Offener Wettbewerb | 07/2024
Neugestaltung Europaplatz in Mannheim
5
Blick zum Planetarium
©helleckes landschaftsarchitektur
ein 1. Preis
Preisgeld: 12.500 EUR
helleckes landschaftsarchitektur
Landschaftsarchitektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Leander Neuhaus, Michaela Uhl, Marlene ReinmĂŒller, Maret Stoll, Molly Meyer
ErlÀuterungstext
Konzeptidee
Offene Mitte - Kaltluftentstehung - Vegetation
Die Grundanlage der offenen Mitte mit dem raumprĂ€genden Rahmen aus groĂkronigen Platanen soll in ihrer Lesbarkeit und in ihrer Aufgabe Kaltluft zu produzieren und abzufĂŒhren gestĂ€rkt werden. Dieser einheitliche Rahmen wird an den RĂ€ndern von neuen SolitĂ€rbĂ€umen umspielt, deren Artenvielfalt in Zukunft noch weiter angereichert wird. Die GrĂŒnflĂ€chen nördlich und sĂŒdlich der Wilhelm-Varnholt-Allee werden als artenreiche WiesenflĂ€chen entwickelt. Die Eiben am Rande des Ovals bleiben als Fragmente erhalten und bekommen einen kompakten Formschnitt.
Schon heute ist der Europaplatz ein besonderes Merkzeichen im Orientierungssystem der Stadt Mannheim. Durch eine skulpturale Bearbeitung der vorhandenen Topographie soll er in seiner reprĂ€sentativen Bedeutung als Stadteingang gestĂ€rkt werden. Seine Ausformung als Wiese mit zeitgenössischen Staudenmischpflanzungen setzt dabei ein sichtbares Zukunftszeichen fĂŒr eine resiliente GrĂŒnflĂ€chenbewirtschaftung.
Sternenguckerwiese (Plateau am Planetarium)
Das markante GebÀude des Planetariums an der Stirnseite des eleganten Platzovals ist baulicher Schwerpunkt und Blickfang. Es stellt ein retardierendes Moment zwischen Autobahn und Friedrichsplatz dar. Mit dieser Setzung gelang es in den 80er Jahren, die Achse der 30er Jahre neu zu deuten und dem Platz mehr stadtrÀumliches Gewicht zu verleihen.
Im Konzept wird dies aufgegriffen und mittels einer skulpturalen Geste die PrĂ€senz des Ortes herausgearbeitet und gestĂ€rkt. Durch eine scheibenartige Anhebung des Plateaus wird die achsensymmetrische Anlage skulptural ĂŒberhöht. Lange Sitzgelegenheiten und blockhafte niedrige Strauchpflanzungen schirmen den GebĂ€udesockel und die technischen Anlagen ab und lassen gleichzeitig Raum zum Beobachten. Ăber das Plateau verteilte Sitzsterne bieten Platz zum Verweilen und verweisen subtil auf Planetarium und Europaflagge ;-) Die sichelförmige StĂŒtzmauer aus Stampflehm kann sich zum Habitat fĂŒr Insekten entwickeln. Der schichtenweise Aufbau der Kante lĂ€sst nochmals das âHerausschiebenâ aus der Bodenschicht ablesen. Zwei Treppen fĂŒhren nach unten in âMannheims bunte Stadtnaturâ.
Im Konzept wird dies aufgegriffen und mittels einer skulpturalen Geste die PrĂ€senz des Ortes herausgearbeitet und gestĂ€rkt. Durch eine scheibenartige Anhebung des Plateaus wird die achsensymmetrische Anlage skulptural ĂŒberhöht. Lange Sitzgelegenheiten und blockhafte niedrige Strauchpflanzungen schirmen den GebĂ€udesockel und die technischen Anlagen ab und lassen gleichzeitig Raum zum Beobachten. Ăber das Plateau verteilte Sitzsterne bieten Platz zum Verweilen und verweisen subtil auf Planetarium und Europaflagge ;-) Die sichelförmige StĂŒtzmauer aus Stampflehm kann sich zum Habitat fĂŒr Insekten entwickeln. Der schichtenweise Aufbau der Kante lĂ€sst nochmals das âHerausschiebenâ aus der Bodenschicht ablesen. Zwei Treppen fĂŒhren nach unten in âMannheims bunte Stadtnaturâ.
