Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026
Neugestaltung Freiflächen am Informationszentrum Mathildenhöhe in Darmstadt
©capattistaubach
Mathildenhöhe Entry zoa studio
ein 1. Preis
Preisgeld: 24.500 EUR
capattistaubach urbane landschaften
Landschaftsarchitektur
-
Verfasser:
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Mitarbeitende:
Suzan Schwaner, Gissell Sanchez, Michael Desmond, Radhames Rodriguez, Sara Bjerregaard Riahi
Erläuterungstext
Der Osthang der Mathildenhöhe ist Teil der denkmalgeschützten Gesamtanlage und bildet den Übergang zwischen dem architektonisch gefassten Ensemble der Mathildenhöhe und dem landschaftlichen Osthang. Mit dem Neubau des Informationszentrums entsteht hier ein neuer Ankunfts- und Vermittlungsort innerhalb der UNESCO-Welterbestätte. Der Entwurf reagiert auf diese besondere Lage, indem Ideenteil und Realisierungsteil als zusammenhängendes Freiraumgefüge verstanden werden: ein Gesamtbild, in dem die unterschiedlichen räumlichen Charaktere klar lesbar bleiben und der Realisierungsteil als präzise gesetzter Ausschnitt in eine übergeordnete Einbindung eingebettet ist.
Ziel des Entwurfs ist die qualitätsvolle Neuordnung des Freiraums am Osthang als Ankunfts- und Parkraum im unmittelbaren Umfeld der Welterbestätte Mathildenhöhe. Der Freiraum soll das Informationszentrum selbstverständlich in den Kontext der Mathildenhöhe einbinden, die Beziehung zum Platanenhain stärken und zugleich als öffentlicher Grünraum für Besucher*innen und Hochschule gleichermaßen funktionieren. Im Mittelpunkt stehen dabei eine hohe Orientierung und Lesbarkeit der Ankunft- und Wegebeziehungen, eine robuste Aufenthaltsqualität mit Nutzungsoffenheit im Alltag und zu besonderen Anlässen, eine zurückhaltende, ortsangemessene Weiterentwicklung des sensiblen Umfelds sowie eine konsequente Klima- und Wasserresilienz als zentrale Leistungsanforderung des Freiraums.
Die Einbindung in den stadträumlichen und landschaftlichen Kontext erfolgt über eine klare, verkehrsberuhigte Erschließungsfigur, die die historischen Wegebeziehungen und Achsen aufnimmt und im heutigen Stadtraum wieder lesbar macht. Der Olbrichweg wird ab dem Drop-off-Bereich des Informationszentrums in einen fußläufig geprägten Aufenthalts- und Betrachtungsraum überführt; die Zugangsbeschränkung ist so gesetzt, dass sie den Durchgangs-verkehr unterbricht, ohne die Funktionsfähigkeit der Anlieferung zu beeinträchtigen. Die Anlieferung von Hochschule und Informationszentrum erfolgt vor der Sperrstelle über eine rechts abbiegende Zufahrt und ist daher von der Beschränkung nicht betroffen. Versenkbare Poller markieren diese Schwelle als klaren, zugleich zurückhaltenden Eingriff und machen die neue Hierarchie im Alltag eindeutig.
Die südliche Zugangsbeschränkung wird im Norden durch eine Wendeschleife ergänzt, die die verbleibenden Fahrbeziehungen bündelt und den Platzraum von Fahrbewegungen entlastet, während die geforderten Stellplätze konsequent außerhalb der Welterbe-Linie angeordnet werden. Dazwischen spannt sich ein ruhiger, fußläufig geprägter Platzraum auf, dessen Hierarchie über Materialität verständlich wird: Mit dem Wechsel vom klassischen Segmentbogen in einen Netzverband wird der Übergang vom „Straßenraum“ zum Fußgänger- und Aufenthaltsbereich lesbar und der zusammenhängende Belag als präzise gefasste Platzfläche ausformuliert.
Der Vorbereich der Hochschule wird dabei in Anlehnung an das historische Vorbild als Vorgarten interpretiert und als Regengarten ausgebildet, sodass Erschließung und klimaaktive Grünstruktur zu einem zusammenhängenden Bild zusammenfinden.
Als freiräumlicher Schwerpunkt besetzt eine Baumhalle aus hoch aufgeasteten, großkronigen Bäumen den nördlichen Bereich und wird als Klimahain ausgebildet: ein raumbildender, dichter Baumkörper über einer ruhigen Tennenfläche, der Schatten und Aufenthalt bündelt, das Mikroklima stärkt und dem Ort eine neue, wichtige städtebauliche Kulisse gibt – als Korrektur der bislang schwachen räumlichen Besetzung. In der Erschließungsachse des Platanenhains setzt ein Brunnen einen präzisen Fixpunkt und verankert die übergeordnete Ordnung als atmosphärisches, identitätsstiftendes Element.
