modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 01/2026

Neugestaltung Ravensberger Park in Bielefeld

Perspektive - Wasserspiel am Alten Kessel
5

Perspektive - Wasserspiel am Alten Kessel

ein 3. Preis

Preisgeld: 18.000 EUR

Lex Kerfers_Landschaftsarchitekten und Stadtplaner GbR

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Die gleichzeitige Erlebbarkeit der Epochen und ihrer Zeugnisse ist ein wesentliches Merkmal des Ravensberger Parks. UnabhĂ€ngig von der Entstehungszeit weisen die Parkteile unterschiedliche QualitĂ€ten auf und somit auch unterschiedlichen Handlungsbedarf. Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen von punktuellen Interventionen bis zur Neugestaltung von Bereichen insbesondere im Ostteil des Parks. Die Leitlinie fĂŒr uns ist: „Neue QualitĂ€ten schaffen ohne die Spuren der Vergangenheit zu verwischen – aus alten Symbolen werden durch Transformation neue Funktionen generiert“.

Entsprechend dem Zustand der Parkteile werden die PrioritÀten/Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt:

Rochedale-Park
Die historische Grundstruktur wird nicht verĂ€ndert. Durch eine neue Nutzung des ehem. Betriebsleiterwohnhauses als Kunst-Werkstatt bzw. Atelier können Synergieeffekte mit der VHS und dem Park als Ausstellungsraum genutzt werden. Im Bereich der „Kantine“ erinnert eine „Lange Tafel“ und ein Wasserbecken mit Trinkbrunnen an die ehemalige Nutzung und bildet zugleich einen attraktiven „Vorraum“. Das Kunstwerk „51,25 Grad“ von Manfred Schnell wird am Platz vor dem ehemaligen Portal neu verortet.

Zentraler Bereich „Spinnereiplatz“
Die Gestaltung des Platzes wird erhalten und durch das HinzufĂŒgen weniger neuer Elemente aufgewertet und an die KlimaverĂ€nderungen angepasst. Ein bodenbĂŒndiges DĂŒsenfeld mit Spritz- bzw. NebeldĂŒsen nimmt BezĂŒge zur Rolle des Wassers beim Verarbeitungsprozess in der Spinnerei auf und ist nun ein attraktives Spielelement mit positivem Effekt auf das Kleinklima - ebenso wie die ergĂ€nzenden Baumpflanzungen. FĂŒr den Freibereich des Kinos wird ein temporĂ€r aufbaubares StĂŒtzensystem vorgeschlagen, das mit SprĂŒhdĂŒsen bestickt werden kann und als Tragstruktur fĂŒr eine textile Schattierung und als Seitenwand zum historischen Garten dient.

Veranstaltungsplatz
Die nutzbare FlĂ€che bleibt in gleicher GrĂ¶ĂŸe erhalten. Die „ExperimentierflĂ€che“ fĂŒr das Naturkundemuseum kann im Bedarfsfall mit genutzt werden. ErgĂ€nzende Baumpflanzungen und ein strapazierfĂ€higer Schotterrasen als OberflĂ€che wirken der sommerlichen Überhitzung entgegen. Bei der Gliederung mit wassergebunden Wegen wird auf die Geometrie der frĂŒheren GartenflĂ€chen Bezug genommen. Im östlichen Teil am Übergang zum Park und Platz am Wasserturm bietet sich aufgrund der guten Erreichbarkeit fĂŒr Rad- und Anlieferung eine saisonale Bespielung der FlĂ€che mit Gastroangeboten, mobiler BĂŒhne etc. an. Der Wasserturm wird freigelegt und wird zum „Wahrzeichen“ des sĂŒdlichen Eingangsbereichs. Das interaktive Wasserspiel mit kommunizierenden Röhren veranschaulicht das Prinzip des Wasserturms. Zudem wird hier ein Trinkwasserbrunnen verortet.

Der historische Garten bleibt ohne Eingriffe. Der neue Eingangsbereich im SĂŒden wird gemeinsam mit der Aufwertung der Wegeverbindung nach Osten an PrĂ€senz gewinnen.

Ostpark
Der Duktus des „Landschaftsparks“ wird aufgenommen und dessen QualitĂ€t als grĂŒne Oase in der Stadt durch ergĂ€nzende Baumpflanzungen an den RĂ€ndern noch verstĂ€rkt. WĂ€hrend der westliche Bereich als Ruhezone eher kontemplativen Charakter hat, soll im Umfeld der Parkgarage ein attraktiver Aufenthaltsbereich mit vielfĂ€ltigen AktivitĂ€ten fĂŒr Kinder, Familien und Senioren entstehen. Dieser macht zum einen wertvollen Freiraum fĂŒr die angrenzenden Nutzungen und Bewohner verfĂŒgbar und kann einen Imagewandel des bisher als problematisch wahrgenommenen Umfelds der Parkgarage ins Positive bewirken. Die neu hinzukommende Nord-SĂŒd-Wegeverbindung und der Anschluss an die Bleichstrasse verstĂ€rken die Frequenz und soziale Kontrolle. Der neu gestaltete Sammler- und Verteilerplatz nördlich der Garage wird zu einem Treffpunkt, der Transitraum zum Aufenthaltsbereich. Im nördlichen Bereich schließen eine Spiel- und Liegewiese sowie sportliche Angebote und Bereiche zum gemeinsamen GĂ€rtnern an; im Westen der Garage soll sich der neue Spielplatz, der mit Motiven der „Spinnerei“ als gestaltbildenden Elementen arbeitet, zu einem neuen Magnet fĂŒr Familien entwickeln. „SpindeltĂŒrme“ mit unterschiedlichen Höhen und Spielfunktionen prĂ€gen das Areal mit Herausforderungen fĂŒr Kleinkinder und vor allem Kinder im Schulalter. Dieser Bereich sollte aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz vor den punktuellen Maßnahmen in den anderen Parkteilen umgesetzt werden.

