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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2025

Neugestaltung Schulcampus Mühlenberg in Wipperfürth

Rendering

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3. Preis

Preisgeld: 23.175 EUR

sehw architektur

Architektur

SCHÖNHERR Landschaftsarchitekten PartmbB (ehem. herrburg LA)

Landschaftsarchitektur

hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH

Brandschutzplanung

Erläuterungstext

Erläuterungstext

Der neue Schulcampus Mühlenberg in Wipperfürth wird als integrativer Bildungsort für zwei eigenständige Schulen geplant: die Hermann-Voss-Realschule und die Konrad-Adenauer-Hauptschule. Beide Einrichtungen erhalten ihre eigenen Schulhäuser, die jeweils unabhängig voneinander funktionieren, sich jedoch durch einen zentralen Gemeinschaftsbereich mit den gemeinsam genutzten Funktionen ergänzen. Die architektonische Setzung folgt dabei einer klaren Gliederung des Gebäudeensembles in vier kompakte Baukörper, die sich entlang des Bergkamms aufreihen und städtebaulich verträgliche Volumen bilden. Der Schulcampus erhält damit eine einladende und übersichtliche Wirkung, die einem zeitgemäßen Lern- und Lebensort entspricht.
Die Baukörper sind in ihrer Anordnung auf die topografischen Gegebenheiten abgestimmt. Das Grundstück weist ein starkes Gefälle auf, das gezielt in die Planung einbezogen wurde. Das Gartengeschoss gräbt sich in den Hang ein, während die Höhenstaffelung der Gebäude dem natürlichen Verlauf des Geländes folgt. So entsteht eine harmonische Einbindung in den Kontext. Die Orientierung der Baukörper nach Süden eröffnet eine weite Sicht ins Tal und ermöglicht zugleich eine optimale natürliche Belichtung. Der quadratische Vorplatz, von der Ostlandstraße aus erschlossen, bildet den zentralen Zugangspunkt. Von hier aus werden alle Gebäudeteile erschlossen: der Zugang zu den Gemeinschaftsbereichen mit Forum und Aula liegen vis-a-vis der Ostlandstraße, während sich rechts und links Zugänge zu den beiden Schulen mit jeweils eigenem Foyer anschließen.
Das verkehrliche Erschließungskonzept ist auf einen autofreien Campus ausgerichtet. Sämtliche Pkw-Stellplätze liegen außerhalb des eigentlichen Campusbereichs entlang der Straße Am Mühlenberg. Fußgänger*innen erreichen die Schule sowohl über die Ostlandstraße mit den zentralen Haupteingängen sowie über die Schulhöfe im Süden, die im Gartengeschossniveau an die Gebäudeinterne Erschließung angeschlossen sind.

Im Zentrum des Campus liegt der Gemeinschaftsbaukörper, in dem Forum, Aula, Mensa sowie Räume für den Ganztag und den Musikunterricht sowie weitere Fachräume untergebracht sind. Der zentrale Haupteingang, der von allen Schüler*innen alternativ genutzt werden kann, führt direkt in diesen Bereich. An diesen Gemeinschaftsbereich schließen sich die beiden Schulhäuser an, die jeweils über ein eigenes Foyer erschlossen werden. Diese bilden eine Pufferzone zwischen gemeinschaftlich und schulintern genutzten Bereichen. In unmittelbarer Nähe zum Eingang befindet sich jeweils der Verwaltungsbereich der Schulen, wodurch kurze Wege und eine intuitive Orientierung für Besucher*innen gewährleistet sind. Zwischen den drei Hauptbaukörpern lockern transparente Fugen das Gebäudeensemble auf und ermöglichen Durchblicke vom Vorplatz zum Hof. Sie sind mit Terrassen und Außentreppen ausgestattet, die eine direkte Verbindung zum Gartengeschoss sowie zum auf dem Gemeinschaftsgebäude gelegenen Dachspielfeld mit Ballfangzaun ermöglichen.
Die interne Erschließung des Campus erfolgt über drei Haupttreppenhäuser – jeweils eines pro Schulbereich und eines im Gemeinschaftsbereich. Dadurch entsteht eine klare, übersichtliche Struktur, die der intuitiven Orientierung dient. Die Aula und das Forum können vom übrigen Schulbetrieb getrennt werden, wodurch räumlich begrenzt auch externe Nutzungen ermöglicht werden, ohne die gesamte Schule zugänglich zu machen. Dank des eigenen Zugangs und in Verbindung mit dem repräsentativen Vorplatz sind verschiedenste Veranstaltungen denkbar.
Die Organisation der beiden Schulen folgt einem identischen Clustermodell. In der Hauptschule befinden sich jeweils zwei Cluster pro Geschoss, in der Realschule vier pro Ebene. Zwei Cluster gruppieren sich jeweils um einen gemeinsamen Innenhof, der neben der natürlichen Belichtung für wechselseitige Blickbeziehungen im Gebäude sorgt. Die Clustermitte gliedert sich in zwei Teilbereiche: Dem Zugangsbereich exponiert angegliedert ist die große Clustermitte, während die kleine Clustermitte als ruhiger Rückzugsort im rückwärtigen Bereich des Clusters verortet ist. Dazwischen befinden sich die Teamstationen, die sich durch mobile Wandelemente flexibel zu beiden Bereichen hinzuschalten lassen. Zwischen den Unterrichtsräumen liegen Differenzierungsräume, die zu den Clustermitten je nach pädagogischem Bedarf hinzugeschaltet werden können. Jedes Cluster verfügt zudem über eigene Sanitäranlagen und Lagerflächen, was eine hohe funktionale Unabhängigkeit ermöglicht.
Im Gartengeschoss befinden sich die Fachunterrichtsräume. Dieses Geschoss ist an der Nordseite eingegraben und öffnet sich großzügig nach Osten, Süden und Westen, wodurch trotz der Hanglage eine sehr gute natürliche Belichtung erzielt wird. Die Erschließung erfolgt über eine zentrale Verbindungsachse, die sich vom internen Treppenhaus der Hauptschule bis zu jenem der Realschule erstreckt. Entlang dieser Achse sind großzügige Aufenthalts- und Kommunikationsbereiche angeordnet, sodass eine Entzerrung der Schülerströme möglich wird. In unmittelbarer Nähe zur breiten Sitztreppe, die das Forum mit dem Gartengeschoss verbindet, befindet sich die Mensa mit Außenterrasse und einer Anlieferungsmöglichkeit für die Küche. Getrennt von den gemeinschaftlichen Nutzungen befinden sich im Gartengeschoss auch interne Bereiche innerhalb der jeweiligen Schulen. Hier sind spezifische Fachräume untergebracht, die nicht gemeinsam genutzt werden, wie etwa die naturwissenschaftlichen Räume für Biologie und Physik oder die Lehrküche der KAH. Hangseitig belichten die Innenhöfe das Gartengeschoss. In diesen Zonen befinden sich vornehmlich Lager und Nebenraumzonen.


