Mehrfachbeauftragung | 02/2026
Neugestaltung Kirchberg in Redwitz an der Rodach
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Räumliche Darstellung "Kirchberg"
©adlerolesch Freiraum
Gewinner
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
„Grüner Kirchberg in Redwitz a. d. Rodach“
Leitidee
Der Kirchberg wird als zusammenhängender, klar gefasster Platzraum neu organisiert. Ziel ist es, den historisch bedeutenden Bereich von Schloss, Alter Schlosskirche und Kirche St. Ägidius funktional zu ordnen, gestalterisch aufzuwerten und mit der neuen Ortsmitte zu verknüpfen.
Die bestehende Straßenfläche wird zugunsten eines großzügigen „Kirchplatzes“ neu strukturiert. Der Verkehr ordnet sich dem Platz unter. Ein klimaresilientes Baumdach fasst den Raum, schafft Aufenthaltsqualität mit Beschattung und stellt die Verbindung zwischen Kirchberg, Marktplatz und Rodachufer her.
Stadträumliche Einbindung
Durch ein einheitliches Materialkonzept wird die gestalterische Verbindung zur neuen Ortsmitte hergestellt. Granitpflaster verschiedener Formate in differenzierter Bearbeitung (gesägt für Fahrbereiche, gebrochen für Aufenthaltsbereiche) definiert klar die Funktionszonen und gewährleistet Rutschfestigkeit sowie Dauerhaftigkeit.
Wichtige Blickbeziehungen zur offenen Landschaft und zur Rodach werden freigestellt und durch einen „Rodach-Balkon“ räumlich betont. Der Kirchberg erhält damit wieder eine klare landschaftliche Orientierung.
Freiraumstruktur und Nutzung
Der neue Kirchplatz wird terrassiert ausgebildet und reagiert auf die vorhandene Topographie. Stufen, Plateaus, Sitzmöbel und Baumstandorte gliedern den Raum und ermöglichen unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten.
Die Alte Schlosskirche erhält eine klare Vorzone und wird räumlich mit dem Platz verknüpft. Die Versetzung der Kriegerdenkmäler schafft eine angemessene, barrierefrei erreichbare Erinnerungszone innerhalb des Planungsgebiets.
Das gemeindeeigene Grundstück (Kirchberg 18) wird als begrünter Aufenthaltsbereich entwickelt und durch Bepflanzung räumlich klar vom privaten Wohnhaus getrennt.
Barrierefreiheit und Erschließung
Die Neuordnung ermöglicht eine barrierearme Erschließung der Kirche, der Alten Schlosskirche und des Schlosses.
Vom Platz aus wird ein Zugang mit maximal 3% Gefälle zur Kirche hergestellt. Eine ergänzende Rampe verbindet den Kirchplatz mit dem Schlosseingang. Die bestehende Treppenanlage wird um ca. zwei Meter nach Süden verschoben und auf das Eingangsniveau der Kirche angehoben. Die Zufahrtssituation wird verbessert und klar gefasst.
Ruhender Verkehr
Der ruhende Verkehr wird neu organisiert und gestalterisch eingebunden. Auf der neu gestalteten Fläche des bestehenden Parkplatzes entstehen 16 Stellplätze, ergänzt durch 2 barrierefreie Stellplätze in unmittelbarer Nähe zum Kircheneingang. Einzelne wenige Fahrradabstellbügel werden in Eingangsnähe vorgesehen.
Die Konstruktion berücksichtigt die unterliegenden Kelleranlagen; Versickerung erfolgt nur in geeigneten Bereichen. Der Untergrund wird zusätzlich durch eine Tonlage abgedichtet. Die Mauer um den Parkplatz mit Zufahrt wird auf Ihre historische Lage nach Osten leicht verschoben.
Klimaanpassung und Nachhaltigkeit
Der Kirchplatz wird als klimaangepasster Freiraum entwickelt. Großkronige, hitze- und trockenheitsresiliente Baumarten (z. B. Gleditschie, Schnurbaum, Zerreiche, Silberlinde) bilden ein durchgängiges Baumdach. Unterirdische Baumsubstratkörper verbessern Wasserspeicherung und Vitalität.
Eine optionale Zisterne ermöglicht die Nutzung von Niederschlagswasser zur Bewässerung sowie zur Speisung des geplanten „Ölbrunnens“. Grünflächen und Unterpflanzungen tragen zur Verdunstungskühlung und Biodiversität bei.
