Nichtoffener Wettbewerb | 01/2025
Neugestaltung Mobilitätsknoten und Bahnhofsumfeld Hessental in Schwäbisch Hall
©TERRA.NOVA, Julia Kattinger
Blick von 'Entrée' zum Bahnhof
1. Preis
Preisgeld: 52.000 EUR
TERRA.NOVA Landschaftsarchitektur
Landschaftsarchitektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Margareta Luzia Pilot, Kateryna Maksimentseva, Eva Greimel, Julia Kattinger
Stadtplanung / Städtebau
Erläuterungstext
'MOBILITÄTSKNOTEN UND BAHNHOFSUMFELD HESSENTAL“
- Verkehrsdrehscheibe und Tor zur Stadt -
> Ausgangssituation
Das Bahnhofsareal in Hessental soll als attraktives Mobilitätszentrum entwickelt und zu einem repräsentativen Tor zur Stadt umgestaltet werden. Der Busverkehr nimmt hierbei durch seine Lage und Funktion in direkter Nähe zum Bahnhof eine wichtige Rolle im städtischen Kontext ein. Durch die neuen Bushaltepunkte und zugeordnete Warteflächen sollen klar ablesbare Verknüpfungen von den Haltepunkten zum Bahnhof, zum Karl-Kurz-Areal und zur Stadt geschaffen werden.
Die derzeitige stadträumliche, gestalterische und verkehrliche Situation nimmt keine Wertung dieser wichtigen Situation vor. Das Bahnhofsareal mit der bestehenden verkehrlichen Infrastruktur und Vernetzung entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Insgesamt stellt sich die derzeitige Situation als heterogener städtischer Raum mit zahlreichen Störungen dar. Klarheit und Orientierung sowie die ablesbare Ordnung des Verkehrs fehlen. Dies ist einerseits eine Einschränkung, andererseits bietet sich die Chance diese Funktionen zum Ausgangspunkt der Gestaltungsidee heranzuziehen.
> Entwurfsstrategie
Dieser Situation Rechnung tragend, schlagen wir eine Weiterführung sowie Präzisierung der vorgefundenen städtebaulichen Ausgangssituation auf Grundlage des vorliegenden verkehrsplanerischen Vorentwurfs vor. Ausgehend von der Analyse des Ist-Zustandes ist ein stadträumliches Konzept zur Neuordnung und Gestaltung des Bahnhofsareals geplant, welches auf den nachfolgenden Grundprinzipien aufbaut. Übergeordnetes Ziel ist es die vorhandenen und geplanten Funktionen zu ordnen und dem Bahnhofsumfeld seiner Bedeutung entsprechende Platz- und Freiraumatmosphären zu geben.
> Zentrenbildung
>> Mobilitätszentrum aus Bahnhof, ÖPNV und MIV
> Komprimierung
>> Bündelung der verkehrlichen Anforderungen auf ein Mindestmaß
> Identifikation
>> Hervorhebung der Eigenständigkeit und Besonderheit der neuen Mobilitätsdrehscheibe durch signifikante ‚neue Architekturen der Überdachungen‘
> Hierarchisierung
>> Räumliche Konzentration und Abstraktion der 'neuen Architekturen' im Kontext des bestehenden historischen Raumkontextes
> Attraktivierung
>> Erhöhung der Aufenthaltsqualität von Straßen- und Platzräumen durch eindeutige Funktionszuordnung und freiraumplanerische Vernetzung
01. Verkehr, freiraumplanerische Vernetzung
Die verkehrliche Situation für den öffentlichen und individual Verkehr wird entsprechend der Auslobungsvorgaben funktional zugeordnet und auf den angegebenen Flächenbedarf gebündelt. Die Bus-Haltestellen sind demzufolge wechselseitig entlang der Karl-Kurz-Str. angeordnet und räumlich und funktional vom Individualverkehr getrennt bzw. als Endhaltestelle im Karl-Kurz-Areal geplant.
Die neuen, großzügigen Wartebereiche und die Wegeverbindungen zwischen den Haltestellen, die fußläufige Verbindung zum Bahnhof, zur Park + Ride Anlage und zu den angrenzenden Freiflächen sind dadurch klar und übersichtlich gestaltet. Die öffentlichen Zufahrten von der Karl-Kurz-Str. werden räumlich dahingehend entzerrt, dass im Bereich des Baumfeldes „West“ die Zufahrt für die bestehenden Stellplätze der DB und Taxis in Einbahnregelung vorgesehen ist. Das bahnhofsbezogene Kurzzeitparken wird kompakt östlich der zentralen Platzfläche angeordnet und über eine neue Zufahrt im Bereich des Baumfeldes „Ost“ erschlossen.
