Mit der In-Wert-Setzung der Bahnhofsgebäude und der Neustrukturierung der Flächen erhält das Bahnhofsvorfeld Ost eine neue Bedeutung: Vom Transitraum zum Platz mit Aufenthaltsfunktion.
Baumreihen, Pflanzbänder und Ausstattung nehmen die Linearität der Bahnanlagen auf und formulieren damit Bewegungs- und Verweilzonen.
Städtebau
Das Bahnhofsareal ist geprägt durch die drei Denkmal geschützten Bahnhofsgebäude, sowie die großräumlichen Gewerbehallen im Norden. Im Zuge des Entwurfs sollen die Gewerbehallen durch neue Baukörper ergänzt und aufgewertet werden.
Im südlichen Bereich wird das zentrale Parkhaus vorgeschlagen, ein viergeschossiges Gebäude mit Aufstockung. Im EG und 1. OG befinden sich 120 öffentliche Stellplätze für den Bahnhof, sowie Fahrradstellplätze, Mobility Point mit Fahrrad-Reparatur-Service und Carsharing. In den anderen Geschossen befinden sich Stellplätze für die Gewerbe- und Büroflächen. Diese Stellplätze können zusätzlich über Schranken abgetrennt werden.
Im nördlichen Teil zur Waldstraße wird ein Hochpunkt mit vier, bzw. sechs Geschossen situiert. Im EG befinden sich weitere Stellplätze für Fahrräder und Lastenräder und eine große Gewerbeeinheit. Die Obergeschosse können wieder als Büro- und Gewerbeflächen genutzt werden.
Auf den Dachflächen des Parkhauses und des nördlichen Hochpunktes werden Dachgärten für die Büroflächen und PV-Gründächer vorgeschlagen.
Erschließung
Bis zur Realisierung des Kurzschlusses vom Oberweg, wird eine Wendeschleife nördlich des Gemeinschaftsgebäudes vorgeschlagen. Busse, die südlich aus der Bahnhofstraße kommen, können hier wenden und direkt in die Busbucht einschleifen. Diese bietet ausreichend Raum für die unabhängige An- und Abfahrt von zwei Gelenkbussen. Zentral vor dem Bahnhofsgebäude sind Behindertenstellplätze, Taxis und Kiss and Ride-Stellplätze verortet.
Die Fahrradfahrer können entweder direkt über „Am Bahnsteig“ nach Norden zur Radbrücke oder können über die Fahrradabstellanlagen und den westlichen Radweg über die Radbrücke fahren.
Der bereits bestehende Weg zur Bahnunterführung im südlichen Wettbewerbsgebiet wird barrierefrei umgestaltet.
Freiraum
Wesentliches Merkmal des Freiraumes ist die Freihaltung von wichtigen Verbindungsachsen um eine möglichst gute Orientierung und Übersichtlichkeit zu gewährleisten.
Der Bereich zwischen Bahnhofsgebäude und Bahnhofskiosk ist geprägt durch die bestehenden Bestandsbäume, welche eine großflächige Unterpflanzung mit schattenverträglichen Stauden und Gräsern erhalten.
Die zentrale Platzfläche zwischen Kiosk und Gemeinschaftshaus wird als wassergebundene Decke ausgeführt und leicht abgesenkt um bei Starkregen Volumen einzustauen.
Bestehende Baumstrukturen sollen durch Neupflanzungen fortgeführt und ergänzt werden. Somit entsteht im zentralen Bahnhofsbereich ein Blätterdach und bietet wertvollen Schattenraum an heißen Tagen. Ein mit Spritz bzw. Nebeldüsen variabel bespielbares Wasserband bietet zusätzliche Kühlung und verkürzt Wartezeiten.
Umbau Wendeschleife
Der vorläufig notwendige Wendehammer für Busse kann mit wenigen additiven Elementen zur Aktions- und Aufenthaltsfläche umgewidmet werden: Holzdecks als Sitzgelegenheiten und Tribüne und ergänzende Baumpflanzungen bieten das Tableau für eine multifunktionale Bespielung in Zusammenhang mit dem Gemeinschafshaus bzw. Jugendtreff.
Durch den Material- und höhengleichen Ausbau sind für die Umnutzung kaum Umbauarbeiten notwendig.
Regenwassermanagement und Wiederverwendung von Ressourcen und Bepflanzung
Im Sinne der Nachhaltigkeit werden alte Beläge ausgebaut und können im neuen Bahnhofsumfeld wiederverwendet werden. So findet das verlegte Kleinsteinpflaster Wiederverwendung als Unterbau für die langen Bänke in Form von Rasenfugenpflaster.
Das anfallende Regenwasser wird in Retentionsstreifen und -beete abgeleitet und kann dort gedrosselt versickert werden und kommt zusätzliche den Baumstandorten zu Gute. Bei der Bepflanzung wird dabei auf eine robuste Stauden- und Gräser Zusammensetzung geachtet, die auch zeitweilige Überstauung toleriert. Auf der zentralen Platzfläche bei den Fahrradparkern wirkt ein Gräserband als zusätzlicher Sichtschutz und Rahmung des Platzes vorgeschlagen. Bei den neu gepflanzten Bäumen wird Wert auf robuste und zukunftsorientierte Arten gesetzt.