Einladungswettbewerb | 10/2025
Neugestaltung Kristallisationspunkt Langgasse in Hollfeld
4
©arc.grün landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh, Klaus Nickel
2. Preis
Preisgeld: 8.400 EUR
Architektur
Erläuterungstext
Konzeption
Die Verbindung von Stadtraum und Grünraum erfolgt über den neu geschaffenen Platz. Über gezielte Baumsetzungen und Freimachen von Sichtachsen wird ein direkter Bezug hergestellt. Durch die Gebäudesetzung erfolgt die Aufweitung des Stadtraums an der Hauptstrasse und Hinwendung zum neuen Platz. Über eine neue Wegeverbindung durch den Hangbereich entsteht sowohl eine direkte Verbindung von Oberstadt zur Unterstadt als auch ein neuer Rundweg zu den Terrassengärten. Als Maßnahmen zur Klimaanpassung werden mehrere Ebenen betrachtet.
- Der Bestandserhalt vor allem von Großbäumen und flächigen klimawirksamen Gehölzstrukturen
- Bei Neupflanzungen Anwendung des „Schwammstadtprinzips“ zur Speicherung von Niederschlagwasser
Platzflächen und Gebäudesetzung
Der neue Platz wird in 3 Ebenen gestaffelt, die von 2 „Gassen“ gerahmt werden.
Die westliche Gasse führt vom Katzensteig entlang des neuen Gebäudes bis zur Langgasse und bekommt Anschluss an den Fußweg zur Eiergasse und den Parkplatz.
Die östliche Gasse erschließt die Gebäude 18 und dessen Garage und erhält eine Verbindung zum Katzensteig.
An Stelle des abgebrochenen Gebäudes Nr. 14 tritt eine Erweiterung der landschaftlichen Hangsituation mit einer neuen Querverbindung vom Katzensteig zu den Terrassengärten. Hier wird der größte Höhensprung abgefangen und die grünen Terrassen verbinden sich mit dem Platz.
Auf den nächsten Ebenen führen wenige Treppenstufen bis zur Langgasse, im Zwischenbereich erfolgt ein ebenerdiger Anschluss an den Eingangsbereich des Neubaus.
Die Platzgefälle bewegen sich zwischen ca. 1% und 7% und sind damit für Festivitäten und Veranstaltungen gut nutzbar.
Die durch die neue Gebäudestellung erreichte Aufweitung an der Langgasse ermöglicht in Verbindung mit der Neugestaltung der Bushaltemöglichkeit eine Einbeziehung des Straßenraumes zu einer erweiterten Platzsituation. Die verengte Fahrbahn quert mit minimalem Eingriff einen zusammenhängenden städtebaulichen Raum ohne als störend empfunden zu werden.
Es wird vorgeschlagen, den Hangbewuchs nur auf das notwendige Maß zu reduzieren. Lediglich eine Zugänglichkeit zum Mauerfuß wird geschaffen und eine neue Wegeverbindung zum Kirchplatz geöffnet.
So kann der Bewuchs weiter zur Hangstabilisierung erhalten werden und seine klimatische und ökologische Funktion beibehalten.
Lediglich in den Randbereichen und zum Platz hin wird durch Auslichtung und Ergänzung der Bepflanzung ein landschaftlicher Rahmen als extensive Baumwiese geschaffen.
Diese Bepflanzung mit Solitärbäumen zieht sich dann weiter über den Platz; vorgeschlagen wird die Verwendung klimaresistenter Baumarten wie Quercus frainetto oder Ostrya carpinifolia.
Als Platz- und Gassenbelag wird ein heller, reflektierender Naturstein, z.B. Granit vorgeschlagen, der im Passée-Verband verlegt ist, um dem Gassen- bzw. Platzcharakter mit häufig wechselnden Anschlussrichtungen zu begegnen.
Städtebau
Durch den Rückbau der Gebäude gelingt eine Öffnung des Stadtgefüges und eine sowohl landschaftliche wie auch nutzungsspezifische Verknüpfung von Ober- und Unterstadt.
Die neue Gebäudekonfiguration im Ideenteil geht von einer Beibehaltung der städtebaulichen Setzung aus, so dass die Neugestaltung auch ohne diese Maßnahme umsetzbar ist. Bei einem Neubau können die Platzeigenschaften jedoch besser zur Geltung kommen.
Der neue Platz wird so sanft wie möglich höhengestaffelt um eine möglichst barrierearme Nutzung zu ermöglichen.