Mannheims bunte Stadtnatur (vorgelagerte WiesenflÀche mit Mischpflanzungen)
Die vor der âSichelâ liegende WiesenflĂ€che wird mit zeitgemĂ€Ăen Staudenmischpflanzungen in Szene gesetzt. Diese werden extensiv gepflegt und in der Regel einmal jĂ€hrlich im SpĂ€twinter gemĂ€ht. Dem Standort entsprechend sollen hier vor allem trockenheitstolerante PrĂ€riemischpflanzungen, Steppenpflanzungen und MischgrasprĂ€rien in unterschiedlichen Feldern etabliert werden. Die FlĂ€che wird an den RĂ€ndern abgesenkt (Erdmassenausgleich Sichelskulptur). Eine Mulde nimmt mögliches Sickerwasser auf. Die offene Mitte ist allseits einsehbar und wird nur in den kĂŒrzer gehaltenen ZwischenrĂ€umen fĂŒr Himmelsbetrachtungen betreten. Im FrĂŒhling, wenn die StaudenmischflĂ€chen noch vorwiegend durch Geophyten geprĂ€gt sind, bietet die Wildblumenwiese einen ersten BlĂŒhaspekt, bevor sie ab Ende Mai regelmĂ€Ăig gemĂ€ht wird. So prĂ€sentiert sich âMannheims bunte Stadtnaturâ von der ZufahrtsstraĂe aus abwechslungsreich und im Jahreszeitenwechsel immer wieder neu. Der Europaplatz stellt damit das zeittypische Pendant zum von Schmuckpflanzungen geprĂ€gten Friedrichsplatz dar.
NatĂŒrliches nachhaltiges Regenmanagement
Die GrĂŒnflĂ€che kann dauerhaft Regenwasser aufnehmen, speichern, versickern und verdunsten. Im Zuge der Sanierung der Wilhelm-Varnholt-Allee wird zusĂ€tzlich das OberflĂ€chenwasser der StraĂe primĂ€r ĂŒber eine Versickerungsmulde im Rasenbankett versickert oder bei Starkregenereignissen bis zum abgesenkten Randbereich der artenreichen StaudenmischflĂ€chen gefĂŒhrt.
Offene Mitte - Kaltluftentstehung - Vegetation
Die Grundanlage der offenen Mitte mit dem raumprĂ€genden Rahmen aus groĂkronigen Platanen soll in ihrer Lesbarkeit und in ihrer Aufgabe Kaltluft zu produzieren und abzufĂŒhren gestĂ€rkt werden. Dieser einheitliche Rahmen wird an den RĂ€ndern von neuen SolitĂ€rbĂ€umen umspielt, deren Artenvielfalt in Zukunft noch weiter angereichert wird. Die GrĂŒnflĂ€chen nördlich und sĂŒdlich der Wilhelm-Varnholt-Allee werden als artenreiche WiesenflĂ€chen entwickelt. Die Eiben am Rande des Ovals bleiben als Fragmente erhalten und bekommen einen kompakten Formschnitt.
Treffpunkt Planetarium
Am Vorplatz des Planetariums werden die Wegebeziehungen vereinfacht, die Versiegelung reduziert und die Raumbildung gestĂ€rkt. Das Unterholz wird zugunsten der Wahrnehmbarkeit des Planetariums aus Richtung Augustaanlage entfernt. Die Vorfahrt mit seitlichen MitarbeiterstellplĂ€tzen bleibt erhalten, wird aber neu strukturiert. Es entsteht ein gastronomischer Freisitz und eine verbesserte AufenthaltsqualitĂ€t auch fĂŒr Gruppen! Neben der Anlieferung und der Feuerwehrzufahrt wird ein temporĂ€rer Halt fĂŒr Reisebusse möglich.
VerknĂŒpfung Umfeld
Das Rad- und FuĂwege-System wird in die GrĂŒnflĂ€chen eingebunden und verbessert so die QualitĂ€t auf dem Weg durch die Stadt. Damit haben auch SitzbĂ€nke entlang der Wege einen angenehmen Abstand zur stark befahrenen StraĂe und laden zum spontanen Verweilen in Schatten oder Sonne ein. Eine kleine Platzsituation an der Bus-, Taxi- und Bahn-Haltestelle wertet das Ankommen am Europaplatz zusĂ€tzlich auf.
