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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026

Neugestaltung Bibliotheksumfeld Altstadt Schorndorf

Perspektive
4

Perspektive

1. Preis

Preisgeld: 19.000 EUR

faktorgruen

Landschaftsarchitektur

Rendercircle - Christian Marrero

Visualisierung

Erläuterungstext

Schorndorf besticht durch seinen weitestgehend erhaltenen historischen Stadtgrundriss mit den charmanten Gassen und Plätzen sowie der Stadtkirche und dem Schloss als Wahrzeichen. Im Zuge des Neubaus der Stadtbibliothek besteht die einzigartige Gelegenheit, die umgebenden Straßenzüge der Archivstraße sowie der Johann-Phillip-Palm-Straße wieder in das historische Stadtgefüge einzupassen und somit die historische Altstadt an dieser Stelle zu komplettieren. Der historische Verlauf der Stadtmauer wird durch eine differenzierte Belagsgestaltung wieder sichtbar und ablesbar gemacht. Der ehemalige Spitalhof wird neu gestaltet und zum grünen Garten, dem „SpitalHofGarten“ umgestaltet. Er bildet als Pendant zum weitestgehend steinernen und befestigten Marktplatz im Sommer eine kühle Oase inmitten der Altstadt.

Die Altstadt wird in ihrer Gesamtheit wieder ablesbar und erlebbar gemacht und zum tragenden Charakteristikum von Schorndorf. Die noch vorhandenen subtilen Qualitäten der Altstadtgassen werden aufgenommen und als Gestaltungsprinzip für die beiden Straßenzüge Archivstraße und Johann-Phillip-Palm-Straße weiterentwickelt.
Die Stadträume erhalten eine einheitliche und durchgängige Oberflächengestaltung in Anlehnung an die bereits vorhandenen Beläge, damit die historische Altstadt von Schorndorf wieder als Gesamtanlage wahrgenommen werden kann. Der Platzraum des historischen Spitalhofs wird dabei subtil abgesetzt und erhält seine eigene Gestaltqualität in Form eines grünen Gartenhofs. Der Verzahnung der beiden Straßenzüge mit den umgebenden Altstadtgassen und den Vorstadtbereichen kommt dabei ebenfalls eine zentrale Bedeutung zu.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser der Arbeit überzeugen mit ihrem Entwurfsansatz, der auf den historischen Gegebenheiten der Altstadt aufbaut. Die Transformation historischer Raumkanten gelingt durch die Gestaltung der Straßenräume und Schnittstellen zu den angrenzenden Nachbarschaften.

Im Bereich der südlichen Archivstraße wird der Gestaltwechsel sichtbar und schafft einen stimmigen öffentlichen Straßenraum bis zur Johann-Phillipp-Palm Straße. Die bewussten Setzungen der Baumstandorte überzeugen und schaffen gute sichere öffentliche Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer. Der Charakter der Johann- Phillipp-Palm Straße wird bis zum historischen Stadttor, die Adressen und Vorfelder der bestehenden Nutzungen berücksichtigend, gut akzentuiert. Dieser Gestaltungsansatz wird sinnfälligerweise auch nach Westen Richtung Marktplatz weitergedacht, angedeutet. Im Osten der Johann-Phillipp-Palm Straße überzeugt der Vorschlag, den vorhandenen Parkplatz des Finanzamtes im Gegenverkehr von Osten anzubinden und somit die Straßenräume der Archiv- und westlichen Johann Philipp Palm Straße zu entlasten.

Der Spitalhof wird als grüner Gartenhof ausformuliert und präsentiert sich mit sehr guten Schnittstellen zu der den Platz prägenden Umgebungsbebauung und den Wegeführungen. Fast selbstverständlich werden die wichtigsten Blickbeziehungen, Orientierungen aufgenommen und in das Gestaltungsprinzip des Platzes integriert. Ein zentraler Wasserspiegel setzt einen angemessenen Akzent im Vorfeld des Eingangs zur Bibliothek. In diesem stadträumlichen Kontext sollte die Bibliothek direkter angebunden sein, ohne durch einen grünen Puffer vom Platz abgeschirmt zu werden. Bei Verzicht auf diese kleinteiligen Grünflächen wäre dieser Vorbereich auch für Feste und Veranstaltungen großzügiger und besser nutzbar. In der perspektivischen Darstellung scheint der Blickbezug zum Bücherturm noch nicht ausreichend berücksichtigt und sollte hergestellt werden.

Der Platz bildet in diesem Entwurfsansatz eine gute neue Adresse, die der zu erwartenden lebendigen intensiven Nutzung der Bibliothek für alle Generationen Rechnung trägt. Im Hinblick auf die kleinklimatische Situation bedeutet die intensive Begrünung eine deutliche Aufwertung. Mit drei in ihrer Flächigkeit gut positionierten polygonalen Grünflächen können attraktive verschattete Orte als Aufenthaltsbereiche, Lesegärten und Treffpunkte fungieren. Die Wahl verschiedener Baumarten kann zu einem stabilen Bestand beitragen, der sich langfristig vital entwickelt und erhält.

Das im EG Grundriss befindliche Lesecafé kann hier eine gute Schnittstelle zwischen inneren und äußeren Funktionen aufzeigen. Mit den formulierten Entwurfsentscheidungen des grünen Platzes mit adressierter Bibliothek kann ein neuer identitätsstiftender Platzraum in Schorndorf entstehen. Die Entwurfsidee berücksichtigt überzeugend auch die möglichen Schnittstellen zum südlich angrenzenden Schulhof und den westlich angrenzenden Nutzungen wie z.B. dem Eiscafé.

Die Phase Zwei offeriert attraktive öffentlich Freiflächen und bietet dem wichtigen öffentlichen Bibliotheksgebäude ein angemessenes Vorfeld. Die für die erste Phase geforderten Stellplätze beeinträchtigen diese Qualitäten erheblich. Das Vorfeld, die Adresse der Bibliothek, als Parkplatz zu nutzen konterkariert die formulierten übergeordneten Ziele der Aufgabenstellung.

Hinsichtlich der Materialität differenziert der Beitrag sehr geschickt mit verschiedenen Belagsarten und weist damit einzelnen Teilflächen sinnvolle Hierarchien zu. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht scheint dies ein angemessenes Konzept. Sitzmöglichkeiten und Möblierung unterstützen in ihrer sinnfälligen Positionierung vorhandene Raumkanten und setzen klare Schwerpunkte. So entstehen geschützte Orte für entspannten Aufenthalt.

Der sichere Umgang mit Materialien und Ausstattung spiegelt sich auch in den Straßenräumen der Archiv- und Johann-Philipp-Palm-Straße wider.

Die Zufahrtssituation ‚Beim Brünnele’ für Feuerwehr und Müllfahrzeuge ist zu überprüfen.

Insgesamt überzeugt die Arbeit mit ihrem grünräumlichen Ansatz, der das Zentrum stark besetzt und gleichzeitig mit umlaufendem befestigtem Rahmen genügend Raum für flexible Nutzungsoptionen sämtlicher Anlieger bildet. Darüber hinaus tritt diese Gestaltung in einen guten Dialog zur neuen Bibliothek mit Bürgerturm. Der Spitalhof als Ort, an dem man gerne ein Buch liest, Freunde trifft und über Stellplätze nur sinniert.
Lageplan Planungsphase 2

Lageplan Planungsphase 2

Schnitt und Aufsicht SpitalHofGarten

Schnitt und Aufsicht SpitalHofGarten

Schnitt und Aufsicht Johann-Phillip-Palm-Straße

Schnitt und Aufsicht Johann-Phillip-Palm-Straße