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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2025

Neugestaltung Mobilitätsknoten und Bahnhofsumfeld Hessental in Schwäbisch Hall

3. Preis

Preisgeld: 19.488 EUR

Uniola AG

Landschaftsarchitektur

HPP Architekten GmbH

Stadtplanung / Städtebau

Erläuterungstext

Durch die Neuorganisation der Verkehrsabläufe am Bahnhof Hessental entsteht die Möglichkeit, ein repräsentatives Tor zur Stadt zu schaffen. Der neue Bahnhofplatz wird durch hochwertigen Steinpflasterbelag hervorgehoben und legt den Fokus auf eine effiziente, nutzerfreundliche und barrierefreie Abwicklung der Mobilitätsangebote. Ein Parkdeck im Süden der Gleise schafft im Norden Platz für Erholungsräume. Das Parkdeck fügt sich mit einer holzverkleideten und begrünten Fassade unauffällig in die Umgebung ein und ist über eine Rampe direkt mit der Unterführung des Bahnhofs verbunden.

Das historische Bahnhofsgebäude bleibt das prägende Element des neuen Bahnhofplatzes. Es wird durch eine Schutzdachkonstruktion im Osten ergänzt und erhält mehr Raum und eine angemessene Umgebung. Verkehrsfrei gestaltete Bereiche im Osten und Westen sorgen für eine entspannte Atmosphäre und erhöhte Verkehrssicherheit. Baumbestandene Plätze mit Sitzgelegenheiten und einem Brunnen laden zum Verweilen ein und verkürzen die Wartezeiten. Der Übergang zur KZ-Gedenkstätte Hessental wird sensibel gestaltet, mit direktem Blickbezug vom Bahnhofsgebäude zur Gedenkstätte.

Der Gasthof Leidig wird mit Außengastronomie belebt und erweitert das Angebot des Bahnhofs. Die Obstwiese bleibt größtenteils erhalten und wird durch einen neuen Spielplatz ergänzt. Neue Gebäudevolumen respektieren die bestehenden Bauten und setzen die städtebaulichen Muster fort. Der neue Karl-Kurz-Park bietet einen öffentlichen Freiraum für Bewohner, Arbeitnehmer und Besucher. Die starke Durchgrünung der Siedlungsräume verbessert die Evapotranspiration der Pflanzen und die ökologische Vernetzung. Begrünte Retentionsvolumen helfen bei der Bewältigung des Regenwassers.

Das historische Empfangsgebäude bleibt vollständig erhalten und wird behutsam in die neue Nutzung integriert. Ein neuer Verbindungsbau mit Glasfassade und Holzlisenenkonstruktion verbindet die verschiedenen Nutzungsbereiche und respektiert den Charakter des Altbaus. Der zentrale, geschützte Wartebereich im Erdgeschoss bietet Reisenden eine komfortable Aufenthaltsmöglichkeit. Im ersten Obergeschoss befinden sich ruhige Büroarbeitsplätze, während im Osten des Bestandsgebäudes eine Einzelhandelsfläche für einen Bäcker vorgesehen ist.

Die barrierefreie Zugänglichkeit zu den Obergeschossen erfolgt über einen Aufzug im Verbindungsbau. Die Büroeinheiten in den oberen Etagen sind flexibel gestaltet und bieten Platz für bis zu 22 Arbeitsplätze. Im zweiten Obergeschoss des historischen östlichen Baukörpers wird das Archiv der KZ-Gedenkstätte untergebracht. Das Gesamtprojekt zielt darauf ab, den historischen Charakter des Empfangsgebäudes zu bewahren und gleichzeitig moderne funktionale Anforderungen zu erfüllen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die vorliegende Arbeit besticht durch städtebaulich klare Setzungen. Im Ideenteil wird das dem Bahnhof gegenüberliegende Quartier im nordwestlichen Bereich arrondiert und das Gewerbegebiet maßvoll ergänzt. Die Qualität der 4 Stadtvillen am Übergang zwischen Wohnquartier und Gewerbegebiet wird kontrovers diskutiert, auch wenn diese die topografischen Randbedingungen gut bewältigen können.

Auf der Bahnhofseite besticht der Vorschlag ebenso durch klar abgegrenzte, räumlich differenzierte Setzungen aus mehreren Baumpaketen und der Rampenüberdachung. Das Bahnhofsgebäude ist in gleicher Weise als eines dieser räumlichen Elemente aufgefasst, wodurch es sehr selbstverständlich gelingt, dieses Haus in den neuen Kontext zu integrieren. Die abwechselnd vor- und zurückspringenden Elemente erzeugen einen spannungsvollen Stadtraum, der durch die entstehenden unterschiedlichen Breiten gut auf die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen reagieren kann.

Durch die Verlagerung der nördlichen Bushaltestelle nach Westen schafft die Arbeit einen großzügigen Vorbereich vor dem Bahnhofsgebäude, dessen Potenzial aber sowohl auf der Fläche wie auch im Gestaltvorschlag für das Gegenüber noch nicht vollständig genutzt ist. Im Hinblick auf Orientierung und kurze Wege wird die starke Trennung der Bushalte kritisch diskutiert. Die Anordnung der Funktionen im Bahnhofsbereich ist grundsätzlich richtig, wenngleich die Kurzzeitparkplätze sehr weit vom Bahnhof entfernt sind und ihre Lage die angemessene Ausbildung des Zugangs zur KZ-Gedenkstätte behindert.

Die Ausbildung der Rampenüberdachung auf Basis des DB-Daches wird begrüßt, insbesondere auch wegen der Aufwertung durch die untergehängte Holzbekleidung. Allerdings rückt diese Überdachung zu nahe an das Bestandsgebäude. In diesem Zusammenhang ist auch die Lage des WC-Gebäudes zu hinterfragen, verstellt es doch Weg und Sicht zwischen Bahnhofsgebäude und Gleisanlagen. Auch seine Nähe zur Terrasse beim Bahnhofsbäcker ist, wie überhaupt die Lage und Attraktivität der Terrasse, zweifelhaft.

Die bestehenden Teile des Bahnhofsgebäudes werden unprätentiös umgenutzt, der Vorschlag für den neuen Zwischenbereich ist im Bezug auf dessen Nutzung und auch das gleisseitige, denkmalgeschützte Vordach zu voluminös. Auch eine klare gestalterische Haltung wird hier noch vermisst.

Die Nutzungs- und Gestaltungsvorschläge unter den Baumpaketen, mit Trinkbrunnen, Kneippbecken, Aufenthalt im Schatten, wassergebundener Decke, Regenwasserretention usw., lassen eine hohe Qualität sowohl für die Bürger und Bürgerinnen als auch für das Stadtklima erwarten. Ob die Granitpflasterung der Verkehrsflächen in diesem Umfang angemessen und wirtschaftlich vertretbar ist, wird kritisch diskutiert.

Das im südlichen Bereich angeordnete Parkdeck wirkt sehr massiv und vermag aus der topografischen Situation keinen Nutzen zu ziehen. Die Anbindung von Gleisanlagen und Bahnunterführung scheint die wesentlichen Anforderungen an Barrierefreiheit zu erfüllen, ist jedoch baulich eher aufwändig.

Insgesamt handelt es sich um einen konzeptionell klaren Beitrag, der mit der bestehenden Situation sehr geschickt umzugehen und diese zu integrieren weiß. Auch wenn noch nicht alle Potenziale vollständig gehoben sind, ist dies ein wertvoller Vorschlag für die Zukunft des Bahnhofsumfeldes in Hessental.