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Mehrfachbeauftragung | 02/2026

Neugestaltung Kirchberg in Redwitz an der Rodach

Räumliche Darstellung
7

Räumliche Darstellung

Teilnahme

JOMA Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Städtebauliches und freiraumplanerisches Konzept

Das Gesamtkonzept basiert auf einer klaren, offenen und hierarchisch aufgebauten Raumabfolge, die sich vom Fuß des Berges bis hinauf zum Schloss entwickelt. Die einzelnen Freiräume werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als aufeinander aufbauende Abfolge von Räumen konzipiert, die sich gegenseitig räumlich, funktional und atmosphärisch stärken.

Ein zentrales Entwurfselement ist die Neufassung und Versetzung der bestehenden Kirchentreppe aus Sandstein, die sowohl auf den Eingang der Kirche als auch auf die Schlosskapelle ausgerichtet ist. Durch diese Maßnahme entsteht ein neuer Platzraum, der als verbindendes Gelenk zwischen den historischen Bauwerken wirkt und deren Präsenz deutlich stärkt. Die neue Treppenanlage schafft nicht nur eine klare Wegeführung, sondern inszeniert zugleich die Ankunft und Hinführung zu den historischen Gebäuden.

Mit der neu definierten Platzsituation ergeben sich attraktive Aufenthaltsqualitäten. Die Verlagerung der bestehenden Kriegsdenkmäler schafft insbesondere im Bereich der Schlosskapelle eine großzügige Eingangssituation. Der neu gewonnene Freiraum ermöglicht sowohl alltägliche Nutzung als auch die flexible Bespielung für zukünftige Veranstaltungen. Im Eckbereich zwischen Kapelle und Schloss wird eine Felsskulptur aus Naturstein vorgeschlagen, die gemeinsam mit Brunnen und weiteren Sitzmöglichkeiten eine atmosphärisch hochwertige Raumstruktur bildet und die Aufenthaltsqualität des Vorplatzes nachhaltig steigert.

Durch die Neupositionierung der Freitreppe zum Straßenraum wird der gesamte Vorplatz auf ein einheitliches Niveau mit den öffentlichen Eingängen sowie den beiden angrenzenden barrierefreien Stellplätzen gebracht und kann damit in Verbindung mit einer Rampe am Schlosseingang vollständig barrierefrei erschlossen werden. Zugleich ermöglicht diese Niveauregulierung eine durchgängige barrierefreie Anbindung der öffentlichen Toilette neben der Sakristei. Diese kann sowohl den südöstlichen Platzraum als auch den grünen Hinterhof zwischen Kirche und Schloss infrastrukturell stärken und bei zukünftigen Veranstaltungen als ergänzende Versorgungseinrichtung dienen.

Die Material- und Farbwahl orientiert sich konsequent an den bestehenden historischen Gebäuden. Ziel ist eine zurückhaltende, aber hochwertige Gestaltung, die das Ensemble stärkt und eine Fremdkörperwirkung vermeidet.

Wegeführung und Erschließung

Neben der bestehenden Haupterschließung über die Straße „Kirchberg“ wird über den Bronnengarten eine zusätzliche Nord-Süd-Wegeverbindung für Fußgänger geschaffen. Diese greift den bestehenden Trampelpfad auf und überführt ihn in einen qualitätsvollen, befestigten Weg. Die Fahrbahnflächen des Haupt- und Nebenarms des Kirchbergs werden asphaltiert, um eine klare und dauerhafte Erschließungsstruktur sowie Orientierung für den Kfz-Verkehr sicherzustellen.

Umgang mit den Kriegsdenkmälern

Der Umgang mit den bestehenden Kriegsdenkmälern erfordert eine sensible Auseinandersetzung mit ihrer historischen, gesellschaftlichen und räumlichen Bedeutung. Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts haben tiefe Spuren hinterlassen, die sich nicht nur in persönlichen Schicksalen, sondern auch in der Zerstörung von Städten, Kulturlandschaften sowie Kunst- und Kulturgütern manifestieren. Auch wenn die unmittelbar betroffenen Generationen heute größtenteils nicht mehr leben, bleibt die Frage nach einer zeitgemäßen Form des Gedenkens weiterhin relevant.