Das Fahrradparken wird an drei Standorten vorgeschlagen. Im Osten als Fahrradstation mit freien Doppelstockpark-Stellplätzen und weiteren Fahrradbügeln entlang der Treppen-/Rampenerschließungsanlage der DB. Im Westen angrenzend an die Stellplätze der DB und südlich der Gleise entlang der Westfassade des Parkdecks.
Die Park + Ride Stellplätze für den ruhenden Verkehr werden südlich der Gleise in einem offenen 2-geschossigen, split-level Parkdeck gebündelt. Im Hinblick auf zukunftssicheres, nachhaltiges und grünes Parken soll die Konstruktion vornehmlich aus Holz erfolgen und die Fassaden als „lebendige“, grüne Fassade ausgeführt werden. Das obere Parkdeck soll seilüberspannt und ebenso begrünt werden.
02. Freiraumplanerisches Konzept
Bewegung und Bewegtheit sind die charakteristischen Merkmale des Ortes. Die unterschiedlichen verkehrlichen Funktionen bestimmen das Geschehen und den Gestaltungsatz zur Zonierung der unterschiedlichen Freiräume entlang der Bahnlinie. Die „Hessental-Plaza“ und ihr Pendant, das „Stadt-Entrée“ auf der gegenüberliegenden Seite der Karl-Kurz-Straße bildet hierbei den zentralen und hochwertigen Platzbereich mit großformatigem Natursteinplattenbelag. Auf den Platzstirnseiten schließen im Westen und Osten zwei baumbestandene Freiräume an. Die lineare und großzügige Durchgrünung der beiden „Funktionsflächen“ im Bereich der Baumfelder erfolgt mit blühenden, herbst(gelb-) färbenden Solitären, alle einzigartig und in Summe bunt. Sie unterstreicht die Organisationsstruktur und gewährleistet eine einfache und eindeutige Orientierung.
Der ruhende Verkehr unter einem grünen Blätterdach wird zum selbstverständlichen Bestandteil der verkehrlichen Infrastrukturen und dem Gestaltungsprinzip. Das Spiel von Licht und Schatten bestimmt die Atmosphäre dieser Stadträume.
In Anlehnung an das benachbarte ehemalige Industrieareal und dem dort verwendeten gängigen Industriebodenbelag schlagen wir für die Platzflächen der „Baumfelder“ und der weiterführenden Gehwege einen flächenhaften Belag aus hellem Betonplattenbelag in grau - gelbgrau - braun Abstufungen vor.
Weiter im Osten bildet der Gedenkhain und der kleine „Platz der Stille“ den angemessenen Übergang zur KZ-Gedenkstätte. Aus Respekt vor der geschichtlichen Bedeutung des Ortes soll das Erscheinungsbild der beiden Freiräume hierbei aufs Elementarste reduziert werden. Der grüne Charakter des Bahnhofsareals, geprägt durch den wertvollen Baumbestand und zahlreiche Baumneupflanzungen, steht im Mittelpunkt unserer Gestaltung. Ziel ist es, im Hinblick auf die ökologischen Aspekte einer klimaangepassten Stadtentwicklung, die Standortbedingungen der Bäume zu optimieren, ausreichend Wurzelraum zu schaffen und Flächen soweit möglich zu entsiegeln und standortgerecht zu unterpflanzen.
Die bestehende Gehölzfläche zwischen Karl-Kurz-Areal und Eberhard-Heim-Str. soll zu einem Quartierspark für die Bewohner Hessentals und das angrenzende Karl-Kurz-Areals werden. Ziel der Freiraumentwicklung ist die Etablierung einer robusten, verbindenden Grundstruktur mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten und Nutzungsangeboten. Über ein differenziertes und feingliedriges Wegesystem sollen die einzelnen Räume
miteinander verknüpft und die angrenzenden Stadträume angebunden werden.
03. Neue Architekturen, 'Busdächer'
Zur „Kennzeichnung“ des neuen Mobilitätszentrums wird ein additives Dachsystem aus schirmartigen, miteinander verbundenen Strukturen mit zwei unterschiedlichen Abmessungen vorgeschlagen. Die Größe der Module variiert dabei zwischen 300 x 600 und 600 x 600 Zentimeter. Die Dächer erscheinen dabei als schwebende, abstrakt geometrische Dachkonstruktion.