Materialität und Beleuchtung
Robuste Natursteinbeläge gewährleisten Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit. Die Materialwahl nimmt Bezug auf den Marktplatz und stärkt die Lesbarkeit einer gemeinsamen Ortsmitte.
Eine zurückhaltende, abgestimmte Beleuchtung inszeniert Kirche und Schloss in ihrer topographischen Lage, ohne Überinszenierung.
Wirtschaftlichkeit
Die klare Zonierung, langlebige Materialien und robuste Bauweisen gewährleisten eine nachhaltige Umsetzung im vorgegebenen Kostenrahmen. Bestehende Elemente werden soweit möglich integriert und weiterverwendet.
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Mit der Neuordnung entsteht ein klar gefasster, klimaresilienter und barrierearmer Kirchplatz, der die historische Bausubstanz stärkt, die Ortsmitte erweitert und den Kirchberg wieder als identitätsstiftende Mitte von Redwitz erlebbar macht.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit überzeugt durch die klare und einfach gehaltene Neugestaltung der Treppenanlage vor der Kirche und der geschickten Einbindung des Wiesengrundstücks in das Gesamtkonzept.
Aus einer klugen Analyse des Bestandes heraus wird eine angemessene und gut hergeleitete Entwurfshaltung entwickelt, die den Platz zum Ort öffnet und gute Aufenthaltsqualitäten an mehreren verschiedenen Orten schafft:
Am vorhandenen Parkplatz wird mit wenigen einfachen Mitteln ein grüner Rahmen geschaffen, der dem historischen Hintergrund angemessen ist. Die balkonartige Inszenierung des Ausblicks ist richtig; die vorgeschlagenen Sitzbänke können aber bei der bestehenden Mauerhöhe die gewünschte Wirkung nicht entfalten; hier müsste eine andere Art der Inwertsetzung gesucht werden.
Der Vorbereich der Kirche wird mit der um ca. 2 Meter nach vorne gezogenen Treppe und der barrierefreien Zugänglichkeit ausreichend erschlossen und der Aufwand für die notwendige neue Treppenwange soweit wie nötig reduziert. Hierdurch können kostenaufwendige Bauwerke minimiert werden.
Das große Kriegerdenkmal bleibt an seiner Position als Blickbezug; hier wird jedoch der Zusammenhang mit den anderen Denkmalen aufgelöst. Die Auffassung der Bedeutung als wichtigste Blickachse wird im Gremium nicht geteilt. Die Lage der beiden Behindertenstellplätze ist nicht optimal und versperrt den Zugangsbereich zur Kapelle.
Das Wiesengrundstück wird als Terrassenanlage mit dem Kirchplatz verwoben und schafft so einen echten Mehrwert für die Nutzung der Gesamtanlage. Es wird geschickt vermieden, dass eine „Restfläche“ entsteht; gleichzeitig wird mit 10 neuen Bäumen ein hoher Grünanteil und beschattete Aufenthaltsflächen geschaffen, die einen attraktiven Gegenpunkt zum Parkplatz bilden. Kritisch beurteilt wird jedoch, ob die Anzahl der Terrassen und Stufen in der etwas zu städtisch wirkenden Ausformung am westlichen Rand der Fläche in diesem Umfang erforderlich ist. Vermisst wird ein Fußweg nach Süden.
Für die Eingangssituation am Gasthof Lamm wird lediglich eine Grünfläche mit Erhalt des Bestandsbaumes vorgeschlagen; weitergehende Ideen zum Umgang mit den Höhen, Brunnen und Mauer werden vermisst.
Die Vorschläge zum Regenwassermanagement sind durchdacht und zeugen von Erfahrung im Umgang mit diesem Thema.
Für alle Flächen ist ein Natursteinbelag in verschiedenen Oberflächenausprägungen vorgesehen, der die Materialität aus dem Ortskern weiterführen soll. Die Ausformung ist in dieser Intensität jedoch nicht erforderlich und entspricht auch nicht dem bisherigen innerörtlichen Konzept. Während die hochwertigen Materialien im Kirchenvorbereich richtig gewählt sind, ist dies beim Parkplatz, der Straße und den Terrassen zu hinterfragen.
Insgesamt zeigt die Arbeit einen überzeugenden und gleichzeitig einfachen Ansatz, der auch bei kleineren Änderungen den Entwurfsgedanken beibehalten kann.
500er Übersicht "Ortsmitte"
©adlerolesch Freiraum
200er Lageplan "Kirchberg"
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Konzept
©adlerolesch Freiraum
200er Schnitt "Parkplatz"
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200er Schnitt "Schlossterrassen"
©adlerolesch Freiraum