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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2026

Neugestaltung Ortsmitte Kaisheim

Eine neue Mitte fĂŒr Kaisheim
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Eine neue Mitte fĂŒr Kaisheim

2. Preis

Preisgeld: 22.000 EUR

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Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Eine neue Mitte fĂŒr Kaisheim
Historisches Kloster in grĂŒnem Gewand

Die Ortsmitte von Kaisheims besticht durch ihre nahezu vollstĂ€ndig erhaltene Klosteranlage als historische Keimzelle des Kernorts, mit dem MĂŒnster, dem Rathaus mit BĂŒrgersaal, den GebĂ€uden der JVA sowie dem Gast- und Kulturhaus ThaddĂ€us als prĂ€gende Wahrzeichen. Diese QualitĂ€ten gilt es wieder stĂ€rker herauszuarbeiten und klar ablesbar zu machen.
Der Gestaltung der beiden PlĂ€tze MĂŒnsterplatz und ThaddĂ€usplatz sowie der verbindenden Wegeachse der Abteisstraße als zusammenhĂ€ngender, klimagerechter und barrierearmer Stadtraum kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Sie bilden das RĂŒckgrat der neuen Ortsmitte von Kaisheim.
Ziel ist es, die bestehenden QualitĂ€ten aufzugreifen und durch ein einheitliches und durchgĂ€ngiges Belagskonzept in eine neue, ganzheitliche Gestaltung fĂŒr den zentralen Bereich der historischen Klosteranlage zu ĂŒberfĂŒhren.
ErgĂ€nzend werden die Bereiche des Zunftweges durch gezielte Maßnahmen nachhaltig zu einem attraktiven und klimagerechten Freiraum weiterentwickelt. Die Pflanzung zusĂ€tzlicher BĂ€ume sowie die barrierearmen Gestaltung der OberflĂ€chen stehen dabei besonders im Fokus. Ein zentrales Thema ist zudem der Umgang mit Regenwasser. Nach dem Prinzip der Schwammstadt wird es zurĂŒckgehalten und als Ressource genutzt – sowohl zur Versorgung der Vegetation als auch in Form von Brunnen und Wasserspielen zur KĂŒhlung in den Sommermonaten. Die Maßnahmen tragen wesentlich zur Verbesserung des Kleinklimas und zur Steigerung der AufenthaltsqualitĂ€t in der Ortsmitte bei.

Freiraumplanerisches und rÀumliches Gesamtkonzept
Der MĂŒnsterplatz sowie der ThaddĂ€usplatz werden unter Bezugnahme auf ihre historische Gestaltung und Funktion zu eigenstĂ€ndigen, markanten PlĂ€tzen weiterentwickelt und erhalten ihren jeweils eigenen Charakter. Der heutige Straßenraum der Abteistraße wird zugunsten eines verkehrsberuhigten Bereichs aufgelöst und zum „GrĂŒnen Boulevard“ als verbindendes RĂŒckgrat der Ortsmitte von Kaisheim umgestaltet.
Die subtilen QualitĂ€ten der rĂŒckwĂ€rtigen Bereiche des Zunftweges werden aufgenommen und als gestalterisches Prinzip weiterentwickelt. Alle Straßen- und PlatzrĂ€ume erhalten eine einheitliche, durchgĂ€ngige OberflĂ€chengestaltung in Anlehnung an die vorhandenen Materialien. Kleine platzartige Aufweitungen schaffen an geeigneten Stellen Raum fĂŒr klimagerechte, soziale Treffpunkte. Locker angeordnete Baumpflanzungen spenden zusĂ€tzlichen Schatten und verbessern das Mikroklima. Der MĂŒnsterplatz wird durch Baumpflanzungen begrĂŒnt, wobei der Blick auf das MĂŒnster als identitĂ€tsstiftendes Bauwerk bewusst freigehalten wird.
Die Entrées zur Ortsmitte werden durch gezielte Baumpflanzungen und Möblierungen neu inszeniert und einladend gestaltet.