Die Dächer sind als modulares, integrales System aus eingespannten Stahl-Rundrohrstützen mit Dach-konstruktion aus Stahl-Fachwerkträgern und Dach-/Deckenflächen als gefalteten Dachflächen in V2A konzipiert. Ihre formale Ausbildung zeichnet die neuen Architekturen als Einheit ab und wird zum prägenden Element des neuen Mobilitätszentrums und seiner Funktion als Tor zur Innenstadt.
04. Beleuchtungskonzept
Das gesamte Beleuchtungssystem entlang der Straßen und Platzräume des Bahnhofsareals wird durch Mastleuchten realisiert. Die Lichttechnik basiert dabei auf leistungsstarken und entblendeten LED-Lichtsystemen. Weitere Differenzierungen und Akzentuierungen der primären Grundbeleuchtung werden durch die gezielte Ausleuchtung der Zugänge zum Bahnhof, den Fassaden des Bahnhofgebäudes und der Illuminierung des Atriums erreicht. Die Direktbeleuchtung der Bussteige übernehmen in die Dachuntersichten der Überdachungen integrierte Direktstrahler mit weißer Lichtfarbe. Ziel ist eine angenehme und freundliche Aufenthaltsatmosphäre, in der sich die Wartenden wohl und sicher fühlen.
05. Karl-Kurz-Areal
Prägende Elemente des ehemaligen Industrie- und Gewerbestandorts sind die großen, identitätsstiftenden Bestandsgebäude. Zudem befindet sich das Areal, mit den nord-östlich angrenzenden Gehölzflächen, in einem besonderen landschaftsräumlichen Kontext.
Ziel unseres Entwurfs ist es, ein Quartier mit unterschiedlichen Nutzungen und eigenem Charakter auszubilden. Weiteres städtebauliches Konzept ist das Schaffen einer klaren Raumkante zum angrenzenden, geplanten Parkgelände.
Unser Entwurf nimmt die orthogonale Grundstruktur des Quartiers auf und versucht eine einfache und robuste Struktur zu definieren, die den Zusammenhalt der bestehenden und neuen Stadtbausteine sicherstellen soll. Als ein wesentlicher Stadtbaustein soll das ehemalige Pförtnerhaus zu einem Museum der Geschichte der sogenannten Fassfabrik - K. Kurz Hessental KG - umgebaut werden.
- Verkehrsdrehscheibe und Tor zur Stadt -
> Ausgangssituation
Das Bahnhofsareal in Hessental soll als attraktives Mobilitätszentrum entwickelt und zu einem repräsentativen Tor zur Stadt umgestaltet werden. Der Busverkehr nimmt hierbei durch seine Lage und Funktion in direkter Nähe zum Bahnhof eine wichtige Rolle im städtischen Kontext ein. Durch die neuen Bushaltepunkte und zugeordnete Warteflächen sollen klar ablesbare Verknüpfungen von den Haltepunkten zum Bahnhof, zum Karl-Kurz-Areal und zur Stadt geschaffen werden.
Die derzeitige stadträumliche, gestalterische und verkehrliche Situation nimmt keine Wertung dieser wichtigen Situation vor. Das Bahnhofsareal mit der bestehenden verkehrlichen Infrastruktur und Vernetzung entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Insgesamt stellt sich die derzeitige Situation als heterogener städtischer Raum mit zahlreichen Störungen dar. Klarheit und Orientierung sowie die ablesbare Ordnung des Verkehrs fehlen. Dies ist einerseits eine Einschränkung, andererseits bietet sich die Chance diese Funktionen zum Ausgangspunkt der Gestaltungsidee heranzuziehen.
> Entwurfsstrategie
Dieser Situation Rechnung tragend, schlagen wir eine Weiterführung sowie Präzisierung der vorgefundenen städtebaulichen Ausgangssituation auf Grundlage des vorliegenden verkehrsplanerischen Vorentwurfs vor. Ausgehend von der Analyse des Ist-Zustandes ist ein stadträumliches Konzept zur Neuordnung und Gestaltung des Bahnhofsareals geplant, welches auf den nachfolgenden Grundprinzipien aufbaut. Übergeordnetes Ziel ist es die vorhandenen und geplanten Funktionen zu ordnen und dem Bahnhofsumfeld seiner Bedeutung entsprechende Platz- und Freiraumatmosphären zu geben.
