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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2025

Neugestaltung Mobilitätsknoten und Bahnhofsumfeld Hessental in Schwäbisch Hall

Hessental

Hessental

2. Preis

Preisgeld: 32.500 EUR

faktorgruen

Landschaftsarchitektur

Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner

Stadtplanung / Städtebau

LINK3D

Visualisierung

Erläuterungstext

Grün vernetzt – die neue Mobilitätsdrehscheibe von Schwäbisch Hall Hessental

Idee und Konzept – Nachhaltige Mobilität als Zukunftsstrategie
Das Bahnhofsareal Hessental wird zur modernen Mobilitätsdrehscheibe mit einer zukunftsfähigen Radinfrastruktur und reduzierter PKW-Nutzung. Der neue Bahnhofsplatz wird durch Begrünung und klimatische Maßnahmen zu einem attraktiven Aufenthaltsort.

Städtebauliches Konzept – Struktur statt Unordnung
Das Bahnhofsumfeld erhält eine klare Gliederung:
  • Eberhard-Heim-Straße: Ergänzung der Einzelhausbebauung.
  • Karl-Kurz-Straße: Urbane Achse mit gemischt genutzten Gebäuden.
  • Karl-Kurz-Areal: Gewerbliche Einbindung ins Stadtbild.
Das Bahnhofsgebäude wird durch Ergänzungsbauten gestärkt, die gesamte Struktur durch verdichtete Bebauung und Freiräume neu definiert. Historische Bezüge schaffen Identität, der Grüne Anger mit Biergarten wird zum zentralen Quartiersraum.

Freiraumvernetzung – Klare Wege, bessere Anbindung
Ein grüner Boulevard verbindet das Bahnhofsareal mit dem Karl-Kurz-Areal. Das Dokumentationszentrum erhält ein markantes Entree, eine neue Unterführung und ein Steg vernetzen das Gebiet mit der Landschaft. Ein Parkhaus dient als grüne Visitenkarte.

Der neue Bahnhofsplatz – Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt
Der Platz um das historische Bahnhofsgebäude wird als zentrale Mitte gestaltet:

  • Einheitlicher Belag aus Naturstein oder Beton-Werkstein.
  • Grüne Inseln mit Sitzmöglichkeiten für Schatten und Klimaregulierung.
  • Verkehr beruhigt auf Tempo 20 (Shared Space).
  • Ein Café belebt den Raum, Bushaltestellen sind übersichtlich angeordnet.

Der neue Bahnhof – Architektur mit Funktion
Die bestehenden Gebäude bleiben erhalten, eine Wartehalle verbindet sie. Ein verglaster Zwischenbau mit Aufzug ermöglicht Barrierefreiheit. Holzlamellen an der Fassade sorgen für Transparenz und ein einheitliches Erscheinungsbild. Die Baukörper sind bewusst monolithisch und skulptural gestaltet.

Materialien und Beläge – Einheitlich, funktional, langlebig
  • Durchgängiger Pflasterbelag aus Naturstein oder Beton-Werkstein.
  • Barrierefrei mit rutschfesten Oberflächen.
  • Verkehrsberuhigung durch optische Gestaltung.

Verkehrskonzept – Multimodale Mobilität
  • Bushaltestellen im Osten, um den Vorplatz als Aufenthaltsraum freizuhalten.
  • Fahrrad-Hub westlich des Bahnhofs für geordnete Stellplätze.

Klima- und Vegetationskonzept – Nachhaltige Kühlung und Wasserhaushalt
  • Grüne Inseln mit hitzeresistenten Bäumen und Pflanzen für Schatten und Regenwassermanagement.
  • Zukunftsfähige Baumarten wie Gleditschien, Amberbaum, Feldahorn, Stadtlinde und Tulpenbaum sorgen für eine freundliche Atmosphäre und Herbstfärbung.
  • Eine unterirdische Zisterne speichert Regenwasser für die Bewässerung.

Beleuchtungskonzept – Stimmungsvolle Akzente
  • Straßenraum mit Mastleuchten strukturiert.
  • Indirekte Beleuchtung des Bahnhofsgebäudes für Präsenz auch bei Nacht.
  • Künstlerische Lichtinszenierung für Dächer, Sitzbereiche und Pflanzenbeete.
  • Moderne LED-Technik mit WLAN-Hotspots für Reisende.

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Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit überzeugt auf den ersten Blick durch ihre klare städtebauliche Struktur und eine ablesbare Grundordnung, die zu einer guten Orientierung und räumlichen Verbesserung im gesamten Wettbewerbsbereich beiträgt. Es besteht eine ausgewogene Balance aus bebauten und grünen Bereichen, die eine angemessene Dichte entstehen lässt.

