Mehrfachbeauftragung | 02/2026
Neugestaltung Kirchberg in Redwitz an der Rodach
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vogelperspektive
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Teilnahme
freiraumpioniere landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
Mehr schmale Gasse als Straße startet der Zugang am bereits neu gestalteten Markt, mit schön saniertem Bürgerhaus. Den ersten Hinweis geben zukünftig kleine gestaltete Grünflächen, mal Bauerngarten, mit Sitzplatz und vorgelagertem Schwengelbrunnen, am denkmalgeschützten `Weißen Lamm`, mal repräsentative Schmuckbeete auf Höhe der dem Schloss vorgelagerten ehemaligen `Keller- und Bronnengärten`.
Dieser Einladung folgend geht es mit acht Prozent bergan. Nach nicht einmal 50 Metern erreicht man den Zugang des historischen `Schlossquartiers`. Auf der Westseite noch durch die (teil-)historische Begrenzungsmauer gefasst, wird der Übergang auf der Ostseite durch eine neue Kleinarchitektur gerahmt. Diese, am Standort eines ehemaligen Gärtnerhäuschens, bietet Redwitzerinnen und Besuchern einen schattigen Ort zum Verweilen, mit bestem Blick auf Kirche und Schloss. Für den öffentlichen Raum in Redwitz eher untypisch, hat man das Gefühl, sich in einem Garten, einem Schlossgarten aufzuhalten. Die Informationstafel zur Geschichte des wertvollen Ortes bestätigt diesen Eindruck.
Der Bereich des früheren `Bronnengartens` bleibt weiterhin üppig grün, wird aber über neue Fußwege erschlossen. Vor allem der Nord-Süd-verlaufende Weg, welcher zukünftig Kirche und Schloss näher an die Kronacher Straße anbindet, bietet einen funktionalen Mehrwert. Die zentrale Rasenfläche wird von Pflanzflächen gerahmt und von zwei schattenspendenden Baumneupflanzungen überstanden. Den Übergang zum östlichen Privatgrundstück begleitet eine Reihe Spalierobst-Gehölze. In der Mitte des Gartens und gegenüber des Kirchenein- und-ausgangs finden die Gefallenen-Denkmale ihren neuen gemeinsamen und würdigen Platz.
Der ehemalige `Kellergarten` bietet Platz für 15 Pkws, wird zum Kirchberg und an allen übrigen Rändern jedoch durch gestaltetes Grün gefasst. Die Autos verschwinden fast hinter den Pflanzungen, der Garteneindruck dominiert und im Hintergrund stehen die Gehölze der Auenlandschaft. Über eine neu eingefügte Treppe erreicht man vom Parkplatz aus auf direktem Weg die Kirche und Schlosskappelle.
Steigt man die Stufen aus dem `Kellergarten` hinauf, gelangt man zum neu gestalteten barrierefreien Vorbereich von St. Ägidius und der Schlosskapelle. Einer Schublade gleich werden die erforderlichen Stufen nach Süden hervorgezogen, so dass ein ebene Aufenthaltsfläche (ca. 130m²) unmittelbar vor den Gebäuden entsteht. An dieser angelagert finden sich zwei Behinderten-Pkw-Stellplätze und drei Fahrradparker für bis zu sechs Räder.
Wünschenswert wäre die perspektivische Öffnung der Westterrasse der Kirche. So könnte, z.B. bei Hochzeiten oder Taufen, unmittelbar im Eingangsbereich ein erster kleiner Empfang abgehalten werden. Selbstverständlich wäre die Fläche, gemeinsam mit dem `Kellergarten` und dem` Bronnengarten`, auch für größere Veranstaltungen, z.B. Kirchenfest oder Erweiterung des Marktplatz-Weihnachtsmarktes, sehr gut nutzbar.
Die neuen Belagsflächen setzen bereits im Ort bewährtes fort. So wird die Straße `Am Kirchberg` mit einem aufgehellten Asphalt belegt und die Ränder / Traufen zu den Gebäuden in Naturstein ausgebildet. Die Fußwege, die Terrasse vor der Kirche und der Parkplatz erhalten Beläge aus Natursteinpflaster. Alle Oberflächen werden sehr gut begeh- und berollbar ausgeführt.
