modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Offener Wettbewerb | 11/2019

Neugestaltung des Hegelplatzes in Berlin Mitte

Anerkennung

Preisgeld: 2.950 EUR

KOKOMO Landschaft und Stadtraum

Landschaftsarchitektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser*innen haben zum Ausgangspunkt, dass gegenw√§rtig auffallend unterschiedliche Anforderungen an √∂ffentliche urbane R√§ume gestellt werden. Diese Gegens√§tze bilden die Basis, um auf einer Metaebene ein sehr intellektuelles Konzept zu entwickeln. Dieser Mut zum Experiment wird explizit gew√ľrdigt und begr√ľ√üt.

Der Hegelplatz wird in einer sogenannte These als Archetyp des mineralischen urbanen Stadtplatzes in der historischen Dorotheenstadt begriffen.
Als Antithese hingegen soll der Hegelplatz Zukunftsort werden, der als urbaner Raum höchste stadtökologische Wertigkeit besitzt und dabei größtmögliche Diversität generiert.
Durch Überlagerung dieser beiden entsteht die sogenannte Synthese, der urbane Hain, der urbane Vegetation und Nutzungsmöglichkeiten vereint.
Insgesamt entsteht so ein hybrider multifunktionaler Raum, der der heterogenen heutigen Stadtgesellschaft Rechnung tragen soll.
Als Konzept und erstes Bild funktioniert dieses System hervorragend. Als landschaftsarchitektonischer Entwurf zeigen sich dagegen gr√∂√üere Schw√§chen. Ist die Dreiteilung des gesamtes Raumes - in Gr√ľn, Aktivrahmen und freier Platz ‚Äď noch gegl√ľckt, zeigt die Betrachtung der einzelnen Bereiche gr√∂√üere Schw√§chen.
Auch wenn die √úberlagerung zentrales Thema ist, scheint die Pflanzenverwendung sehr unentschieden: gleiche B√§ume finden sich im √Ėkotop und urbanen Hain.
Das √Ėkotop, das mit Baum, Strauch, Kraut werden soll und sicherlich die Biomasse erheblich erh√∂hen w√ľrde, stellt sich in den Visualisierungen mehr als gepflegter Schattengarten (mit Anmutung an Friedhofpflanzungen) denn als urbane Wildnis dar. Das Versprechen, ein √Ėkotop nach Vorbild des Waldes anzubieten, wird hier nicht eingel√∂st.
Geschickt ist hier der umfassende aufgeständerte Rahmen gewählt, das Wasser kann einfachst unten durchfließen.
Durch Sitzhöhe mit punktuellen Holzauflagen ist zudem durchweg eine Bespielung = Besetzung möglich.
Streitbar bleibt aber die Grundthese, die Antithese, das Gr√ľn.
Einerseits besteht die Hoffnung, dass die immer mehr umweltbewusste Jugend den ideologischen Ansatz versteht und das √Ėkotop behutsam und schonend behandeln wird.
Anderseits ist zu bef√ľrchten, dass an einem solch hoch frequentierten Ort mit viel Littering das √Ėkotop sukzessive verm√ľllt wird.
So steht in der Diskussion der Vision√§r dem Realisten entgegen. Szenarien, dass gerade die Humboldt Universit√§t Patenschaften f√ľr dieses Experiment √ľbernehmen k√∂nnten, werden auch misstraut.
Der Rahmen l√∂st sich in der √úberlagerung, dem Stadthain, auf und generiert subtil eine Familie von Ausstattungsger√§ten, die klassisch hergeleitet ist und dann vielfach transformiert wird. Objekte f√ľr Tischtennis, Sitzpl√§tze, B√§nke und Tische werden so angeboten.
Positiv ist zu werten, dass der gesamte Platz barrierefrei ist.
Leider erheblich √ľber den Kostenrahmen durch die gro√üfl√§chige Verwendung von Naturstein und dem erheblichen Erdaustausch im √Ėkotop.
Als Fehlentscheidung wird die fehlende Bespielung ‚Äď ggf. auch tempor√§r - des √∂stlichen offenen Platzbereichs gewertet.
Aber bzgl. Offen- und Geschlossenheit provoziert die Arbeit auch an anderen Stellen.
So wird kontrovers diskutiert ob das Hegeldenkmal durch die umschließende Offenheit gerade angemessen präsentiert wird oder unangemessen vogelfrei wirkt.
Grunds√§tzlich wird die funktionale Verteilung von offenen und geschlossenen R√§umen als falsch bewertet. Wo viel Platz f√ľr die zahlreichen Studierenden n√∂tig w√§re, wird zus√§tzliche Enge erzeugt. Auf der √∂stlichen Seite, auf der sich wenige aufhalten √ľberwiegt dagegen die Leere.
So kann man im √Ėkotop nichts machen, auf dem offenen Platz wird nichts angeboten.
Insgesamt ein faszinierendes Konzept, das auf den ersten Blick fasziniert und besticht. Und vor allem sehr streitbar ist.
Auf dem zweiten detaillierten, landschaftsarchitektonischen und nutzerorientierten Blick besteht das konzipierte Versprechen aber leider nicht.
Aber vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif.