Nichtoffener Wettbewerb | 08/2024
Neugestaltung Jörgentorpark in Münnerstadt
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Jörgentorpark als Stadtpark für alle Generationen
©A24 Landschaft, Visualisierung: A. Calitz Visual
2. Preis
Preisgeld: 16.000 EUR
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
HISTORISCHE STRUKTUREN BILDEN BASIS FÜR NEUSTRUKTURIERUNG
Der Jörgentorpark als Teil des ehemaligen Festungsrings führt entlang des historischen Stadtzentrums von Münnerstadt, begleitet von erhaltenen Fragmenten der Stadtmauer. Ein Ort mit engem Bezug zur Stadtgeschichte, der seine Potenziale an der Schnittstelle zur Landschaft noch nicht voll zu entfalten weiß.
Die Weiterentwicklung zu einem Stadtpark für alle Generationen folgt der bereits vorhandenen, historisch eingeschriebenen, Zonierung. Das Erscheinungsbild wird jedoch gestalterisch geschärft und mit Leben gefüllt. Die bogenförmige Wegestruktur unterstreicht die markante Grundfigur des Parks. Die beiden Hauptwege, auf der Dammkrone und entlang der Stadtmauer, spannen die zentrale Grünfläche ein und geben Orientierung. Ein kleiner Eingangsplatz verankert den Park am Jörgentor und schafft ein deutliches Gelenk zur Altstadt. Die einfache Grundstruktur klärt die räumliche Situation und ordnet sich gut dem historischen Kontext unter.
Das zentrale Parkband wird mit vielfältigen Nutzungen angereichert. Die Kombination von Angeboten für unterschiedliche Altersgruppen soll niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten schaffen und unterschiedliche Generationen ins Gespräch bringen. Dementsprechend werden in den zentralen Spielplatz nicht nur Angebote für unterschiedliche Altersgruppen sondern auch Bewegungselemente für SeniorInnen und Picknickbereiche integriert. Der Wasserspielplatz verbindet ebenfalls Fitnessgeräte mit Spielelementen für Kinder. Ein Pavillon aus Holz mit Kiosk und WC schafft einen zentralen Anlaufpunkt im Park. Die baumbestandene Terrassenfläche aus wassergebundener Decke integriert Flächen für Außengastronomie und Boulespiel. Die Gliederung in viele Einzelsegmente folgt der ehemaligen Struktur aus Gartenparzellen vor den Toren der Stadt. Dementsprechend wechseln sich intensiv bespielte Bereiche mit grünen Zwischenstücken ab, die den Rhythmus des Parks bestimmen. Die Grünflächen stärken die ökologischen Funktionen, sie integrieren bestehende Streuobstwiesen oder dienen als Bienen- und Schmetterlingswiesen. Der großgewachsene Baumbestand wird großflächig erhalten, sorgt für ausreichend Verschattung und verleiht dem Park seine spezielle Stimmung.
PROMENADENBÄNDER RAHMEN DEN PARK
Der Dammweg spannt einen weiten Bogen durch den Park und definiert die übergeordnete Wegeverbindung. Der 3 m breite Dammweg gliedert sich in einen 1,80 m breiten Mobilitätsstreifen aus hellem Asphalt und einen 1,20 m breiten Gehstreifen aus wassergebundener Wegedecke. Die mineralische Abstreu der Oberflächen sorgt für ein farblich abgestimmtes Erscheinungsbild. Von der leicht erhöhten Lage ergeben sich Blicke in die Tiefe des Parks und bis zu den Bachläufen von Talwasser und Lauer. Der rückwärtige Mauerweg führt stattdessen entlang des etwas tiefer liegenden Mauerfußes und schafft eine Flanierzone auf Höhe der Parknutzungen. In unregelmäßigen Abständen sorgen Querwege für eine Verknüpfung beider Ebenen.
Der westliche Parkzugang am Jörgentor mit dem markanten Turm wird als innenstadtnahes Entree ausgebildet. Die kleinteilige Gliederung wird zu einer großzügigen Platzfläche aus wassergebundener Decke zusammengefasst. In den wasserdurchlässigen Belag werden die Bestandsbäume integriert. Der barrierefreie und gut berollbare Mobilitätsstriefen aus Asphalt wird bis an den Zugang zwischen den historischen Mauerstücken geführt und sorgt für eine deutliche Rahmung entlang der Wasserkante.
Der bereits eingeführte Plattenbelag aus der Jörgentorgasse wird bis vor das westliche Parkentree verlängert und markiert eine Begegnungszone mit reduzierter Fahrgeschwindigkeit. Die den Park zerschneidende Meininger Straße wird zu einer durchgrünten und verkehrsberuhigten Straße umgebaut, die ein wichtiges Verbindungsgelenk zwischen den Parkabschnitten schafft. Die Fahrbahn wird aufgepflastert und schafft ebenerdige Querungen. Der auf jeweils eine Fahrspur pro Richtung reduzierte Straßenquerschnitt erhält einen mittleren Grünstreifen mit schmalkronigen Bäumen.
AKTIVPARK BÜNDELT VIELFÄLTIGES ANGEBOT
Der Parkteil nördlich der Meininger Straße mit dem vorhandenen Skatepark wird zu einem intensiv bespielten Parkbaustein ausgebaut. Die Lage zwischen den Brücken wird als Chance begriffen, lärmintensivere Nutzungen unterzubringen die in der klassischen Parkanlage nicht genügend Raum erhalten. Die Situation an der Brücke, über die die B 287 geführt wird, schafft die urbane Kulisse. Ein Teil der Flächen schiebt sich bis unter die Brücke und ermöglicht somit auch witterungsgeschützte Aufenthaltsbereiche. Die Topografie des neuen Skateparks mit Skate Bowl und Grindelementen wird gut in die vorhandene Situation eingepasst und um weitere Trendsportelemente, wie die Bouldersäule rund um einen bestehenden Brückenpfeiler, ergänzt. Ein Multifunktionsspielfeld aus farbigem EPDM-Belag und eine Parcouranlage für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade ergänzen den befestigten Kern der Anlage. Tischtennisplatten aber auch Bereiche für kleinere Kinder flankieren die Ankernutzungen und versuchen auch hier eine Durchmischung unterschiedlicher Altersstufen zu erreichen. Ein Rasenbolzplatz bildet den Übergang zur grünen Uferzone. Holzstege führen durch das Uferwäldchen und rahmen den Bolzplatz, so dass informelle Sitzbereiche entstehen. Auch der Höhenversprung zum Dammweg wird genutzt um Sitzstufen in die Wiesenböschung einzubinden. Der verlegte Radschnellweg wird über eine zusätzliche Brücke über die Lauer geführt.
NEUE UFERZUGÄNGE STÄRKEN ERLEBBARKEIT VON WASSERLÄUFEN
Punktuelle Interventionen begleiten den Dammweg und schaffen Zugänge ans Ufer. Der Mündungsbereich von Talwasser und Lauer wird als verwunschener Ort am Wasser herausgearbeitet. Ein System aus Holzstegen führt bis ans Ufer, wo breite Sitzstufen einen direkten Kontakt zur Wasseroberfläche ermöglichen. In Richtung Altstadt schiebt sich der Steg leicht über die Dammkrone, formt ein Holzdeck und lenkt den Blick auf das markante Altstadtpanorama.
Die historische Waschstelle am Talwasser wird erhalten und erlaubt einen informellen Wasserzugang. Das neu geschaffene, platzartige Entree stößt hier bis direkt an die alten Ufermauern, Sitzbänke laden zum Verweilen in historischer Kulisse ein. Ein Holzsteg mit integriertem Sitzelement quert den Bachlauf und lenkt den Blick wasserabwärts in den Park. Die Nachbildung des ehemaligen Wehrturms wird als bedeutendes Relikt in die Gesamtgestaltung eingepasst und über eine Holzplattform an den Dammweg angeschlossen.
Die Uferwiesen werden durch Staudenmischpflanzungen mit lokalem Saatgut ökologisch aufgewertet. Die parkseitigen Uferränder werden stark ausgelichtet um den visuellen Bezug zum Wasser stärken zu können. Die parkabgewandte Seite entlang der Kleingärten wird jedoch weiterhin als dichte Gehölzkulisse erhalten.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der vorliegende Wettbewerbsbeitrag zur Neugestaltung des Jörgentorparks nutzt die vorhandene Wegestruktur, den Mauerweg entlang der historischen Stadtbefestigung und den Dammweg entlang des Talwassers und betont diese in ihrer Funktion durch eine räumliche Aufweitung zu sogenannten „Promenadenbändern“. Mit Querverbindungen der beiden Wege wird der Park in klare Nutzungssegmente gegliedert und nimmt die Struktur der ehemaligen Gartenparzellen auf. Der Dammweg erhält neben der Aufweitung eine materielle Unterteilung, die eine gleichzeitige Nutzung für Fußgänger und Radfahrer ermöglicht (Mobilitätsstreifen und Gehstreifen). Ergänzende Sitzmöglichkeiten laden hier zum Verweilen ein. Als westlicher Auftakt des Parks wird ein, dem Jörgentor vorgelagerter Platz an der Straße ausgebildet. Über einen, dem vorhandenen Parkzugang ergänzenden Holzsteg wird der Besucher zum Parkentree West geführt, der eine angemessene Fortsetzung des wassergebundenen Auftaktplatzes darstellt. Dieser Platz wird von Bestandsbäumen gerahmt und ermöglicht einen ersten erlebbaren Zugang zum Wasser. Eine an den Platz anknüpfende Multifunktionswiese ermöglicht die Aufweitung der bespielbaren Fläche für Veranstaltungen. Die Caféterrasse platziert einen Kiosk mit WC zwischen der Multifunktionswiese und dem Spielplatz mit Liege- und Spielwiese und Fitnessstation. Die Anordnung des Kiosks erscheint schlüssig in Hinblick auf Funktionalität und zentralen Anlaufpunkt im Jörgentorpark. Die mittige Parzelle des Parks ist geprägt von einer naturnahen Struktur und Nutzung. Streuobstwiese, Liegewiese und Bienen- und Schmetterlingswiese schaffen eine attraktive Parkatmosphäre und sollen laut Entwurfsverfasser unter anderem zum „Picknick im Schatten“ einladen. Ausgehend von dieser Grünstruktur wird über ein Holzdeck mit Altstadtblick zu dem barrierefreien Holzsteg auf die Uferterrasse geleitet. Die Terrasse bietet neben der Liegewiese mit Sitzmöglichkeit auch einen direkten Zugang zum Talwasser. In angemessener Form und Größe wird die Lauer für den Besucher generationengerecht erlebbar gestaltet und bettet sich in das naturnah ausgebildete Ufer der Lauer ein. Nördlich der Meininger Straße bilden die Planer einen Aktivpark mit vielfältigem Angebot aus. Mit der Nutzung der Fläche unter der Brücke wird ein witterungsgeschützter Bereich geschaffen. Durch die Nutzungsvielfalt kann der Aktivpark generationenübergreifend genutzt werden. Die Fußgängerquerung der Meininger Straße wird als gepflasterten Übergang über die Brücke dargestellt. Die Radwegeverbindung an das geplante Radwegenetz wird mit einer neuen Radbrücke über die Lauer hergestellt, ausgehend von dem fortgeführten verbreiterten Dammweg. Die Ausbildung der beiden 90°-Anschlussstellen sollte überarbeitet werden. Im Ideenteil wurde der Bereich der Meininger Straße vorgegeben. Hier hat der Entwurfsverfasser eine Verkehrsberuhigung mit umfangreicher Baumbepflanzung vorgeschlagen. Diese Planung wird im Preisgericht kontrovers diskutiert. Der Entwurf sieht in Hinblick auf den Wasserschutz nur geringe bauliche Eingriffe in den Hochwasserdamm vor. Der Entwurf zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Konstruktion des Zugangs zur Lauer aus. Das Bauwerk lässt im Hochwasserfall keine nachteiligen Auswirkungen auf den Hochwasserrückhalt und den Hochwasserabfluss erwarten. Nach Ablaufen des Hochwassers ist davon auszugehen, dass ReinigungsUnterhaltsarbeiten anfallen werden. Der Entwurf zeichnet sich durch seinen bestandsschonenden Umgang mit vorhandenen Strukturen aus. Neben dem schonenden Umgang mit Bestandsgrün wird der Fokus auf die beiden vorhandenen Wege gelegt. Die Qualität der Nutzung des Parks zeichnet sich durch attraktive und zahlreiche Sitz- und Aufenthaltsbereiche, sowie eine generationenübergreifende Nutzungsvielfalt aus. In Anlehnung an die historische Struktur der Gartenparzelle wird eine schlüssige Abfolge verschiedener attraktiver Nutzungsbereiche geschaffen. Gestalterisches Highlight stellt die Uferterrasse dar, die neben einem Holzdeck eine naturnahe Liegewiese bietet.
Städtebaulicher Umgriff
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Gesamtlageplan
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Querschnitt
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Aktivitäten und Nutzergruppen
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