Historischer Kontext und europÀischer Gedanke
Die bereits in der Nachkriegszeit begonnene Wandlung der monumentalen Achse der 30er Jahre zu einem zukunftsgerichteten Stadtboulevard wird konsequent weitergefĂŒhrt. Dem europĂ€ischen Gedanken soll durch eine weltoffene, heitere Inszenierung des Stadteingangs entsprochen werden. Mannheim begrĂŒĂt seine GĂ€ste! Bis auf die Sitzsterne wird von einer weiteren symbolhaften emblematischen Befrachtung des so einzigartigen und eleganten Stadtraumes mit zusĂ€tzlichen Elementen abgesehen und den vorhandenen Skulpturen und DenkmĂ€lern als ReprĂ€sentanten verschiedener Zeitschichten der gebĂŒhrende Raum gelassen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Offenheit ist das prĂ€gende Merkmal des Entwurfs. Eine hĂŒfthohe Sternguckerwiese, bestehend aus einer Stampflehmaufkantung, sĂ€umt ostseitig das Planetarium, wĂ€hrend die restliche FlĂ€che mit einer zeitgenössischen Staudenmischpflanzung (die sogenannte âMannheims bunte Stadtnaturâ) bepflanzt ist. Die restlichen RĂ€nder des Europaplatzes werden durch wenige geschwungene Wege und 13 neue BĂ€ume ergĂ€nzt. Der minimalistische Ansatz ermöglicht es, die Offenheit der Anlage als Visitenkarte in ihrer GroĂzĂŒgigkeit zu bewahren. Dies bringt erhebliche Vorteile fĂŒr die Frischluftschneise als klimakĂŒhlende MaĂnahme. Der FuĂ- und Fahrradweg entlang der Wilhelm-Varholt-Allee wurde leicht nach SĂŒden verlegt. Die bestehenden Eiben, die in Form geschnitten werden sollen, bleiben bestehen, allerdings ohne weitere ErgĂ€nzungen und schaffen so eine bruchhafte Anmutung.
Ăberzeugend ist die Sternguckerwiese, insbesondere ihre Einfassung und der Umgang mit der leicht erhöhten Topographie. Diese Geste schafft einen raffinierten Dialog mit dem Friedrichsplatz. Im Bereich der Sternguckerwiese befinden sich Sitzstern-Möbel und lange BĂ€nke, die zum Verweilen einladen und den RĂŒcken des Planetariums stĂ€rken. Der angrenzende AuĂengastronomiebereich wird begrĂŒĂt, jedoch wird aus Sicht der Nutzer der Zulieferungsbereich des Planetariums dadurch erheblich eingeschrĂ€nkt.
Zwei wesentliche Aspekte des Entwurfs wurden sehr kontrovers diskutiert. Einerseits fehlen jegliche inklusive ErschlieĂungsmöglichkeiten fĂŒr die Sternguckerwiese und âMannheims bunte Stadtnaturâ. Dies fĂŒhrt zu erheblichen NutzungseinschrĂ€nkungen und wird kritisch bewertet. Der zweite Aspekt betrifft die Gestaltung der âMannheims bunten Stadtnaturâ. Die Entwicklung einer klaren, ablesbaren Wiesenstruktur aus der ersten Phase des Wettbewerbs wurde in beliebige und rĂ€umlich bedingt nachvollziehbare Inseln umformuliert. Einerseits sind die Vorteile fĂŒr die Etablierung unterschiedlicher Wiesenarten anhand der unterschiedlichen Inseln vorteilhaft, andererseits verliert die ursprĂŒngliche Idee an Kraft und Klarheit. Insbesondere die Pflege der unterschiedlichen MaĂe und die Unterhaltung der Wiesenarten sind Grundvoraussetzungen fĂŒr den Erfolg des Projekts. Unter dieser Voraussetzung bietet das Projekt eine sinnvolle StĂ€rkung des Planetariums und einen ökologischen Mehrwert fĂŒr die Stadt Mannheim.
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