Nichtoffener Wettbewerb | 04/2025
Neugestaltung Gebäudekomplex City C in Leverkusen
3
Perspektive Straße
©Lorber Paul Architektur & Städtebau | loomn
3. Preis
Preisgeld: 19.500 EUR
Landschaftsarchitektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
loomn architekturkommunikation
Visualisierung
Erläuterungstext
QUARTIER GRÜNES C - Wohnen mit Offenheit und Gemeinschaft
STÄDTEBAULICHES KONZEPT
Der in die Jahre gekommene Stadtbaustein City C aus den 1960er Jahren bedarf einer städtebaulichen und architektonischen Neustrukturierung. Über die Setzung von drei solitären Baukörpern wird das Wesen der offenen Bebauung aufgenommen und über eine feinere Maßstäblichkeit,die mit der angrenzenden Nachbarschaft korrespondiert,neu interpretiert. Die bisher strenge Linearität wird aufgebrochen, indem neue Volumen auf dem bestehenden Raster angeordnet und in ihrer Form differenziert werden. Dadurch entstehen fließende Räume, die eine stärkere Verbindung zwischen Bahnhof, Innenstadt und den angrenzenden Quartieren schaffen. Neue Wege und Blickbeziehungen fördern diese Vernetzung, verbessern die Orientierung, erhöhen die Aufenthaltsqualität und tragen zu einer lebendigen, urbanen Atmosphäre bei.
ARCHITEKTONISCHES KONZEPT
Um inklusive und nachhaltige Lebensräume zu schaffen, stehen der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt. Die drei vorgeschlagenen Baukörper reagieren als Hybridgebäude auf die jeweilige städtische Situation. Flexible, barrierefreie Wohnungsgrundrisse ermöglichen eine zeitgemäße Nutzung und bieten Raum für unterschiedliche Lebensmodelle. Jede Wohneinheit verfügt über private Freiräume in Form von Loggien. Ergänzende gefaltete und begrünte Balkone in Südausrichtung dienen als Freiraumerweiterung und als natürliche Verschattung. Die durchgesteckten Erschließungen sorgen für optimale Wegeführungen, Belichtung und verbessern die Anbindung an das Quartier.
Das Erdgeschoss wird durch Gemeinschaftsräume, Mobilitätseinheiten wie Fahrradräume, Waschsalons und weitere Nutzungen dynamisch aktiviert. Durchgänge und offene Eingangsbereiche verbinden die Freiräume miteinander und stärken die Vernetzung innerhalb des Quartiers. Zusätzlich beleben Townhaustypologien am südlichen Platz das Erdgeschoss und unterstreichen den urbanen Charakter sowie eine lebendige Nachbarschaft. Die privaten Wohnräume sind dabei im Obergeschoss angeordnet, um eine klare Trennung zwischen öffentlichem und privatem Bereich zu gewährleisten.
Besonderes Augenmerk liegt auf Gemeinschaft und Sicherheit. Zwei bauliche Rettungswege sind über hochwertige Verteilerzonen miteinander verbunden, die nicht nur als Sicherheitsmaßnahme dienen, sondern auch Orte der Kommunikation und Begegnung sind. Diese bauliche Entfluchtung ermöglicht durch den Wegfall der Feuerwehraufstellflächen äußerst großzügige und qualitätsvolle Grünflächen.
Die Architektur schafft grundlegend helle, gut belichtete Wohnungen und fördert durch gemeinschaftliche Räume und Kommunikationsbereiche das soziale Miteinander. Die Gemeinschaftsräume dienen als Treffpunkte, die Interaktion und nachbarschaftlichen Austausch stärken. So entsteht ein durchlässiges, gut vernetztes Wohnquartier, das Offenheit, nachhaltige Stadtentwicklung und soziale Vielfalt vereint.
WIRTSCHAFTLICHKEIT
Das Projekt setzt auf eine wirtschaftliche Bauweise, die Effizienz, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit vereint. Zukunftsfähige Grundrisse sorgen für eine flexible Nutzung und gewährleisten langfristige Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wohnbedürfnisse.
Die Bebauung folgt konsequent dem bestehenden Raster der Tiefgarage, um höchste Effizienz in der Planung und Umsetzung zu erreichen. Durch die gewählte Punktbebauung wird ein optimales A/V- Verhältnis erzielt, das Transmissions- und Lüftungsverluste minimiert und die Energieeffizienz der Gebäude steigert. Gleichzeitig werden kompakte Grundrisse entwickelt, die eine wirtschaftliche Nutzung der Flächen ermöglichen und den Anforderungen der öffentlichen Wohnraumförderung entsprechen.