Der MĂŒnsterplatz
Der MĂŒnsterplatz wird entsprechend der historischen Vorlage wieder als zentraler, offener und nutzbarer Platz interpretiert. Durch seine OberflĂ€chengestaltung in Form einer wassergebundenen Decke in Verbindung mit einer lockeren Baumpflanzung erhĂ€lt er eine betont grĂŒne Gestaltung bei gleichzeitiger optimaler Benutzbarkeit. An historisch belegter Stelle wird ein Brunnen in Form einer niedrigen Schale angeordnet, dieser kann auch die Figur des Triton aufnehmen. Durch seine offene multifunktionale Gestaltung können hier zukĂŒnftig wieder Feste und Veranstaltungen, wie ein regelmĂ€ĂŸiger Wochenmarkt oder auch der Weihnachtsmarkt stattfinden, ohne die Anfahrbarkeit der angrenzenden PrivatgrundstĂŒcke zu beeintrĂ€chtigen. Rahmende BĂ€nke laden zum Sitzen und Verweilen ein, der Maibaum sowie die Fahnenmasten erhalten ihren wĂŒrdigen Platz.

Der ThaddÀusplatz
Im Gegensatz dazu wird der ThaddĂ€usplatz als grĂŒner Anger mit eher dörflichem Charakter gestaltet. Der ThaddĂ€us erhĂ€lt ein grĂŒn geprĂ€gtes Vorfeld, wobei die Zugangssituation zum Biergarten entsprechend freigehalten und berĂŒcksichtigt wird. Die erforderlichen StellplĂ€tze werden im Bereich der ehemaligen MĂ€lzerei angeordnet, dadurch kann der Vorplatz frei bleiben von Nutzungen. Durch die Öffnung der rĂŒckwĂ€rtigen Gartensituation entsteht eine direkte Blick- und Wegeverbindung zwischen Rathaus und ThaddĂ€us als neue sichtbare QualitĂ€t des Raums. GroßzĂŒgige Sitzstufen lassen den Kaibach erlebbar werden, laden zum Verweilen ein und integrieren den Bach als Teil des ThaddĂ€usplatzes. Ein Trinkbrunnen bildet einen kleinen Schwerpunkt auf dem Paltz und stellt ein touristisches Angebot entlang des Fernwander- und Radweges dar.

„GrĂŒner Boulevard“ Abteistraße - sicherheitsrelevante Aspekte der JVA
Die heute als Straße ausgebildete Abteisstraße wird zum „GrĂŒnen Boulevard“ umgestaltet und als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Die erforderlichen StellplĂ€tze finden im Vorbereich der JVA ihren Platz. Ein durchgehendes grĂŒnes Band mit GrĂ€sern und Stauden verleiht der Abteistraße eine neue AufenthaltsqualitĂ€t als grĂŒn geprĂ€gte Promenade. Niedrige, kleinkronige BĂ€ume erlauben die Ausbildung eines alleeartigen Charakters, bei gleichzeitiger BerĂŒcksichtigung der Sicherheitsbelange der JVA hinsichtlich der Sichtwinkel der Sicherheitskameras. Die privaten Wohnnutzungen erhalten so ihren eigenen Vorbereiche, das Motiv wird sĂŒdlich angrenzend in Form von Aufenthaltsbereichen vor den GebĂ€uden fortgesetzt.

Entreeplatz am Torturm
Der Platz vor dem Torturm wird als bedeutendes EntrĂ©e zur historischen Klosteranlage gestĂ€rkt und neu inszeniert. Durch die einheitliche Gestaltung mit einer durchgĂ€ngigen Pflasterung entsteht eine klare, großzĂŒgige Platzsituation.
Ein markantes Stadtsofa bildet einen zentralen Treffpunkt und Aufenthaltsort. Pflanzungen aus GrÀsern und Wildstauden fördern die BiodiversitÀt und verbessern das Mikroklima.

EntreeplĂ€tze an der Hauptstraße
Entlang der Hauptstraße entstehen zwei weitere kleine EntreeplĂ€tze, die der Ortsmitte von Kaisheim Sichtbarkeit geben und diese mit der Umgebung verzahnen. Kleine PflanzflĂ€chen in Verbindung mit einem Wasserspiel laden zum Verweilen ein. Im Bereich des SchĂŒtzenheims kann durch die Anlage eines neuen Rampenweges entlang des GebĂ€udes eine barrierearme Wegeverbindung zwischen Hauptstraße und Ortsmitte hergestellt werden. Ein bodenbĂŒndiges Wasserspiel in Form eines FontĂ€nenfeldes setzt einen zusĂ€tzlichen Akzent und trĂ€gt durch seine Verdunstung zur KĂŒhlung bei.