Vor dem Hintergrund gegenwärtiger globaler Konflikte wird deutlich, dass Krieg als gesellschaftliches Phänomen nichts an Aktualität verloren hat. Entsprechend wird vorgeschlagen, die bestehenden Kriegsdenkmäler zu einem gemeinsamen Kriegsmahnmal weiterzuentwickeln. Die Säule des Ersten Weltkrieges bleibt in ihrer Grundform erhalten. Beidseitig davon werden die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges auf zwei zusammenhängenden Flächen in einer klar lesbaren Gesamtform angeordnet – nicht zur Heroisierung, sondern als sichtbares Zeugnis der Tragweite und Folgen kriegerischer Gewalt.

Das Mahnmal wird von einer extensiven Frühlings- und Sommerblühwiese sowie einer hintanstehenden Grünkulisse begleitet, die einen bewussten Kontrast zur industriellen Zerstörung bilden und den Ort in einen lebendigen Raum überführen. Gleichzeitig entsteht ein grüner Vorbereich, der Kirche, Kapelle, Schloss, Parkplatz und Bronnengarten als zusammenhängende Mitte verbindet und das Ensemble räumlich neu ordnet.

Bronnengarten und Grünstruktur

Mit der Platzierung des Mahnmals, der Blühwiese und neuer Wege entsteht auf dem Bronnengarten ein zusammenhängender Landschaftsraum. Eine rahmende Hecken- und Baumstruktur schafft einen respektvollen Abstand zu den östlich und südlich angrenzenden Bebauungen und bildet gleichzeitig einen klar gefassten Grünraum.

Eine südwestlich gelegene Treppe führt in den Park und ermöglicht einen inszenierten Entdeckungsweg durch die Anlage. Der weitgehend unversiegelte und verschattete Charakter des Gartens lädt zum Verweilen ein und bietet verschiedene Blickbeziehungen auf das historische Ensemble. Bis auf einen bestehenden Baum im Parkplatzbereich bleiben alle Bestandsbäume erhalten. Mit der Neuschaffung des Bronnengartens sind weitere Baumneupflanzungen geplant.

Regenwasser- und Entwässerungskonzept

Ergänzend zu den ausgebauten Grünstrukturen wird das ökologische Potenzial des Areals durch ein duales System zur Speicherung und Versickerung von Regenwasser gestärkt.

Das auf Straßen- und Parkplatzflächen anfallende Oberflächenwasser wird zunächst vorgereinigt und anschließend über unterirdische Rigolen im Boden versickert.

Das weitgehend unbelastete Dachwasser eines großen Teils der Dachflächen von Kirche, Kapelle und Schloss wird in einen unterirdischen Wasserspeicher unter der Wiese des Bronnengartens geleitet. Dieses Wasser kann bedarfsgerecht, insbesondere zur Bewässerung der Grünflächen, genutzt werden. Überschüssiges Wasser wird sukzessive im Boden versickert oder kann zur Speisung des Ölpumperbrunnens am Weißen Lamm eingesetzt werden.

Freiraumgestaltung am Weißen Lamm

Neben dem „Weißen Lamm“ entsteht ein neuer Aufenthaltsbereich, der zukünftige Nutzungen flexibel ermöglicht. Vorgeschlagen wird ein direkter Durchgang aus dem ehemaligen Gastraum in die Freifläche. Der Ölpumperbrunnen erhält ein Wasserbecken, das insbesondere Radfahrern und Wanderern eine Erfrischungsmöglichkeit bietet. Beide Elemente liegen an regionalen und überregionalen Rad- und Wanderwegen und stärken somit die Bedeutung des Ortes als attraktiven Zwischenstopp. Von hier aus führt der Blick zum Kirchberg hinauf, der zur weiteren Erkundung des historischen Ensembles einlädt.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Das Konzept ist konsequent auf eine wirtschaftliche Umsetzung sowie auf geringe Betriebs- und Folgekosten ausgelegt. Durch die Fortführung der Asphaltierung auf den Hauptverkehrsflächen und den Einsatz einfacher Pflastermaterialien wird eine langlebige und wartungsarme Erschließung sichergestellt. Der weitgehende Verzicht auf Stützmauern reduziert sowohl die Herstellungskosten als auch potenzielle zukünftige Instandhaltungsaufwendungen.