Beurteilung durch das Preisgericht

Das Preisgericht würdigt den städtebaulichen Ansatz, beiden Schulen jeweils eine eigene und gleichwertige Adresse zuzuweisen. Die klar voneinander abgegrenzten Eingangsbereiche erzeugen bei gleichzeitig gemeinsamem Auftritt eine überzeugende Präsenz im Stadtraum. Das Raumprogramm ist kompakt und effizient organisiert. Die Grundrisse erscheinen gut durchdacht, die Clusterkonzepte sind funktional und in ihrer inneren Organisation schlüssig. Die eingesteckten Lichthöfe tragen zur Belichtung der Innenbereiche bei und werden grundsätzlich positiv beurteilt, wenngleich ihre Dimensionierung überprüft werden sollte. Die beabsichtigte Tragstruktur lässt eine flexible Nachnutzung zu und wird daher als zukunftsfähig beurteilt. Die Arbeit überzeugt durch ihre klare Adressbildung, die funktional schlüssige Clusterorganisation und den innovativen Umgang mit gemeinschaftlich genutzten Flächen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Preisgericht würdigt den städtebaulichen Ansatz, beiden Schulen jeweils eine eigene und gleichwertige Adresse zuzuweisen. Die klar voneinander abgegrenzten Eingangsbereiche erzeugen bei gleichzeitig gemeinsamem Auftritt eine überzeugende Präsenz im Stadtraum.

Das Raumprogramm ist kompakt und effizient organisiert. Die Grundrisse erscheinen gut durchdacht, die Clusterkonzepte sind funktional und in ihrer inneren Organisation schlüssig. Die eingesteckten Lichthöfe tragen zur Belichtung der Innenbereiche bei und werden grundsätzlich positiv beurteilt, wenngleich ihre Dimensionierung überprüft werden sollte.

Die Anordnung der Sportfläche auf dem Dach des Gemeinschaftsbaus wird einerseits gewürdigt. Diese Lösung schafft eine gleichwertige Zugänglichkeit für beide Schulen. Gleichwohl wird kritisch angemerkt, dass eine Nutzung dieser Fläche während der Pausen mit Blick auf Aufsichtserfordernisse und Sicherheit nur schwer umsetzbar erscheint. Zudem sind Wartung und Instandhaltung aufgrund der Höhenlage mit erhöhtem Aufwand verbunden.

Kritisch gesehen wird die Ausdehnung des Gebäudes mit hohem Flächenverbrauch bei geringer Höhe. Im Gartengeschoss führen große Distanzen zwischen den Fachräumen zu funktionalen Nachteilen.

Im Erdgeschoss ist die Orientierung nicht optimal; insbesondere die Auffindbarkeit der Treppen erschwert die Wegeführung innerhalb des Gebäudes. Die Aula ist im Zusammenspiel mit dem Forum geplant. Ohne Zuschaltung des Forums wirken jedoch sowohl die Proportionen als auch die Belichtung der Aula unzureichend.

Die beabsichtigte Tragstruktur lässt eine flexible Nachnutzung zu und wird daher als zukunftsfähig beurteilt. Die dargestellte Holzbauweise erscheint jedoch konstruktiv nicht schlüssig und wirft Fragen hinsichtlich Realisierbarkeit und Dauerhaftigkeit auf. Die vorgesehenen Technikflächen sind zu knapp bemessen.

Die Errichtungs- und Lebenszykluskosten liegen im mittleren bis unteren Bereich, die Nutzungskosten erscheinen angemessen. Die technische Nutzungsdauer einzelner Materialien ist zu hinterfragen.

Bezüglich der Umsetzung der vorgeschlagenen bauabschnittsweisen Realisierung wird die Machbarkeit der geplanten Bauabschnitte innerhalb eines Gebäudes kritisch gesehen.

Brandschutztechnisch überschreiten die Lernbereiche die zulässige Größe und sind nur mit Kompensationsmaßnahmen oder erhöhtem Aufwand zu trennen. Deckenöffnungen, etwa im Bereich der Sitztreppe, sind nicht abgeschottet. Die Entrauchung des Forums ist aufgrund der vollständigen Überbauung und der fehlenden Anbindung an eine Fassade technisch aufwendig.

Die Arbeit überzeugt durch ihre klare Adressbildung, die funktional schlüssige Clusterorganisation und den innovativen Umgang mit gemeinschaftlich genutzten Flächen. Einzelne funktionale und technischer Schwächen mindern jedoch die Qualität des Gesamtkonzepts.
Lageplan

Lageplan

Modell

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