Der Hangbereich wird mit einer neuen Wegeverbindung ergänzt, welche an den Terrassengarten anbinden. Wesentliche Teile des Bewuchses bleiben erhalten, ein extensives Streuobstband zieht sich um die Mauer und wird im Platz weitergeführt.
Das „Katzengärtchen“ kann zum Spielen genutzt werden.
Für ein neues Gebäude am Platz wird ein Ersatzbau vorgeschlagen, der auf die städtebauliche Kante des Gebäudes Nr.18 reagiert und durch den Rücksprung eine Öffnung des Platzes zum Straßenraum schafft. Die Grenzbebauung wird beibehalten um das städtebauliche Gefüge nicht zu verändern.
Zwei zum Platz traufständige dreigeschossige Gebäude mit einem verbindenden Erschließungstrakt zeichnen den Fußabdruck der bisherigen Gebäude nach.
Der Zugang erfolgt sowohl von der Straßenseite mit einer Treppe als auch barrierefrei von der Platzseite am Verbindungsgebäude.
Die Dächer aller drei Gebäudeteile erhalten ein Satteldach in der an die umgebende Bebauung angepassten Neigung.
Gebäude
Das neue Gebäude am Platz wird als Wohngebäude entsprechend der gewünschten Wohnungstypen und Wohnflächengrößen konzipiert.
Die Höheneinstellung erfolgt so, dass auch ein barrierefreier Zugang möglich ist.
Dazu werden zwei Baukörper entwickelt, die über ein gemeinsames zum Platz orientiertes und leicht zurückspringendes Verbindungsgebäude stufenfrei erschlossen werden. Ein Aufzug ermöglicht hier die Verbindung aller weiterer Geschossebenen und des UG.
Zur Straße erhält der südliche Baukörper ein EG im Hochparterre mit einer öffentlichen Nutzung für Veranstaltungen wie Ausstellungen oder durch die örtliche Volkshochschule mit kleinem Saal, Teeküche und WC. Im nördlichen Baukörper befindet sich in diesem Geschoss ein Gemeinschaftsraum mit WCs für die Bewohner der Anlage, der sich zum Eingangshof der Anlage hin öffnet, so dass dieser Bereich im Sommer von den Bewohnern als Freisitz genutzt werden kann. Im hinteren, erdgebundenen Bereich sind Kellerräume und ein Technikraum untergebracht.
Unter dem Hochparterre entsteht durch die vorhandene Topographie ein von der Straße aus mit geringem Gefälle erreichbarer PKW-Abstellraum für die Bewohner, alternativ wären hier auch nur Abstellflächen für Fahrräder, Lager- und Abstellräume möglich.
In den beiden Obergeschossen können 6 Wohneinheiten mit unterschiedlichen Wohnflächen von Single-Wohnen bis zu Wohnungen für Familien geschaffen werden.
Alle Wohnungen erhalten zur Platzseite großzügige Balkonloggien um eine ausreichende Belichtung des grenzbebauenden Gebäudes zu ermöglichen.
Das jeweils erdgebundene Sockelgeschoss ist in Stahlbetonbauweise mit außen aufgebrachter Wärmedämmung konzipiert. Die darüberliegenden Geschosse sind komplett in nachhaltiger Holzmassivbauweise gehalten.
Der Eingangs- und Treppenhausbereich ist großflächig aufgeglast. Der sommerliche Wärmeschutz kann durch eine entsprechende Fassadenbegrünung hergestellt werden, die das Mikroklima am und im Gebäude positiv beeinflusst.
EG: Raum für öffentliche Nutzung (ohne Nebenräume): 64 m²
Gemeinschaftsraum Bewohner (ohne Nebenräume): 48 m²
OG1: Wohnung 1, 3 Zimmer/3 Personen: 73 m²
Wohnung 2, 2 Zimmer/1 Person: 43 m²
Wohnung 3, 2 Zimmer/1 Person: 48 m²
Wohnung 4, 2 Zimmer/ 2 Personen: 60 m²
DG2: Wohnung 5, 4 Zimmer/4 Personen: 97 m²
Wohnung 6, 3 Zimmer/3 Personen: 92 m²
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit leistet durch die geschickte Gestaltung der neuen Platzfläche und die Verknüpfung von Ober- und Unterstadt einen wertvollen Wettbewerbsbeitrag.
Besonders hervorzuheben ist die klare Struktur der Freiraumgestaltung, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugt. Der neue Grünraum wird schlüssig mit der Grünfläche unterhalb der Stadtmauer verknüpft und bildet so eine harmonische Verbindung zwischen Bestand und Neugestaltung.
