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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026

Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe in Darmstadt

Informationszentrum als Grünes Foyer auf der Waldlichtung.
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Informationszentrum als Grünes Foyer auf der Waldlichtung.

Anerkennung

Preisgeld: 7.500 EUR

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

GESAMTKONZEPT – GRADUELLER ÜBERGANG VON WÄLDCHEN ZU PLATZ

Im Rahmen der denkmalgerechten Aufwertung der UNESCO Welterbestätte Mathildenhöhe Darmstadt soll der Osthang zusammen mit dem neu geplanten Informationszentrum zu einem zentralen Anlaufpunkt für Besucher:innen ausgebaut werden und das Besuchererlebnis steigern. Im Zusammenspiel mit dem rekonstruierten Ateliergarten entsteht ein wichtiges Freiraumscharnier am östlichen Rand der Mathildenhöhe, welches sich über einen zeitgemäßen landschaftlichen Gestaltungsansatz sensibel in den UNESCO-Welterbekontext einbindet. Das einladende Waldfoyer greift den Charakter des vorhandenen Wäldchens auf und transformiert es in eine durchgrünte Platzfläche. Das pavillonartige Besucherzentrum präsentiert sich als Solitär auf der Waldlichtung, umspielt vom grünen Platzteppich, der für einen graduellen Übergang zwischen gebauter Umgebung und Landschaft sorgt.

Es entsteht somit ein Hybrid aus Platz, Garten und Hain – ein grünes Waldfoyer. Es wird bewusst auf eine weiche, fließende Formensprache gesetzt, die sich klar von der Orthogonalität und Geometrie der historischen Baukörper löst und den verwunschenen Charakter des vorhandenen Wäldchens aufgreift.

PLATZFLÄCHE – GRÜNES FOYER MIT INFORMATIONSZENTRUM ALS LICHTUNG IM WALD

Die Platzfläche wird von sanft modellierten Vegetationsinseln gerahmt, die dem Ort einen stimmungsvollen, gartenhaften Charakter verleihen. Extensive Wieseneinsaaten prägen die Hügelkuppen und pflegeleichte Staudenmischpflanzungen für wechselfeuchte Standortbedingungen die Senken. Die Vegetationsinseln auf dem Platz sind sorgfältig ausgerichtet, um den Oberflächenabfluss zu drosseln und die Regenrückhaltung zu stärken. Das lokale Mikroklima wird durch die Verdunstungskühlung wesentlich verbessert. Die amorphen Vegetationsinseln auf dem Vorplatz mit ihren gärtnerischen Akzenten gehen sanft in eine naturnahe Bepflanzung im rückwärtigen Wäldchen über, die mit minimalem Pflegeaufwand auskommt. Die befestigten Platzflächen reduzieren sich im östlichen Wäldchen zu einem feingliedrigen Wegesystem, welches öffentliche Durchwegungen bis zum Fiedlerweg und über den Hochschulcampus bis zum Hoetgerweg anbietet.

Der Platz wird als sanft geneigte Fläche mit einem Steigungsverhältnis zwischen 3,5% und 4,5% ausgebildet. Die Besucher:innen schreiten auf subtile Art hinab hinunter zum Entree des neuen Informationszentrums, die Orientierung wird signifikant verbessert. Der unmittelbare Vorbereich vor dem Entree erhält eine breite Linienentwässerung über die gesamte Gebäudefront. Der Bodenbelag aus hochwertigem und dauerhaftem Natursteinpflaster im Passe-Verband unterstreicht den nachhaltigen Gestaltungsansatz. Die Flächenversiegelung wird so gering wie möglich gehalten. In den weniger frequentierten Gartennischen in den Randbereichen überwiegen durchlässige Bodenbeläge mit Rasenfugen oder Kiesflächen. Geschwungene Sitzelemente mit Holzauflage folgen der fließenden Formensprache und schaffen in den Gartennischen an den Rändern attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten für unterschiedlich große Besuchergruppen. An zentraler Stelle, in einer Intarsie aus Kies, schafft ein monolithisches Wasserbecken einen visuellen Fokuspunkt.

Der baumbestandene Charakter des Osthangs wird erhalten, jedoch im Bereich des Platzes gezielt ausgelichtet, um wichtige Blickbeziehungen wie auf den Hochzeitsturm zu ermöglichen und die Präsenz des Informationszentrums zu stärken. Der Baumbestand wir um robuste, klimaangepasste Baumarten ergänzt. Der schattige Charakter des Wäldchens wird beibehalten und sorgt für einen interessanten Kontrast zu den sonnenexponierten Freiflächen auf der Westseite der Mathildenhöhe.

