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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2024

Neugestaltung Dorfmitte mit Rathaus in Schweitenkirchen

Perspektive
4

Perspektive

3. Preis

Preisgeld: 10.400 EUR

Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten und Stadtplaner PartGmbB

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

adlerolesch GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Die bestehende Bebauung im Westen und der alte Baumbestand entlang der Hangkante im Norden mit der Kirche sowie die geplante Neubebauung im Osten und Süden des Umgriffs bilden klare, geschlossene Raumkanten um die „Neue Ortsmitte Schweitenkirchens“. Diese präsentiert sich als offene, barrierefreie Platzfläche die sich vor dem erstreckt und multifunktional nutzbar ist. Auch für kleinere Veranstaltungen und Märkte. An der Einmündung der Dr.-Hans Eisenmann-Straße in die Hauptstraße bietet ein prägender Solitärbaum (z. B. eine „Dorflinde“) mit Rundbank im Sommer Schatten und schafft einen Treffpunkt der Begegnung und des Verweilens. Ein Fontänenfeld erfrischt an heißen Tagen spielende Kinder und trägt durch Verdunstung zur Kühlung des Platzes bei. Die Rückhaltung und Nutzung von Dachwasser wären hierbei denkbar. Wichtige Blickbeziehungen, insbesondere zur gegenüberliegenden Kirche St. Johannes der Täufer, werden gewahrt und stärken das Verständnis des Ortes als historische Mitte. Für Veranstaltungen sind entsprechende Unterflursysteme zur Versorgung vorgesehen. Die Beleuchtung des Platzes erfolgt in den Randbereichen dezent durch LED-Leuchtstelen mit Nachtabsenkung. Auf zusätzliche Ausstattung wird zugunsten eines multifunktionalen Platzes verzichtet. Der Platz wird im Bereich vor dem Rathaus mit hochwertigen Betonsteinplatten mit offener Fuge belegt, die sich über die Dr.-Hans-Eisenmann-Straße erstrecken und die westlichen Gebäude einbinden. Dabei wird die Straße selbst mit Betonsteinplatten in gebundener Bauweise ausgestattet. Die Farbgebung in drei changierenden Rottönen wird passend zum bestehenden Pflaster der angrenzenden Gehwege an der Hauptstraße gewählt. Oberflächenwasser wird über Schlitzrinnen abgeleitet und dem Solitärbaum unterirdisch zugeführt. Die südlichen Bereiche zur Erschließung der neuen Wohnbebauung werden in kleineren Formaten ausgeführt. Die Verwendung eines versickerungsfähigen Klimasteinsystems lässt sich hier ebenfalls gut umsetzen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Durch die vorgeschlagene städtebauliche Setzung der Baukörper entsteht eine gefasste attraktive Platzfläche die sich zum Ortszentrum hin einladend öffnet.
Alle wichtigen Gebäudezusammenhänge liegen direkt an der Platzfläche.
Die Besucherstellplätze sind von der Staatsstraße gut einsehbar und anfahrbar.
Die angenehm breite TG-Zufahrt ist gut situiert.

Der städtebauliche Ideenteil bietet einen gut nutzbaren Wohnbaukörper, der sich lärmabgeschirmt in einen angenehmen grünen Gartenbereich orientiert.
Die beiden klar und gut proportionierten Satteldachbaukörper von Rathaus und Geschäftsgebäude überzeugen auch durch ihre sympathische Hüll-Flächen-Materialität mit Ziegeldeckung und dem hell geschlemmten Ziegelmauerwerk der Fassaden.

Diese Einheitlichkeit der Gebäude mit ihren auf gleicher Höhe durchlaufenden Traufhöhen erschwert jedoch eine eindeutige optische Identifizierung des bedeutenderen Rathauses.
Beide Gebäude weisen klare und funktionelle Grundrissstrukturen auf, die eine hohe Flexibilität in ihrer Nutzbarkeit ermöglichen. Die vorgeschlagene Dreibündigkeit mit dem innenliegenden Kern erlaubt die maximale und attraktive Nutzung der befensterten Fassadenflächen für die Büroraumnutzungen.

Der Dorfplatz wirkt gut proportioniert und hat eine angemessene Größe. Zu schwach wirkt auf dem Platz jedoch die Pflanzung nur eines einzelnen Baums welcher stadträumlich in den ersten Jahren wenig wirksam bleibt. Das Angebot von Freiraummobiliar zum Verweilen auf dem Platz außerhalb der Geschäftszeiten wird vermisst. Der Umgang mit dem aus dem natürlichen Geländeverlauf resultierenden Höhensprung zwischen der Platzfläche und dem Straßenraum der Dr. Hans- Eisenmann-Str. ist planerisch nicht gelöst. Das Potential, eine Überdachung der Bushaltestelle an der Stirnseite des Rathausgebäudes aus dem Baukörper des Rathauses zu entwickeln wird nicht ausgeschöpft. Die Lage der Parkplätze im Osten schafft kurze Wege zum Geschäftshaus. Die periphere Lage der Stellflächen bringt jedoch mit sich, dass parkende Besucher und insbesondere körperlich beeinträchtigte Personen einen relativ weiten Weg zum Rathaus haben. Am Übergang der öffentlichen Gebäude im Norden zum Wohnen erfolgt ein abrupter Wechsel von öffentlichen zu privat gewidmeten Freiflächen. Eine stärkere Artikulation der Eingangssituation des Wohngebäudes im Freiraum wäre wünschenswert gewesen. Insgesamt lässt die Arbeit Aussagen zur zeitgemäßen Gestaltung der Freianlagen im Hinblick auf Wasserrückhalt, Reduktion der Versiegelung, sowie der Verbesserung des Kleinklimas durch Vegetation vermissen.

Das Eingangsgeschoss des Rathauses überzeugt durch das großzügige Foyer und der Lage aller wichtigen Hauptanlaufstellen (Bürger-Service-Funktionen) auf kurzem Wege. Der im 1. OG liegende und nach oben raumhaltig ins Dach laufende Sitzungssaal mit seiner vorgeschlagenen Innenraumbekleidung aus Eichenholz, lässt ein beeindruckendes Raumerlebnis erwarten.
Das öffentliche WC im EG sollte besser an der Südfassade des Geschäftshauses integriert werden.
Die Barrierefreiheit ist durchgängig gegeben.

Zu den Themen Bauordnung und Brandschutz werden keine Probleme gesehen.
Die angebotenen, durchgängig klaren Gefügestrukturen der kompakten Gebäude unterstützen eine gute Wirtschaftlichkeit bei einer Realisierung.
Lageplan 500

Lageplan 500

Plan 1

Plan 1

Plan 2

Plan 2