> Zentrenbildung
>> Mobilitätszentrum aus Bahnhof, ÖPNV und MIV
> Komprimierung
>> Bündelung der verkehrlichen Anforderungen auf ein Mindestmaß
> Identifikation
>> Hervorhebung der Eigenständigkeit und Besonderheit der neuen Mobilitätsdrehscheibe durch signifikante ‚neue Architekturen der Überdachungen‘
> Hierarchisierung
>> Räumliche Konzentration und Abstraktion der 'neuen Architekturen' im Kontext des bestehenden historischen Raumkontextes
> Attraktivierung
>> Erhöhung der Aufenthaltsqualität von Straßen- und Platzräumen durch eindeutige Funktionszuordnung und freiraumplanerische Vernetzung
01. Verkehr, freiraumplanerische Vernetzung
Die verkehrliche Situation für den öffentlichen und individual Verkehr wird entsprechend der Auslobungsvorgaben funktional zugeordnet und auf den angegebenen Flächenbedarf gebündelt. Die Bus-Haltestellen sind demzufolge wechselseitig entlang der Karl-Kurz-Str. angeordnet und räumlich und funktional vom Individualverkehr getrennt bzw. als Endhaltestelle im Karl-Kurz-Areal geplant.
Die neuen, großzügigen Wartebereiche und die Wegeverbindungen zwischen den Haltestellen, die fußläufige Verbindung zum Bahnhof, zur Park + Ride Anlage und zu den angrenzenden Freiflächen sind dadurch klar und übersichtlich gestaltet. Die öffentlichen Zufahrten von der Karl-Kurz-Str. werden räumlich dahingehend entzerrt, dass im Bereich des Baumfeldes „West“ die Zufahrt für die bestehenden Stellplätze der DB und Taxis in Einbahnregelung vorgesehen ist. Das bahnhofsbezogene Kurzzeitparken wird kompakt östlich der zentralen Platzfläche angeordnet und über eine neue Zufahrt im Bereich des Baumfeldes „Ost“ erschlossen.
Das Fahrradparken wird an drei Standorten vorgeschlagen. Im Osten als Fahrradstation mit freien Doppelstockpark-Stellplätzen und weiteren Fahrradbügeln entlang der Treppen-/Rampenerschließungsanlage der DB. Im Westen angrenzend an die Stellplätze der DB und südlich der Gleise entlang der Westfassade des Parkdecks.
Die Park + Ride Stellplätze für den ruhenden Verkehr werden südlich der Gleise in einem offenen 2-geschossigen, split-level Parkdeck gebündelt. Im Hinblick auf zukunftssicheres, nachhaltiges und grünes Parken soll die Konstruktion vornehmlich aus Holz erfolgen und die Fassaden als „lebendige“, grüne Fassade ausgeführt werden. Das obere Parkdeck soll seilüberspannt und ebenso begrünt werden.
02. Freiraumplanerisches Konzept
Bewegung und Bewegtheit sind die charakteristischen Merkmale des Ortes. Die unterschiedlichen verkehrlichen Funktionen bestimmen das Geschehen und den Gestaltungsatz zur Zonierung der unterschiedlichen Freiräume entlang der Bahnlinie. Die „Hessental-Plaza“ und ihr Pendant, das „Stadt-Entrée“ auf der gegenüberliegenden Seite der Karl-Kurz-Straße bildet hierbei den zentralen und hochwertigen Platzbereich mit großformatigem Natursteinplattenbelag. Auf den Platzstirnseiten schließen im Westen und Osten zwei baumbestandene Freiräume an. Die lineare und großzügige Durchgrünung der beiden „Funktionsflächen“ im Bereich der Baumfelder erfolgt mit blühenden, herbst(gelb-) färbenden Solitären, alle einzigartig und in Summe bunt. Sie unterstreicht die Organisationsstruktur und gewährleistet eine einfache und eindeutige Orientierung.
Der ruhende Verkehr unter einem grünen Blätterdach wird zum selbstverständlichen Bestandteil der verkehrlichen Infrastrukturen und dem Gestaltungsprinzip. Das Spiel von Licht und Schatten bestimmt die Atmosphäre dieser Stadträume.
In Anlehnung an das benachbarte ehemalige Industrieareal und dem dort verwendeten gängigen Industriebodenbelag schlagen wir für die Platzflächen der „Baumfelder“ und der weiterführenden Gehwege einen flächenhaften Belag aus hellem Betonplattenbelag in grau - gelbgrau - braun Abstufungen vor.
