutachten vorgeschlagen wurde.

Die Nutzungsverteilung hat sich seit dem Werkstattgespräch deutlich verbessert. Es wird eine angemessene Mischung vorgeschlagen, die sich gut über das gesamte Quartier verteilt. Die markante Akropolis dient dabei als identitätsstiftendes Gebäude mit gemeinschaftlichen, aktivierenden Nutzungen im Erdgeschoss, verschiedenen Wohnformen (Mikro- und Gemeinschaftswohnungen) in den Obergeschossen sowie einer gemeinschaftlichen Dachterrasse. Die bestehende Sporthalle soll durch Umbau, Aufstockung und Ergänzung Sportnutzungen und eine Kindertagesstätte sowie einen Bolzplatz auf dem Dach aufnehmen. Hier ist fraglich, ob die Lärmschutzmaßnahmen ausreichend sein können. Der Nahversorger wird als aktivierendes Element am Eingangsplatz des Quartiers platziert. Für die heutige Mensa wird ein Gesundheitszentrum mit „In-Box-System“ vorgeschlagen. Die Bestandsgebäude F und H werden zu Atelier- und Genossenschaftswohnungen umgenutzt und um jeweils zwei Geschosse aufgestockt.

Der Entwurf schlägt die Entwicklung von innovativen und vielfältigen Wohntypologien vor, die konkret auf den Bestand reagieren und mit ihm statt gegen ihn arbeiten. Für die Transformation der Bestandsgebäude wird ein architektonisches Raumgerüst vorgeschlagen, das gleichzeitig als Wohnraumerweiterung und Begegnungsraum dient und zur Resilienz des Quartiers beiträgt.
Lageplan

Lageplan

EG-Zone und aktive Freiräume

EG-Zone und aktive Freiräume

Neue Nachbarschaften - Gesundheit und Wohnen

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Neue Nachbarschaften - Quartierstreff und Wohnen

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