Neben einer flächeneffizienten Bebauung tragen naturverträgliche Technologien wie Solarstrom, Umweltwärme, Regen- und Grauwassernutzung sowie Materialrecycling zur nachhaltigen Kostenreduktion im Betrieb bei. Die Bauweise orientiert sich an den Vorgaben der DIN 276 und hält die definierten Kostenrichtwerte ein.
Einfachheit und Klarheit in der Architektur schaffen nicht nur eine hohe gestalterische Qualität, sondern ermöglichen eine wirtschaftliche Realisierung mit geringen Unterhaltskosten. So entsteht ein langfristig tragfähiges Wohnquartier, das ökonomische Effizienz mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit verbindet.
FREIRAUMKONZEPT
Das Freiraumkonzept für die Neugestaltung der City C in Leverkusen sieht vier Freiraumtypologien vor, die ein Ensemble mit der Neubebauung bilden: drei Quartiersplätze, drei Pocketparks, fünf Spielplätze, ein Gemeinschaftsgarten.
Die Quartiersplätze bilden die Adressen des Quartiers und bestehen aus Klimabaumhainen in wassergebundener Decke. Wasserspiele und Trinkbrunnen sorgen für Erfrischung. Die Pocketparks bestehen aus multifunktionalen Wiesenflächen, die zu den Gebäuden im Raster der Platten auslaufen und sich mit den befestigten Flächen verzahnen. Dies führt zu einer großflächigen Entsiegelung und zur Ableitung des Regenwassers in Baumgruben und Retentionsboxen.
Die Pocketparks sind mit einheimischen Klimabäumen raumbildend überstellt. Die Spielplätze sind aus künstlichen „Felsen“ im Raster der TG und laden zum Klettern ein. Einzelne eingestreute Spielobjekte für unterschiedliche Altersgruppen schaffen zudem ein spannendes
Spielerlebnis. Mehrstimmige Blütenbäume überstellen die Spielplätze. Der Gemeinschaftsgarten im nördlichen Entreebereich dient allen Anwohnern zum Urban Gardening. Er ist mit Obstbäumen im Sinne der „Essbaren Stadt“ überstellt.
Die unterschiedlichen Freiräume schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität für verschiedene Nutzergruppen der angrenzenden Wohn- und Geschäftsbebauung. Die Adresse zur Straße wird durch eine neue „Vorgartenmauer“ mit quartiersnamenbildenden Schriftzügen und Treppenanlagen gebildet. Sie nimmt den bestehenden Höhenunterschied der Tiefgarage von ca. 80 cm auf und bildet damit eine subtile Grenze zwischen privat und öffentlich.
Alle Freiräume basieren auf dem bestehenden Tiefgaragenraster und bilden dadurch eine Einheit mit den Gebäuden und Tiefgaragenzugängen. Das Raster ermöglicht auch statisch eine technisch umsetzbare Verteilung von Bäumen. Für die entsprechenden Aufbauschichten insbesondere für die Bäume wird die Rohrzone der Tiefgarage genutzt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser schlagen drei versetzt angeordnete, höhenmäßig differenzierte Solitärbauten vor, die neue, platzartige Grünräume im Quartier schaffen. Durch diese Setzung entsteht ein öffentlich nutzbarer Außenraum, der zur Durchgrünung und Aufenthaltsqualität beiträgt. Ein siebengeschossiger Baukörper im Süden und ein sechsgeschossiger im Norden flankieren die Friedrich-Ebert-Straße und vermitteln in ihrer Höhenentwicklung zwischen der niedrigeren Bestandsbebauung und dem hohen Gebäude von Teilprojekt 2. Ein fünfgeschossiger, quadratischer Baukörper an der Ostseite von Teilprojekt 3 komplettiert das Ensemble und ermöglicht die Ausbildung dreier gut proportionierter, öffentlich zugänglicher Quartiersplätze.
Für Teilprojekt 4 wird ein gestaffelter Baukörper vorgeschlagen, der sich an der gegenüberliegenden Bebauung orientiert und zusammen mit dem Ärztehaus einen neuen Platz vor der Rialtobrücke formuliert. Die städtebauliche Lücke zu Teilprojekt 2 wird durch ein viergeschossiges, schlankes Gebäude geschlossen. Diese Anordnung bietet zwar funktionalen Lärmschutz für Teilprojekt 3, die Höhenentwicklung – insbesondere des achtgeschossigen Gebäudes – wird jedoch kritisch gesehen, da erhebliche Verschattungen des angrenzenden Übergangsbereichs zu erwarten sind.