Weiter im Osten bildet der Gedenkhain und der kleine „Platz der Stille“ den angemessenen Übergang zur KZ-Gedenkstätte. Aus Respekt vor der geschichtlichen Bedeutung des Ortes soll das Erscheinungsbild der beiden Freiräume hierbei aufs Elementarste reduziert werden. Der grüne Charakter des Bahnhofsareals, geprägt durch den wertvollen Baumbestand und zahlreiche Baumneupflanzungen, steht im Mittelpunkt unserer Gestaltung. Ziel ist es, im Hinblick auf die ökologischen Aspekte einer klimaangepassten Stadtentwicklung, die Standortbedingungen der Bäume zu optimieren, ausreichend Wurzelraum zu schaffen und Flächen soweit möglich zu entsiegeln und standortgerecht zu unterpflanzen.
Die bestehende Gehölzfläche zwischen Karl-Kurz-Areal und Eberhard-Heim-Str. soll zu einem Quartierspark für die Bewohner Hessentals und das angrenzende Karl-Kurz-Areals werden. Ziel der Freiraumentwicklung ist die Etablierung einer robusten, verbindenden Grundstruktur mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten und Nutzungsangeboten. Über ein differenziertes und feingliedriges Wegesystem sollen die einzelnen Räume
miteinander verknüpft und die angrenzenden Stadträume angebunden werden.
03. Neue Architekturen, 'Busdächer'
Zur „Kennzeichnung“ des neuen Mobilitätszentrums wird ein additives Dachsystem aus schirmartigen, miteinander verbundenen Strukturen mit zwei unterschiedlichen Abmessungen vorgeschlagen. Die Größe der Module variiert dabei zwischen 300 x 600 und 600 x 600 Zentimeter. Die Dächer erscheinen dabei als schwebende, abstrakt geometrische Dachkonstruktion.
Die Dächer sind als modulares, integrales System aus eingespannten Stahl-Rundrohrstützen mit Dach-konstruktion aus Stahl-Fachwerkträgern und Dach-/Deckenflächen als gefalteten Dachflächen in V2A konzipiert. Ihre formale Ausbildung zeichnet die neuen Architekturen als Einheit ab und wird zum prägenden Element des neuen Mobilitätszentrums und seiner Funktion als Tor zur Innenstadt.
04. Beleuchtungskonzept
Das gesamte Beleuchtungssystem entlang der Straßen und Platzräume des Bahnhofsareals wird durch Mastleuchten realisiert. Die Lichttechnik basiert dabei auf leistungsstarken und entblendeten LED-Lichtsystemen. Weitere Differenzierungen und Akzentuierungen der primären Grundbeleuchtung werden durch die gezielte Ausleuchtung der Zugänge zum Bahnhof, den Fassaden des Bahnhofgebäudes und der Illuminierung des Atriums erreicht. Die Direktbeleuchtung der Bussteige übernehmen in die Dachuntersichten der Überdachungen integrierte Direktstrahler mit weißer Lichtfarbe. Ziel ist eine angenehme und freundliche Aufenthaltsatmosphäre, in der sich die Wartenden wohl und sicher fühlen.
Die Fußgängerebene der Haltestellenbereiche ist dadurch in den Nachtstunden als eigenständiger Bereich, gegenüber dem warmweiß ausgeleuchteten Platz- und Straßenbereich, erlebbar.
Prägende Elemente des ehemaligen Industrie- und Gewerbestandorts sind die großen, identitätsstiftenden Bestandsgebäude. Zudem befindet sich das Areal, mit den nord-östlich angrenzenden Gehölzflächen, in einem besonderen landschaftsräumlichen Kontext.
Ziel unseres Entwurfs ist es, ein Quartier mit unterschiedlichen Nutzungen und eigenem Charakter auszubilden. Weiteres städtebauliches Konzept ist das Schaffen einer klaren Raumkante zum angrenzenden, geplanten Parkgelände.
Unser Entwurf nimmt die orthogonale Grundstruktur des Quartiers auf und versucht eine einfache und robuste Struktur zu definieren, die den Zusammenhalt der bestehenden und neuen Stadtbausteine sicherstellen soll. Als ein wesentlicher Stadtbaustein soll das ehemalige Pförtnerhaus zu einem Museum der Geschichte der sogenannten Fassfabrik - K. Kurz Hessental KG - umgebaut werden.