Bei der konkreten Ausformung der Bebauung im Ideenteil gibt es dagegen Bedenken. So werden die sehr kompakten und geschlossenen Blockrandstrukturen, die sich gleichermaßen im Wohnbereich östlich als auch im Gewerbebereich westlich der Eberhard-Heim-Straße finden, hinsichtlich Körnung, Maßstäblichkeit und Typologie kritisch gesehen.

Auch wäre eine städtebauliche Differenzierung zwischen Wohn- und Gewerbebebauung durchaus vorstellbar. Positiv gesehen wird die stadträumlich gelungene Verbindung zwischen Karl-Kurz-Areal und Bahnhofsbereich durch eine klare, zurückgenommene Raumkante, in der auch ein Café mit Pförtnerhaus an einem grünen Platz gut verortet ist.

Die Parkierungsanlage mit Parkpalette auf der Südseite der Bahnlinie stellt einen maßstäblichen und dem Ort angemessenen Beitrag dar. Durch die Aufteilung der Stellplätze in einer zweigeschossigen Parkpalette und einem offenen Parkplatz bleibt die Überbauung städtebaulich und landschaftlich verträglich und scheint dem Bedarf angemessen.

Die Ausnutzung der Hangsituation durch die geschickte Platzierung des Parkhauses und die damit verbundene höhengleiche Anbindung an den Bahnsteig 4 wird ausdrücklich gewürdigt. Durch einen Aufzug ist die barrierefreie Anbindung an die Unterführung gewährleistet.

Im Realisierungsteil nördlich der Bahnlinie wird eine klare städtebauliche Situation geschaffen, die durch die drei historischen Gebäude – Bahnhof, Gasthof Leidig und östliches Wohngebäude – geprägt wird und folgerichtig gegenüber dem Bahnhofsgebäude eine Grüne Mitte offenlässt, die die vorhandene Obstwiese integriert und eine gute freiräumliche Vernetzung in die nördlichen Entwicklungsbereiche darstellt.

Der vorhandene Höhenunterschied zur Karl-Kurz-Straße wird durch grüne Sitzstufen gestalterisch überzeugend überwunden. Der historische Gasthof Leidig wird dadurch wieder in Wert gesetzt und erhält eine Außengastronomie in bester Lage. Durch eine Hotelerweiterung im Norden kann auch eine gute wirtschaftliche Grundlage für den künftigen Betrieb geschaffen werden. Allerdings darf diese nicht zu Lasten des vorhandenen Küchenanbaus gehen.

Entsprechend dem städtebaulichen Ansatz wird der Bereich nördlich des Bahnhofs als Shared Space ausgebildet und platzartig über die Straße gezogen. Die in der Machbarkeitsstudie hier verorteten Bushaltestellen werden konsequenterweise nach Osten verschoben, wobei hierbei die Funktionalität leicht eingeschränkt wird und überprüft werden müsste.

Die Längsparkplätze werden in Verbindung mit den gegenüberliegenden Senkrechtparkern aufgrund der hohen Verkehrszahlen kritisch gesehen, ebenso wie die dadurch eingeschränkte Durchlässigkeit.

Der Fahrradhub und die Überdachung des DB-Unterführungsbauwerks werden beidseitig des Bahnhofsgebäudes in untergeordneter städtebaulicher und architektonischer Form angeordnet, was aufgrund der Konsequenz der Grundhaltung schlüssig und funktional richtig erscheint.

Den Zwischenbau der Bahnhofszwillingsgebäude in derselben Architektursprache zu gestalten ist dagegen fragwürdig und in Verbindung mit dem verglasten Übergang im 1. OG wenig überzeugend.

Die grundrissliche Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes ist grundsätzlich vorstellbar und stellt mit der Bäckerei im EG einen belebenden Baustein des Bahnhofsumfelds dar.

Der im Osten zusätzliche vorgeschlagene Baukörper mit einem Kulturraum und einem Café stellt eine gute städtebauliche Ergänzung dar und bildet einen gelungenen Auftakt zu einem großzügigen, grünen und verkehrsfreien Vorfeld der KZ-Gedenkstätte, das in extensiver Grüngestaltung auch wirtschaftlich machbar wäre. Kritisch diskutiert wird die große Länge des Grünbereichs in Verbindung mit der Lage des zusätzlichen Kulturgebäudes. Hier wäre eine räumliche Entzerrung zu Gunsten weiterer und günstiger verorteter Stellplätze durchaus vorstellbar.

Insgesamt überzeugt die Arbeit durch ihre klare und gut lesbare Grundstruktur und eine gekonnte und konsequente Gestaltung der Freiräume.
Vogelperspektive

Vogelperspektive

Plan

Plan

Schnitt

Schnitt

Plan 2

Plan 2

Schnitte

Schnitte

Pikto

Pikto