Zugangsbereiche
Alle Zugangsbereiche werden mit smarten Infopunkten ausgestattet. Die abstrahierte Form einer Spindel markiert sie als wiederkehrendes Element.

Zur Eröffnung des Sicherheitsempfindens sollten vorab die ersten Maßnahmen umgesetzt werden: Die historischen Mauern sollen freigelegt werden und dichtes Strauchwerk an Wegen und Mauern durch Stauden-GrĂ€ser-Pflanzungen bzw. RasenflĂ€chen ersetzt werden.
Schnitthecken an den ParkrĂ€ndern sollen eine Höhe von 1,20m nicht ĂŒberschreiten, um den Sichtkontakt zu ermöglichen. Im Ostteil des Parks soll eine neue Wegeverbindung mit Parkzugang am „Ostblock“ eingefĂŒhrt werden um hier die Frequenz und soziale Kontrolle zu erhöhen. Alle Hauptwege im Park sollen engmaschig mit Mastaufsatzleuchten ausgeleuchtet sein ggf. in Verbindung mit Bewegungssteuerung.

Beleuchtung
Als Sicherheitsbeleuchtung werden entlang der Hauptwege Mastaufsatzleuchten in AbstÀnden von ca. 16 m mit einer Lichtpunkthöhe von 3,5 bis 4,5 m vorgeschlagen, ggf. mit Bewegungsmeldern gekoppelt. Lichtinszenierungen sollten den ikonischen historischen GebÀuden wie dem Fabrikschloss mit Kamin und den Resten der ehemaligen Torbauten vorbehalten sein sowie den Raumkanten um den zentralen Platz. Der neu konzipierte Platz am nördlichen Zugang zum Parkdeck kann durch LichtbÀnder an den Sitzringen eine zusÀtzliche Markierung erhalten.

Beurteilung durch das Preisgericht

Unter dem Leitmotiv „Neue QualitĂ€ten schaffen, ohne die Spuren der Vergangenheit zu verwischen" nĂ€hern sich die Verfassenden mit einer sympathisch zurĂŒckhaltenden, ruhigen Hand der Aufwertung des Areals.
Die QualitĂ€ten des Bestands werden dabei angemessen gewĂŒrdigt. Schwachstellen sind richtig erkannt und strukturell stimmig weiterentwickelt und ergĂ€nzt. Mit bemerkenswert klarem Blick wird der Wert der Eingangssituationen mit Zuwegung, Vorplatz, Toreffekt und nachfolgendem inneren Platz erkannt. Wenngleich eine genauere verkehrliche Betrachtung sicherlich noch Diskussionspotential besitzt, so inszeniert die Arbeit an den richtigen Stellen mit geeigneten Mitteln und in angemessener Dimension attraktiv den Übergang aus der Stadt in den Park.
Der Vorschlag zeigt damit in bemerkenswerter Weise, dass nicht nur der Bereich hinter der Mauer, sondern auch der Weg vor der und durch die Mauer fĂŒr den Park und seine Besucher von hohem Wert sind.

Durch eine behutsame Sanierung unter Wahrung seiner tradierten Elemente und der mittigen Setzung eines belebenden FontÀnenfeldes
wird das Forum attraktiv in Wert gesetzt. Der Kinobereich erhÀlt mit grazilen Beschattungselementen eine reizvolle rÀumliche Aufwertung, die eine Bespielung an sonnigen Tagen deutlich erleichtern wird.
Der Festplatz wird durch GroßgrĂŒn flankiert und rĂ€umlich gut gefasst,
wenngleich die Baumsetzungen den Übergang nach Norden noch zu sehr verstellen. Auf dem Eventplatz wird ein Geflecht aus Wegen und Schotterrasen ausgelegt, was aus der FußgĂ€ngerperspektive ein interessant changierend grĂŒnes Bild erzeugt. Dies dĂŒrfte die gewĂŒnschte visuelle GrĂŒnverbindung zwischen den Parkteilen sichern und zugleich die besonderen Funktionen der Eventnutzung gewĂ€hrleisten.

Die Setzung von thematischen Schwerpunkten im östlichen Park ist rĂ€umlich und von dem grundsĂ€tzlichen Thema gut nachvollziehbar. Im Detail jedoch erscheinen die vorgeschlagenen Elemente in SinnfĂ€lligkeit, Platzierung, Dimension und Durcharbeitung oft unreflektiert und lassen den fĂŒr den Ort erhofften besonderen Esprit noch vermissen.

Auch wenn die Durcharbeitung im Detail noch viele WĂŒnsche und Antworten offenlĂ€sst, so entwickelt die Arbeit durch ihre bestandsorientierte Herleitung und strukturell gute Weiterentwicklung einen wichtigen Beitrag fĂŒr die vorliegende Aufgabe. Der besondere Wert des Beitrags liegt dabei insbesondere in der funktionellen Aufwertung und gestalterischen Inszenierung der Zugangssituation in den Park.
Lageplan M 1:500

Lageplan M 1:500

Storyboard - Spuren der Vergangenheit

Storyboard - Spuren der Vergangenheit

Lageplan M 1:200

Lageplan M 1:200

Piktogramm Trittsteine

Piktogramm Trittsteine