Der zentrale Bereich des Olbrichwegs wird als verkehrsberuhigte Mischverkehrsfläche ausgebildet um das Informationszentrum enger an die Welterbestätten anzubinden. Die niveaugleiche Querung erlaubt eine barrierefreie Querung, der durchgehende Pflasterbelag sorgt für eine gestalterische Kontinuität. Funktionale Anforderungen wie 3 barrierefreie Stellplätze für PKW und 30 Fahrradstellplätze werden in direkter Gebäudenähe nördlich und südlich des Baukörpers angeordnet, ohne die Besucherströme wesentlich zu stören. Ausreichend breite Bewegungsflächen für die Anlieferung werden ebenfalls berücksichtigt.

Die ehemaligen Stellplatzflächen am Olbrichweg nordwestlich der Hochschule Darmstadt führen das gestalterische Thema fort und werden zum stimmungsvollen Campusgarten, einem ruhigen Rückzugsort für Studierende und Passanten. Ein kleiner Kiosk ergänzt das Ausstattungsangebot.

WIEDERBELEBUNG DES ATELIERGARTENS

Der Ateliergarten bildet zusammen mit dem Ateliergebäude eine architektonische Einheit und ist das letzte erhaltene Relikt der ursprünglich angelegten Miethäusergruppe nach Entwürfen von Albin Müller. Die denkmalgerechte Rekonstruktion der Gartenanlage nach historischem Vorbild lässt die ästhetische Qualität wieder spürbar werden. Die obere Ebene bildet mit ihrer geometrisch orthogonalen Formgebung eine architektonische Einheit mit dem angrenzenden Atelierhaus. Die akzentuierenden Elemente wie Umfassungsmauern und die weiße Holzpergola werden als erkennbare Elemente herausgearbeitet. Die derzeit stark eingebaute Terrasse wird entsprechend ihrer ursprünglichen Funktion baulich freigestellt und zum visuell sichtbaren Zeichen dieser prägenden Zeitschicht.

Die südlich vorgelagerte Gartenterrasse, als Teil des ursprünglichen Gesamtensembles, schafft einen direkten Bezug zum Platz und Foyer des Informationszentrums. Die Kiesfläche mit flexibler Möblierung schafft attraktive Aufenthalts- und Picknickbereiche abseits der Hauptbesucherströme unter dem schattigen Blätterdach der Bäume. An der Ostseite des Gartens wird ein neuer barrierearmer Zugang mit direkter Anbindung an das Informationszentrum geschaffen und somit beide Einrichtungen eng miteinander verzahnt. Der Erhalt des prägnanten Baumbestands wird bei dem Verlauf der Rampenführung berücksichtigt.

WÄLDCHEN ALS NATURERFAHRUNGSRAUM

Das Waldfoyer mit dem durchgrünten Vorplatz westlich des Informationszentrums geht auf der Ostseite nahtlos in das dichte Wäldchen über, das bisher den Osthang der Mathildenhöhe entscheidend mitprägt. Die Transformation zu einer naturnah gestalteten Parkanlage wahrt den stimmungsvollen Charakter des schattigen Wäldchens und wird nur behutsam erschlossen. Ruhe und Naturerfahrung stehen hier im Vordergrund. Schmale mäandrierende Wege verdichten sich zu einer direkten Wegeanbindung an den Fiedlerweg. Ein gartenartiger Übergangsbereich mit einer durchgehenden Kiesfläche und Aufenthalts- und Spielbereichen schafft eine gestaltete Übergangszone. Kleine, dezentral verteilte Spielstationen mit natürlichen Materialien integrieren sich wie selbstverständlich in die naturnahe Umgebung. Es entsteht ein Ort, der alle Sinne anspricht.

Die Eingriffe in die vorhandene Waldstruktur werden möglichst geringgehalten, erlauben aber eine punktuelle Erschließung mit schattigen Aufenthaltsbereichen und eine intensive Naturerfahrung. Die Wegestruktur passt sich an die Geländebeschaffenheit an und berücksichtigt die topografischen Besonderheiten, so dass die Waldvegetation nur wenig beeinträchtigt wird. Steingärten und Totholz entlang der Wege reduzieren den Oberflächenabfluss, halten Regenwasser vor Ort und bieten gleichzeitig einen vielfältigen natürlichen Lebensraum für Fledermäuse, Vögel und Reptilien.