Mit der Wiederverwendung der Natursteine der bestehenden Kirchentreppe sowie der Parkplatzmauer werden Prinzipien des zirkulären Bauens umgesetzt und gleichzeitig Kosten eingespart.

Die vorgesehenen Regenwasserspeicher- und Versickerungssysteme entlasten langfristig das Klärwerk und die kommunale Abwasserinfrastruktur und tragen damit nachhaltig zur Reduzierung laufender Betriebskosten bei.

Die Anlage einer Blühwiese wirkt sich neben ökologischen Vorteilen auch positiv auf die Wirtschaftlichkeit aus, da sie im Vergleich zu Rasenflächen deutlich weniger Pflege benötigt, seltener gemäht werden muss und keinen Dünger erfordert. Der erhöhte Anteil an qualitativ hochwertigen Grünflächen mit entsprechender Verschattung schafft zudem ein kühleres und klimatisch angenehmeres Umfeld. Dies verbessert die Aufenthaltsqualität, fördert Erholung und Wohlbefinden und trägt mittelbar zu einer gesteigerten Lebensqualität im gesamten Gebiet bei.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf inszeniert ganz bewusst die Position der Kirche als Mittelpunkt des Kirchberges. Mit einer neuen Freitreppe die sich aus dem Weg nach oben entwickelt und direkt auf den Kirchvorplatz führt, wird eine starke Geste gezeigt.

Der Kirchvorplatz wird durch die deutlich nach vorne gezogenen Treppenanlage gut mit dem Kapellenplatz verbunden; den Auftakt der Treppe bildet ein neuer Brunnenstandort. Die Denkmale werden versetzt; in der Nische Kapelle/Schloss entsteht ein attraktiver Sitzplatz an einer „Felsenskulptur“.

Die Wiesenfläche wird als angehobener Plateaugarten und als Standort für die Kriegerdenkmale gestaltet. Diese erhalten einen dicht bepflanzten „grünen Rücken“. Die Wegeführung in diesem Garten ist gekonnt gesetzt und ermöglicht eine selbstverständliche Anbindung an den südlichen Weg und in den Ortskern. Der Zugang auf das Plateau von der Straße aus erfolgt über eine Treppe, deren Dimensionierung als etwas zu aufwendig empfunden wird.

Der Parkplatz wird mit einfachen Mitteln gestaltet. Hier finden besonders die Ideen außerhalb des Realisierungsbereiches zur Neugestaltung des WC und Inszenierung des Kirchinnenhofes lobende Erwähnung.

Der Vorschlag zur Gestaltung des Bereiches am Lamm ist ein guter Beitrag; ebenso die gewählten und klug gesetzten Belagsarten.

Die Vorschläge zum Regenwassermanagement sind durchdacht und zeugen von Erfahrung im Umgang mit diesem Thema.

Der mutige Ansatz der großen Freitreppe wirkt im Ergebnis jedoch zu dominant und entspricht nicht der eher zurückhaltenden Erschließung des Gebäudekomplexes. Hinterfragt wird die neue Orientierung des Zugangs vom Parkplatz, der nun über die steile Treppe führt sowie der vergleichsweise hohe Aufwand für das Bauwerk. Der Gartenbereich kann zwar eben vom Platz aus erreicht werden; die Ausgestaltung erscheint etwas zu sehr auf die Denkmale ausgerichtet und beschattete Bereiche und Baumpflanzungen werden vermisst.

Insgesamt zeigt der Entwurf zwar eine klare Haltung und gute Zonierungen der Räume und Aufenthaltsbereiche. Die gewählte Geste wird jedoch von der Jury als letztlich zu dominant empfunden, auch wenn der starke Ansatz gewürdigt wird.
Übersichtsplan

Übersichtsplan

Lageplan

Lageplan

Schnitt A

Schnitt A

Schnitt C

Schnitt C

Freifläche Weißes Lamm

Freifläche Weißes Lamm

Blick auf das historische Ensemble

Blick auf das historische Ensemble