Die Baukörper überzeugen durch klare Adressbildung und eigenständige Hauseingänge. Vorgesehene Nutzungen im Erdgeschoss wie Fahrradabstellräume und Gemeinschaftswaschküchen werden von der Ausloberin als nicht realisierbar eingeschätzt; hier wären alternative Nutzungen sinnvoller.
Die Arbeit überzeugt insgesamt durch eine präzise Setzung der Baukörper und eine ausgewogene Körnigkeit, welche qualitätsvolle öffentliche Räume ermöglicht. Gleichzeitig erzeugt die konsequente Setzung jedoch Zwänge, die sich insbesondere in der Erdgeschosszone negativ auswirken. Die direkte Wegeführung an den Fassaden entwertet die Vorzonen der Erdgeschosswohnungen. Während dies bei Stadthäusern tolerierbar erscheint, ist es bei anderen Wohnungstypen mit Schlafzimmern an der Fassade problematisch. Das Baumkarree am Friedrich-Ebert-Platz wird kontrovers diskutiert. Weitere Grünflächen sind gut proportioniert und nutzbar, die Gestaltung der Ränder mit grünen Aussparungen im Plattenbelag wirkt jedoch wenig praxisnah. Barrierefreie Zugänge von der Friedrich-Ebert-Straße fehlen.
Konstruktiv ist eine hybride Bauweise vorgesehen: Eine statisch wirksame Sockelebene in Betonbauweise soll die Lasten aufnehmen, ab dem 2. Obergeschoss kommen Recyclingbeton und Holzrahmenbauweise zum Einsatz. Ein hoher Vorfertigungsgrad wird angestrebt. Das äußere Erscheinungsbild soll einheitlich bleiben; die unterschiedliche Konstruktion soll nicht ablesbar sein. Die Fassaden basieren auf einem klaren Raster, das durch Balkone aufgebrochen wird. Eine differenzierte Materialwahl ist vorgesehen (Naturstein, Kratzputz), wird jedoch in den Visualisierungen nicht nachvollziehbar dargestellt.
Der architektonische Ausdruck der Gebäude wird als uniform und wenig prägnant wahrgenommen. Die gestalterischen Ansätze können die Erwartungen an ein identitätsstiftendes Leuchtturmprojekt für Leverkusen nicht erfüllen. Auch die differenzierten Balkonsysteme ändern daran wenig. Die angebotenen Grundrisse entsprechen grundsätzlich den Anforderungen, in der Umsetzung innerhalb der Baukörper zeigen sich jedoch deutliche Schwächen. Die gewählte Ausrichtung und Tiefe lassen keine durchgesteckten Wohnungen zu. Qualitäten wie wechselnde Ausblicke, differenzierte Belichtung und natürliche Querlüftung entfallen – letztere ist nur bei Eckwohnungen oder Lichthofanschluss möglich. Besonders kritisch ist die fehlende Abgrenzung der Erdgeschosswohnungen vom öffentlichen Raum; Schlaf- und Wohnzimmer liegen ebenerdig direkt zum Außenbereich, was insbesondere im geförderten Wohnungsbau als nicht realisierbar eingeschätzt wird.
Ein hoher Anteil nach Norden orientierter Räume, zentral gelegene Erschließungskerne mit dunklen Fluren und wenig qualitätsvollen Vorzonen sowie kleine Lichthöfe verschlechtern zudem die innere Wohnqualität. Die Integration von Balkonen und Loggien kann diese Defizite nicht ausgleichen.
Positiv hervorzuheben ist die gelungene Einbindung in das bestehende Tiefgaragenraster. Drei neue Treppenhäuser ergänzen das System sinnvoll. Auch in den Bereichen Suffizienz, Konsistenz sowie klimaangepasste Begrünung zeigt das Projekt gute Ansätze.
Insgesamt überzeugt der Entwurf städtebaulich durch klare Raumfolgen und präzise gesetzte Baukörper. In Bezug auf innovative Wohnformen und architektonischen Ausdruck bleibt er jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Perspektive Hof
©Lorber Paul Architektur & Städtebau | loomn
Lageplan
©Lorber Paul Architektur & Städtebau | club L94