Der Realisierungsteil bildet den räumlichen Übergang zwischen zwei deutlich verschieden geprägten Freiraumtypen aus. Im unmittelbaren Umfeld des Informationszentrums entsteht ein gegliederter, klar gefasster Vorbereich als Adresse des Ankommens, während sich hangabwärts der Osthang als waldparkartiger Freiraum mit ruhigeren Aufenthaltsangeboten und landschaftlicher Wegestruktur entfaltet. Das Informationszentrum ist genau an dieser Schnittstelle verortet und vermittelt zwischen dem präzise organisierten Entrée und dem atmosphärisch geprägten „Waldpark“.
Das Klima- und Wassermanagement ist als wassersensibler Entwurfsbaustein integriert. Versiegelung bleibt auf das notwendige Maß begrenzt; befestigte Flächen werden überwiegend in ungebundener Bauweise bzw. mit versickerungsfähigen Fugen- und Aufbauprinzipien ausgebildet, sodass Starkregen im Freiraum zurückgehalten, verzögert und versickert werden kann, während Verschattung, Verdunstung und punktuelle Kühlung Hitzespitzen abmildern. Der Vorbereich der Hochschule wird in Anlehnung an das historische Vorbild als Vorgarten interpretiert und als Regengarten ausgebildet, in den Niederschlagswasser oberflächennah eingeleitet, dort zurückgehalten und je nach Aufbau versickert bzw. zwischengespeichert wird. Unterhalb der „Tapis-Vert“-Intarsie ergänzt ein Flächenspeicher die Retentionskapazität, wirkt im Starkregenfall als zusätzlicher Puffer und stellt zugleich Wasser als Reserve für Trockenphasen bereit. Nebelduschen und ein Wasserspender bedienen stadklimatische Erfordernisse am Vorplatz des Informationszentrums, während der Brunnen im Ideenteil als präziser Fixpunkt der übergeordneten Ordnung auch atmosphärisch zur klimatischen Entlastung beiträgt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit überzeugt mit ihrer klaren Raumbildung, die aus Bezügen zum Bestand plausibel abgeleitet ist. Somit gelingt eine schlüssige Einbindung der neu gestalteten Freiräume in das historische Gefüge der Mathildenhöhe.
An der Bushaltestelle beginnt eine interessante, annähernd stufenfreie Raumabfolge von Ankunftsort zu Verbindungsort und schließlich zum Aufenthaltsort. Dieser greift den historischen Hof unterhalb des Ateliersgartens mit zeitgemäßen Mitteln auf und stellt eine selbstverständliche Verbindung zum Informationszentrum her. Der bastionsartige Abschluss des Ateliergartens wird wieder sichtbar, die daran angelehnte Stufenabfolge wurde allerdings kontrovers diskutiert. Zum einen steht der freiräumliche Wert der Stufenanlage für die Belebung des Platzes außer Frage. Zum anderen könnte sie der Erlebbarkeit des Ateliergartens abträglich sein und die historische Situation überfrachten. Der Zugang von Süden schwächt das Bastionsmotiv.
Auf dem Platz ist die Neupflanzung eines Baumes vorgesehen. Eine stattliche, als erhaltenswert ausgewiesene Bestandsrobinie im Osten des Platzes wurde jedoch aufgegeben. Ihre Erhaltung als wirksamer Schattenspender ist wichtig und sinnvoll, die geplante Rigole wäre entsprechend anzupassen. Grundsätzlich wurde kritisiert, dass der Hauptplatz weitgehend mit einer Rigole unterbaut ist und somit langfristig als Baumstandort für eine natürliche Beschattung ausscheidet.
Die Auseinandersetzung mit dem Regenwassermanagement an sich ist lobenswert bleibt in wesentlichen Teilaspekten (Regengarten, Regenrückhalt) jedoch unspezifisch. Das Belagskonzept zeichnet sich durch einheitliche Materialverwendung aus, wobei Formate und Fugenbreiten situationsabhängig variieren. Ob der Rasenfugenbelag am Hauptversammlungsort die beste Wahl ist, ist vor allem bzgl. der Barrierefreiheit zu hinterfragen. Auch der gebäudebegleitende Belagssaum am Informationszentrum wurde kontrovers diskutiert.
Insgesamt wirkt die Fläche westlich des Informationszentrums sehr kleinteilig. Das eine oder andere Ausstattungselement scheint verzichtbar. Vor allem der südöstliche Zugang zur Hochschule wird mit seinen breiten Belagsflächen überbewertet und tritt beinahe in Konkurrenz mit dem Hauptplatz. Die trapezförmige Grünfläche bildet mit ihrer Langbank im Norden eine angemessene Platzkante, dass sie auch dem Regenwasserrückhalt dienen soll, erscheint in dieser Lage nicht passend.