Die Gliederung des Platzes in drei Terrassenebenen stellt eine überzeugende räumliche Lösung dar, da unterschiedliche Nutzungsaspekte aufgenommen werden. Hier wird sowohl eine Grünfläche, als auch befestigte Platzflächen angeboten, die eine multifunktionale Nutzung erwarten lassen. Sitzstufen und Treppen sichern eine gute Aufenthaltsqualität sowie eine vielfältige Bespielbarkeit der Flächen. Die Anordnung der Treppenstufen ähnelt der Gestaltung am unteren Markt. Dadurch ist ein einheitliches Erscheinungsbild der Stadt bewahrt und eine Akzeptanz der Bevölkerung zu erwarten. Positiv wird die schwellenlose, barrierearme Erschließung über den westlichen Weg bewertet. Die topografische Gestaltung trägt wesentlich zur Aufenthaltsqualität bei und wird insgesamt als gelungen beurteilt.
Die erforderlichen Stützwände sind in Lage und Höhe stimmig in die Geometrie eingebunden. Der Rhythmus zwischen Grün- und Belagsflächen wirkt ausgewogen.
Im Norden mündet der westliche Weg in die neue Wegeverbindung zwischen Terrassengarten und Katzensteig. Nach Süden führt er folgerichtig in Richtung Langgasse und weiter zum Fußweg der Eiergasse.
Kritisch wird die Gestaltung des unteren Platzbereichs gesehen. Dieser erscheint im Vergleich zu den oberen Ebenen zu wenig differenziert. Auch fehlt eine Belebung durch öffentliche Nutzungen im angrenzenden Gebäude, wodurch das Potenzial zur städtebaulichen Aktivierung nicht ausgeschöpft wird.
Die geplanten Stellplätze werden differenziert bewertet: Die beiden Stellplätze vor dem neuen Gebäude erscheinen funktional nicht schlüssig und sind gestalterisch problematisch. Zudem fehlt die Darstellung eines barrierefreien Stellplatzes. Die vier Stellplätze im nördlichen Bereich sind aufgrund der ausschließlichen Nutzung durch Bewohner*innen grundsätzlich akzeptabel, wenngleich ihre Lage als optimierbar angesehen wird.
Die klare Trennung zwischen der Zufahrt zum nördlichen Hof der Post und den öffentlichen Flächen wird hingegen positiv hervorgehoben.
Die Bushaltestelle ist gut positioniert und lässt einen geschützten Wartebereich erwarten.
Auch die Berücksichtigung von Maßnahmen zur Klimaanpassung, wie Flächenentsiegelung, die Anwendung des Schwammstadt-Prinzips und klimaresiliente Baumpflanzungen, wird positiv bewertet.
Auch der geringe Eingriff in die Grünfläche unterhalb der Stadtmauer kann überzeugen. Der neue Zugang zur Oberstadt ist jedoch aufgrund der bestehenden Stadtmauer und der Eigentumsverhältnisse nicht möglich.
Zusammenfassend überzeugt die Arbeit durch eine klare Struktur, eine hohe funktionale Qualität der Terrassenlösung und die sensibel gestaltete Anbindung an den Bestand. Kritisch bleiben jedoch die fehlende Differenzierung und Belebung im unteren Platzbereich. Insgesamt stellt die Arbeit einen wertvollen Beitrag dar, der wesentliche städtebauliche und freiraumplanerische Qualitäten vereint.
Hinweise zum Ideenteil: Die städtebauliche Körnung und Kubatur werden sehr gut aufgenommen. Durch die Zäsur des Gebäudes entsteht ein spannungsvolles Gegenüber zum oberen Platz. Die Benutzung durch die Bewohner ist gut vorstellbar. Die Wohnungen sind qualitativ hochwertig und besitzen einen guten Außenraumbezug. Der Wohnungsmix scheint angemessen. Eine barrierearme Erschließung ist möglich. Die innere Erschließung liefert zu viel Verkehrsfläche. Die unangemessenen Größen der Veranstaltungs- und Gemeinschaftsflächen verhindern jedoch eine positive Entwicklung und könnten stärker mit dem Außenraum verknüpft werden. Der faktische Verlust der Erdgeschosszone Richtung Langgasse ist dringend zu überarbeiten. Ziel ist eine Verknüpfung mit dem unteren Platz und der belebten Langgasse.
Besonders hervorzuheben ist die klare Struktur der Freiraumgestaltung, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugt. Der neue Grünraum wird schlüssig mit der Grünfläche unterhalb der Stadtmauer verknüpft und bildet so eine harmonische Verbindung zwischen Bestand und Neugestaltung.