Beurteilung durch das Preisgericht
Eine Besonderheit der Arbeit stellt die Ausbildung eines Bahnhofsplatzes im Zusammenspiel der historischen Bahnhofsgebäude mit der gegenüberliegenden Nordseite dar. Durch die Setzung eines ergänzenden Ärztehauses entsteht ein zusätzlicher Platzteil in Verbindung mit der nördlichen Bushaltestelle und der möglichen Außengastronomienutzung des bestehenden Gasthofes, welcher dennoch eine gute Anbindung in den Freiraum nach Norden bietet und weiter, über eine im Quartier liegende Grünverbindung zum Karl-Kurz-Quartier. Auch hier im Karl-Kurz-Quartier sind die baulichen Ergänzungen im direkten Kontext mit dem Bestand angeordnet, sodass der übrige Hang zu einem Park entwickelt werden kann. Diese Baukörper sind allerdings sehr schematisch gesetzt. Die kleinmaßstäbliche Körnung der Wohnbebauung im Ideenteil wird grundsätzlich als angemessen beurteilt, die Anzahl der im Norden liegenden Quartiersplätze, welchen eine räumliche Orientierung fehlt, wird kritisch gesehen. Der Ersatzbau anstelle der Anbauten am Gasthof Leidig ist so nicht funktionabel.
Das Parkdeck mit seinem Splittlevel im Süden der Bahn ist sinnvoll, allerdings nicht ganz unaufwändig organisiert und stellt mit seinen Rampen und Treppen eine gute Anbindung an Bahnsteig 4 und die Unterführung dar. Gut vorstellbar wäre hier eine zusätzliche Anordnung von Behindertenstellplätzen, einigen Fahrradständern und den E-Ladeplätzen in diesem Bereich, um die nördlichen Flächen zu entlasten. Das neu zu entwickelnde Bahnhofsumfeld wird als relativ gut begrünter und einheitlich mit großen Granitplatten gestalteter Raum entwickelt, der die gewünschten Funktionen gut organisiert integriert. Wünschenswert wäre, auch über die Straße hinweg die gewünschte räumliche Verbindung im Belag ablesen zu können. Kontrovers diskutiert wird, ob die Taxis auf der Westseite zu weit weg liegen und auch die hier geschaffenen Aufenthaltsflächen für fremde Besucher zu dezentral sind. Die Belange der Barrierefreiheit sind gut berücksichtigt.
Zur Optimierung der Aufenthaltsqualität könnten die auch gestalterisch sehr dominanten Fahrradständer entlang der Rampe zugunsten Sitzangeboten reduziert werden. Das dargestellte klare Heranführen des Großgrüns an den zentralen Bahnhofsbereich und demgegenüber Offenhalten im Bereich der räumlichen Verbindung nach Norden stellt eine wichtige, den Gesamtraum ordnende Gestaltung dar. Die Anordnung eines Bäckers am gut frequentierten Aufgang vor der Bahnunterführung ist richtig gewählt, diskutiert wird, ob dennoch eine Integration in das Bahnhofsgebäude wirtschaftlicher wäre und dem Platzbereich mehr Offenheit geben würde. Die vorgeschlagene Stahlfaltung für die erforderlichen Dachflächen stellt eine eigenständige Gestaltung dar, rückt allerdings mit dem Hauptdach im Westen sehr nahe an den denkmalgeschützten Bahnhof.
Fahrradständer, Behindertenstellplätze und Carsharingplätze sind richtigerweise zusammen mit den Bushaltestellen in optimaler Nähe zu den Bahnsteigen angeordnet. Kritisch gesehen wird, dass die Parktasche im Osten mit den abschließenden Senkrechtparkern eine Barriere in Richtung KZ-Gedenkstätte darstellt und als Sackgasse organisiert ist. Der Zugang zur Gedenkstätte wirkt abgehängt und entspricht nicht der gewünschten Aufwertung. Die neugestaltete Fugenbebauung zwischen den Bestandsgebäuden des Bahnhofs wird in ihrer architektonischen Ausbildung kritisch gesehen. Die vorgeschlagenen Nutzungen sind denkbar.
Die relativ konzentrierte Gestaltung und Reduzierung des Granitbelages auf die Platzflächen lässt eine durchschnittliche Wirtschaftlichkeit erwarten. Insgesamt stellt die Arbeit einen vor allem auch im Realisierungsbereich gut organisierten Vorschlag dar, der mit der Realisierung des nördlichen Platzteiles die gewünschte Identität des Mobilitätsknotenpunktes Hessental entwickeln könnte.
©TERRA.NOVA, Julia Kattinger
Blick von der 'Plaza' zum Bahnhof
©TERRA.NOVA, Julia Kattinger
Vogelperspektive
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Lageplan M|500
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Lageplan M|200