Im östlichen Wäldchen wird das aus dem Platanenhain übernommene Raster richtigerweise aufgelöst. Hier wird ein frei formuliertes, angemessen dimensioniertes Wegesystem entwickelt, das auf den Baumbestand reagieren kann. Der Anschluss an den Hauptplatz nordwestlich des Informationszentrums kann formal jedoch noch nicht überzeugen.
Die Vorschläge zur Erhöhung der Biodiversität versprechen eine Bereicherung des Wäldchens. Das Müllerplateau bietet als Holzdeck einen attraktiven Aufenthaltsbereich mit minimaler Belastung der Wurzelbereiche. Insgesamt bietet der Entwurf sowohl in Zusammenhang mit dem Informationszentrum als auch Erholungsfreiraum für die Stadtgesellschaft gut nutzbare Teilräume in einem kohärenten Gesamtsystem, das durch die Konzentration auf die wesentlichen Inhalte weiter gestärkt werden kann.
Im Ideenteil entsteht ein der Hochschule zugeordneter Baumhain, der eine spürbare Aufwertung des bisher als Parkplatz genutzten Raumes darstellt.
An der Bushaltestelle beginnt eine interessante, annähernd stufenfreie Raumabfolge von Ankunftsort zu Verbindungsort und schließlich zum Aufenthaltsort. Dieser greift den historischen Hof unterhalb des Ateliersgartens mit zeitgemäßen Mitteln auf und stellt eine selbstverständliche Verbindung zum Informationszentrum her. Der bastionsartige Abschluss des Ateliergartens wird wieder sichtbar, die daran angelehnte Stufenabfolge wurde allerdings kontrovers diskutiert. Zum einen steht der freiräumliche Wert der Stufenanlage für die Belebung des Platzes außer Frage. Zum anderen könnte sie der Erlebbarkeit des Ateliergartens abträglich sein und die historische Situation überfrachten. Der Zugang von Süden schwächt das Bastionsmotiv.
Auf dem Platz ist die Neupflanzung eines Baumes vorgesehen. Eine stattliche, als erhaltenswert ausgewiesene Bestandsrobinie im Osten des Platzes wurde jedoch aufgegeben. Ihre Erhaltung als wirksamer Schattenspender ist wichtig und sinnvoll, die geplante Rigole wäre entsprechend anzupassen. Grundsätzlich wurde kritisiert, dass der Hauptplatz weitgehend mit einer Rigole unterbaut ist und somit langfristig als Baumstandort für eine natürliche Beschattung ausscheidet.
Die Auseinandersetzung mit dem Regenwassermanagement an sich ist lobenswert bleibt in wesentlichen Teilaspekten (Regengarten, Regenrückhalt) jedoch unspezifisch. Das Belagskonzept zeichnet sich durch einheitliche Materialverwendung aus, wobei Formate und Fugenbreiten situationsabhängig variieren. Ob der Rasenfugenbelag am Hauptversammlungsort die beste Wahl ist, ist vor allem bzgl. der Barrierefreiheit zu hinterfragen. Auch der gebäudebegleitende Belagssaum am Informationszentrum wurde kontrovers diskutiert.
Insgesamt wirkt die Fläche westlich des Informationszentrums sehr kleinteilig. Das eine oder andere Ausstattungselement scheint verzichtbar. Vor allem der südöstliche Zugang zur Hochschule wird mit seinen breiten Belagsflächen überbewertet und tritt beinahe in Konkurrenz mit dem Hauptplatz. Die trapezförmige Grünfläche bildet mit ihrer Langbank im Norden eine angemessene Platzkante, dass sie auch dem Regenwasserrückhalt dienen soll, erscheint in dieser Lage nicht passend.
Im östlichen Wäldchen wird das aus dem Platanenhain übernommene Raster richtigerweise aufgelöst. Hier wird ein frei formuliertes, angemessen dimensioniertes Wegesystem entwickelt, das auf den Baumbestand reagieren kann. Der Anschluss an den Hauptplatz nordwestlich des Informationszentrums kann formal jedoch noch nicht überzeugen.
Die Vorschläge zur Erhöhung der Biodiversität versprechen eine Bereicherung des Wäldchens. Das Müllerplateau bietet als Holzdeck einen attraktiven Aufenthaltsbereich mit minimaler Belastung der Wurzelbereiche. Insgesamt bietet der Entwurf sowohl in Zusammenhang mit dem Informationszentrum als auch Erholungsfreiraum für die Stadtgesellschaft gut nutzbare Teilräume in einem kohärenten Gesamtsystem, das durch die Konzentration auf die wesentlichen Inhalte weiter gestärkt werden kann.
Im Ideenteil entsteht ein der Hochschule zugeordneter Baumhain, der eine spürbare Aufwertung des bisher als Parkplatz genutzten Raumes darstellt.
©capattistaubach
Mathildenhöhe Osthain zoa studio
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Mathildenhöhe Ausstattungskonzept
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Mathildenhöhe Detail 50
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Mathildenhöhe M100 Lageplan
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Mathildenhöhe M100 Schnitt
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Lageplan M 500