Verkehrs- und Parkierungskonzept
Der gesamte Bereich der Ortsmitte wird zum verkehrsberuhigten Bereich umgestaltet. Die Befahrbarkeit fĂŒr Anlieger, Lieferverkehr und mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte Personen bleibt erhalten. Die VerkehrsfĂŒhrung erfolgt ĂŒber die Gestaltung des Querschnitts, etwa durch PlattenbĂ€nder, Möblierungselemente und BegrĂŒnung. Ziel ist dabei eine Reduzierung der VerkehrsflĂ€chen zugunsten der Schaffung von AufenthaltsqualitĂ€t. Durch eine Verlagerung der StellplĂ€tze können die beiden zentralen PlĂ€tze freigehalten werden von Verkehr und Parkierung. Entlang der Abteistraße werden die erforderlichen StellplĂ€tze fĂŒr die JVA entsprechend in Zuordnung zu den EingĂ€ngen nachgewiesen. Die erforderlichen 21 StellplĂ€tze fĂŒr das Rathaus können im Bereich des Zunftweges in unmittelbarer NĂ€he zum Eingang des Rathauses angeordnet werden, lediglich ein Behindertenstellplatz ist auf dem MĂŒnsterpatz verortet.

Klima- und Vegetationskonzept
Die Anpassung an den Klimawandel ist ein zentrales Anliegen der Gestaltung. Der vorhandene Baumbestand wird weitestgehend erhalten und gezielt ergĂ€nzt. Es entsteht ein abwechslungsreiches Zusammenspiel von Licht und Schatten sowie eine differenzierte Abfolge von RĂ€umen. Die Platzbereiche werden durch charaktervolle SolitĂ€rbĂ€ume betont. In Kombination mit Stauden- und GrĂ€serpflanzungen, Sitzkanten und Holzdecks entstehen kĂŒhle Aufenthaltsorte, die auch an heißen Sommertagen hohe AufenthaltsqualitĂ€t bieten.
Bei der Artenwahl wird auf klimaresiliente Baumarten wie Schnurbaum, Linde, Gleditschie, Eiche oder Amberbaum gesetzt. Sie schaffen langfristig ein angenehmes Schattendach und eine einladende AtmosphÀre.

Wasserkonzept
Durch die differenzierte Ausbildung der Straßenquerschnitte wird Regenwasser zunĂ€chst oberflĂ€chig in RetentionsrĂ€umen zurĂŒckgehalten. Über gezielte EinlĂ€ufe wird es anschließend in unterirdische Zisternen und EntlastungskanĂ€le geleitet und zwischengespeichert. Das gesammelte Wasser wird aufbereitet und fĂŒr die BewĂ€sserung der BĂ€ume sowie fĂŒr Wasserspiele genutzt.
Auf den PlĂ€tzen wird Regenwasser ĂŒber wasseroptimierte Baumstandorte direkt der Vegetation zugefĂŒhrt. ÜberschĂŒssiges Wasser kann ĂŒber NotĂŒberlĂ€ufe in die Kanalisation abgefĂŒhrt werden.
Die PlĂ€tze werden durch Brunnen mit Sprudlern und NebeldĂŒsen ergĂ€nzt, die in den Sommermonaten fĂŒr AbkĂŒhlung sorgen. ZusĂ€tzlich werden Trinkbrunnen angeboten.

Materialien und BelĂ€ge – Barrierefreiheit
Der Vorbereich der JVA ist heute schon durch eine Pflasterung in Granitpflaster in unterschiedlichen Formaten geprĂ€gt. Das bestehende Gestaltungsprinzip wird aufgenommen und zur „Kaisheimer Pflasterung“ weiterentwickelt. Ziel ist die Ausbildung eines einheitlichen und durchgĂ€ngigen Pflasterbelags in Form eines wilden Verbandes, in Anlehnung an die vorhandenen Materialien. Die OberflĂ€chen werden gestrahlt oder feingestockt ausgefĂŒhrt, um eine hohe Begehbarkeit und Barrierefreiheit zu gewĂ€hrleisten. Die Farbigkeit orientiert sich an den charakteristischen Beige- und Grautönen. PlattenbĂ€nder dienen sowohl der EntwĂ€sserung als auch als taktiles Leitsystem fĂŒr sehbehinderte Menschen.

Möblierungskonzept
FĂŒr die neue Ortsmitte wird ein einheitliches Möblierungskonzept entwickelt. Es umfasst robuste Sitz-und Aufenthaltselemente aus Holz mit Granitsockeln. ErgĂ€nzend wird eine abgestimmte Sitzbankfamilie aus Stein und Holz vorgeschlagen.