Die Gliederung des Platzes in drei Terrassenebenen stellt eine überzeugende räumliche Lösung dar, da unterschiedliche Nutzungsaspekte aufgenommen werden. Hier wird sowohl eine Grünfläche, als auch befestigte Platzflächen angeboten, die eine multifunktionale Nutzung erwarten lassen. Sitzstufen und Treppen sichern eine gute Aufenthaltsqualität sowie eine vielfältige Bespielbarkeit der Flächen. Die Anordnung der Treppenstufen ähnelt der Gestaltung am unteren Markt. Dadurch ist ein einheitliches Erscheinungsbild der Stadt bewahrt und eine Akzeptanz der Bevölkerung zu erwarten. Positiv wird die schwellenlose, barrierearme Erschließung über den westlichen Weg bewertet. Die topografische Gestaltung trägt wesentlich zur Aufenthaltsqualität bei und wird insgesamt als gelungen beurteilt.
Die erforderlichen Stützwände sind in Lage und Höhe stimmig in die Geometrie eingebunden. Der Rhythmus zwischen Grün- und Belagsflächen wirkt ausgewogen.
Im Norden mündet der westliche Weg in die neue Wegeverbindung zwischen Terrassengarten und Katzensteig. Nach Süden führt er folgerichtig in Richtung Langgasse und weiter zum Fußweg der Eiergasse.
Kritisch wird die Gestaltung des unteren Platzbereichs gesehen. Dieser erscheint im Vergleich zu den oberen Ebenen zu wenig differenziert. Auch fehlt eine Belebung durch öffentliche Nutzungen im angrenzenden Gebäude, wodurch das Potenzial zur städtebaulichen Aktivierung nicht ausgeschöpft wird.
Die geplanten Stellplätze werden differenziert bewertet: Die beiden Stellplätze vor dem neuen Gebäude erscheinen funktional nicht schlüssig und sind gestalterisch problematisch. Zudem fehlt die Darstellung eines barrierefreien Stellplatzes. Die vier Stellplätze im nördlichen Bereich sind aufgrund der ausschließlichen Nutzung durch Bewohner*innen grundsätzlich akzeptabel, wenngleich ihre Lage als optimierbar angesehen wird.
Die klare Trennung zwischen der Zufahrt zum nördlichen Hof der Post und den öffentlichen Flächen wird hingegen positiv hervorgehoben.
Die Bushaltestelle ist gut positioniert und lässt einen geschützten Wartebereich erwarten.
Auch die Berücksichtigung von Maßnahmen zur Klimaanpassung, wie Flächenentsiegelung, die Anwendung des Schwammstadt-Prinzips und klimaresiliente Baumpflanzungen, wird positiv bewertet.
Auch der geringe Eingriff in die Grünfläche unterhalb der Stadtmauer kann überzeugen. Der neue Zugang zur Oberstadt ist jedoch aufgrund der bestehenden Stadtmauer und der Eigentumsverhältnisse nicht möglich.
Zusammenfassend überzeugt die Arbeit durch eine klare Struktur, eine hohe funktionale Qualität der Terrassenlösung und die sensibel gestaltete Anbindung an den Bestand. Kritisch bleiben jedoch die fehlende Differenzierung und Belebung im unteren Platzbereich. Insgesamt stellt die Arbeit einen wertvollen Beitrag dar, der wesentliche städtebauliche und freiraumplanerische Qualitäten vereint.
Hinweise zum Ideenteil: Die städtebauliche Körnung und Kubatur werden sehr gut aufgenommen. Durch die Zäsur des Gebäudes entsteht ein spannungsvolles Gegenüber zum oberen Platz. Die Benutzung durch die Bewohner ist gut vorstellbar. Die Wohnungen sind qualitativ hochwertig und besitzen einen guten Außenraumbezug. Der Wohnungsmix scheint angemessen. Eine barrierearme Erschließung ist möglich. Die innere Erschließung liefert zu viel Verkehrsfläche. Die unangemessenen Größen der Veranstaltungs- und Gemeinschaftsflächen verhindern jedoch eine positive Entwicklung und könnten stärker mit dem Außenraum verknüpft werden. Der faktische Verlust der Erdgeschosszone Richtung Langgasse ist dringend zu überarbeiten. Ziel ist eine Verknüpfung mit dem unteren Platz und der belebten Langgasse.
©arc.grün landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh, Klaus Nickel
©arc.grün landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh, Klaus Nickel
©arc.grün landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh, Klaus Nickel