FAZIT

Das Waldfoyer fügt sich mit seiner landschaftlichen Formensprache harmonisch in seine Umgebung ein und schafft zusammen mit dem neuen Informationszentrum ein starkes, neues Narrativ für den bisher vernachlässigten Osthang auf der Mathildenhöhe.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf greift den historischen Landschaftspark auf und erinnert so an den Ursprung der Mathildenhöhe. Die Formensprache ist organisch, mäandrierend und spielerisch. Die Aufgabenstellung, einen Vorplatz zu gestalten, der viel Platz auch für größere Gruppen vorsieht, ist erfüllt und eine gute Beschattungssituation wird durch die Pflanzinseln und insbesondere den geplanten Baumerhalt der großen Bestandsrobinie gewährleistet. Der Kiosk auf dem Nordplateau im Ideenteil greift die historischen Kioske Darmstadts auf und ermöglicht eine Identifikation der Bürgerinnen mit diesem Ort.

Das Informationszentrum liegt auf einer Pflasterinsel im Park. Hierdurch liegt das Gebäude nicht direkt im Park und vom Innenraum sind die Pflanzen nur mit Distanz erlebbar. Das kleine Wasserbecken ist ein bereicherndes Element und gut platziert. Es fehlt ein Trinkbrunnenelement. Die Gesamtgestalt ist zwar konsequent, aber die Formensprache wird kritisiert, u.a. wirken die Randlinien teilweise willkürlich. Die städtebauliche Kante in der Kurve des Olbrichwegs ist nicht ausreichend definiert, die Mäander im Waldbereich zu kleinteilig.

Der kleine Sitzplatz unterhalb des Ateliergartens ermöglicht den nahen Aufenthalt am Ateliergarten. Dennoch wird dies nicht positiv bewertet, da hierdurch zu sehr vom Ateliergarten abgelenkt wird. Die bestehende Treppe des Ateliergartens wird aufrechterhalten, eine barrierefreie Zuwegung wird ermöglicht, allerdings auf Kosten der Gestaltung dieses Parkbereiches.

Die kleineren Sitzinseln bieten eine Aufenthaltsvielfalt, die trotz der Größe des Platzes geschützte Sitzbereiche entstehen lässt. Die Materialen sind durch Kleinpflaster und wassergebundene Wegeflächen den historischen Materialien entsprechen, aber sehr Unterhaltungsintensiv. Im Waldbereich werden interessante Biodiversitätsangebote gemacht, außerdem gibt es Raum für informelles Spiel, welches sinnvoll in der Nähe der Caféfenster angeordnet ist.

Der Platz kann auch gut bei geschlossenem Infozentrum gut genutzt werden und ist für alle Nutzgruppen gut geeignet. Die Besucherströme werden aus allen Richtungen gut aufgenommen und geleitet. Nur vom Olbrichweg kommend wird die straßennahe Durchgängigkeit durch eine neue Pflanzinsel unterbrochen; hier würde eine Durchgängigkeit bevorzugt werden. Der Park wird separat erschlossen. Die Pflanzinsel in der Hauptwegeverbindung zwischen Ausstellungshalle und Informationszentrum wird als störend empfunden. Die Gefälle werden ohne Stufen überbrückt, es wird rein mit Neigungen gearbeitet. Dadurch entsteht die schwellenfreie Ausgestaltung des Platzes. Die verkehrsberuhigte Zone wird intensiv als Mischverkehrsfläche ausgebildet und stellt so eine gute Verbindung her.

Durch die gewählten Materialien kann Regenwasser auf großen Flächen versickern und wird von den Pflanzinseln aufgenommen. Die Pflanzinseln werden auch als Retentionsflächen geplant. Zur Sicherheit gegen Starkregen ist eine Entwässerungsrinne dem Gebäude vorgeschaltet (linear, parallel zur Gebäudekante).

Der Baumbestand wird gut berücksichtigt da alle sehr erhaltenswerten Bäume auch erhalten bleiben. Insgesamt entfallen jedoch trotzdem 1/5 der Bäume.

Insgesamt kann die Arbeit in seiner Gesamtheit nicht überzeugen.
Lageplan

Lageplan

Freiflächenlageplan

Freiflächenlageplan

Detail

Detail

Das verwunschene Wäldchen auf dem Osthang mit graduellem Übergang zum platzartigen Waldfoyer.

Das verwunschene Wäldchen auf dem Osthang mit graduellem Übergang zum platzartigen Waldfoyer.

Schnitt

Schnitt