Beleuchtungskonzept
Die Konzeption der Beleuchtung unterstĂŒtzt den Charakter der unterschiedlichen Bereiche. Der „GrĂŒne Boulevard“ erhĂ€lt eine dezente und warme Lichtstimmung in Form von Fassaden- und Mastleuchten. Die beiden PlĂ€tze werden subtil durch den Einsatz von Sonderleuchten akzentuiert, ohne das Gesamtensemble zu stören. Durch eine dezente Anstrahlung einzelner GebĂ€ude und BĂ€ume kann eine warme und angenehme Lichtstimmung erzeugt werden. Die Brunnen und Wasserspiele können mit einzelnen Lichtspots illuminiert werden. Bei der Auswahl der Leuchten wird nicht nur auf eine zeitgemĂ€ĂŸe BestĂŒckung durch LED-Technik geachtet, sondern auch auf verschiedene StromanschlĂŒsse fĂŒr Veranstaltungen sowie WLAN-Hotspots fĂŒr Besuchende.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Einzeldenkmal der Klosterkirche bleibt mit seiner Fassade prĂ€gend und adressbildend. Geschickt gelingt es dem Entwurf die Portalwand weiterhin in den MĂŒnsterplatz hinein wirken zu lassen. Die logische und klare FlĂ€chenzuweisung ist ĂŒberzeugend vorgetragen. Auf vorhandene Bindungen werden passgenaue Antworten formuliert. Mit der Akzeptanz der privaten FreiflĂ€chen gelingt es den Verfassern eine gut proportionierte, baumbestandene Platzintarsie zu etablieren, die hohe AufenthaltsqualitĂ€ten verspricht und Antwort auf den klimatischen Wandel geben wird. Der MĂŒnsterhof bleibt konsequent frei von ruhendem Verkehr. Die Entwurfshaltung, den ehemaligen Ökonomiehof des Klosters dabei nicht ĂŒber zu inszenieren ist gut nachvollziehbar. Der dem GĂ€stehaus vorgelagerte Fußweg ist geschickt und angemessen. Vom GrĂŒnflĂ€chenband begleitet ist die Privatheit des GĂ€stehauses gewahrt und die Vorgaben der Feuerwehr zur Personenrettung mit dem Abstand Fahrbahn-Hausfassade gut eingehalten. Der Versuch einen rĂ€umlichen Abschluss der Abteistraße durch dichte Baumkulisse zu schaffen, geht stark auf Kosten des ThaddĂ€us, denn seine stadtrĂ€umlich wertvolle Wirkung des Giebels wird ohne Not geopfert. Der gut inszenierte stĂ€dtebauliche Dialog zwischen Torturm und Anstaltstor funktioniert. Die an den QuartierseingĂ€ngen gut positionierten, baumbestandenen AdressplĂ€tze sind ein wichtiger Wettbewerbsbeitrag.

Dass die „hintersten Ecken“ fĂŒr den ruhenden Verkehr angesteuert werden, ist kritisch zu werten. Die Organisation von ParkplĂ€tzen vor der KFZ-Werkstatt erscheint dagegen im Arbeitsalltag sinnvoll. Durch die hĂ€ufig gewĂ€hlte Senkrechtaufstellung gehen wertvolle FlĂ€chen verloren. Dem Abriss des Kesselhauses StellplĂ€tze folgen zu lassen, gleicht einem stĂ€dtebaulichen Ausverkauf. Die BrunnenflĂ€che am MĂŒnsterplatz ist angemessen. Der „GrĂŒne Anger“ genannte ThaddĂ€usplatz ist unstrukturiert.

Insgesamt gelingt es der Arbeit zahlreiche qualitÀtvolle Aufenthaltsbereiche zu generieren, die stets in Kombination mit sinnvoll gewÀhlten Baumstandorten ihre Wirkung entfalten.

Die Arbeit ist ein pragmatischer, und besonders im Bereich des MĂŒnsterplatzes alltagstauglicher Lösungsvorschlag der im wirtschaftlichen Kostenrahmen realisierbar ist.
Eine neue Mitte fĂŒr Kaisheim

Eine neue Mitte fĂŒr Kaisheim

Lageplan Kaisheim

Lageplan Kaisheim

Beleuchtungskonzept Kaisheim

Beleuchtungskonzept Kaisheim