Um die neu gestalteten Bereiche auch in den Abend- und Nachtstunden gefahrlos begehen zu können, wird der Kirchberg mit insgesamt sieben neuen Mastleuchten atmosphärisch beleuchtet. Wir raten aus ökologischen Gründen (Nähe zur Rodach-Aue) auf eine Fassadenanstrahlung zu verzichten.
Das Regenwasser der Süd- und Westseite von Kirche und Schlosskapelle wird in einer Zisterne aufgefangen. Über eine Drosselklappe wird das Wasser langsam in den Versickerungsbeeten des `Bronnengartens` verbraucht. Das zusätzliche Wasser hilft den Pflanzen und trägt durch Verdunstung auch zu einem guten Mikroklima bei.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Grundgedanke des Entwurfs, die historische Situation des eigentlichen Schlossquartiers durch ein Gärtnerhäuschen wieder erlebbar zu machen wird als gelungener Entwurfsansatz gewürdigt.
Konsequent wird das Wiesengrundstück als zum Pavillon gehörender „Bronnengarten“ erkannt und wird als nutzbarer Senkgarten mit Wiesenfläche sowie als Standort der Kriegerdenkmale gestaltet.
Die Wegeführung in diesem Garten ist geschickt gesetzt und ermöglicht eine selbstverständliche Anbindung an den südlichen Weg und in den Ortskern.
Der offene Pavillon in Anlehnung an das ehemalige Gärtnerhäuschen öffnet einen attraktiven Blick auf das Ensemble und bietet einen schönen Sitzplatz. Die gestalterische Ausformulierung wird kontrovers diskutiert.
Die Verengung der Eingangssituation wird weiter betont durch eine Weiterführung der Parkplatzmauer als Stützmauer für einen neuen Kirchvorplatz und als Treppenerschließung des Parkplatzes. Eine eingeschobene Treppenanlage bildet ein zweites Platzniveau vor der Schlosskapelle.
Der Parkplatz wird mit einem an die ehemaligen Gärten angelehnten Raster im Belag neugestaltet und die Stellplätze zugunsten einer größeren Grünfläche an der Kirchmauer näher an die westliche Bebauung gerückt. Vom Parkplatz führt eine neue Treppenanlage direkt auf den Kirchvorplatz. Der dafür erforderliche Aufwand wird als sehr hoch gewertet.
Die Vorschläge zur Beleuchtung sowie die Gestaltung der Grünfläche am Lamm sind ein guter Beitrag im Entwurf.
Kritisch betrachtet wird die zu starke Trennung der 3 wichtigen Aufenthaltsbereiche Kirchvorplatz - Kapellenvorplatz- Bronnengarten durch die vorgesehene Höheneinstellung und Wegeführung.
Durch die eingeschobene Haupttreppe und die rechtwinklig dazu verlaufenden Stufen zur Kapelle wird ein zusammenhängender gemeinsamer Platzbereich erschwert. Auch der tiefer gesetzte Senkgarten ist durch eine Böschung vom Platz abgetrennt und nur über eine Treppenanlage erreichbar. So wird nach dem Eintritt in das Schlossquartier kein zusammenhängender Bereich erlebbar und es entstehen zu sehr voneinander getrennte Aufenthaltsräume.
Der Aufwand für die neue Mauer zum Schlossplatz und zum Parkplatz wird als sehr hoch erachtet. Der Bronnengarten ist eher als Vorfläche für die Denkmale gestaltet und zeigt eine zu geringe Beschattung.
Insgesamt gelingt es der Arbeit leider nicht, den eigentlich guten Ansatz die historische Situation und die noch vorhandenen Spuren wieder zu inszenieren und zum Grundprinzip zu machen, konsequent und in einfacher Art und Weise umzusetzen. Konsequent wird das Wiesengrundstück als zum Pavillon gehörender „Bronnengarten“ erkannt und wird als nutzbarer Senkgarten mit Wiesenfläche sowie als Standort der Kriegerdenkmale gestaltet.
lageplan
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längsschnitt kirchterrasse
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